Dance into my World

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Lass uns tanzen!

Jade hat ein schlimmes Jahr hinter sich und ist erleichtert, ihrer Heimatstadt den Rücken kehren zu können. In New York will sie einen Neuanfang wagen und heuert in einem Café an, wo sie schließlich Olivia kennenlernt. Jade fällt es schwer, sich auf die junge Tänzerin mit den blauen Haaren einzulassen, sie lässt sich dann aber doch überreden, an einer ihrer Hip-Hop-Classes im Move-District-Studio teilzunehmen – ohne zu ahnen, dass sie dabei auf Austin treffen wird. Der gut aussehende Tänzer ist zwar ein Sprücheklopfer, dabei aber sympathisch und witzig. Jade und Austin merken schnell, dass es zwischen ihnen knistert, doch dann droht Jades Vergangenheit sie wieder einzuholen …


Die »Move District«-Reihe bei Blanvalet:
Band 1: Dance into my World
Band 2: Step into my Heart
Band 3: Fly into my Soul

Band 1: Dance into my World

Jade und Austin: Sie will die Vergangenheit hinter sich lassen, doch mit ihm kann sie den Neuanfang wagen und wieder vertrauen.

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»Vielleicht konnte das Tanzen für mich eine Art Anker sein, nachdem mein letzter schon lange versunken und die Kette, an der er gehangen hatte, mit lautem Krachen entzweigerissen war.«

Ab 15. November 2021 erhältlich!

Band 2: Step into my Heart

Olivia und Dax: Entgegen aller Widerstände wollen sie ihre Träume wahr werden lassen – doch manchmal kommen Gefühle dazwischen.

Olivia lebt für Hip-Hop und arbeitet hart daran, als Bühnentänzerin Fuß zu fassen – auch wenn ihre Eltern sie lieber beim Jurastudium sehen würden. Als sie einen Job bei einer Konzert-Tour ergattert, scheint das der ersehnte Durchbruch zu sein. Doch der Choreograf ist ausgerechnet Dax, der nach einem tragischen Unfall seine eigene Karriere als Tänzer beenden musste und Olivias Kumpel Austin die Schuld daran gibt. Verbittert und wütend hatte Dax sich damals von der Clique im Move District zurückgezogen, und so liegt nun bei der gemeinsamen Arbeit wieder reichlich Spannung in der Luft. Doch bald wird deutlich, dass dabei nicht nur die Geschehnisse aus der Vergangenheit und der Erfolgsdruck eine Rolle spielen, sondern auch aufkeimende Gefühle …

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Ab 17. Januar 2022 erhältlich!

Band 3: Fly into my Soul

Mackenzie und Brody: Sie verkörpert alles, was er hasst, und dennoch kann er sich ihrem Feuer nicht entziehen.

Für die Kooperation mit einer Sportmarke wird die erfolgreiche Tänzerin und Influencerin Mackenzie nach New York geschickt. Den Content für ihre Videos soll sie ausgerechnet im Move District einstudieren – ihrem ehemaligen Tanzstudio, das sie seit einem Eklat nicht mehr betreten hat. Auch ihre alte Clique ist wenig begeistert über das Wiedersehen und gibt Mackenzie keine Chance, ihre Sicht auf die damaligen Vorfälle zu schildern. Nur Brody, der ihr als Videograf für den Job zur Seite gestellt wird, weiß zum Glück von nichts. Denn Mackenzie mag den zurückhaltenden und kreativen Brody auf Anhieb. Allerdings gefällt Mackenzies Management gar nicht, dass die beiden miteinander anbandeln …

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Leseprobe zu Band 1 "Dance into my World"

Kapitel 1

»Die abgelaufene Milch kannst du ruhig noch nehmen. Die Kunden merken das nicht – zumindest hat sich bisher noch niemand beschwert. Lass es dir nur nicht anmerken.«
Wow.
Mir blieb der Mund offen stehen. Sollte das ein Scherz sein? Gleich am ersten Arbeitstag wurde ich dazu angestiftet, Menschen zu vergiften? Okay, das war vielleicht etwas extrem ausgedrückt, in Ordnung ging es deswegen aber noch lange nicht.
Unfähig, eine sinnvolle Antwort herauszubringen, nahm ich schnell einen großen Schluck aus der türkisfarbenen Tasse. Glücklicherweise trank ich meinen Kaffee immer schwarz – anders hatte ich das Gefühl, dass das Koffein bei mir einfach nicht wirkte –, so bestand zumindest für mich keine Gefahr potenzieller Magenprobleme.
Larry klatschte in die Hände. »Gut. Wenn du keine Fragen mehr hast, kannst du dich direkt an die Arbeit machen.« Er wandte sich ab, blieb jedoch nach einem Schritt wieder stehen und sah mich mit gerunzelter Stirn an. »In welchem Restaurant sagtest du doch gleich, hast du gearbeitet?«
»In keinem«, erwiderte ich und fragte mich insgeheim, ob er mir in den vergangenen fünf Minuten – länger hatte unser Einführungsgespräch nämlich nicht gedauert – überhaupt zugehört hatte. Laut hätte ich das nie gesagt, dafür flößte mir Larry viel zu viel Respekt ein. Er wirkte nicht gerade zugänglich mit seinen hängenden Mundwinkeln, den schmierigen schwarzen Haaren und dieser Überheblichkeit im Blick. Außerdem war ich auf den Job angewiesen und konnte nicht riskieren, doch noch eine Absage zu bekommen. Als ich Larrys kritischen Blick sah, fügte ich hastig hinzu: »Aber ich habe in einem Brillengeschäft gejobbt und kann gut mit Kunden umgehen. Außerdem bin ich sehr lernfähig.« Hoffentlich überlegte er es sich nicht doch noch anders.
Als er mich aus zusammengekniffenen Augen ansah, bildeten sich tiefe Falten auf seiner Stirn. Die ausgeprägten Geheimratsecken und die paar grauen Strähnen, die im Licht der Spätsommersonne, das durch die Fensterfront brach, schimmerten, verrieten mir, dass er um die vierzig sein musste. Das dunkelgraue Hemd lag eng an seinem Oberkörper an und spannte ein wenig um seinen leichten Bauchansatz. »Also keinerlei Gastro-Erfahrung.« Kopfschüttelnd fuhr er sich mit einer Hand über das Gesicht. »Du wirst es nicht leicht haben. Ich brauche hier professionelles Personal und keine Anfänger, die erst angelernt werden müssen. Das hält nur den Betrieb auf. Stand in deiner Bewerbung nicht, dass du bereits in der Gastronomie gearbeitet hast?«
»Nein, eigentlich nicht«, entgegnete ich vorsichtig und sah zu Boden. »Aber wie ich schon sagte, ich lerne schnell.«
»Jaja, das sagen sie alle. Dein Glück, dass ich dringend eine weitere Servicekraft brauche.« Er schnaubte abfällig und linste auf seine protzige Armbanduhr. »Nun gut, Miles und Olivia sollen dir alles zeigen.« Er deutete auf meine beiden neuen Kollegen hinter der Theke. »Aber wenn du es vermasselst, bist du raus!« Mit diesen überaus motivierenden Worten drehte er sich um und lief mit schnellen Schritten durch die Tür hinten rechts im Café, die in sein Büro führte.
»Glück gehabt«, murmelte ich und wischte mir die verschwitzten Handflächen an meiner schwarzen Jeans ab. Bevor ich mich in Larry’s Brew beworben hatte, war ich bereits von drei anderen Cafés, einer Tierhandlung und zwei Boutiquen abgelehnt worden. Hätte es dieses Mal auch nicht geklappt, hätte ich ein echtes Problem gehabt – schließlich zahlte sich eine Wohnung nicht von selbst, erst recht nicht in New York.
Nachdem ich ungefähr tausend Stunden auf Craigslist verbracht und mich durch viele Angebote geklickt hatte, war ich vor ein paar Wochen endlich fündig geworden. Ich konnte mich unfassbar glücklich schätzen, eine Wohnung in Brooklyn ergattert zu haben – ganz für mich allein und dann auch noch um die Ecke des Prospect Park, der bestimmt in ein paar Wochen, wenn sich die Blätter anfangen würden zu verfärben, ein besonders schöner Ort war, um abschalten zu können. Um die Miete für das kleine Apartment in Brooklyn zu bezahlen, brauchte ich dringend einen Job. Meine Eltern hatten zwar netterweise zugestimmt, mir ein bisschen was beizusteuern, aber mir das teure Leben in New York komplett zu finanzieren sahen sie nicht ein – zumindest nicht, solange ich noch nicht studierte.
Mein Herz pochte etwas schneller, als ich mich umdrehte, tief Luft holte und an den dunklen Holztischen vorbei zum Tresen lief, hinter dem ein schlaksiger Typ mit braunen Locken und ein Mädchen mit blauen Haaren standen; beide mussten ungefähr in meinem Alter sein. Sie fachsimpelten gerade darüber, ob der Apfelkuchen nicht doch lieber neben dem New York Cheesecake stehen sollte statt neben den Brownies.
»Aber wenn die Leute den Apfelkuchen sehen und gleich daneben die Brownies liegen, dann entscheidet sich niemand für den Kuchen. Wer nimmt denn Apfelkuchen, wenn er genauso gut einen saftigen Schoko-Brownie haben kann?« Olivia rollte mit den Augen, bevor sie sich umdrehte, um einen weißen Porzellanbecher vom Regal zu nehmen und unter den Siebträger der gigantischen silbernen Bezzera zu stellen. Kurz darauf stieg mir der aromatische Duft von frisch gebrühtem Kaffee in die Nase.
»Ich!«, erwiderte der Typ und verschränkte die Arme vor der Brust.
Sie schüttelte so heftig den Kopf, dass die Strähnen, die sich aus ihrem Zopf gelöst hatten und ihr Gesicht einrahmten, hin und her flogen. »Siehst du, Miles, und genau deshalb sind wir bloß Kollegen und keine Freunde.« Trotz ihres zierlichen Körperbaus und der Tatsache, dass der Typ sie um mindestens zwanzig Zentimeter überragte, wirkte Olivia kein bisschen eingeschüchtert. Ganz im Gegenteil, sie schien den Schlagabtausch sogar zu genießen. Eine Fähigkeit, die mir vor ein paar Monaten abhandengekommen war. Sobald ich das Gefühl hatte, es könnte sich ein Streit anbahnen, machte ich einen Rückzieher und ging der Unterhaltung lieber aus dem Weg.
Ich musste schmunzeln und schaute vorsichtig zwischen den beiden hin und her. Olivia war mir sofort sympathisch. Sie hatte eine kleine Stupsnase, und mit ihrer sehr hellen Haut und den blauen Haaren sah sie fast aus wie eine gut gelaunte Version der Eisprinzessin.
»Hey, du bist die Neue, oder? Larry meinte vorhin, wir sollen dich in die hohe Kunst der Kaffeemaschinenbedienung einführen«, wandte sich Miles an mich und lächelte schief. »Ich bin Miles, und das ist Olivia.« Er lehnte sich vor und senkte die Stimme, als würde er mir ein Geheimnis verraten wollen. »Sie ist manchmal ein bisschen zickig, aber an ihren guten Tagen kann sie auch ganz nett sein.«
»Ich zeige dir gleich, wie nett ich bin, Miles«, schaltete Olivia sich trocken ein und goss etwas Milchschaum in die Tasse. Dann wandte sie sich an mich. »Schön, dich kennenzulernen. Du bist…?« Sie sah mich fragend aus ihren großen braunen Augen an.
»Jade«, gab ich lächelnd zurück und strich mir eine hellblonde Strähne hinters Ohr. »Freut mich auch.«
»Super. Dann kriegst du hier schon mal dein Namensschild und deine Schürze. Du kannst damit anfangen, die Tische abzuräumen und sauber zu wischen. Danach zeigen wir dir alles andere.« Olivia kritzelte meinen Namen mit einem schwarzen Filzstift auf ein kleines Schild, auf dem das Logo von Larry’s Brew zu sehen war. Es bestand aus einer kleinen Tasse, auf der in verschnörkelter Schreibschrift der Name des Cafés zu lesen war.
»Danke«, entgegnete ich lächelnd, schnappte mir ein Tablett und einen Lappen und machte mich auf den Weg zu meinem ersten Tisch.
Abräumen und wischen sollte ich, ohne eingelernt zu werden, hinbekommen. Vorsichtshalber sandte ich trotzdem ein Stoßgebet zum Himmel, dass mir nichts herunterfiel. Das würde sonst ziemlich peinlich – aber leider typisch Jade – werden. Ich war vielleicht nicht so tollpatschig wie Donald Duck, aber das hielt mich nicht davon ab, alle naselang gedankenverloren gegen verschlossene Türen zu knallen und so ziemlich jedes gefüllte Glas, das vor mir stand, umzustoßen.
Glücklicherweise liebte ich Kaffee über alles, denn der gesamte Raum roch nach Cappuccino. Bestimmt hatte Larry in den Ecken ein paar Kaffee-Duftkerzen deponiert, um die Kunden noch süchtiger nach seinem »Brew« zu machen. Um neun Uhr morgens war noch nicht allzu viel los, sodass ich mich in Ruhe um die vollgekleckerten Tische kümmern konnte. Aus den Lautsprechern drang leise Musik – »Mirrors« von Justin Timberlake. Eines meiner absoluten Lieblingslieder, aber ich widerstand dem Drang, meinen Kopf mit dem Beat zu bewegen, sonst hätten mich die Kunden nur dumm angestarrt. Ich nahm ein paar benutzte Tassen vom Tisch und stapelte sie sorgsam auf meinem kleinen Tablett.
Das Café war genau mein Fall: Zwischen Greenwich Village und dem Flatiron District am Anfang einer Querstraße der Fifth Avenue gelegen, war es mit antiken Holztischen und modernen Stühlen im Industrial-Stil ausgestattet. Eine lange Holztheke vor der verglasten Fensterfront war mit dick gepolsterten Barhockern, die auf drei Füßen aus geschwärztem Eisen standen, bestückt und lud dazu ein, bei einem Latte Macchiato und einem Blaubeermuffin den Menschen zuzusehen, die hektisch vorbeieilten, dabei telefonierten oder sich zwischen den anderen Leuten hindurchdrängelten. Hier konnte man sich mit Freunden unterhalten oder an seinem Laptop arbeiten, ein Buch lesen oder einfach nur die anderen Gäste beobachten. Die Kundschaft schien hauptsächlich aus Studierenden zu bestehen, aber auch viele Geschäftsleute, die in der Gegend arbeiteten, hatten Larry’s Brew anscheinend zu ihrem Lieblingscafé auserkoren. Im hinteren Teil des Cafés standen in jeder Ecke Pflanzen, und an den Wänden waren Regale angebracht, die bis zur Decke reichten. Darauf standen antiquarische Bücher neben Schallplatten und jeder Menge Krimskrams, der keinen besonderen Zweck zu erfüllen schien, aber sehr nett anzuschauen war. Wohin man auch blickte, gab es etwas zu entdecken: eine goldene Elefantenfigur, kleine Bierkrüge, eine Kuckucksuhr. Eine Sammlung aus Fundstücken von überall auf der Welt, von denen jedes eine magische Geschichte erzählte. Zwischen den Regalen und Pflanzen warteten drei Samtsofas in unterschiedlichen Grüntönen darauf, dass es sich jemand mit einer Tasse heißer Schokolade darauf gemütlich machte, sich eines der Bücher schnappte und darin versank.
Nach ein paar Minuten hatte ich alle Tische abgeräumt und abgewischt und wandte mich wieder an Olivia, die entspannt am Tresen lehnte, Kaugummi kaute und zwischendurch an einer Tasse nippte, in der sich, dem Duft nach zu urteilen, Chai Latte befand. »Ich bin mit den Tischen fertig. Was kann ich jetzt tun?«
Sie nahm einen weiteren Schluck und stellte die Tasse anschließend auf die Arbeitsfläche hinter sich. Dann kam sie lächelnd auf mich zu. »Hast du schon mal in einem Café gearbeitet? Oder sonst irgendwo in der Gastronomie?«
Ich schüttelte den Kopf und legte den Lappen in die Spüle. »Leider nicht, aber ich kann das sicher schnell lernen.«
»Das solltest du auch, Larry ist ziemlich kritisch und regt sich leicht auf, wenn etwas nicht läuft. Er kann manchmal supernervig und penibel sein, vor allem am Anfang, wenn jemand neu hier ist. Na ja … um ehrlich zu sein, ist er das eigentlich immer.« Olivia kicherte und zuckte mit den Schultern. »Ich hab mich mittlerweile an seinen besonderen ›Charme‹ gewöhnt.«
»Ich denke, dass ich das schaffe«, entgegnete ich hoffnungsvoll und strich meine Schürze zurecht. Kaffee kochen und Kunden bedienen war ja schließlich keine Kernphysik, und irgendwann hatte doch jeder mal angefangen.
Olivia grinste mich aufmunternd an. »That’s the spirit! Und, bist du neu in New York? Wie alt bist du eigentlich?«
»Im Juni bin ich neunzehn geworden. Ich hab dieses Jahr meinen Highschoolabschluss gemacht; danach bin ich nach New York gezogen – um genau zu sein vor drei Wochen und in das mit Abstand kleinste Apartment der Welt.«
»Oh, glaub mir, das kenne ich. Die Mieten in New York sind scheißteuer.«
»Und wie! Deshalb bin ich umso dankbarer, dass ich die Stelle hier bekommen habe. Auch wenn meine Wohnung einem Schuhkarton gleicht – ich bin echt froh, hier in New York zu sein.«
»Oh, ja. Ich liebe diese Stadt. Wo wohnst du denn genau?« Sie legte den Kopf schief und blickte mich neugierig an.
»Brooklyn, in der Nähe des Prospect Park«, entgegnete ich. »Und du?«
»Ach, wie cool! Ich wohne auch in Brooklyn, allerdings ein wenig weiter oben Richtung Bushwick.«
Ich nickte, und ein leichtes Lächeln umspielte meine Mundwinkel, doch bevor ich etwas entgegnen konnte, fügte sie hinzu: »Und warum bist du hergekommen? Zum Studieren?«
Beim Gedanken an meine Heimat und den Grund, aus dem ich vollkommen überstürzt nach New York gekommen war, zog sich mein Magen zusammen. Ich blinzelte ein paarmal, bevor ich stammelte: »Ähm … ja … mehr oder weniger.«
Olivia hob fragend eine geschwungene, dunkle Augenbraue, aber ich kannte sie bei Weitem noch nicht gut genug, um ihr mehr über mich zu verraten. Klar, sie machte einen netten Eindruck, aber wie ich aus bitterer Erfahrung wusste, konnte der Schein in dieser Hinsicht trügen.
Sie schien zu merken, dass ich nicht noch mehr erzählen wollte, und nickte nur. Dann breitete sich ein Strahlen auf ihrem Gesicht aus, und sie trat näher an mich heran, um mir eine Hand auf die Schulter zu legen.
Unwillkürlich spannte ich mich unter ihrer Berührung an. Ich hoffte, dass es ihr nicht auffiel.
»Ich glaube, ich mag dich, Jade. Und ein bisschen frischen Wind können wir hier immer gebrauchen. Miles ist manchmal eine echte Schlaftablette, und von Larry will ich gar nicht erst anfangen. Und ich mag deine Augenbrauen. Die sind so schön buschig.«
»Ähm. Danke?«, entgegnete ich unsicher grinsend und fuhr mir mit einem Finger über meine dunkelbraunen Brauen, auf die ich öfter angesprochen wurde. Vermutlich, weil sie in krassem Kontrast zu meinem hellblonden Haar standen. »Wie lange arbeitest du hier schon?«
»Fast zwei Jahre. Ist nicht der anspruchsvollste Job, aber die Bezahlung ist nicht schlecht, und manchmal macht es sogar Spaß.« Sie nahm die Hand von meiner Schulter und trat einen Schritt zurück, um sich wieder an die Theke zu lehnen. »Eigentlich bin ich professionelle Tänzerin, aber dabei springt momentan noch nicht genug Geld raus, als dass ich hier kündigen könnte.«
»Du tanzt? In Broadway Musicals?«
Sie lachte. »Nein, nein. Nachdem ich als Kind mit meinen Eltern und meinen zwei Geschwistern aus Pittsburgh hergezogen war, habe ich mich für Ballettstunden angemeldet. Das hat mir dann irgendwann nicht mehr gereicht, ich wollte auch andere Stilrichtungen ausprobieren. Darüber kam ich zum Hip-Hop, und das ist das, was ich bis heute am liebsten tanze. Na ja, und damit verdiene ich mittlerweile auch ein bisschen Geld … also mit dem Unterrichten oder wenn ich für irgendwelche Musikvideos, Workshops oder Auftritte gebucht werde. Mein großer Traum… mein Ziel ist es, für große Touren von Künstlern dauerhaft gebucht zu werden und nahezu jeden Abend auf einer Bühne zu stehen.«
Wow. Das klang total bewundernswert. Wenn ich alleine in meinem Zimmer war, tanzte ich auch gerne, aber ich war alles andere als gut, und ich hoffte inständig, dass mich bloß nie jemand dabei beobachten würde. Allein bei der Vorstellung hätte ich bereits im Erdboden versinken können.
»Hört sich cool an«, entgegnete ich, und sie grinste.
»Und woher kommst du ursprünglich?«
Meine Handflächen begannen zu schwitzen, und ich starrte sie an, ohne einen Ton von mir zu geben. Erst als sich die Stille zwischen uns in die Länge zog und sie mich verwirrt musterte, holte ich tief Luft und presste hervor:
»Ähm, aus so einem Kaff südlich die Ostküste runter. Kennst du bestimmt nicht.«
Anscheinend hatte sie verstanden, dass ich nicht weiter darüber reden wollte, also nickte sie nur aufmunternd und wechselte schnell das Thema. »Und jetzt die Frage aller Fragen, Jade, die darüber entscheidet, ob wir Freundinnen werden können oder nicht. Schaust du gerne Serien?« Sie hatte die Hände in die schmale Taille gestemmt und sah mich mit übertrieben erwartungsvoll aufgerissenen Augen an.
Ich biss mir nervös auf die Unterlippe. Olivia schien zwar nett zu sein, aber ich war mir nicht sicher, ob ich überhaupt auf der Suche nach neuen Freundschaften war. Ich zuckte mit den Schultern. »Wer schaut denn nicht gerne Serien?«
»Bing-Bing. Der Kandidat hat hundert Punkte«, lachte sie und klatschte vergnügt in die Hände. »Okay, dann zähl mir mal deine Top drei auf.«
Ohne lange zu überlegen, sagte ich: »This Is Us, Modern Family und The Bold Type. Aber es gibt noch viele mehr, die ich gerne mag.«
»Okay, okay.« Sie kniff die Augen zusammen und nickte anerkennend. »Das Mädel weiß, wie der Hase läuft. Und ja, ich sehe ein, dass die Frage echt fies war. Aber jetzt weiß ich zumindest, dass du Geschmack hast.«
Gerade als ich sie fragen wollte, welche Serien sie gerne mochte, sah sie sich im Raum um und signalisierte einem der Gäste, dass sie gleich zu ihm kommen würde. Dann schenkte sie mir noch ein warmes Lächeln und eilte zu ihm, um seine Bestellung aufzunehmen.
Ich atmete tief durch und schnappte mir ein Tablett, um die Tische abzuräumen, die inzwischen verlassen worden waren.
Den Rest meiner ersten Schicht erklärte mir Olivia, wie das Kassensystem funktionierte und wie man die Kaffeemaschine bediente und reinigte. Ich durfte sogar schon die ersten Kunden bedienen. Olivia war ein echter Wirbelwind, aber obwohl mich ihre offene Art ein wenig überforderte, war sie mir sympathisch. Vielleicht waren dieses Café und die Leute hier genau das, was ich brauchte, um all den Mist, der im letzten Jahr passiert war, endlich hinter mir zu lassen. Es war mein erster Tag im Larry’s Brew. Ich sollte wahrscheinlich keine allzu hohen Erwartungen haben, aber ich wünschte mir nichts mehr, als neu anfangen zu können und meinen Job gut zu machen. Denn abgesehen davon, dass ich damit Geld verdiente, hegte ich die leise Hoffnung, hier nach langer Zeit jemanden getroffen zu haben, der weder etwas Schlechtes von mir dachte, noch mein Leben ruinieren wollte.

Maren Vivien Haase
© Mariah Müller

Die Autorin Maren Vivien Haase

Maren Vivien Haase wurde 1992 in Freiburg im Breisgau geboren und absolvierte dort ihr Germanistikstudium. Schon als Kind stand für sie fest, dass sie all die Geschichten zu Papier bringen muss, die ihr im Kopf herumspuken. Das Hip-Hop-Tanzen mit ihrer Crew »Dope Skit« gehört seit über zwölf Jahren ebenso zu ihr wie YouTube und Instagram, wo sie regelmäßig über Serien, Bücher und Filme spricht.

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