DAS Erziehungsbuch des Jahres

In einer Welt, in der ein pädagogisches Überangebot die Norm ist, führt uns »Kindern mehr zutrauen« zu den Ursprüngen der Kindererziehung. Bei indigenen Völkern findet die erfolgreiche amerikanische Journalistin Michaeleen Doucleff Antworten auf Fragen, die uns moderne Theorien oft nicht bieten.

Nach der Geburt ihrer Tochter Rosy hatte Doucleff zahlreiche Erziehungsratgeber gelesen, die ihr jedoch nicht weiterhalfen. Bei der Recherche zu einem anderen Thema stieß sie auf Studien über Verhaltensweisen indigener Völker und fragte sich, wie die Kindererziehung dort aussieht und was wir von ihnen lernen können. Sie beschloss also, zusammen mit der dreijährigen Rosy einige Monate bei den Mayas, den Hazdas und den Inuits zu verbringen.

Herausgekommen ist nicht nur ein faszinierender Bericht über ihre Erlebnisse dort, sondern ebenso eine alltagstaugliche Lebenshilfe mit zahlreichen Tipps, die auf unsere moderne Welt übertragbar sind. Doucleff verrät uns die oftmals erstaunlichen Erziehungsgeheimnisse dieser alten Kulturen und zeigt, wie auch wir unsere Kinder natürlich, gelassen und stressfrei begleiten können und wie aus kleinen Menschen selbstbewusste und selbstbestimmte große werden.

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Michaeleen Doucleff
© Simone Anne

Dr. Michaeleen Doucleff hat in Berkeley an der University of California Chemie studiert. Sie hat viele Jahre als Redakteurin für Cell, eines der renommiertesten Wissenschaftsmagazine gearbeitet. Als Radio Korrespondentin hat sie Preise gewonnen, und sie ist auf NPR (National Public Radio) eine der bekanntesten Blogger*innen. Zahlreiche ihrer Artikel mit gesundheitlichen und pädagogischen Inhalten entwickelten sich auf NPR zu viralen Hits und erreichen dort ein Millionenpublikum. Die Chefredakteurin von NPR, Vikki Valentine, sagt über Doucleff: »Michaeleen schreibt nicht über neue Paradigmen, sondern sie schafft neue.«

Jetzt reinlesen - Prolog

Ich erinnere mich noch gut an den Augenblick, in dem ich als Mutter an meinem absoluten Tiefpunkt angekommen war.
Es war fünf Uhr früh an einem frostigen Dezembermorgen. Ich lag im Bett und trug dasselbe Sweatshirt wie am Tag zuvor. Meine Haare hatte ich mir schon seit Tagen nicht mehr gewaschen.
Draußen war der Himmel noch immer dunkelblau, die Straßenlaternen leuchteten noch immer gelb. Drinnen herrschte in unserem Haus eine gespenstische Stille. Alles, was ich hören konnte, war unsere Deutsche Schäferhündin Mango, die auf dem Boden unter dem Bett atmete. Alle schliefen, nur ich nicht. Ich war hellwach.
Ich bereitete mich auf die kommende Schlacht vor, ging wieder und wieder im Kopf durch, was ich bei der nächsten Begegnung mit dem Feind tun würde. Was werde ich tun, wenn sie mich wieder haut? Wenn sie mich schlägt? Mich tritt? Oder beißt?
Es klingt furchtbar, meine Tochter den »Feind« zu nennen. Gott weiß, dass ich sie über alles liebe. Und in vielerlei Hinsicht ist sie eine wundervolle kleine Person. Sie ist blitzgescheit, unglaublich mutig und so stark wie ein Ochse, sowohl körperlich als auch mental. Wenn Rosy auf dem Spielplatz hinfällt, steht sie einfach wieder auf. Ohne Geschrei, ohne Heulerei.
Und habe ich schon erwähnt, wie sie duftet? Ich liebe ihren Duft, vor allem den ganz oben auf dem Kopf. Wenn ich für das National Public Radio (NPR) auf Reportage bin, ist ihr Duft das, was ich am meisten vermisse, ihr Duft nach Honig, Lilien und feuchter Erde.
Dieser süße Duft ist betörend. Und irreführend. In Rosys Bauch lodert ein Feuer, ein unkontrollierbares Feuer. Dieses Feuer treibt sie an, lässt sie mit wilder Entschlossenheit durch die Welt marschieren. Oder, wie es eine Freundin einmal ausgedrückt hat: Sie zerstört Welten.
Als Säugling hat Rosy viel geschrien, jeden Abend, stundenlang. »Wenn sie nicht gerade trinkt oder schläft, schreit sie«, erzählte mein Mann voller Panik der Kinderärztin. Die zuckte mit den Schultern. Offensichtlich war ihr das alles nicht neu. »Na ja, sie ist ein Baby«, sagte sie dann.
An jenem stillen Dezembermorgen war Rosy drei Jahre alt, und das Schreien hatte sich in Tobsuchtsanfälle und wahre Sturzbäche an elterlicher Beschimpfung verwandelt. Wann immer sie einen Trotzanfall hatte und ich sie auf den Arm nahm, schlug sie mir ins Gesicht. An manchen Tagen verließ ich das Haus mit einem feuerroten Handabdruck auf der Wange. Das tat weh.
Ich lag also im Bett und gestand mir endlich eine schmerzhafte Wahrheit ein: Zwischen Rosy und mir baute sich eine Mauer auf. Ich fürchtete mich mittlerweile vor der Zeit mit ihr, weil ich Angst davor hatte, was passieren würde: dass ich die Beherrschung verlieren würde (schon wieder), dass ich sie zum Weinen bringen würde (schon wieder), dass ich ihr Verhalten nur schlimmer machen würde (schon wieder). Und deshalb fürchtete ich, Rosy und ich würden Feinde werden.
Ich bin in einem Haus voll Wut aufgewachsen. Schreien, Türen zuknallen, sogar mit Schuhen nach anderen werfen – das waren alles grundlegende Kommunikationsmittel für meine Eltern, meine drei Geschwister und mich. Aus diesem Grund habe ich auch auf Rosys Tobsuchtsanfälle zuerst so reagiert, wie meine Eltern mich behandelt hatten: mit einer Mischung aus Zorn, Strenge und manchmal lauten, angsteinflößenden Worten. Doch dieser Schuss ging nach hinten los: Dann nämlich machte Rosy einen Buckel, kreischte wie ein Greifvogel und warf sich auf den Boden. Davon einmal abgesehen wollte ich es besser machen als meine Eltern. Ich wollte, dass Rosy in einer friedlichen Umgebung aufwuchs, ich wollte ihr Kommunikationsmöglichkeiten beibringen, die produktiver waren, als jemandem einen Doc Marten an den Kopf zu donnern.
Also konsultierte ich Dr. Google und erklärte »autoritär« zur »optimalen Erziehungsmethode«, um Rosys Tobsuchtsanfälle in den Griff zu bekommen. Anscheinend bedeutete autoritär, »hart« zu bleiben, dabei aber »nicht böse« zu sein. Ich versuchte mich an diesem Balanceakt, muss aber wohl irgendetwas falsch gemacht haben, weil ich mit der autoritären Herangehensweise immer wieder scheiterte. Rosy wusste, dass ich noch wütend war, und so gerieten wir aufs Neue in den Teufelskreis. Meine Wut machte ihr Verhalten schlimmer, was mich wiederum wütender machte. Irgendwann wurden ihre Tobsuchtsanfälle dann richtiggehend gefährlich. Sie biss, schlug um sich, rannte durchs Haus und stieß Möbel um.
Selbst die einfachste Aufgabe – sich beispielsweise morgens für den Kindergarten fertig zu machen – artete regelmäßig in eine heftige Auseinandersetzung aus. »Würdest du dir jetzt bitte einfach die Schuhe anziehen?«, bettelte ich zum fünften Mal. »Nein!«, schrie sie zur Antwort, um sich anschließend auch noch das Kleid und die Unterwäsche vom Leib zu reißen.
An einem Morgen fühlte ich mich so schlecht, dass ich mich in der Küche vor das Spülbecken kniete und lautlos in den Unterschrank brüllte: Warum ist das immer so ein Kampf? Warum hört sie nicht? Was mache ich falsch?
Um ehrlich zu sein, hatte ich keine Ahnung, wie ich mit Rosy umgehen sollte. Ich wusste nicht, wie ich ihren Tobsuchtsanfällen ein Ende setzen sollte, ganz zu schweigen davon, wie ich ihr beibringen sollte, ein guter Mensch zu sein – ein gütiger, hilfsbereiter Mensch, der sich Gedanken um andere Menschen macht.
Um noch ehrlicher zu sein: Ich wusste nicht, wie man eine gute Mutter ist. Nie zuvor war ich so schlecht in etwas gewesen, worin ich so gut sein wollte. Nie zuvor war die Kluft zwischen meinem tatsächlichen Können und dem Niveau an Können, das ich anstrebte, so vernichtend groß gewesen.
Und so lag ich in diesen frühen Morgenstunden im Bett und fürchtete mich vor dem Augenblick, in dem meine Tochter – das geliebte Kind, das ich mir so viele Jahre lang sehnlichst gewünscht hatte – aufwachte. Lag da und zermarterte mir das Hirn auf der Suche nach einer Möglichkeit, Zugang zu einer kleinen Person zu finden, die häufig wie eine rasende Irre wirkte. Auf der Suche nach einer Möglichkeit, dem Chaos, das ich angerichtet hatte, zu entkommen.
Ich fühlte mich verloren. Ich war müde. Ich war ohne jede Hoffnung. Beim Blick in die Zukunft sah ich ewig dasselbe: Rosy und ich, in konstantem Kampf ineinander verbissen, wobei sie im Laufe der Zeit nur größer und stärker wurde.
Doch das ist nicht geschehen, und dieses Buch erzählt von dem unerwarteten und tiefgreifenden Wandel, der sich in unserem Leben ereignete. Er begann mit einer Reise nach Mexiko, wo ein Erlebnis, das mir die Augen öffnete, zu anderen Reisen in andere Ecken der Welt führte – jedes Mal mit Rosy an meiner Seite. Unterwegs begegnete ich einigen außergewöhnlichen Müttern und Vätern die mir großzügigerweise unglaublich viel über das Erziehen beibrachten. Diese Frauen und Männer zeigten mir nicht nur, wie ich Rosys Tobsuchtsanfälle zähmen, sondern auch, wie ich mit ihr sprechen konnte, ohne zu schreien, ohne zu nörgeln oder zu bestrafen – eine Kommunikation, die das Selbstvertrauen des Kindes stärkt, statt zu Spannungen und Konflikten mit den Eltern zu führen. Und was vielleicht am wichtigsten ist: Ich lernte, wie ich Rosy beibringen konnte, mir, ihrer Familie und ihren Freunden gegenüber freundlich und großzügig zu sein. Und das alles war teilweise deswegen möglich, weil diese Mütter und Väter mir gezeigt hatten, auf ganz neue Weise gütig und liebevoll zu meinem Kind zu sein.
Oder, wie die Inuit-Mutter Elizabeth Tegumiar an unserem letzten Tag in der Arktis zu mir sagte: »Ich glaube, du weißt jetzt besser, wie du mit ihr umgehen sollst.« Das weiß ich wirklich.

Pressestimmen

»Doucleff hat nicht nur außerordentlich gründlich recherchiert, sie legt auch großen Wert darauf, den Gegenstand ihrer Recherche nicht als fossilartige Kuriosität erscheinen zu lassen. Die Familien in ihrem Buch sind moderne Familien, die an unschätzbar wertvollen und wahrscheinlich zigtausend Jahre alten Erziehungsmethoden festgehalten haben.«
The Atlantic

»Doucleff ergänzt ihren anschaulichen Bericht einer Reise, die sie und ihre drei Jahre alte Tochter Rosy zum Studium der dortigen Erziehungsmethoden in ›entlegene Ecken der Welt‹ geführt hat, durch ganz konkrete und praktische Anleitungen für Eltern. Die Zusammenfassung am Ende eines jeden Kapitels bietet weitere wertvolle Tipps. Wer sich als Mutter oder Vater von Doucleffs Neugier nicht anstecken und von ihren Ratschlägen nicht ermutigen lässt, ist selbst schuld.«
Publishers Weekly

»Das Buch steckt voller leicht verständlicher und praktischer Informationen und Geschichten, die Eltern dabei helfen können, sich den heutigen Erziehungsherausforderungen zu stellen.«
Jamie Herndon, Book Riot

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