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Die Kaufhaus-Saga von Marie Lacrosse: Historischer Hintergrund

Über die Entstehung der Warenhäuser

Die Prinzipien einer neuen Kauf- und Kaufhauskultur, wie sie Émile Zola schon im Jahr 1883 in seinem Roman „Paradies der Damen“ beschrieb, wurden im Deutschen Reich erst ein Jahrzehnt später umgesetzt. Das heute noch existierende Kaufhaus Au Bon Marché, das Zola als Vorlage diente, hatte in Paris damals schon längst den Übergang vom ehemaligen Kleinkrämerladen zum eleganten Warenhaus vollzogen.
Ab der Mitte der 1890er Jahre folgten auch die ersten deutschen Kaufleute diesen Prinzipien. In Berlin waren dies zunächst vor allem Oscar Tietz und Georg Wertheim, die ihre Geschäfte vom unbedeutenden Einzelhändler in der Provinz zum mächtigen Warenhauskonzern entwickelten. Ihnen folgte Adolf Jandorf, der Gründer des KaDeWe, auf dem Fuße.
Zu den neuen Prinzipien gehörten unter anderem feste Preise für alle Waren, anstelle des vorher üblichen Feilschens, und sofortige Bezahlung, anstatt die Ware anschreiben zu lassen.
Vorteile für die Kundschaft gab es natürlich auch: Niemand war schon beim Betreten eines Geschäfts zu einem Kauf verpflichtet. Man konnte bereits gekaufte Ware umtauschen oder sogar gegen Erstattung des Kaufpreises zurückgeben.
Der Hauptvorteil für die Käufer*innen lag jedoch in den im Vergleich zu früher viel günstigeren Preisen der Ware. Sie wurden durch die Bestellung größerer Mengen und den damit höheren Umsatz in den Geschäften möglich, der die wesentlich geringere Gewinnmarge mehr als wettmachte.
Meine weibliche Hauptfigur Rieke Krause beginnt als kleines Kassenmädchen aus ärmlichen Verhältnissen im KaDeWe. Ihre Laufbahn ist der maximal möglichen Karriere einer Verkäuferin zu Beginn des 20. Jahrhunderts nachgestellt: Durch Ehrgeiz und Fleiß erklimmt Rieke eine Stufe nach der anderen und steigt schließlich zur höchsten, für Frauen möglichen Position in einem Warenhaus der damaligen Zeit auf: der sogenannten „Aufsichtsdame“. Das war die Vorgesetzte einer Abteilung, in Riekes Fall sogar die der renommierten Damenkonfektion.

Über den Werdegang von Adolf Jandorf und die Ursprünge des KaDeWe

Adolf Jandorf wuchs im kleinen Dorf Hengstfeld im Hohenloher Land als zweitältester Sohn einer bäuerlichen Familie auf. Anders als seine späteren Mitbewerber Georg Wertheim und Oscar Tietz begann er seine Laufbahn nicht in einem eigenen kleinen Laden in der Provinz.
Nach seiner kaufmännischen Lehre verbrachte er als blutjunger Mann stattdessen ein ganzes Jahr in den USA, wo er sich in New York als Verkäufer durchschlug und die großen Warenhäuser studierte. Allein das ist schon erstaunlich genug für einen jüdischen Bauernjungen aus Württemberg, der wahrscheinlich nie ein Gymnasium besucht hatte.
Als typischer Selfmademan setzte Adolf Jandorf seine Karriere nach seiner Rückkehr nach Deutschland unbeirrt fort. Er trat als Verkäufer in eine Filiale der Firma M.J. Emden und Söhne in Bremerhaven ein. In kürzester Zeit erwarb er sich dort so viel Vertrauen, dass der Firmenchef Jakob Emden dem erst 22-Jährigen die Gründung seiner ersten Berliner Filiale anvertraute.
Dabei ging Jandorf ein großes Wagnis ein. Er eröffnete diese Filiale am Spittelmarkt nämlich nicht unter dem Namen des Firmeneigners, sondern unter seinem eigenen. Auch dass dieser kühne Coup letztlich erfolgreich war, ist erstaunlich: Denn der große Krach, der unweigerlich folgte, ging zu Jandorfs Gunsten aus. Schon kurze Zeit später kaufte er der Firma Emden das Kaufhaus ab und betrieb es mit solch großem Erfolg, dass innerhalb der nächsten vierzehn Jahre fünf weitere Kaufhäuser in Berlin hinzukamen.
Im Vergleich zu den luxuriösen Warenhäusern seiner ebenfalls jüdischen Mitbewerber Wertheim und Tietz galten Jandorfs Kaufhäuser jedoch als „Volkswarenhäuser“. Demgemäß lagen sie in den typischen Arbeitervierteln.
Mit der Gründung des Kaufhauses des Westens im Jahr 1907 wollte sich Adolf Jandorf aus diesem Ruch des „billigen Jakob“ befreien.
Wieder ging er ein außerordentliches Wagnis ein, über das man in Berlin zunächst nur den Kopf schüttelte. Er ließ das KaDeWe, wie die Berliner das Warenhaus schon bald nannten, nämlich nicht in der Berliner Innenstadt errichten, sondern „jwd“ („janz weit draußen“) im Westen der Stadt. Das war abseits der damaligen Geschäftsviertel ein Wohngebiet für gut situierte Bürger.
Doch sein Gespür ließ Jandorf ein weiteres Mal nicht im Stich. Der Standort des KaDeWe mit dem Hauptportal in der Tauentzienstraße hatte mit der Station am Wittenbergplatz, die zu einer der ersten U-Bahn-Linien Berlins gehörte, eine außerordentlich gute Verkehrsanbindung. Binnen kürzester Zeit konnte das KaDeWe mit den alt eingesessenen Warenhäusern von Wertheim und Tietz mithalten und zog schließlich sogar an ihnen vorbei.
Wertheim und Tietz sind heute schon lange von der Bildfläche verschwunden. Das KaDeWe existiert jedoch immer noch und gilt als eines der bekanntesten Kaufhäuser Europas, vergleichbar nur mit Harrods in London und den Galerie Lafayette in Paris.

Über Alice Salomon, die Begründerin der sozialen Arbeit in Deutschland

Als Tochter einer gutbürgerlichen jüdischen Familie durfte Alice keinen Beruf erlernen und langweilte sich dadurch als junge Frau fast zu Tode. Abhilfe verschaffte ihr zunächst ihre Tätigkeit in einer der ersten „Mädchen- und Frauengruppen für soziale Hilfsarbeit“.
Diese Arbeit verstand sich von Anfang an nicht als die oft wahllose traditionelle „Wohltätigkeit“, wie sie Frauen aus höheren Gesellschaftsschichten in der damaligen Zeit zu ihren Aufgaben zählten. Im Gegenteil wollte man sich mit der beständigen ehrenamtlichen Tätigkeit in Kinderhorten, Waisenhäusern und anderen Einrichtungen der Sozialfürsorge, die man als sinnvolle Arbeit verstand, von diesen Aktivitäten sogar explizit abgrenzen.
Aus Alice‘ anfänglicher Freizeitbeschäftigung wurde schließlich dann doch ihre Berufstätigkeit und „Berufung“:
Im Jahr 1908 gründete sie die erste „Soziale Frauenschule“ in Deutschland. Hier wurden junge Frauen für eine spätere Berufstätigkeit in der Sozialfürsorge ausgebildet. Das Schulmodell war so erfolgreich, dass es bald überall im Deutschen Reich nachgeahmt wurde.
Auch Alice Salomons wissenschaftliche Karriere ist bewundernswert: Anfangs nur als Gasthörerin zugelassen, studierte sie an der Friedrich-Wilhelm-Universität im Fachbereich Philosophie und erwarb im Jahr 1906 sogar als eine der ersten Frauen im Deutschen Reich einen Doktortitel. Obwohl sie nicht einmal über ein reguläres Abitur verfügte.
Im Jahr 1926 gründete Alice Salomon darüber hinaus die erste Frauenhochschule in Deutschland, ebenfalls mit dem Schwerpunkt „Soziale und Pädagogische Arbeit“.
Judith Bergmann, meine zweite weibliche Hauptfigur, lasse ich ihrem großen Vorbild Alice Salomon nacheifern. Sie engagiert sich als Schülerin der Sozialen Frauenschule in der Armenfürsorge und nimmt schließlich ebenfalls ein Studium auf. Im Laufe der Dilogie entwickelt sie sich zu einer angesehenen Sozialwissenschaftlerin.
Mit dem KaDeWe ist Judith durch ihren Vater Paul verbunden, der dort als (fiktiver) Konzernjustiziar und guter Freund Jandorfs tätig ist, sowie durch ihre im Laufe der Zeit entstehende Freundschaft mit Rieke Krause.
Adolf Jandorf, der nachgewiesenermaßen auch recht sozial eingestellt war, unterstützt Judiths diverse Aktivitäten in den Berliner Armenvierteln mit Lebensmittelspenden aus dem KaDeWe.

KaDeWe. Haus der Träume

Marie Lacrosse

Berlin, Anfang des 20 Jahrhunderts: Das Kaufhaus KaDeWe erstrahlt in Glanz und Luxus – eine Welt, die Judith Bergmann wohl vertraut ist. Denn die Tochter des KaDeWe-Justiziars soll Harry Jandorf heiraten, den einzigen Sohn des Kaufhausgründers. Die aus ärmlichen Verhältnissen stammende Rieke Krause hingegen ist von der Pracht des Kaufhauses schier überwältigt, als sie dort eine Stelle als Verkäuferin antritt. Schon bald verliebt sie sich in ihren Kollegen Hermann. Doch in den Wirren des Ersten Weltkriegs und der Nachkriegszeit werden die Lebenspläne von Judith und Rieke gewaltig durcheinandergewirbelt. Und auch das KaDeWe und sein Eigner Adolf Jandorf stehen vor großen Herausforderungen ….

Erscheint am 13. Oktober 2022

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