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Rezensionen zu
Piranesi

Susanna Clarke

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€ 20,00 [D] inkl. MwSt. | € 20,60 [A] | CHF 28,90* (* empf. VK-Preis)

PIRANESI lebt in Dem Haus, er ist glücklich dort, wenngleich einsam. Doch das stört ihn nicht, er hat gut zu tun, denn das Gebäude ist riesig, es besteht aus aneinandergereihten Vestibülen, die sich über drei Etagen erstrecken. Himmel und Wasser begrenzen Das Haus nach oben und unten, innen liegt ein riesiger Hof und außen grenzt es an das Universum. Das wirft viele Fragen auf. Während ich mich fragte, woher diese Welt kommt, wie sie entstanden ist, wer Piranesi ist und wieso er alleine in Dem Haus lebt, ist er sich selbst genug und geht darin auf, diese Welt zu untersuchen, ihre Bestandteile zu katalogisieren und die Gezeiten der Gewässer zu berechnen. Sein einziger Kontakt zu jemand anders ist der gelegentliche Besuch Des Anderen, ansonsten finden sich lediglich die Gebeine einiger Toten in den Sälen. Als Der Andere Piranesi vor einer bestimmten anderen Person warnt, kommen die Dinge ins Rollen. Piranesi ist hin und her gerissen zwischen Neugier und seiner Loyalität zu Dem Anderen, und wägt ab, was am sinnvollsten zu tun ist. In der weiteren Entwicklung vernachlässigt er die Erforschung Des Hauses, findet jedoch erstaunliche Dinge über sich und seine vergangene Entwicklung heraus. Jedoch, wenn man aufmerksam gelesen, das Auftreten von Dem Anderen und sein Verhalten Piranesi gegenüber reflektiert und sich Gedanken zu einigen Gegebenheiten in Dem Haus sowie den Tagebüchern, in denen Piranesi seine Erlebnisse sowie Forschungsdaten festhält, gemacht hat, hat man diese Entwicklung möglicherweise längst geahnt. Daher war die Auflösung um den Grund für Piranesis Sein in Dem Haus mehr logisch als überraschend und auch die Rollen der Figuren – es werden nach und nach mehr – wurden letztlich vorhersehbar aufgelöst. Leider klärten sich meine anderen anfänglichen Fragen nicht, was ich sehr schade fand. Neben diesen persönlich empfundenen Schwächen hat der Roman aber auch viele Stärken. Der stellenweise kryptische Schreibstil, die Gestaltung und Ausarbeitung von Dem Haus, die sorgsame Schilderung von Piranesi und seinem Tun, die Wahrheit, die sich schleichend in das Bewusstsein dieses Bewohners gräbt, dazu der Schwenk Richtung Krimi, das alles hat mir sehr gut gefallen! Fazit: PIRANESI ist für mich ein Roman mit leichten Schwächen, der jedoch durch seine Andersartigkeit in vielerei Hinsicht besticht. Mehr über mein liebstes Hobby gibt es auf der Facebookseite „Irve liest“ und dem Instagram-Account „irveliest“ zu erfahren. Hier zeige ich zeitnah, was ich gerade höre oder lese und geben dabei gerne einen ersten Eindruck preis. Über virtuelle Besucher und freundlichen, buchigen Austausch freue ich mich dort sehr.

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In "Piranesi“ von Susanna Clarke lebt der titelgebende Held der Geschichte in einem riesigen labyrinthischen Gebäude, in dem sich scheinbar endlos Raum an Raum reiht. Diese seltsame Umgebung beherbergt neben unzählige Statuen und anderen merkwürdigen Dingen sogar einen Ozean. Piranesi widmet sein Leben der Erforschung des Hauses. Doch je weiter er sich bei seinen Erkundungen vor wagt, desto näher kommt er der Wahrheit über seine kleine große Welt. Das Setting, das Susanna Clarke mit ihrem Einfallsreichtum und ihrer Fantasie entwirft, ist spektakulär: Die scheinbar unendlichen Weiten des Hauses, die merkwürdigen Statuen überall, die Gezeiten... Es macht unglaublichen Spaß gemeinsam mit Piranesi durch die Räume zu ziehen und diese außergewöhnliche Welt zu erforschen. Doch relativ schnell merkt man, dass etwas nicht stimmt. Die Autorin macht fortlaufend kleine Andeutungen, so dass man auf fast jeder Seite über den ein oder anderen Satz stolpert und sich denkt: Moment, das passt alles nicht so recht zusammen. Und deshalb ist dieses Buch nicht nur ein Fantasy- sondern zugleich ein Mystery-Roman, der einem stetig neue Rätsel aufgibt, die es zu lösen gilt. Die Kapitel sind allesamt sehr kurz und mit interessanten Überschriften versehen, so dass ich lange an die Seiten gefesselt blieb. Stets wollte ich wissen wie es weitergeht und welche Überraschungen das Haus noch für mich bereit hält. Einziger Wermutstropfen war, dass am Ende leider alles recht schnell ging. Hier hätte ich mir einen Ticken mehr Spannung, vielleicht einen größeren Showdown, einfach ein paar Seiten zusätzlich gewünscht. Fazit: “Piranesi” ist ein fantasievoller Roman, mit dem sich Susanna Clarke durch ihre einzigartigen Ideen von der Masse der Fantasy-Romane abhebt und auf wenigen Seiten ein ganz besonderes Leseerlebnis schafft.

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Im Gegensatz zu vielen anderen habe ich Jonathan Strange & Mr. Norrell von Susanna Clarke noch nicht gelesen (steht aber inzwischen im Bücherregal), aber der Klappentext klang sehr interessant, also habe ich mich kurzerhand entschlossen, das Buch als Rezensionsexemplar anzufragen und hielt es ein paar Tage später in den Händen. Die Handlung braucht ein bisschen, bis sie Fahrt aufnimmt – die ersten 50+ Seiten sind mehr eine Exploration der außergewöhnlichen und faszinierenden Welt, die Clarke hier geschaffen hat, wir lernen Piranesi kennen, während er die Geschehnisse im und Statuen des Hauses festhält und kategorisiert. Gleichzeitig lernen wir auch den Anderen kennen, den einzigen anderen lebenden Menschen, den es im Haus zu geben scheint. Aufgrund des teilweise recht wissenschaftlichen Stils von Piranesis Tagebucheinträgen, aus denen das Buch besteht, habe ich ein bisschen gebraucht, in die Geschichte einzutauchen, dann hat es mir aber sehr gut gefallen. Die Haus ist ein spannender Ort, und man fragt sich von Anfang an, was es damit auf sich hat. Nach und nach bekommt man ein paar Informationen und Unstimmigkeiten, Fragen tauchen auf – wenn es nur die beiden Menschen dort gibt, wo kommen sie her? Und einige Details scheinen nicht zu passen, der Andere ist grundsätzlich sehr mysteriös. Mir sind während des Lesens ein paar Dinge aufgefallen, die ich als negativ / schlecht geschrieben / … interpretiert hatte, letztendlich aber alles Sinn ergeben hat. Die Entwicklungen und Auflösungen der Fragen (die durchaus geklärt werden) fand ich sehr spannend und interessant geschrieben, es macht Spaß, im Verlauf mitzurätseln, was eigentlich Sache ist, und auch das Ende hat mir gut gefallen. Fazit: Ein faszinierendes Buch, eine schöne, interessante neue Idee voller Geheimnisse und einer spannenden Welt, die wir mit dem Protagonisten entdecken und zu verstehen suchen.

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Ich bin ein großer Fan von Jonathan Strange & Mr Norell, dementsprechend groß war meine Freude, als ich erfuhr, dass die Autorin einen neuen Roman herausgebracht hat. Freundlicherweise hat mit der Blessing Verlag das Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt, wofür ich sehr dankbar bin. Wer keine Lust hat die Rezension zu lesen, kann sie sich auch als Video zu Gemüte führen. Link zum Video: https://www.youtube.com/watch?v=J2gYDu9LaFE Bereits die Zitate zogen mich an, die Überschrift verstärkte noch den Sog und nach den ersten zwei Seiten hatte mich die Geschichte vollkommen gefangen genommen. Der Protagonist spricht mit dem Leser durch seine Tagebücher und Aufzeichnungen, wodurch direkt eine Vertrautheit aufgebaut wird. Ich fühlte mich nicht wie eine Leserin, sondern wie seine Begleiterin. An der Seite des Protagonisten wandere ich durch Das Haus, Die Welt. Wie es üblich ist für Tagebücher, schreibt der Protagonist von seinem alltäglichen Leben. Was hat er erlebt, was hat er getan, was muss er tun, welche wichtigen Termine stehen an, wie hat er sich gefühlt, was hat er gedacht? Allerdings unterscheidet sich sein Alltag massiv von dem der meisten Menschen. Er wandert durch riesige Säle, sieht nach den Statuen, die die Säle bevölkern, überprüft den Wasserstand, fischt, sammelt Seetang, kümmert sich um die Toten und all das tut er allein in Dem Haus. All das klingt jetzt wahrscheinlich ein wenig verwirrend, aber genau darin liegt der Reiz der Geschichte. Der Leser wird in eine Fremde Welt geworfen, die lange Zeit schwer einzuordnen ist. Der Protagonist spricht von Dem Haus und von Sälen, aber auch von Ebbe und Flut, Einem Ozean, der die unteren Stockwerke überflutet. Wie kann das sein? Wir befinden uns in einem riesigen Haus, dass am oder im Meer steht? Wo soll das sein? Träumt der Protagonist, ist er tot, von Aliens entführt worden, was geht das bloß vor sich? Keine Sorge wir erfahren es im Laufe des Buchs, doch am Anfang war ich sehr irritiert und voller Fragen. Genau diese Irritation macht das Besondere des Buchs aus und hat mich gefesselt. Wenn ich schreibe, das macht das Besondere aus, stimmt das nur zur Hälfte. Der Protagonist ist die andere Hälft. So orientierungslos durch eine Geschichte zu wandern, war für mich am Anfang gruselig. Ich fand die Beschreibungen wunderschön und doch auch unheimlich. Es stellten sich mir die Nacken Haare auf, als der Protagonist mich, den Leser direkt anspricht und mir erklärt, warum er die Tagebücher schreibt. Doch Seite für Seite verlor sich diese unheimliche Atmosphäre und dafür war der Protagonist verantwortlich. Seine Perspektive, seine Gedanken, seine Begeisterung und seine Warmherzigkeit haben die beklemmende Atmosphäre schnell vertrieben und ich fühlte mich einfach wohl bei ihm. Piranesi ist ein außergewöhnliches Buch, was wahrscheinlich nicht die breite Masse ansprechen wird, obwohl es teilweise etwas von einem Spannungsroman hat, denn im Laufe der Geschichte erfahren wir mehr über Das Haus und unseren Protagonisten, was einige Gefahren heraufbeschwört. Trotzdem steht das Nicht-Wissen im Vordergrund. Der Leser weiß lange nicht, wo er sich befindet, wer der Protagonist ist und was das Ganze soll, das muss man mögen. Ich fand das Buch genial, mitreißend und es ist jetzt schon ein Jahreshighlight für mich, trotzdem empfehle ich euch, werft erst ein Blick ins Buch oder lest die Leseprobe und entscheidet dann, ob das Buch etwas für euch ist. Alles andere wäre der Geschichte und dem Protagonisten gegenüber unfair.

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[Auszug] Piranesi ist eines der ungewöhnlichsten Bücher, das ich in den letzten Jahren gelesen habe. Erstaunt, rätselratend und verwundert konnte ich es bis zum Schluss nicht aus der Hand legen. Piranesi ist fantasievoll, ansprechend geschrieben, kitzelt die Neugier des Lesers und lädt zum Miträtseln ein. Große Empfehlung!

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Nur 16 Jahre nach ihrem Debutroman „Jonathan Strange & Mr. Norell“ ist der zweite Roman von Susanna Clarke erschienen und genau wie ihr erstes Buch wirft auch das zweite Werk seine Leser geradezu um und das ausdrücklich im positiven Sinn! In einem Gebäude mit riesigen Ausmaßen, dessen Räume wie ein Labyrinth aufgebaut sind und in denen unzählige Statuen stehen, lebt Piranesi. Immer auf der Hut vor dem Ozean, der das Erdgeschoss überflutet und voller Hingabe für seine Aufgabe, der Erkundung seiner geheimnisvollen Welt. Wird es ihm gelingen, die Wahrheit, die hinter dem Haus, seiner Heimat, steht aufzudecken? Das Buch wirft so ziemlich alle gängigen Vorstellungen über einen Roman komplett über den sprichwörtlichen Haufen und fasziniert dabei mit einer fesselnden Geschichte, die durchgehend ruhig aber niemals langweilig erzählt wird. Stets liest man voller Neugier weiter, um zu erfahren, was tatsächlich hinter Piranesi und seiner Welt steckt. Das ist elementare Lesefaszination! Susanna Clarke gelingt es in ihrem (leider nur) 272 Seiten dicken Roman, der im Blessing Verlag erschienen ist, eine einzigartige Atmosphäre zu erschaffen, die nahezu unbeschreiblich ist und die tatsächlich selbst gelesen werde sollte, um diese grandiose Erfahrung selber zu machen. So ist „Piranesi“ genauso wie „Jonathan Strange & Mr. Norell“ ein Meilenstein der phantastischen Literatur. Und wenn es wieder 16 Jahre dauern sollte, bis Susanna Clarke ihren nächsten Roman veröffentlicht, der sich aber auch genauso lohnt, dann wird auch gerne gewartet.

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In den Unteren Sälen der Ozean, darüber die Mittleren Säle, das Reich der Menschen und Vögel, in den Oberen Sälen der Himmel: Das ist „Das Haus“, hier lebt Piranesi. Außer ihm, den Vögeln, Fischen und unzähligen Statuen gibt es nur einen Menschen in Dem Haus: Den Anderen. Ihn unterstützt Piranesi in seinen Forschungen, denn Der Andere ist Wissenschaftler und vermutet, dass im Haus etwas Großes verborgen ist. Täglich erkundet Piranesi deshalb das scheinbar unendlich große Gebäude, zeichnet seine Wege auf und entwirft Karten. Was er dabei eigentlich sucht? Das weiß er selbst nicht so genau. Klingt schräg? Ja, das ist es irgendwie auch. Susanna Clarke spielt mit Phantastik und Philosophie, schreibt von der Suche nach Wissen und Wahrheit, und schafft damit ein Buch, das selbst wie ein Labyrinth anmutet. Ein paar Seiten habe ich gebraucht, um mich an den besonderen Schreibstil (und vor allem die besonderen Schreibweise) zu gewöhnen, das Buch dann aber an zwei Tagen verschlungen, mich darin verloren und mit Piranesi gerätselt, bis ich selbst nicht mehr wusste, was wirklich wahr ist. Das Ganze ist irgendwie speziell und deshalb bestimmt nicht für jeden etwas – aber wenn man in der Stimmung dafür ist und sich richtig darauf einlässt, ist es ein einzigartiges Abenteuer.

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Ein äußerst beeindruckendes Buch, bei dem ich mir wirklich schwer tue, Worte dafür zu finden. Der Erzähler, Piranesi genannt, ist Wissenschaftler und sozusagen Erforscher des Hauses, in dem er lebt und das wortwörtlich grenzenlose Ausmaße zu haben scheint. Es besteht aus großen Hallen, Vestibülen und meterhohen Treppen, die sich in alle Himmelsrichtungen erstrecken und auch in tiefere Geschosse führen, in denen das Meer mit Ebbe und Flut die Räume umspült - aber auch in lichte Höhen voller Wolken und Vögel. Vor allem gibt es aber überall unzählige Säulen und Statuen mit Menschen, Tieren, aber auch phantastischen Wesen in unterschiedlichen Positionen und Tätigkeiten, die die Fantasie von Piranesi jeden Tag aufs neue anregen. Piranesi verbringt seine Tage damit, diese Säle zu erforschen und hat auch begonnen, sich mit Dem Haus als Seiner Welt auseinander zu setzen, in dem er Ereignisse mit sich selbst und seinem Schicksal verbindet. Das fand ich wunderschön, denn es zeigt, wie verbunden er sich mit "seiner Welt" fühlt und - wie er selbst sagt - die Welt mit ihm spricht und ihm Zeichen sendet, für ein besseres Verständnis. Das Erforschen, was hinter den Grenzen ist, das besondere Wissen zu entdecken, was in diesem Haus versteckt sein soll, ist sein vorrangiges Ziel; allerdings wurde ihm das vorgegeben von Dem Anderen. Dem einzigen, lebenden anderen Menschen, dem er begegnet. Der Zweck dieser Suche wird schon auf den ersten Seiten erläutert und zeigt die typischen Bestrebungen, die viele Menschen schon seit langer Zeit immer wieder zu enträtseln streben: Unsterblichkeit, Telepathie, Macht, um nur einige zu nennen. Doch Piranesi selbst kann diese Faszination dafür nicht so recht teilen. Er ist ein sehr genügsamer Mensch, der völlig aufgeht in der Entdeckung all des wunderbaren, was sich ihm in Seinem Haus zeigt. Er hat Wasser zur Verfügung, geht auf die Jagd nach Fischen, die sich im Meer in den unteren Sälen tummeln und erfreut sich an den Vögeln, die immer wieder in Scharen die Hallen durchqueren. Vor allem die Statuen in diesem riesigen Labyrinth wachsen ihm ans Herz und zeigen ihm eine unerschöpfliche Fülle an Leben. Ist es dem Haus gegenüber respektlos, einige Statuen lieber zu mögen als andere? Manchmal stelle ich mir diese Frage. Meine Überzeugung ist, dass Das Haus selbst alles, was es schuf, in gleichem Maße liebt und segnet. Sollte ich dasselbe versuchen? Doch ich stelle auch fest, dass es in der Natur des Menschen liegt, eines einem anderen vorzuziehen, eines als bedeutungsvoller als ein anderes zu empfinden. Zitat Seite 27 Sich die Welt zu erschließen, um sie zu verstehen wird hier sehr schön deutlich anhand eines Vogelschwarms, in dem Piranesi ein Muster zu erkennen versucht, um eine mögliche Bedeutung für sich selbst herauszulesen. Das erinnert an alten Aberglauben, an Symbolik und den Versuch, sich selbst in das naturgegebene Leben mit einzubeziehen. Überhaupt schwingen hier eine Menge philosophischer Themen mit, die einen beim Lesen zum innehalten bewegen. Vor allem die Vorstellung der Menschen vor langer Zeit, denen das Leben nicht mit der Natur, sondern in die Natur integriert möglich war, löst eine Sehnsucht und Verbundenheit aus, die uns leider zu sehr abhanden gekommen ist. Piranesi berichtet dies alles in seinen Tagebucheinträgen und ich muss gestehen, dass ich auf den ersten Seiten noch nicht so ganz überzeugt war, ob mir diese Geschichte gefallen wird. Seine Beschreibungen sind sehr von den Örtlichkeiten geprägt, da sie seine einzige Orientierung sind und die Nummerierungen der Säle und Wegweiser war mir anfangs etwas zuviel. Dann entsteht jedoch ein Sog, der mich nicht mehr losgelassen hat und auch eine Spannung, die durch die Interessen Des Anderen geschürt wird. Dieser besucht ja Piranesi regelmäßig und erwartet von ihm Unterstützung in seiner Suche nach "dem Wissen". Die kurzen Momente dieser Treffen lassen allerdings schnell erkennen, dass dessen Intention eher kalte Berechnung innewohnt als freundschaftliche Zusammenarbeit. Die naive, fast schon kindliche Art von Piranesi bröckelt schließlich. Denn obwohl er ein unbefangenes und höchst liebenswertes Staunen in sich trägt, ist er nicht dumm und erkennt nach und nach mehr, als vielleicht gut für ihn ist. Ich spürte Wut in mir aufwallen und überlegte kurz, ihm nicht zu erzählen, was ich weiß. Aber dann hielt ich es für nicht nett, ihn für etwas zu bestrafen, für das er nichts kann. Es ist nicht seine Schuld, dass er die Dinge nicht so sieht wie ich. Zitat Seite 60 Ein wunderschöner Moment wie ich finde und ein so wichtiger Gedanke! Dieses naive Staunen hat so eine ursprüngliche Faszination in sich und verbindet sich mit den klaren Erkenntnissen, zu denen er gelangt. Wie eben, dass jeder eine andere Sicht auf die Dinge hat und darin keine "Schuld" zu finden ist. Genauso seine Gedanken dazu, den Sinn dahinter ergründen zu wollen. Den Sinn hinter dem Haus, das Rätsel der Welt, um sie zu entschlüsseln, um ... über sie zu gebieten? Um den Wundern den Zauber zu nehmen? Die Schönheit in ihre Einzelteile zu zerpflücken? Ich stellte fest, dass die Suche nach dem Wissen uns veranlasste, Das Haus als eine Art zu lösendes Rätsel zu betrachten, einen zu deutenden Text, und dass es, falls wir Das Wissen jemals entdecken, sein wird, als wäre Dem Haus sein Wert abgerungen worden, und alles, was bliebe, wäre reine Kulisse. Zitat Seite 73 Eine äußerst faszinierende Geschichte, die eine spannende Aufklärung bereit hält, die aber den Reiz hat, nicht alles völlig offenzulegen. Dieses Haus trägt eine Menge Geheimnisse in sich und der Versuch, sie alle zu enträtseln, würde die Magie dieses Ortes zerstören. Die Andeutungen dazu haben mir jedenfalls gereicht, um eine Vorstellung dazu zu bekommen und ich habe Piranesis Gedanken gerne gelauscht, die einen wieder näher an sich selbst heranbringen. Der Name "Piranesi" gehört übrigens einem berühmten Künstler und Archäologen, der im 18. Jahrhundert gelebt hat und für seine Ideen in vielen Bereichen der Architektur bekannt war.

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