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Rezension zu
Schlaf schön, solange du noch kannst

Ein insgesamt sehr lesenswertes Buch

Von: Annette Traks
01.10.2019

Die Mittdreißigerin Gemma Brogan hat viel Zeit und Kraft investiert, um sich als Immobilienmaklerin zu etablieren. Ihr Ehemann war bis zur Geburt des kleinen Rory vor 3 Jahren im IT-Bereich tätig. Da er aber ohnehin eine Veränderung wünschte, hat er seinen Beruf aufgegeben und ist jetzt mit Hingabe Hausmann. Gemma macht ihre Tätigkeit zwar viel Freude, jedoch wächst ihr die Arbeit über den Kopf, und sie bedauert zutiefst, nicht mehr Zeit mit ihrer Familie verbringen zu können. Doch in Anbetracht der schwächelnden Immobilien-Branche, kann sie es sich als Alleinverdienerin nicht leisten, kürzerzutreten oder mehr Personal einzustellen – zumal ihr Mann nicht im Entferntesten die Absicht hat, wieder ins Berufsleben einzusteigen. Im Gegenteil: Er schmiedet private Zukunftspläne, mit denen Gemma sich allerdings nicht anfreunden kann. Dankbar für eine Auszeit, nimmt sie die Einladung zu einem Wochenend-seminar in einem Londoner Hotel an. Zu ihrem Erstaunen trifft sie im Foyer gleich am ersten Abend ihren charmanten Kunden David Sanderson, der sich ebenfalls geschäftlich dort aufhält. Sie essen gemeinsam, es fließt reichlich Alkohol, während sie sich angeregt unterhalten, und schließlich bringt David Sanderson die betrunkene Frau zu ihrem Zimmer. Am nächsten Morgen hat Gemma einen fürchterlichen Kater und kann sich an nichts mehr erinnern, derweil David offensichtlich verschwunden ist. Zurück im Alltag, bekommt die Maklerin plötzlich verstörende Fotos von besagter Nacht und suspekte WhatsApp-Nachrichten. Sie gerät immer mehr in Bedrängnis und wird schließlich wieder mit einem 15 Jahre zurückliegenden traumatischen Ereignis konfrontiert. Resümee: Im 1. Teil des Buches werden zunächst Gemmas private und berufliche Situation beschrieben; man erfährt von ihren Problemen, Wünschen und Sehnsüchten. Später folgt die Schilderung der Ereignisse an dem verhängnisvollen Abend im Londoner Hotel. Dieser gesamte Part ist geprägt von sehr vielen inhaltlichen, zum Teil wörtlichen Wiederholungen. Mag sein, dass sie Gemmas Gedankenkarussel darstellen sollen, das sich immer wieder um ihre sie belastende berufliche und private Situation und die Ereignisse der Nacht im Hotel dreht. Aber es nervte zunehmend, zumal die Handlung anfangs nur dahinplätscherte. Erst ab der Hälfte dieses Teils – bei ca. 25 % des Buches, etwa 120 Print-seiten – kam ein wenig Spannung auf. Ganz anders der 2. Teil: Hier wechseln die Erzählperspektiven zwischen Gemma und ihrer Mitarbeiterin Rachel, und die Handlung nimmt immer mehr Fahrt auf, wird immer dramatischer, bis sie zum Schluss in einem wahren Showdown endet. Hier trifft die Bezeichnung „Psychothriller“ absolut zu. Zwischendrin gibt es einige Wendungen, bei denen der Leser die Luft anhält und hofft, dass Gemma psychisch und physisch unbeschadet aus dem Fall herauskommt. So manches Mal habe ich gedacht: „Oh nein, das darf doch nicht wahr sein!“ Man fragt sich immer wieder, welches Ziel David Sanderson verfolgt, wo sein Motiv liegt, aber auch, welche Rolle Gemmas Mann und ihre Mitarbeiter spielen, ob es vielleicht sogar Verbindungen zwischen den Akteuren gibt. Fazit: trotz des vergleichsweise schwachen Anfangs ein insgesamt sehr lesenswertes Buch.