Rezensionen zu
Glückskinder

Teresa Simon

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München 1945: Auf dem Weg vom KZ-Außenlager Giesing nach Wolfratshausen haben es die gefangenen Frauen nicht leicht, denn sie werden gequält und drangsaliert durch ihre Aufseher. Mitten unter ihnen befindet sich auch die Niederländerin Griet, die wegen politischem Widerstand gefangen genommen wurde. Um weiter durchhalten zu können, sagt sie sich immer wieder ihren Leitspruch "Ich. Bin. Griet. Van. Mook. Ich. Werde. Leben." vor. So schafft sie es auch und rettet auch noch ihrer Mitgefangenen Polin Leni das Leben, denn diese ist schwer erkrankt und leider unter hohem Fieber, das auch ihrem ungeborenen Kind zu schaden droht. Doch Griet ist mutig und stürzt sich sofort auf den ersten Alliierten, den sie sieht und bettelt ihn um Hilfe für ihre Freundin an. So lernt sie den Captain Walker kennen und hat ihm noch viel mehr zu verdanken, denn er ist ab jetzt immer für sie da und will nur ihr Bestes. Zeitgleich haben auch die Brandls mit dem Schicksal zu hadern, denn sie, das sind Mutter Rosa, ältere Tochter Toni und jüngere Tochter Bibi, wurden ausgebombt und leben nun gemeinsam mit Rosas Schwester Annemie und ihrem Sohn Benno bei deren Tante Vev. Die alte Dame hat zu ihrem Glück eine große Wohnung, die Platz für alle bietet, aber leicht ist es nicht, denn Benno hält an seiner braunen Gesinnung fest, auch wenn er im Krieg stark verletzt wurde. Als die Amerikaner dann nach Wohnraum für Menschen ohne Wohnung suchen, sehen sie das freie Zimmer der Wohnung und Griet kommt so als Untermieterin in die Stadt. Leider heißt sie niemand dort willkommen und sie fühlt sich wie ein Eindringling in die Familie... Teresa Simon hat einen sehr eindrucksvollen Schreibstil, der mich von der ersten Seite an gefesselt hat. Alle historischen Hintergründe sind gut recherchiert und zeigen das harte Leben zu dieser Zeit sehr deutlich auf. Auch die Gräueltaten der KZs werden nicht verschwiegen. Sehr schön ist auch das ausführliche Nachwort, in dem nicht nur die historischen Hintergründe nocheinmal kurz zusammengefasst werden, sondern auch der Auszug aus dem, im Text so oft genannten Kochbuch. Die Portagonistinnen sind allesamt sehr sympathisch und ziehen den Leser in ihren Bann. Das Buch hat mich von der ersten Seite an in seinen Bann gezogen. Es ließ sich so schnell und flüssig lesen, die Charaktere sind alle freundlich und realistisch, könnten also durchaus Frauen dieser Zeit gewesen sein. Das Thema interessiert mich schon immer und ich freue mich immer sehr, wenn ein Roman dann ein Thema so perfekt aufgreift und in seine Handlung einbindet, wie es bei diesem Buch der Fall war.

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Beginnende Hoffnung

Von: Klaudia K. aus Emden

23.02.2021

Der emotional zu tiefst ergreifende Roman "Glückskinder " von Teresa Simon ist eine sehr wertvolle und spannende Rekonstruktion einer für die Bevölkerung enorm belastenden Zeit im Nachkriegsdeutschland. Die Handlung setzt im Jahr 1945 ein. Griet überlebte die grausame Zwangsarbeit im KZ mit ihrem selbst gewählten Mantra "Ich bin Griet. Van Mook. Ich werde leben." In ihren schweren Zeiten half die monotone Wiederholung dieses Mantras Griet dabei nicht zu vergessen wer sie JETZT ist. Als der Krieg beendet ist und alle wieder in ihre alte Heimat dürfen, möchte Griet dennoch nicht mehr in die Niederlande zurück. Mit viel Glück gelingt es ihr durch die Hilfe des amerikanischen Captain Walker eine Arbeit als Küchenhilfe im Offizierskasino in München zu bekommen. Walker sorgt auch dafür, dass sie ein Zimmer bei Frau Genoveva Neureuther erhält. In dieser Wohnung wohnen allerdings schon sechs weitere Personen: Antonia genannt Toni, ihre kleine Schwester Bibi, Mutter, Tante Vev, sowie Tante Anne mit Sohn Benno. Diese Gemeinschaft versucht mit viel Liebe und gegenseitigem Verständnis füreinander durch die schwere Nachkriegszeit zu kommen. Als die Amerikaner in Deutschland einmarschieren erleben die Menschen in den befreiten Regionen bereits etwas wie einen beginnenden Frieden. Dennoch ist diese chaotische Zeit durch die Lebensmittelknappheit und den aufblühenden Schwarzmarkt geprägt.Dort bekommt man tatsächlich alles für Zigaretten oder andere wertvolle Tauschwaren. Griet und Toni können sich am Anfang nicht besonders gut leiden. Griet arbeitet viel und versucht sich möglichst "unsichtbar" zu machen. Erst als die kleine Bibi erkrankt und Griet die letzte Hoffnung auf Rettung ist, ändert sich das Verhältnis der Familie zu  Griet. Toni lernt Louis, einen echten Spitzbuben, kennen. Er scheint keine Vergangenheit zu haben und wickelt Toni mit viel Charme regelrecht um den Finger. Griet hat eine Vergangenheit. Sie weiß, dass sie sich dieser Vergangenheit stellen muss, wenn sie tatsächlich glücklich werden möchte. Doch der dafür notwendige Weg ist nicht leicht und birgt erhebliche Gefahren in sich. In der Nachkriegszeit sieht es überall in Deutschland verheerend aus. In den Städten sind ganze Straßenzüge zu regelrechten Wüsten zerbombt. Menschen haben keine Unterkunft mehr und sind damit obdachlos. Die ohnehin spärlichen Nahrungsmittel werden mehr als knapp geliefert. Es gibt kaum Mehl oder Kaffee. Nur der überall bekannte "Muckefuck" ist im wahrsten Sinne des Wortes in aller Munde. Besonders interessant ist es, wie die Protagonisten mit den sie beherrschenden Emotionen fertig werden und wie die Romanfiguren es schaffen aus der schwierigen Lage heraus doch wieder langsam und allmählich wieder lernen zu leben. Nach den lebensgefährlichen Kriegsjahren erwuchs ein gieriger Lebenshunger, mit dem sich die Menschen aus den grausamen Kriegserfahrungen herauswinden wollen und die damit verbundene Vergangenheit hinter sich lassend vergessen möchten. Toni ist intelligent und pfiffig. Sie fackelt nicht lange, um ihre Chance zu ergreifen und "die Sache anzugehen". Ihre Energie und ihr Talent versorgt die Familie mit Nahrungsmitteln - auch in einer äußerst schwierigen Zeit. Griet ist sehr ehrlich und enorm hilfsbereit. Als keiner sich um die arme kranke Leni im Lager kümmert ist sie ihre Stütze und füttert sie. Nur ihrer Entschlossenheit und Courage ist es zu verdanken, dass ein Arzt zur Leni kommt. Der exzellenten Recherchearbeit von Autorin Teresa Simon ist es zu verdanken, dass die dunkle Zeit des Schwarzmarkthandels lebensecht vor dem geistigen Auge des Lesers wieder aufersteht. Fasziniert erfährt man, welche heute unfassbaren Zustände nach dem Krieg herrschten und wie der willkürliche Kampf um Lebensmittel tobte. Einen herzlichen Dank an den Heyne Verlag für den außerordentlich interessanten und wertvollen Roman

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Ich bin ein großer Fan von Teresa Simon. Ihre Bücher begeistern mich und ich warte immer sehnsüchtig auf einen neuen Roman. Jetzt war es endlich wieder so weit. „Glückskinder“ kam auf den Markt und zog dann auch schnell in mein Heim ein. Das Cover ist hinreißend gestaltet. Der Leser sieht zwei Frauen, mit Nylons, Frühlingsbekleidung und Koffer in der Hand. Sie schreiten, vom Betrachter abgewandt, etwas Neuem entgegen. Durch eine Vielzahl japanischer Zierkirschenblüten wirkt der Buchdeckel luftig und leicht. Der Klappentext hingegen ist ein krasser Gegensatz dazu. Hier erfährt man, dass der neue Lesestoff in die Nachkriegszeit ins trubelige München führt. Die Menschen hatten zur damaligen Zeit zu wenig Güter zum Leben. Sie lebten in schwierigen Verhältnissen und hatten kaum etwas zu essen. Lebensmittel und andere Güter wurden rationiert. Puuuh… Gespannt fange ich an zu lesen. Im Buch-Inlett begeistert mich gleich zu Anfang ein Vierzeiler aus dem Münchner Merkur sowie eine Schwarzmarkttabelle von 1946. Dann folgt ein passendes Erich Kästner Zitat, was meines Erachtens prima passt. In unserer Familie wird viel gesprochen und erzählt. Etwas zurückhaltend zwar vom Krieg und der Flucht, beziehungsweise der Vertreibung. Oder auch vom Neuanfang und den dann folgenden schwierigen Zeiten. Aber das Handeln im Verborgenen zum Überleben notwendig war, habe ich von meinen Großeltern öfter gehört. Auch von den überhöhten Preisen für begehrte Sachen habe ich in diesem Zusammenhang erfahren. Die Protagonistinnen Toni, Tante Vev und die Holländerin Griet sind von der Autorin fantastisch erdacht und authentisch und menschlich beschrieben. Die historischen Hintergründe scheinen wirklichkeitsnah und überzeugen. Ich hatte als Leserin oft das Gefühl mittendrin im Geschehen der damaligen Zeit zu stecken. Der Schwarzmarkt in München, wo die Händler die Notlage anderer ausnutzten, muss schrecklich gewesen sein. Ich musste ein paarmal mit den Tränen kämpfen, so nahe ist mir das Geschriebene gegangen. Ich habe richtiggehend mit den Romanfiguren gelitten. Und hatte auch ordentlich Sorge, dass sie erwischt werden könnten. Spannend und perfekt geschrieben. Ich könnte mir den Roman auch super verfilmt vorstellen. Da wird soviel an Emotionen frei, auch ohne dass ich die Zeit selber erlebt habe, kaum zu glauben. Und der Plot der beiden ungleichen Frauen, die zuerst feindselig erschienen und dann nach und nach enger zusammenwachsen und Freundinnen werden, gefällt mir sehr. Inhalt: München 1945. Auf dem Schwarzmarkt in der Möhlstraße treffen sich alle, die nach Glück und ein wenig Leben suchen. Nylons, Kaffee, Schokolade und Schmuck wechseln hier die Besitzer. Auch Toni, die ihr Zuhause verloren hat und nun bei ihrer Tante Vev wohnt, versucht, auf dem Schwarzmarkt das Nötigste für die Familie zu organisieren. Als sie die Holländerin Griet kennenlernt, spürt Toni zunächst eine tiefe Abneigung. Sie ahnt nicht, dass Griet eine schwere Zeit hinter sich hat, über die sie nie wieder sprechen möchte. Sie könnten einander helfen. Doch das geht nur, wenn sie ehrlich zueinander sind und ihre Vorurteile überwinden ... Die Autorin: Teresa Simon ist das Pseudonym der promovierten Historikerin und Autorin Brigitte Riebe. Sie ist neugierig auf ungewöhnliche Schicksale und lässt sich immer wieder von historischen Ereignissen und stimmungsvollen Schauplätzen inspirieren. Die SPIEGEL-Bestsellerautorin ist bekannt für ihre intensiv recherchierten und spannenden Romane, die tiefe Emotionen wecken. Weitere Bücher: Die Frauen der Rosenvilla, Die Holunderschwestern, Die Oleanderfrauen, Die Lilienbraut, Die Flieder Tochter Fazit: 5***** Der Roman „Glückskinder“ ist im Heyne Verlag erschienen. Das broschierte Buch hat 512 Seiten die herrlich recherchiert und liebevoll erdacht und beschrieben sind.

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Meine Meinung: Von Teresa Simon habe ich bereits einige Bücher gelesen und war nun sehr neugierig auf dieses neue Buch. Vorweg; ich wurde nicht enttäuscht, sondern war angenehm überrascht, denn ich hatte das Gefühl, es war ganz anders als die vorherigen, die ich gelesen hatte. Die Autorin nimmt uns Leser mit auf eine kurze Reise in die Jahre 1945 - 1948. Wir starten kurz vor dem Ende des Krieges und ich lerne viele Personen mit den unterschiedlichsten Schicksalen kennen. Ich fand es sehr interessant, wurden mir dadurch doch Einblicke in das Leben nach Kriegsende der verschiedenen Gesellschaftsgruppen gewährt. Stellvertretend für viele Deutsche, die ebenfalls von der Kälte, vom Hunger, von der Besetzung durch die Alliierten, der Währungsreform und noch viel mehr betroffen waren, konnte ich Toni und ihre Familie begleiten. Toni lebt mit vielen anderen aus ihrer Familie in der Wohnung ihrer Großtante. Später wird in der Wohnung noch eine Holländerin einquartiert. Unterschiedliche Erlebnisse und Einstellungen zu den vergangenen Geschehnissen machen das Zusammenleben nicht gerade leicht. Aber die Autorin hat sich einiges einfallen lassen und so entwickelten sich alle Beteiligten zu Glückskindern, was mich sehr gefreut hat. Fazit: Ein sehr gelungenes Buch, das sehr viele Eindrücke vermittelt. Es berührt einen und zeigt aber auch, dass man die Hoffnung nicht aufgeben darf, vor allem den Mut nicht verlieren sollte. Gerne gebe ich hier eine Leseempfehlung.

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„Ich. Bin. Griet. Van. Mook. Ich. Werde. Leben.“ (S. 17) Dieses Mantra hat Griet geholfen, das KZ, die Zwangsarbeit und die ungewisse Zeit im amerikanischen Auffanglager für Displaced Persons (DPs) zu überstehen. Doch anders als ihre ehemaligen Mithäftlinge will die Niederländerin nach Kriegsende nicht zurück in ihre Heimat, da sie die einzige Überlebende ihrer Familie ist. Griet will einen Neuanfang in München und hat Glück, der Leiter des Lagers versorgt ihr eine Arbeit als Küchenhilfe im Offizierskasino inkl. einem requirierten Zimmer. Das Zimmer gehört zu einer Wohnung, in der schon 6 Personen leben. Toni (Antonia), ihre Mutter Rosa und ihre jüngere Schwester Bibi sind bei Tante Vev untergekommen, als ihr Haus zerbombt wurde, genau wie deren Nichte Anni mit ihrem erwachsenen Sohn Benno. Benno ist ein Kriegsversehrter, der bis zuletzt an Hitler geglaubt hat und die Alliierten hasst – und den Griet von ihrer Zwangsarbeit bei Agfa kennt. Schon beim ersten Zusammentreffen mit der Familie schlägt ihr offene Feindschaft entgegen, weil sie ihnen durch die Einquartierung das Wohnzimmer wegnimmt. Sie sind unfreundlich zu ihr, haben gleichzeitig Angst vor und Mitleid mit ihr. Die Handlung wird abwechselnd aus Tonis und Griets Sicht erzählt und ich habe mit beiden gleichermaßen von Anfang bis Ende mitgefiebert. Toni hält ihre Familie mit Schwarzmarktgeschäften über Wasser, trotzdem haben sie nie genug zu essen. Sie neiden Griet die Arbeit im Kasino und die regelmäßigen Mahlzeiten. Bei ihren Mauscheleien lernt Toni den charismatischen Louis kennen, der anscheinend alles besorgen kann – wenn der Preis stimmt. Er macht ihr Avancen und sie fühlt sich von ihm angezogen, aber sie traut ihm nicht so richtig. Er ist ein Frauenliebling, der sich ungern festzulegen scheint. Auch Griet muss sich mit der neuen Situation erst arrangieren. Sie hat Probleme, sich an ihre Freiheit zu gewöhnen. Außerdem weiß sie nicht, was schlimmer ist: Ihr Hass auf die Deutschen, vor allem auf Benno, oder die Angst vor Entdeckung. Denn sie hat ein Geheimnis, von dem sie noch niemandem erzählt hat und das am liebsten für immer vergessen würde. Mir haben auch in diesem Buch wieder die starken Frauen imponiert, über die Teresa Simon schreibt. Toni ist eine Macherin, sehr findig, intelligent und aufgeschlossen. Sie entscheidet schnell und übernimmt gern die Führung, doch sie ist sich auch nicht zu schade, um Hilfe zu bitten, wenn sie sie braucht. „Du hast Feuer im Herzen und Mumm in den Knochen, und beides hat dir nicht einmal dieser verdammte Krieg austreiben können.“ (S. 41) Griet hat Schlimmes er- und überlebt. Sie fühlt sich entwurzelt und in ihrer neuen Heimat nicht willkommen, aber sie lässt sich davon nicht unterkriegen. Tante Vev ist mein heimlicher Liebling. Die ehemalige Schauspielerin ist Witwe, gutsituiert, schlagfertig und gerissen. Sie hatte ihre Bewunderer früher fest im Griff „Man muss als Frau für einen Mann nämlich so teuer sein, dass er sich auf Dauer keine zweite leisten kann.“ (S. 40) und opfert jetzt nach und nach ihren Schmuck für das Überleben der Familie. Teresa Simon erzählt sehr anschaulich und mitreißend von der aufregenden, unruhigen und gefährlichen Zeit direkt nach dem Ende des 2. Weltkrieges in München. Ich konnte mich gut in die Unsicherheiten und Ängste der Menschen hineinversetzen die nicht wussten, wie es weitergeht. Die Stadt war zu großen Teilen zerstört und die Amerikaner behandelten die Besiegten verständlicherweise nicht gerade nett. Die Animositäten zwischen Siegern und Besiegten waren groß. Man musste sich erst an die neuen Machtverhältnisse und Ressourcenverteilung gewöhnen. Jeder kämpfte ums Überleben, um Nahrung und Wohnraum. Vor allem, als auf den Krieg auch noch der Hungerwinter folgte. Die Überlebenden sehnten sich nach ihren immer noch vermissten oder verlorenen Angehörigen und gerade die jüngeren auch nach der Liebe und richtigen Neuanfängen. Dazu kommt, dass in München überdurchschnittliche viele DPs gestrandet waren und rund um die Möhlstraße schnell eine jüdische Gemeinde inkl. riesigem Schwarzmarkt entstand. In diesem Umfeld hat die Autorin ihre „Glückskinder“ angesiedelt – junge Menschen, die einen unsicheren Neuanfang wagen. Wie von ihr gewohnt, hat Teresa Simon die historischen Hintergründe wieder hervorragend recherchiert, bindet u.a. die politischen Umbrüche, die Aufstände der hungernden Bevölkerung und Stürmung der Lebensmittellager und Schwarzmärkte, die Spruchkammermeldebögen und Prozesse gegen Kriegsverbrecher sowie die Unruhen bzgl. der Währungsreform geschickt in die Handlung ein und lässt ein weiteres Stück Geschichte lebendig werden. Das alles beschreibt sie so spannend, dass ich statt nur mal kurz rein zu lesen die 512 Seiten am Stück verschlungen habe. #gegendasvergessen

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Ein Roman, der zum Nachdenken anregt

Von: Iris Frenzel aus Magdeburg

18.02.2021

Teresa Simon nimmt uns auf eine "Reise" zweier Frauen mit, in der sie 1945 um´s nackte Überleben kämpfen. Toni und Griet, gezeichnet durch die Schrecken des Krieges, suchen und nutzen ihre Chancen, zu LEBEN. Der Weg ist nicht leicht. Kälte und Hunger rauben den Menschen die letzten Kräfte, die sie doch so nötig für den Überlebenskampf brauchen. Alles, was dringend benötigt wird, ist, wenn überhaupt, nur auf dem Schwarzmarkt zu bekommen, jenseits der Legalität, daher stets umkämpft und somit auch nicht ungefährlich. Die beiden unterschiedlichen Frauen werden gezwungen, in einer sogenannten WG zu leben, die Wohnung von Tonis Tante Vev, in welcher auch Tonis Mutter Rosa und die kleine Bibi sowie Vevs zweite Nichte Annemie mit ihrem unehelichen Sohn Benno wohnten. Bennos Lebenslauf birgt viel Potential, welches die Harmonie in und um diese Wohnungsgemeinschaft auf eine harte Probe stellt. Mich hat sehr beeindruckt, mit welchen Mitteln und Tricks man damals gegen diese unbeschreibliche Armut gekämpft hat. Teresa Simon hat uns diesen Kampf sehr einfühlsam und ohne erhobenen Zeigefinger geschildert. Sie hat uns den Stolz dieser Menschen gezeigt, die Wendigkeit und Fantasie, aus den unwirklichsten Mitteln etwas Brauchbares zu "zaubern". Glückskinder, dieser Titel ist der passende Begriff sowohl für die beiden Frauen und deren WG als auch allen Menschen, die unter unvorstellbaren Entbehrungen dafür gesorgt haben, dass es uns heute so viel besser geht. Das historische Nachwort und auf gar keinen Fall zu vergessen der Rezepteil sind so interessante "Geschenke" an uns Leser, die uns die Liebe und filigrane Arbeit von Teresa Simon für diesen tollen Roman zeigen.

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Glückskinder

Von: MarySophie

18.02.2021

Handlung München 1945 Zwar ist der Zweite Weltkrieg vorbei, doch so richtig durchatmen und nach vorne blicken kann die Bevölkerung noch immer nicht. Dafür sind die Erinnerungen zu stark, die Nahrungsmittel zu knapp. Und genau aus diesem Grund boomen die Schwarzmärkte der Stadt, wo sich täglich ein Teil der Bevölkerung trifft, um an begehrte Güter zu gelangen. Auch Toni verschlägt es immer wieder auf den Schwarzmarkt in der Möhlstraße, wo sie für ihre Familie und auch Tante Vev, bei der sie derzeit wohnen, das Nötigste organisiert. Und schließlich wird auch noch die Holländerin Griet in der Wohnung von Tante Vev einquartiert, sehr zum Missfallen der anderen Bewohner. Sie betrachten die junge Frau mit Abneigung und Vorsicht, ahnen nicht, was Griet die letzten Jahre alles miterleben musste. Doch schließlich erkennen sowohl Toni, als auch Griet, dass sie einander helfen können und man über andere Menschen nicht vorschnell urteilen sollte... Meinung Ich finde das Cover sehr schick, stimmig und auffallend. Ich mag den hellblauen Hintergrundton, er dient eindeutig als Blickfang und lässt das Cover strahlen. Darauf ist in dunkelroter Schrift der Titel, sowie der Name der Autorin abgedruckt, sowie an den Rändern jeweils zwei Blütensträucher. Weiterhin sind zwei Damen von hinten zu sehen, sie sind der Mode der Nachkriegszeit entsprechend gekleidet und gehen mit Koffern in der Hand zielstrebig ihren Weg. Bei den beiden Personen stelle ich mir gerne vor, dass es sich um Toni und Griet handelt, auch wenn die Haarfarben mit denen im Roman nicht ganz übereinstimmen. Insgesamt kann ich sagen, dass ich das Cover wirklich gern mag, es ist stimmig und wunderschön gestaltet, ein wahrer Blickfang! Von Teresa Simon habe ich bereits einige Romane gelesen, von denen mir viele sehr gut gefallen haben. Und mit der Inhaltsangabe ihres neuen Romans hatte sie wirklich direkt mein Interesse geweckt und ich konnte nicht anders, als den Titel auf meine Wunschliste zu schreiben. Ich habe stark auf den Erscheinungstermin hingefiebert, hatte mir viel von dem Buch versprochen und war unglaublich gespannt, ob meine Erwartungen erfüllt werden und wie sich die Ereignisse entwickeln. Dementsprechend war ich sehr dankbar, das Buch vom Bloggerportal und dem Heyne Verlag zur Verfügung gestellt zu bekommen, wofür ich mich ganz herzlich bedanken möchte! Ich kann schon mal vorab verraten, dass es ein großes Vergnügen war, den Roman zu lesen und ich wundervolle Lesestunden damit hatte! Um sowohl zeitlich, als auch örtlich nie den Überblick zu verlieren, wurde am Anfang von neuen Kapitel stets der Handlungsort, als auch der Monat und das Jahr angegeben. Dadurch lässt sich nicht nur leicht verfolgen, wie viel Zeit seit dem Beginn der Handlung vergangen ist und man kann dadurch grob schauen, was in nächster Zeit für historische Ereignisse folgen oder welche Probleme sich für die Figuren ergeben könnten. So ist man stets gut informiert, was ich immer sehr gern mag! Zudem erstreckt sich die Geschichte über mehrere Jahre, der Prolog spielt im Jahr 1942, danach setzt die Handlung 1945 ein und geht bis ins Jahr 1948. In diesen Jahren passiert allerhand und es wäre leicht gewesen, sich zeitlich zu verlieren. Ich bin froh, dass dies so eingebunden wurde und man sich stets gut orientieren konnte! Ein sehr hilfreiches kleines und wirkungsvolles Detail, für das ich dankbar bin! Wie man es schon von Büchern aus der Feder der Autorin gewohnt ist, startet der Prolog mit vielen Fragen, die erst im weiteren Verlauf der Handlung besprochen und aufgelöst werden. Hier kann man bereits erste Vermutungen anstellen und die Spannung befindet sich bereits nach kurzer Zeit auf einem sehr guten und soliden Niveau. Man wird dazu verführt, direkt weiterzulesen, was ich auch gemacht habe und bereits nach kurzer Zeit wurde ich von der Geschichte gefangen genommen und konnte mich leicht und ohne Probleme auf diese einlassen. Dadurch hatte ich einen sehr angenehmen, spannenden, interessanten und flüssigen Start in den Roman, hatte bereits nach wenigen Seiten einen guten Eindruck von der Geschichte und habe mich unglaublich auf das weitere Lesen gefreut! Daran war nicht nur die lebendige Handlung mit den angenehmen und sympathischen Charakteren schuld, sondern auch die Schreibweise. Sie war einfach und locker gehalten, gibt gute Bilder von den Situationen, Figuren und Settings, aber auch von politischen und historischen Ereignissen. Diese wurden immer so geschickt eingebunden, sodass man die Informationen fast schon nebenbei aufgenommen hat und nie davon überfordert wurde. Sie wurden stets eindrucksvoll und mit leicht verständlichen Worten umschrieben und ich hatte keine Probleme, sie direkt einzuordnen und zu verarbeiten. Dazu gibt es immer wieder Abschnitte, in denen ein wenig Münchener Dialekt, aber auch die Englische Sprache eingeflochten wurde. Auf diese Weise entsteht eine besondere Art der Authentizität und ich mochte es sehr, wie diverse Personen sich dadurch hervorgehoben haben und ihr Auftreten einzigartig wurde. Diese Abschnitte haben außerdem viel zur Stimmung beigetragen und wurden in einem angenehmen und passenden Maß eingebunden. Obwohl ich noch nie in München war, hat es die Autorin geschafft, aufgrund einer äußerst bildhaften Sprache die Stadt auch für mich lebendig und greifbar zu machen. Viele Ecken und Orte, aber auch Räume haben lebendige Bilder vor meinen Augen entstehen lassen und es hat auf diese Weise viel Spaß gemacht, zusammen mit den Personen durch München zu radeln oder zu laufen und die Stadt dadurch ein wenig kennenzulernen. Trotzdem habe ich auch häufig noch im Internet geschaut, wie die Örtlichkeiten tatsächlich aussehen und es war schön zu sehen, wie detailgetreu Teresa Simon diese beschrieben hat! Zudem mochte ich es sehr, dass sie schonungslos beschrieben hat, wie München nach dem Krieg aussah, welche Ecken der Stadt zerstört waren und welche Auswirkungen dies auf die Bevölkerung hat. Dadurch hat der Krieg nochmals eine dunklere Seite bekommen und oft war die Verzweiflung der Menschen deutlich greifbar, wenn sie auf ihre zerbombte Stadt geschaut haben. Eigentlich ist man es von den Büchern der Autorin gewöhnt, dass sie auf zwei zeitlichen Ebenen spielt und die Handlung zwischen diesen hin- und herspringt. Diesmal bewegt sich die Geschichte sehr geradlinig fort, es gibt keine zeitlichen Sprünge, sondern sie wird chronologisch erzählt. Die Kapitel teilen sich zwischen zwei Damen auf, einmal verfolgt man die Münchenerin Toni, lernt ihre Familie kennen und erhält einen Einblick in ihr Leben, sowie wie sie den Krieg und die Folgen erlebt. Zum anderen verfolgt man die Holländerin Griet, die den Krieg nochmals düsterer erlebt hat und eine schwere und belastende Zeit hinter sich hat, die sie wohl niemals vergessen wird. Es treffen zwei doch ziemlich unterschiedliche Damen aufeinander, man erfährt von ihren Gedanken und Gefühlen, Hoffnungen und Ängsten. Man verfolgt unterschiedliche Lebensweisen und lernt dabei Menschen kennen, die komplett unterschiedliche Ansichten vom Leben und der Politik haben. Ich mochte die zweigeteilte Handlung sehr, beide Damen waren mir sympathisch und ich fand es gut, dass die Geschichte so aufgeteilt wurde. Es kam immer wieder Abwechslung hinein, für mich wurde es an keiner Stelle langweilig und ich wollte immer wissen, wie es weitergeht. Das war natürlich für meinen Lesefluss sehr förderlich und es war auch interessant zu erfahren, was mit den Protagonisten geschieht und was das Schicksal noch für sie bereit hält. Zudem mochte ich es, dass man jede Figur aus unterschiedlichen Blickwinkeln erlebt und sich somit ein noch besseres Bild von ihnen machen kann und die Ereignisse aus zwei Sichtweisen erlebt. Das hat letztendlich dazu beigetragen, dass ich mich noch besser auf die Geschichte einlassen konnte und so vieles äußerst lebendig und realitätsnah wirkte. Gerade am Anfang des Romans gab es einige stimmungsvolle und berührende Szenen, die sich dann auch auf mich übertragen haben. Hier war es mir möglich, mit den Personen mitzuleiden oder mich für sie zu freuen und dadurch eine Bindung aufzubauen. Ihre Gefühle ließen sich nachvollziehen und waren authentisch, was mir gut gefallen hat. Mit zunehmender Handlung jedoch wird die Stimmung immer weniger greifbar und war irgendwann ziemlich verschwunden. Das fand ich ein wenig schade, gerade weil dieser Punkt anfangs so gut ausgefüllt wurde, hatte ich mir mehr erwartet. Ich finde, dass die Spannung durchweg immer ein wenig vorhanden war, wobei sie natürlich mal mehr, mal weniger Raum eingenommen hat. Oft wurde sie durch kleine Bemerkungen aufrecht erhalten und man möchte natürlich wissen, wie sich diese Heimlichkeiten aufklären. Diese Hinweise wechseln sich mit ruhigen Kapiteln ab, in denen einfach nur der Alltag von Griet und Toni beschrieben wird und man schauen kann, wie sich die Stadt München mitsamt ihren Bewohnern langsam vom Krieg erholt. Somit ist der Grundton in der Geschichte meist ruhiger, was ich sehr angenehm empfand. Teresa Simon hat zahlreiche historische Details in ihren Roman eingebunden. Viele Themen wurden mal länger, mal kürzer behandelt und anhand von ihnen kann man sich ein Bild davon machen, was die Bevölkerung beschäftigt hat. Sei es die Religion oder der tägliche Kampf um Nahrung und damit auch ums Überleben, die Hungersnot, die überall herrscht oder der aufkeimende und weit verbreitete Handel auf dem Schwarzmarkt. Über zahlreiche Aspekte wird man aufgeklärt und erhält ein ausreichend großes Bild, um einen Eindruck der Nachkriegszeit zu erhalten und dadurch der Handlung flüssig zu folgen. Ich empfand viele Figuren schnell als angenehm und sympathisch, sie haben gute Zeichnungen erhalten und waren lebendig gestaltet. Es wurden verschiedene Charaktere eingebunden, die unterschiedliches erlebt haben und teils noch an der Vergangenheit festhalten. Durch die Zufügung von amerikanischen Soldaten wird das Bild der Bevölkerung in München nochmals vergrößert. Ich hätte mir gewünscht, dass manche Personen stärker an ihrer ursprünglichen Überzeugung festhalten. Das hätte sie in ihrem Auftreten stärker gemacht und würde einen noch größeren Ausschnitt der Zeit geben. Zudem kam mir bei dieser einen besagten Person, die ich nicht näher benennen will, der Wandel im Denken zu plötzlich und schnell. Ein Kapitel, wo man vielleicht einen näheren Einblick in seine Gedanken bekommt, wäre hilfreich gewesen. Am Ende des Buches gibt es noch ein ausführliches und manche Situationen und Vorgänge erklärendes Nachwort, welches das gerade Gelesene nochmals abrundet und weitere Hintergrundinformationen bietet. Ich habe während dieser Seiten die Handlung nochmal ein wenig Revue passieren lassen und fand es dabei faszinierend, wie viele historische Informationen die Autorin eingebunden hat, ohne das man als Leser davon überfordert wurde. Außerdem wurde hier auch ein wenig deutlich, wie viel Recherche für das Werk betrieben wurde, um am Ende ein so stimmiges und rundes, aber auch informatives Buch entstehen zu lassen! Zu guter Letzt wurden noch einige Rezepte angefügt, anhand derer man sich einen Eindruck machen kann, was in den Handlungsjahren auf den Speiseplänen der Bürger stand und was sie aus den Lebensmitteln, die sie zur Verfügung hatten, hergestellt und gekocht haben. Anhand dieser Rezepte sieht man, mit wie wenig die Menschen nach dem Zweiten Weltkrieg überleben mussten und wie knapp die Lebensmittel damals waren. Fazit Ich habe ja jetzt viele Punkte genannt, die mir richtig gut gefallen haben und die mir das Buch zu einem Lesevergnügen gemacht haben. Aber hundertprozentig wurde ich nicht überzeugt, mir hat noch ein kleiner Punkt gefehlt, der die Handlung mitreißend macht und das Buch zu einem Highlight. Ich kann nicht genau benennen, was mir ein wenig gefehlt hat, vielleicht die Stimmung, vielleicht aber auch eine Person, die noch deutlicher als Gegenspieler fungiert. Ansonsten bin ich mit der Geschichte wirklich zufrieden, ich habe die Handlung mit viel Interesse verfolgt und finde letztendlich, dass es der stärkste Roman aus der Feder von Teresa Simon ist. Ja, es gibt Bücher, die ich vielleicht in der Vergangenheit besser bewertet habe, aber mit dieser Erzählung auf einer zeitlichen Ebene hat sie mich mehr überzeugt und ich hoffe, auf noch weitere solch interessante Werke! Meine Bewertung: 4,5 von 5 Sterne

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Ihre Romane sind Leseerlebnisse. Es sind Zeitreisen zu interessanten Schauplätzen, untermalt mit historische Fakten und belebt mit starken emphatischen Charakteren. Sie schafft es meisterlich die Leser in ihre Geschichten zu ziehen und sie erst wieder freizugeben, wenn die letzte Seite des Buches gelesen ist. Mit „Glückskinder“ beschreitet Teresa Simon neue Wege und verabschiedet sich vom Stil ihrer vorangegangenen fünf Romane. Das zeigt einmal mehr wie breitgefächert die Autorin arbeitet. Ihre schriftstellerische Bandbreite offenbart sich, wenn man weiß, dass hinter dem Pseudonym die promovierte Historikerin und Buchautorin Brigitte Riebe steckt. Im Mittelpunkt der Handlung stehen zwei junge Frauen - Antonia Brandl (Toni genannt) und Griet van Mook. Sie berichten abwechselnd aus ihrem Leben. Der Roman beginnt mit einem spannungsreichen Prolog, der ins Jahr 1942 in die Niederlande zurückblickt. Dramatische Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Drei Jahre später ist der Krieg endlich vorbei. Viele Städte liegen in Schutt und Asche. Auch Tonis Heimatstadt München gleicht einem Trümmerfeld. Nachdem die Wohnung der Brandls bei einem Bombenangriff zerstört wurde, kommt Antonia, ihre Mutter Rosa und die kleine Schwester Bibi bei Tante Vev unter. Es fehlt an allem. Deshalb versucht Toni auf dem Schwarzmarkt in der Möhlsträße das Nötigste für die Familie zu organisieren. Griet hat schwere Zeiten hinter sich und schleppt noch immer ein düsteres Geheimnis mit sich herum. Als sie den charmanten Captain Walker kennenlernt, scheint es aufwärts zugehen. Er nimmt sie mit nach München und besorgt ihr eine Arbeit. Hier begegnen sich die beiden Frauen, denn Griet wird bei Tante Vev einquartiert. Die neue Mitbewohnerin stößt auf Ablehnung. Es dauert eine Weile, bis sich Toni und Griet annähern und ihre Vorurteile überwinden. Junge attraktive Frauen bleiben der Männerwelt nicht verborgen. Doch bis der Richtige gefunden ist, dauert es eine Weile. Von Anfang an bin ich mittendrin. Schockierende Bilder ziehen an mir vorüber, bis dieser furchtbare Krieg endlich ein Ende findet. Gefesselt fliege ich durch die mehr als 500 Seiten. Bitte nicht stören, ich lese! Wieder gelingt es der Buchautorin mir ihre Akteure nahe zu bringen. Ich mag ihre Figuren, kann sie mir bildlich vorstellen und empfinde mit ihnen. Besonders gelungen ist die Rolle der Tante Vev, einer resoluten alten Dame, die alles im Überblick hat und den einen oder anderen guten Rat verteilt. Die Atmosphäre des Romans ist beeindruckend. Gedanklich spaziere ich durch München, vorbei an den zerstörten Häusern. Ich tingele über den Schwarzmarkt und tausche amerikanische Zigaretten gegen Lebensmittel ein. Ach da ist Louis, der scheinbar alles besorgen kann und die Frauen mit seiner charmanten Art um den Finger wickelt. Teresa Simon brilliert auf ganzer Linie. Geschickt bindet sie historische Fakten, wie die Währungsunion oder die Nürnberger Prozesse in ihre fiktive Story ein. Damit schafft sie Authentizität. Wie man es von Teresa Simon kennt, geht es in ihren Romanen auch um Liebe, jedoch nie vordergründig, eher als schmückendes Beiwerk. „Glückskinder“ ist ein emotionaler Schicksalsroman der Spitzenklasse. Beste Unterhaltung auf hohem Niveau! Lesenswert!

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