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Rezensionen zu
Über Menschen

Juli Zeh

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€ 22,00 [D] inkl. MwSt. | € 22,70 [A] | CHF 30,90* (* empf. VK-Preis)

über Menschen in Zeiten von Corona

Von: Melea

08.04.2021

Berlin im Corona- Modus, dazu ein überspannter Freund mit Übermotivation fürs Klima: Werbetexterin Dora hält es in ihrer WG nicht mehr aus, eine Veränderung muss her. Sie zieht mit Hund in ein kleines brandenburgisches Dorf mitten ins große Nix. Wer hier kein Auto hat – so wie Dora – hat es schwer. Das alte Haus, 4000 qm vernachlässigter Garten und ein Dorf mit schrägen Bewohnern bescheren der mutigen Aussteigerin eine erlebnisreiche Zeit, bei der man sie als Leser gerne begleitet. Neben den heiß diskutierten Themen, die Corona mit sich brachte (Lockdown, Homeschooling, Querdenker und Coronaleugner…) geht es hier auch um die vielen unterschiedlichen Charaktere, die Nachbarn in dem 285 Seelendorf (Dora eingerechnet). Dem Klischee wird Juli Zeh gerecht, als hier Nazis, Rassisten und AfD-Wähler auftauchen, aber sie zeigt auf, dass diese Eckdaten die Menschen nicht ausmachen, zwingt den Leser zu Reflexion. Man muss mit Dora neu denken und hinterfragen, was hinter welcher Fassade steckt, erschrickt vielleicht mit ihr über ein Vorurteil, dessen man sich gewahr wird. Eventuell wird daraufhin die eine oder andere klemmende Schublade im Hirnkastel geöffnet, gelüftet und neu sortiert, vielleicht bestärkt es Manchen aber auch in seiner Sicht auf die Einstellungen. Mal drüber nachdenken schadet ja nicht. ;) Mir hat das Buch gefallen, es war unterhaltsam, teils humorvoll, regte aber auch zum Nachdenken an und porträtierte unsere aktuelle Zeit.

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Übermenschen, über Menschen: Bereits der Titel von Juli Zehs Roman hat es in sich. Als erster Roman, der sich eingehend dem Coronaalltag widmet, beschreibt er gleichsam eine äußere Monotonie, Ereignislosigkeit, Banalität und die erhöhte innere Unruhe, ein ewiges Zerdenken, auf Hochtourenlaufen. Juli Zeh lädt uns in Doras Kopf ein, der nicht recht weiß, was er denken soll. Doras Gedanken zeichnen sehr deutlich unterschiedliche, einander entgegengesetzte Meinungen nach und verharren dazwischen. Schlichtweg, weil Dora nicht weiß, wie und ob sie sich positionieren soll, z.B. eben zu Coronafragen, die sie als Nicht-Expertin nicht zu beurteilen vermag. Wenn es aber um Fragen geht, wie die, ob es ok sei, die AfD zu wählen oder Nazi zu sein, hat Dora eine klare Position: Nein, auf keinen Fall. Und doch stehen hinter diesen schwierigen Ansichten Menschen und in der Begegnung mit ihnen beginnen selbst diese Meinungen mehrdimensional als bisher angenommen. Darf man den Nazinachbarn mögen, wenn er 1. Nazi, 2. verurteilter Gewaltverbrecher und 3. extrem hilfsbereit und zwischendurch sogar geradezu liebenswürdig ist? „UnterLeuten“ porträtierte differenzierte Seelenleben und beschrieb auf beeindruckende Weise interpersonale Beziehungen. „ÜberMenschen“ befasst sich mit einem Blick auf die Gesellschaft und geht dabei tief ins Herz, ins ganz Persönliche und regt zum Nachdenken an. Sich nicht mit dem zu befassen, was einen stört, es schlichtweg abzutun und auszublenden, das ist keine Lösung für irgendein Problem. „ÜberMenschen“ erzählt von der Gefahr, sich für etwas Besseres zu halten und auch von der Gefahr des Beharrens. Enorm liebevoll, ab und an grotesk und immer bestechend klar gelingt es Juli Zeh, einerseits Mitgefühl für einen Nazi und Verständnis für AfD-Wähler zu wecken und andererseits die scheinbare Bedingungslosigkeit von Meinungsbildung und die eigenen Positionierungen zu hinterfragen. Ganz ehrlich: Wer will schon auf dem Dorf leben? Wen interessieren die Lebenswelten von Brandenburger_innen? „ÜberMenschen“ schafft ein Interesse, wo vorher keines war, rückt ins Sichtfeld, was bisher außerhalb davon lag und gibt einen Impuls, in ungeahnte Richtungen über den eigenen Tellerrand hinauszusehen und dabei tief in sich selbst hineinzublicken. Ohne Kitsch oder Verharmlosung, mit viel Verstand und Gefühl - unbedingte Leseempfehlung!

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Ein Spiegelbild unserer Zeit

Von: Lydia W.

08.04.2021

Viele Ungewissheiten in ihrem aktuellen Leben bringen Dora zu der Entscheidung, ein altes Haus in Brandenburg zu kaufen. Mittlerweile ist es nicht nur das Unwohlsein mit ihrem derzeitigen Partner, jetzt ist es auch die Pandemie und ein unsicherer Arbeitsplatz, was sie aus der Großstadt treibt und schon bald ein Gefühl von Befreiung verspüren lässt. Doch auf dem Land gibt es andere Sorgen. Bereits nach kurzer Zeit lernt Dora ihre unmittelbaren Nachbarn kennen. Fluchtgedanken und Heimatgefühle lösen sich ab. Und obwohl sich die gesamte Welt einer neuen Herausforderung gegenübersieht, wird dieser Sommer in positivem Sinne unvergesslich werden für Dora. Dies war nicht mein erstes Buch von Juli Zeh, aber mein erstes Buch, das sich so schonungslos und ehrlich mit der Pandemie auseinandersetzt. Jedes Buch dieser Autorin setzt sich tiefgründig und vielschichtig mit dem jeweiligen Thema und Zeitabschnitt seiner Handlung auseinander und auch dieses Mal bin ich wieder restlos begeistert von diesem Feuerwerk aus Zeitgeschehen und Menschlichkeit. Da ich selbst Brandenburgerin bin und auf dem Land lebe, kann ich nur sagen - genauso siehts aus! Ein Spiegelbild unserer Zeit! Jedes einzelne Kapitel konnte ich genießen, mitlachen, mitweinen und am Ende bleibt weiterhin die Hoffnung Menschlichkeit. Ich würde nur vorschlagen, statt des wartenden Hundes auf der Landstraße als Cover wäre eine zerknüllte Zigarettenpackung passender. Es wird eindeutig zu viel geraucht in diesem Buch und ich kann es keinem weiterempfehlen, der sich gerade das Rauchen abgewöhnen möchte. Dies als Anregung mit einem dicken Augenzwinkern. Wieder ein Meisterwerk von Juli Zeh, auf dessen Verfilmung ich schon sehr hoffe.

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Raumforderungen

Von: Bettina Müschen

06.04.2021

Diesen Roman könnte man als „Corona-Roman“ bezeichnen, denn er spielt mitten im Lock down im Frühjahr 2020 und beschreibt, welche Folgen sich gesellschaftlich, aber auch ganz privat durch die Pandemie ergeben können. Die Autorin führt uns dabei mit der Werbetexterin Dora tief in die brandenburgische Provinz, in das fiktive Dorf Bracken. Dora hat sich von ihrem Freund getrennt, dessen Anpassung an den Lock down und journalistische Untergangsszenarien sie einengen und beschlossen, in das baufällige Haus in Bracken zu ziehen, dass sie sich heimlich gekauft hatte. Die Flucht aufs Land, weg von den selbsternannten Besser-Menschen scheint ihr der einzige Ausweg zu sein. Dora will herausfinden, wie sie leben kann, denn eigentlich ist sie einsam und hat vor der Pandemie so viel gearbeitet, dass sie diese Einsamkeit wenig gespürt hat. In Bracken gibt es sandige Böden und große Trockenheit, nicht gerade ideal für den Traum von eigenem Gemüseanbau und dazu einen hohen Prozentsatz von AfD-Wählern und Alltagsrassisten. Direkt nebenan wohnt „Gote“, der sich ihr, über die Grundstücksmauer hinweg, als Dorf-Nazi vorstellt. Das liest sich zunächst alles so, wie es das Klischee verlangt, aber schon bald ist zu ahnen, dass die Klischees dazu da sind, um allmählich umgedreht zu werden. Das Buch liest sich leicht, ist anregend, sehr aufschlussreich und gibt viele Denkanstöße. Meiner Meinung nach hat Juli Zeh einen großen menschlichen Roman geschrieben und ihre Hauptfigur Dora zeigt, wie man der Pandemie und dem Rechtsradikalismus trotzen und Vorurteile überwinden kann – eine Haltung, die wir alle in dieser Zeit dringend nötig haben.

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Nach Unter Leuten, jetzt der neue Roman von Juli Zeh, Über Menschen. Ich mag ja allein schon die Titelgestaltung, denn die beiden Romane weisen durchaus Parallelen auf. Beide spielen im Brandenburgischem Niemandsland, beide thematisieren Städter:innen, die neu im Ländle sind. Beide sind ganz grandiose Romane. Über Menschen war mein erster Corona-Roman, der unsere aktuelle Lockdown-Situation nicht nur im Sachbuchformat behandelt. Und wie famos sie die Pandemie in ihren Plot einarbeitet! Sie spricht mir aus der Seele, nicht nur wegen der übertriebenen Corona-Ängstler, sondern auch der Greta-Extremisten. Ich bin ja ganz dabei bei den Klima-Wandel-Gegnern, und bin auch durchaus bereit, einige persönliche Einschränkungen in Kauf zu nehmen. Aber was ich nicht mag, ist dieses Übertreiben á la Veganismus, der keine Abweichung von der eigenen Meinung auch nur um Zentimeter akzeptiert. Außerdem bin ich gegen Nazis. Fullstop. Und doch hat die liebe Frau Zeh mich durchaus erreicht, denn ihre Protagonistin flieht in den ländlichen Raum von ihrem Greta-Corona-Extremistenfreund, nur um neben dem Dorf-Nazi zu landen, mit dem sie sich entgegen aller Abneigung zu dessen Überzeugungen zum Trotz anfreundet. Im übertragenen Sinne: Menschen sind mehr, als deren ideologische Ausrichtung. Es ist nicht alles schwarz-weiß, sondern durchaus differenzierbar, und Nazis können auch gute, hilfsbereite Menschen sein. Der Roman lebt von der liebenswürdigen Zeichnung der Charaktere, ist ehrlich, zärtlich, spannend, tragisch. Ich habe es geliebt! Volle Punktzahl von mir.

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Jochen der Rochen

Von: wal.li

05.04.2021

Der erste Lockdown in der Corona-Pandemie läuft. Die Menschen sind alle irgendwie seltsam geworden. Jeder hat Recht und es wird nicht miteinander geredet. Robert, Doras Freund ist besonders überzeugt, dass das Klima gerettet werden muss und die Corona-Maßnahmen einzuhalten sind. Dora hat vor einiger Zeit ein heruntergekommenes Haus in Brandenburg erworben und nun nimmt sie ihren kleine Hündin Jochen und zieht aufs Land. Auch dort sind die Menschen seltsam, aber anders. Will Dora dort bleiben? Immerhin kann sie jederzeit in die Stadt, wenn sie denn irgendwelche öffentlichen Verkehrsmittel findet. Erstmal fängt sie an, ein Gemüsebeet anzulegen und dann wird sie weitersehen. Das Landleben in Brandenburg hat nicht so einen guten Ruf. Zu oft liest man von den Rechten, die dabei sind dort die Oberhand zu gewinnen. Doch lauert wirklich an jeder Ecke ein Rassist? Eines merkt Dora schnell. Eine verschlossene Tür bedeutet hier nicht viel. Sie müht sich auf ihrem viertausend Quadratmeter Grundstück ab. Und plötzlich muss sie sich fragen, ob sie unter die Heinzelmännchen geraten ist. Der Garten wird gerodet, ein Bett wird gebaut. Etwas beängstigend. Froh ist Dora, dass ein Nachbar die Straße runter sie nach dem Einkaufen mitnimmt. Sie beginnt zu verstehen, wieso in ländlichen Gegenden die meisten Leute ein Auto haben. Der neue Roman beginnt mit einer Beschreibung des Lebens in der heutigen Pandemie-Zeit. Die Lektüre nimmt dabei etliche Stunden in Anspruch, weil man dasitzt und denkt: eher nicht, vielleicht oder stimmt, stimmt genau. Man ist im positiven Sinne gezwungen zu reflektieren und nicht nur über die Pandemie, sondern auch über den Umgang der Menschen untereinander. Das Bild ist trostlos und die Frage, wie man wieder zu einer zugewandten Kommunikation kommen könnte, kann nicht einfach beantwortet werden. Doch als Dora so langsam von dem Dorf und seinen Menschen auf- und eingenommen wird, wird man beim Lesen auch in die Handlung hineingesogen. In der Anonymität der Stadt kann man sich seine Freunde aussuchen. Die Nachbarn im Dorf sind einfach da und man sollte versuchen, sie zu nehmen. Wie schwierig das sein kann, merkt man an Doras Beispiel. Auch wenn das Buch die Welt nicht ändert, so wäre es doch ein guter Ansatz sich selbst zu ändern. 4,5 Sterne

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Übermenschen im Unterhemd

Von: SD

05.04.2021

Die Highstrung-Städterin Dora versteht die Welt nicht mehr. Eben war noch alles gut - Seelenpartner, Traumjob, Karriere auf der Überholspur - , dann kommt Corona daher und plötzlich drehen alle durch. Also nimmt sie kurzerhand Reißaus und flieht mit ihrem schrägen Exemplar von einem Hund ins brandenburgische Niemandsland. Doch die Utopie der ländlichen Idylle bekommt schon bald Risse - weil der Gartenurwald hinter dem Haus sich allen Gestaltungsversuchen hartnäckig widersetzt, der eine Nachbar nur aus einem Star-Trek-Movie entsprungen sein kann und der andere sich mit "Hallo, ich bin hier der Dorfnazi" vorstellt. Während Dora sich täglich der Herausforderung meditativen Monotaskings stellt, die Welt sich plötzlich um Horst Wessel und Hortensien dreht und eine Figur surrealer als die andere zur Tür hereinspaziert, lernt sie langsam, dass es im Leben, zumindest, was Menschen angeht, kein Schwarz und Weiß gibt. Und dass das irgendwie auch gut so ist. "Unter Menschen" bietet keine Lösungen an - wohl aber die Erkenntnis, dass das Leben sich gegen alle Widerstände durchsetzt und stets genau das macht, was man am wenigsten erwartet.

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Provinz und Metropole

Von: Anja Fischer

04.04.2021

Diesen Roman von Juli Zeh habe ich förmlich verschlungen. Er hat für mich sehr viel Spannnung, Witz, aber auch ein bisschen Dramatik. Juli Zeh ist eine erstklassige Autorin, die mit ihrem gewohnt intelligenten Schreibstil und trotz Ernsthaftigkeit die Kapitel mit einer guten Portion Situationskomik ausschmückt. Grob handelt die Geschichte von Dora, die mit ihrer Hündin auf das Land zieht. Sie flieht vor Robert und vor der Stadt. Dabei werden Sorgen, Probleme und Gefühle zwischen Menschen aus "Provinz und Metropole", wie Juli Zeh es nennt, beleuchtet. Es geht um politische Ansichten, Liebe und auch um Corona. Dora, aus deren Sicht der Roman erzählt wird, lernt wieder was es heißt Mensch zu sein und nicht bloß in politischen und sozialen Systemen zu denken. Auf dem Land ticken die Uhren eben anders. Angefangen damit, dass Dora kein Auto besitzt, da in Berlin regelmäßig öffentliche Verkehrsmittel fahren. Auf dem Land angekommen wird erst einmal das Einkaufen zur Herausforderung, da der Bus hier eben nur wenige Male am Tag fährt. Wie im wahren Leben. Ich freue mich schon auf weitere Romane von Juli Zeh.

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