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Jenny Kleeman

Roboterland

Wie wir morgen lieben, leben, essen und sterben werden

Paperback
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Willkommen in Roboterland? In ihrem eindrucksvollen Debüt nimmt uns die britische Journalistin und Dokumentarfilmerin Jenny Kleeman mit auf eine faszinierende Reise in die Welt von morgen – die schon heute entsteht. Die technische Entwicklung wird bald alle Bereiche unseres Lebens komplett verändern: wie wir geboren werden, essen, Sex haben und sterben. Kleeman trifft die Entwickler von Sexrobotern, von Organen und Fleisch aus dem 3D-Drucker und von künstlichen Gebärmüttern. Hautnah beobachtet sie, wie High-Tech-Erfindungen unseren Alltag erobern. Was macht diese radikale Veränderung mit uns? Werden wir in Roboterland noch menschlich sein? Eine hochspannende Live-Reportage aus den Labors unserer Zukunft, in denen die Grenzen des uns Bekannten radikal verschoben werden.


DEUTSCHE ERSTAUSGABE
Aus dem Englischen von Petra Pyka
Originaltitel: Sex Robots & Vegan Meat: The People Changing Birth, Food, Sex & Death For Ever
Originalverlag: Picador/Pan Macmillan
Paperback , Klappenbroschur, 416 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-442-31601-4
Erschienen am  10. May 2021
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Rezensionen

havetoreads

Von: havetoreads

08.10.2021

Wie wir morgen lieben, leben, essen und sterben werden Inhalt: Kleeman gewährt uns einen Blick in die Zukunft und stellt neben innovativen Erfindungen die damit einhergehenden Gefahren dar. Das Buch ist in vier Kapitel aufgeteilt, was dem Untertitel des Buches sehr gerecht wird: Wie wir lieben/essen/uns fortpflanzen/sterben werden. Grosse Konzerne arbeiten bereits an menschenähnlichen Sexpuppen, welche einen menschlichen Partner oder eine menschliche Partnerin auch auf emotionaler Eben ersetzen sollen, damit Einsame glücklicher werden oder zumindest alle Menschen ihre Sexualität ausleben können. Doch die Objektivierung und Herabsetzung der Frau und ihrer Rolle scheint nur Kleeman aufzufallen, da die meisten Puppen «weiblich» sind. Darauffolgend erzählt sie von dem sogenanntem «sauberen Fleisch», also Fleisch, das im Labor gezüchtet wurde, wozu vorgängig nur eine Stammzelle des jeweiligen Tieres entnommen werden musste – ohne es zu töten! Fleischverzehr ohne schlechtes Gewissen, so könnte man meinen. «Ja, sauberes Fleisch könnte das Übergangsprodukt sein, das es uns abgewöhnt, Tiere zu töten – wie Sexroboter das Methadon für Pädophile sein können. Es könnte die Sucht aber nur in die Länge ziehen und unsere Grundversorgung von gesichtslosen Multis abhängig machen» (S. 211). Ebenfalls im Labor sollen schon bald menschliche Babys hergestellt werden können. Kinder kriegen, ohne schwanger zu werden. Das käme vielen Menschen zugute: Frauen müssten ihre Jobs nicht aufgeben oder auch schwule Paare können Kinder kriegen. Bereits heute können Föten danke dieser fortschrittlichen Wissenschaft gerettet werden. Und obwohl die Herstellung eines Fötus von Grund auf noch nicht möglich ist, kritisiert die Autorin, wie auch hier die Frau ihrer Natur und damit einhergehend ihrer Macht beraubt wird. «Doch der Preis für die Gleichstellung wird der Verzicht auf einen ganz grundlegenden Machtbereich sein – den einzigen, in dem Männer bisher stets eine untergeordnete Rolle gespielt haben» (S. 313). Das letzte Kapitel behandelt, wie Menschen selbstbestimmt sterben können, indem sie Ort und Zeitpunkt selbst wählen können. Dies gibt es schon heute, vor allem in der Schweiz ist dies gesetzlich erlaubt. Oft sind es von Alter oder Krankheit geplagte Menschen, die zu Exit gehen, immer mehr aber auch junge gesunde Menschen. Werden wir künftig in einen HighTech-Sarg steigen und einen Knopf drücken? «Wenn wir zulassen, dass Essen, Sex, Geburt und Tod an Maschinen ausgelagert werden, um uns die Illusion von Kontrolle zu verschaffen, riskieren wir, unsere Empathie, unsere Unzulänglichkeiten, unsere Handlungsfreiheit und die Kontingenz unseres Daseins zu verlieren» (S. 399). Kommentar: Das Buch liest sich wie eine Reportage mit dokumentarischen Elementen. Kleeman nimmt die Leserschaft mit auf eine Reise, und trotzdem handelt es sich um ein Sachbuch, in welchem sie ihre Gespräche und ihre Eindrücke festhält. Ich habe sehr viel gelernt und einen breiten Blick in die jeweiligen Themen erhalten. Obwohl viele dieser Erfindungen schon heute umgesetzt werden, habe ich mir bisher nur wenige Gedanken darüber gemacht und war mir den möglichen (schrecklichen) Folgen nicht bewusst. Der Schreibstil war einfach und angenehm zu lesen, jedoch waren mir manche Kapitel etwas zu lang (z.B. das Fleisch-Kapitel). Am Schreibstil und Aufbau gibt es ansonsten nicht zu bemängeln, doch inhaltlich habe ich Kleinigkeiten zu kritisieren: Gerade im Kapitel «Wie wir sterben werden» schildert Kleeman es so, als ob es ein Leichtes wäre in die Schweiz zu fliegen und von Exit Gebrauch zu machen. Der professionelle Aufbau der Organisation und die vorherigen Kontrollen, Absprachen usw. werden dort aussenvor gelassen, weshalb die Szenerie etwas überspitzt dargestellt wurde. Ich kritisiere zudem, wie sehr Kleeman die Männer angreift, besonders im Kapitel «Wie wir uns fortpflanzen werden». Denn alle Erfindungen stammen von Männern und die Autorin kritisiert deren Gewinn- und Ruhmorientierung. Dies ist natürlich erlaubt, aber alle Männer in einen Topf zu werfen, fand ich dann doch etwas unreflektiert. Trotz allem ist dieses Buch eine echte Leseempfehlung! Ich würde es nochmals lesen, obwohl es nicht zu den Jahreshighlights gehört. Ziemlich genau 400 Seiten (ca. 100 Seiten pro Thema) voller Innovation, Leistungsdruck, Ideen, aber auch Entmenschlichung.

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Geballter Inhalt mit geballten Fäusten

Von: JennyRosaleen

12.09.2021

Lebensechte Sexroboter mit KI, Chicken Nuggets aus der Petrischale, Babys aus Plastikbeuteln und Selbstmordmaschinen aus dem 3D Drucker. Technischen Innovationen dieser Art sollen in Zukunft eine immer größere Rolle für den Menschen spielen und können Grundlegendes verändern. Die Journalistin Jenny Kleemann geht diesen Innovationen mit einer kritischen Grundhaltung auf die Spur und spricht mit den Menschen, die hinter ihnen stehen. Das Buch ist in vier Kapitel unterteilt, die sich jeweils einem der Themenbereiche widmen und einen detaillierten Einblick in den aktuellen Entwicklungsstand, das Potential und die Gefahren dieser neuen Techniken. Sie spricht dazu sowohl deren mit Gründer:innen als auch mit den Nutzer:innen, im Fall der Sexroboter spricht sie sogar mit ihnen selbst. Inhaltlich ist das Buch wirklich sehr stark vollgepackt, ich konnte es daher auch nicht am Stück lesen, sondern nur sehr langsam und mit längeren Pausen. In jedem einzelnen Kapitel werden so viele Daten und Fakten, dass das Lesen auf lange Zeit etwas ermüdend sein, auch weil die Kapitel ziemlich lang und komplex sind. Durch die Themen und den Wechsel zwischen Interviews, Daten und Meinung, bleibt das Buch in seinem Schreibstil zwar spannend aber in der Länge und Informationsdichte wird es für mich an manchen Stellen sehr langatmig. Was mich erstmal grundsätzlich angesprochen hat, ist die kritische Haltung, mit der die Autorin an die Dinge herangeht und die Fragen, die sie stellt. Sie bringt die feministische Debatte in eine männerdominierte Branche, die im Endeffekt mehr Frauen zu betreffen scheint. Kleeman wirft immer wieder ethische Fragen auf und diskutiert die Folgen dieser technischen Innovationen für die Menschheit. Damit bleibt sie aber auf das binäre Konzept beschränkt und gegendert wird auch nicht wirklich, was aber auch an der Überetzung liegen kann. Die äußerliche Gestaltung des Buches gefällt mir persönlich gar nicht, allein vom Cover und dem Titel hätte es mich erstmal überhaupt nicht angesprochen. Die Farben sind zu stechend und kontrastarm, dadurch kann man den Klappentext auch nur mit Anstrengung wirklich gut lesen. Es handelt sich bei Roboterland nicht um ein nüchtern dokumentierendes Sachbuch, sondern eher um eine essayistische Reportage. Ich finde es grundsätzlich gut und wichtig auch bei Sachbüchern Thematiken nicht einfach nüchtern darzustellen, sondern kritisch von mehreren Seiten zu bleeuchten und die Leser*innen zum eigenen Nachdenken anzuregen. Hier hatte ich persönlich aber das Gefühl, die Autorin würde mir ihre Meinung nahezu aufdrängen und bietet nicht genug Raum, mir meine eigene bilden. Außerdem waren mir einige Formulierungen zu wertend und ihre Herangehensweise zu voreingenommen. Diese skeptische Grundhaltung war mir an vielen Stellen zu dominant. Die Meinung der Autorin wird den Leser*innen so präsentiert, dass sie diese vorgefertigt übernehmen können, ja scheinbar sogar sollen. Das war teilweise sehr nervig und störend, da ich mir gerne erstmal selbst einen Eindruck von den Dingen mache, ohne lautstark von Autor*innenmeinungen beschallt zu werden. „Technik entmenschlicht uns.“ So lautet am Ende Kleemans These und diese kritische distanzierte Haltung zieht sich durch das ganze Buch. All die technischen Erfindungen erscheinen als Lösungen für Probleme, die widerrum aber erst durch die Technik selbst geschaffen wurden. Sie packen das Problem nicht an der Wurzel, sondern sind nur Ausweichmethoden auf eine nächste technische Größe, die den Menschen immer mehr von sich selbst entfremden und ihm seiner Verantwortung entziehen. Kleeman sieht die Lösung im Menschen selbst, der sich verändern muss, um die Probleme selbst zu lösen, statt auf die Macht der Technik zu vertrauen. Denn auch hinter diesen scheinbar menschenfreundlichen Innovationen stecken Menschen, die nicht immer nur das Beste für alle wollen, sondern mit Egoismus und Profitgier an die Sache herangehen. Mit ihrem Buch hat Kleeman deutlich gemacht, welche ethischen Dilemma und Problematiken die technischen Innovationen nur verstecken und teilweise verstärken, statt sie grundsätzlich zu lösen.

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Vita

JENNY KLEEMAN ist eine preisgekrönte Journalistin und Filmemacherin. Sie studierte in Cambridge Politik und Sozialwissenschaften und reist auf der Suche nach spannenden Geschichten und Persönlichkeiten um die Welt. Kleeman lebt in London und schreibt unter anderem für den Guardian, The Times und The Sunday Times. Für BBC und Channel 4 hat sie diverse TV-Sendungen gemacht.

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