Rezensionen zu
Noah – Von einem, der überlebte

Takis Würger

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Noah ist kein Roman. Noah ist die Erzählung des ungewöhnlichen Lebens von Noah Klieger. Auf 150 Seiten erzählt Würger sehr sachlich und präzise, aber gerade deshalb berührend, die Geschichte von Noah Klieger. Das Buch startet mit der Ergreifung von Noah durch die Nazis und erzählt die Leidenszeit Noahs in Ausschwitz, den qualvollen Weg bis zur Befreiung aus diesem grausamen Lager und sein ebenso gefährliches und spannendes Leben danach. Seine Fahrt auf der Exodus ebenso wie sein Engagement gegen das Vergessen! Gelesen habe ich das Buch in einem Rutsch, teilweise mit Tränen in den Augen. Es ist ein wichtiges Buch, weil es die Aufzeichnung eines Augenzeuges dieses schrecklichen Kapitels unserer Geschichte ist. Leider sterben die Zeitzeugen langsam aus und deshalb ist es umso wichtiger, dass sie gehört werden. Es ist wichtig, dass ihre Berichte festgehalten und niedergeschrieben werden! Auch Noah Klieger ist Ende 2018 in Israel gestorben. Ganz besonders ergreifend fand ich die Fragen, die sich Noah Klieger am Endes des Buches stellt. Über sechs Seiten stellt Noah Fragen, die einerseits sehr simpel sind, aber oder gerade deshalb, sehr an die Nieren gehen! Ich hatte beim Lesen dieser letzten Seiten Gänsehaut. Absolute Lese- und Herzensempfehlung. Dieses schmale Buch ist atemberaubend und sollte wirklich jeder lesen – gegen das Vergessen!

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Hoffmann

Von: Monika Weidenbach

15.01.2021

[...] Ich habe angefangen zu lesen und dann waren plötzlich drei Stunden vorbei und das Buch gelesen. Atemlos gelesen, denn die Geschichte dieses Mannes hat mich völlig in einen Bann gezogen. Die Art und Weise wie Würger die Erinnerungen von Noah Klieger zu Papier bringt hat mir sehr gefallen. Es wirkt wie ein Bericht, teilweise emotionslos und gerade dadurch löst es viele Emotionen aus. Nach manchen Passagen mußte ich kurz Pause machen, um das Gelesene zu verarbeiten. Besonders beeindruckt hat mich das letzte Kapitel seiner Erinnerungen, in dem die Fragen nach dem "Wieso" zusammengestellt werden. Die Nachworte runden das Buch ab und sind sehr hilfreich für die Einordnung der Erinnerungen in den geschichtlichen Kontext. Bücher wie dieses sind wichtig, damit die Erinnerung an die Zeit der Naziherrschaft nicht verloren geht. Mein Dank an Takis Würger für dieses Buch über einen besonderen Mann.

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Dokument der Erinnerung

Siebter Himmel Bastei Lübbe GmbH

Von: Markus Felsmann aus Köln

28.12.2020

Je weniger Zeitzeugen und Überlebende der Shoah es noch gibt, desto dringlicher bedarf es der Dokumentation einzelner Lebens- und Leidensgeschichten, die den Opfern des Nationalsozialismus ein individuelles Gesicht verleihen und uns begreiflich machen, dass diese unsagbaren Verbrechen an echten Menschen, in die wir uns einfühlen können, begannen wurden: Diese Verbrechen waren real und dürfen auch für uns in Zukunft nicht zu etwas Abstraktem werden. Takis Würger, der mit seinem Roman über Stella Goldschlag 2018 einen heftig diskutierten Text vorlegte, erzählt in seinem neuen Buch »Noah. Von einem der überlebte« die Erinnerungen Noah Kliegers nach und hat damit ein solches Dokument der Erinnerung geschaffen. „Ich will, dass Menschen hören oder lesen, was passiert ist“, sagte Klieger, der in seiner Jugend nach Auschwitz deportiert wurde, selbst. Was für ein beeindruckender Mann und was für ein Leben. Seine Geschichte hat mich ziemlich bewegt und wird mir bestimmt noch eine ganze Zeit nachlaufen. Ganz außerordentlich klug ist die Edition von Würgers Text in Zusammenhang mit den drei Nachworten. Insbesondere die narratologische Betrachtung der Berichte von Shoah-Überlebenden, die Sharon Kangisser Cohen (Yad Vashem Studies) am Ende des schmalen Büchleins vornimmt, finde ich sehr gut und lehrreich. Sie reflektieren den Prozess der Erinnerung selbst und heben auf die jeweils individuelle Wahrheit der traumatischen Erfahrung ab. Die Frage (auf die sich Würger ja auch bezieht), ob es nun wirklich Mengele oder ein anderer Arzt war, mit dem Noah um sein Leben verhandelt hat, erscheint vor diesem Bedeutungshorizont sekundär. Damit bleibt die Wahrheit des Erzählten und letztlich die Arbeit des Autors unangefochten.

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