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Rezension zu
Der unsichtbare Freund

Himmel und Hölle

Von: ulrike rabe
08.06.2020

„Christopher war siebeneinhalb Jahre alt.“ Ein ganz neues Leben will Kate Reese mit ihrem Sohn Christopher anfangen. Auf der Flucht vor ihrem schlägernden Freund Jerry lässt sie sich in der Kleinstadt Mill Grove nieder. Sie findet Arbeit im örtlichen Altenheim, für Christopher beginnt ein neuer Schulalltag. Doch dann verschwindet Christopher eines Tages nach der Schule. „Sechs. Tage. Lang. Blieb. Christopher. Verschwunden.“ Danach ist nichts mehr wie es vorher war. Plötzlich schient alles gut zu werden, Träume werden wahr. Doch der Schein trügt und aus Träumen werden Alpträume. Denn in Mill Grove schlummert das wahrlich Böse. „Der unsichtbare Freund“ ist ein Roman des amerikanischen Schriftstellers Stephen Chbosky. Zu großem Dank für die Inspiration ist der Autor seinem Namens- und Autorenkollegen Stephen King verpflichtet. Kings Einfluss ist deutlich spürbar, das Konzept des Buchs ähnelt in vieler Hinsicht so manchem Meisterwerk des Königs. Es steht ein Kind im Vordergrund der Geschehnisse, der kleine Christopher Reese. Der Junge, der aufgrund eines einschneidenden Erlebnisses plötzlich ein Wissender wird. Nicht nur die Schulaufgaben, mit denen er sich immer plagte, gehen plötzlich fehlerfrei von der Hand. Er beginnt die Menschen zu erkennen, weiß von ihren geheimen Sehnsüchten, ihren verwerflichsten Verfehlungen, ihren größten Ängsten. „…woher er das alles wusste…..darauf gab es nur eine ehrliche Antwort: Das hat mit mein unsichtbarer Freund verraten.“ Christopher ist nicht der einzige Fall dieser Art in Mill Grove. Schon vor 50 Jahren erlitt der kleine Daniel Olson ein ähnliches Schicksal. Denn das Böse, dass im Missionswald, dem kleinen Stadtwäldchen lauert, Kreaturen einer Fantasiewelt, die wie mit einem Einwegspiegel in die reale Welt sehen können, versuchen immer und immer wieder, Oberhand zu gewinnen. Doch Christopher setzt Himmel und Hölle in Bewegung, für das Gute zu kämpfen. Sprichwörtlich. Seine Mitstreiter im Guten sind so archetypisch wie amerikanisch: die Mutter, der Veteran, der Sheriff. Stephen Chbosky packt den Leser mit dieser opulenten Story. Er spielt mit Worten und Bildern. Dass der Autor seine Wurzeln im Film hat, merkt man in jeder Szene. Der unsichtbare Freund ist ein großartiger Mystery Thriller, lehrt einen das Gruseln, ist rasant und spannend. Und denkt man sich das ganze metaphysische Drumherum weg, bleibt immer noch ein scharf gestellter Blick in so manche menschliche Abgründe, Nöte und Hoffnungen.