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Rezension zu
Die Brillenmacherin

Gottes Wort schenkt den Durchblick

Von: Henrik Mohn
07.08.2020

Wir schreiben das Jahr 1387. In England ist der Kampf um die Glaubensfreiheit entbrannt. Vereinzelt kommen Teile der Bibel in englischer Übersetzung unter das Volk. Das versucht die katholische Geistlichkeit zu verhindern. Titus Müller, Mitglied des Pen-Clubs und ausgezeichnet mit dem C. S. Lewis-Preis und Sir Walter-Scott-Preis, nimmt seine Leser in „Die Brillenmacherin“ mit in den Strudel der Auseinandersetzung hinein. „England im Jahr 1387. Die Kunst des Brillenmachens beherrschen nur wenige Meister. Als Herren über die Sehkraft haben sie großen Einfluss. Um den Geheimbund der Bedeckten Ritter zu zerschlagen, die für Vernunft und Wissenschaft kämpfen und den vogelfreien Bibelübersetzer Hereford verstecken, will sich der Erzbischof von Canterbury diese Macht zunutze machen. Doch Elias Rowe, der beste Brillenmacher weit und breit, will ihn nicht unterstützen und muss sterben. Um den Mörder zu finden, eignet sich die junge Witwe nun sein Handwerk an. Noch ahnt Catherine Rowe nicht, dass sie das Pfand in einem blutigen Krieg ist.“ (Verlagtext) Mit seinem dritten Buch schlägt der Autor eher leise statt laute Töne an. Einfühlsam, behutsam und ausdrucksstark nimmt Müller seine Leser mit ins mittelalterliche England. Die Kunst des Brillenmachens ist allerdings nach den ersten Seiten schon erläutert und es schließt sich der Kampf um die christliche Glaubensfreiheit an. Das was Deutschland im 16. Jahrhundert durch die Reformation erlebte, passierte in England schon zwei Jahrhunderte zuvor: die Bibel in der Landessprache lesen können. Faszinierende Einblicke in die Glaubenskriege und -kämpfe des historischen Englands vermittelt Müller in seiner sprachlichen Gewandtheit. So ist die Bereitschaft der sogenannten Ketzer für die Wahrheit zu sterben, und ihr Wunsch Gottes Wort in einer für alle verständlichen Sprache weiterzugeben, dem Leser eindrücklich und intensiv vor Augen gemalt. Allerdings muss man zu Beginn sehr aufpassen, um die Flut an Namen zu bewältigen. Die einzelnen Charaktere sind vielschichtig angelegt. Die Handlung ist kurzweilig und spannend, wobei die Protagonistin des Öfteren mit vielen Windungen zurechtkommen muss. Hier wäre weniger mehr gewesen. Gelungen ist die Darstellung der Gebräuche und Sitten des 14. Jahrhunderts wie zum Beispiel die mühselige Herstellung einer Brille oder die Belagerung einer Burg. Dadurch kann sich der Leser Schauplätze und Personen bildlich vorzustellen. Auch die Herausstellung der christlichen Botschaft und der Frage: Worum es beim Glauben geht?, reihen sich gut in den historischen Rahmen der Erzählung ein. Dabei ist Müller nie aufdringlich, aber verzichtet nicht auf pointierte Hinweise. „Die Bibel lässt keine Zweifel offen. […] Der Tod, Catherine, ist der Triumph Satans. Er ist die Strafe für unseren Fall für unsere Abkehr von Gott. Der Böse hat uns dazu verführt, und wir sind ihm gefolgt. […] Der Tod ist unsere Schande, aber auch unsere Hoffnung. Denn Christus hat ihn genommen und mit ihm den Feind besiegt“. Insgesamt liegt ein gut recherchierter historischer Roman vor, der das damalige Zeitgeschehen in bildhafter Schreibweise, dichter Atmosphäre und greifbarer Lebendigkeit fesselnd und unterhaltend darstellt. Rund um die reale Figur des John Wycliff, der die Bibel aus dem Lateinischen ins Englische übersetzte, schreibt Müller mit der fiktiven Figur Catherine Rowe einen packenden Roman um Macht und Intrige. Dieser bietet alles, was man sich von einem genretypischen Werk erwarten darf. Mehr Rezensionen unter www.lesendglauben.de