Rezensionen zu
Fürchte die Schatten

Michael Robotham

Cyrus Haven (2)

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Michael Robotham hat mit der Cyrus Haven Reihe ein neues Kapitel eines Psychologen, der bei den Polizeiarbeiten unterstützt, aufgeschlagen. Als Cyrus Haven auf Evie Cormac trifft, versucht er herauszufinden, was dieser jungen Frau passiert ist. Im ersten Teil blieb Evie stur und bockig. Sozialarbeiter, Polizei und Psychologen versuchten alles machbare, um Evie zu helfen. Im zweiten Teil wird ein Polizist ermordet aufgefunden. Cyrus hilft erneut Lenny, um den Fall zu lösen. Nach und nach erkennt er: er ist hier einem großen Netzwerk von Pädophilen auf der Spur. Nicht nur sein Mentor, der sich um Cyrus gekümmert hat, als seine Familie ausgelöscht wurde, scheint darin verwickelt zu sein. Selbst Evie reagiert auf gezeigte Bilder. Und Evie flüchtet, als die Vergangenheit ihr auf der Spur ist und im Jugendheim ein junges Mädchen ermordet wird. Zugegeben, nachdem der erste Teil ziemlich spannend war, habe ich mich sehr auf den zweiten Teil gefreut. Aber die Enttäuschung lässt sich nicht ganz verbergen. Zu viele Protagonisten, bei deren Namen und Verhältnisse man durchaus aus dem Konzept gerät. Sachas und Cyrus‘ Verhältnis war für mich auch etwas fragwürdig (aus dem Nichts in das Nichts). Leider vermiesten mir einige Ereignisse zudem den Schluss. Es gab einen Hollywoodreifen Showdown, bei dem ich sagen muss: völlig überzogen. Der Schluss wirkte, als müsste man jetzt alle Register ziehen, um das Buch noch zu retten. Auch wenn Evie sich größtenteils öffnen konnte, hinterlässt das Buch bei mir das Gefühl, man hätte es anders und vor allem besser machen können. Leider nur 3 Sterne für ein Buch mit wesentlich mehr Potential.

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Michael Robotham dürfte mit seiner erfolgreichen Reihe um Joe O'Loughlin und Vincent Ruiz inzwischen abgeschlossen haben (oder den beiden Hauptfiguren zumindest eine längere Pause gönnen). Ein Indiz dafür ist die angedeutete Übergabe der Verantwortung von Joe O'Loughlin an Cyrus Haven am Ende des 2019 erschienenen "Schweige Still". Cyrus ist der Protagonist einer neuen, vielversprechenden Serie. Er gleicht seinem Vorgänger in manchem, unterscheidet sich jedoch in vielem. Fassen wir noch einmal kurz zusammen: Cyrus Haven ist forensischer Psychologe, der bedarfsweise von der Polizei konsultiert wird. Seine Eltern und seine Zwillingsschwestern wurden von seinem älteren Bruder brutal ermordet, Cyrus war zum Zeitpunkt des Massakers außer Haus. Inzwischen ist er 31 Jahre alt und teilt mit O'Loughlin sowohl den Beruf, als auch die mit seinem Fachwissen erworbene Selbstsicherheit. Im Gegensatz zu dem an Parkinson erkrankten O'Loughlin ist Haven ein passionierter Läufer und hat im Keller seines geerbten Hauses einen privaten Fitnessraum eingerichtet. Anstelle einer Psychotherapie lässt er seinen Körper tätowieren: "Die Nadel ist mein Ausweg und meine Rettung. Die Nadel verwandelt Kunst in Leiden und Leiden in Kunst und spricht zu niemandem außer mir." (S. 82) Evie Cormack ist mittlerweile knapp volljährig. Mit acht Jahren wurde sie verstört in einem versteckten Raum eines alten Hauses aufgefunden, wo sie die brutale Folter eines Mannes unbemerkt miterlebt hat. Sie ist ein "Truth Wizard", das heißt, sie besitzt die besondere Fähigkeit, sofort zu erkennen, wann ihr Gegenüber lügt. Wohl aufgrund der geteilten Erfahrung eines Kindheitstraumas ist Cyrus der einzige Erwachsene, zu dem sie Vertrauen fasst, alle anderen stößt sie rüde von sich. Nachdem also Cyrus und Evie einander im ersten Teil begegnet sind und gemeinsam einen Mordfall aufgeklärt haben, erwarten wir uns Ähnliches auch für den zweiten Teil. Wir erwarten, dass die beiden sich noch besser aufeinander einspielen, um als Team aus Psychologe und menschlichem Lügendetektor ihre Gegner zu überlisten. Doch der Autor macht uns schnell klar, dass die Vorgeschichte noch lange nicht verarbeitet ist. Zu wenig wissen wir noch über die wahren Umstände der Ermordung von Cyrus' Familie. Zu wenig erschütternd ist Evies Vergangenheit, um sie unerzählt zu lassen. Der Mord an einem pensionierten Polizisten, der sich in einen ungelösten Fall verbissen hat, bringt den Stein ins Rollen. Weil dieser Fall lose mit Evie verbunden ist, tauchen plötzlich dubiose Gestalten auf, die hartnäckig nach ihr suchen. Evies Wunden brechen auf, die Erinnerungen vermischen sich mit der Gegenwart. So erfahren wir von einem Mann, den sie nur "Onkel" nennen durfte, der Kinder wie sie an zahlungskräftige Kunden vermittelte, von einem Chauffeur, der für sie zum Ersatzvater wurde und sich für sie opferte. Und schließlich erfahren wir sogar Evies ursprünglichen Namen. "Als ich aufgewachsen bin, kannte ich jeden in dieser Straße, und jeder kannte mich. Die Robinsons wohnten in Nummer achtundzwanzig, die Brennans in Nummer achtzehn, die Flicks gegenüber. Sie waren eine verrückte Familie, etwas verwahrlost, mit insgesamt elf Kindern, die ständig Ärger hatten, weil sie Fensterscheiben zerbrochen, in Läden geklaut, die Schule geschwänzt oder Fahrräder gestohlen hatten." (S. 227) Michael Robothams Erzählkraft gründet in dem Reichtum an Details, mit denen er seine Figuren ausgestaltet, der Vielzahl an Anekdoten, aus denen er ihre Biographie zusammensetzt. Wenn Cyrus sich an seine Jugend in einem Stadtteil von Nottingham erinnert, blickt der Autor aus dem Buch heraus, fixiert den Leser mit einem Blick als würde er fragen: "Und, wie war es bei dir?" Die Erzählung der Mutter eines Pädophilen, die gegen ihr Drogensucht und für das Sorgerecht kämpft, lässt beim Lesen innehalten. Der gebrochene alte Mann, dessen Enkel entführt und dessen Sohn sich aus Verzweiflung darüber das Leben genommen hat, verursacht Gänsehaut. Robotham erzählt von Menschen, die es tatsächlich geben könnte. Es sind Schicksale, die ein aufmerksamer Zuhörer aufliest, nicht in den Londoner Geschäftsvierteln, sondern auf weniger belebten Straßen, die von verfallenden Häusern gesäumt sind. Obwohl die neue Serie des Autors nach Cyrus Haven benannt ist, schiebt sich Evie als zweite Hauptfigur unauffällig in den Vordergrund. Die einzelnen Kapitel sind abwechselnd aus seiner und ihrer Perspektive in der ersten Person und im Präsens erzählt. Beide sind dem Leser gleich nahe, beide sind stilistisch gleichgestellt. Auch für die Handlung sind beide jeweils auf ihre eigene Weise unbedingt erforderlich, ein vom Duo O'Loughlin/Ruiz ungewohntes Gleichgewicht. Während Evie die Geschichte vorgibt, ist es Cyrus, der diese konsequent vorantreibt. Zwei Hauptfiguren, die unterschiedlich wahrnehmen und bewerten, geben dem Autor die Gelegenheit, einzelne Situationen besonders gründlich zu erkunden. Robotham dosiert dieses Mittel behutsam, etwa in einem intimen Moment, als Evie sich im Dachboden von Cyrus' Haus versteckt, während dieser ein Stockwerk darunter die Nacht nicht alleine verbringt. Persönliches Fazit "Fürchte die Schatten" ist noch nicht der Thriller um ein einander ergänzendes Duo, der er sein könnte. Vielleicht soll die Serie diesen (ausgetretenen) Pfad auch gar nicht einschlagen. "Fürchte die Schatten" erzählt, was noch erzählt werden muss, feinfühlig und zugleich fesselnd.

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Fangen wir ganz von vorne an. Ich mag Michael Robotham. Vor allem die Serie mit dem Psychologen Joe O’Loughlin. Deshalb habe ich mich auch gefreut als ich gesehen habe, das es eine neue Serie mit einem neuen Ermittler gibt. Diese habe ich mir auch gleich auf meine Merkliste gelegt. Ich habe es, keine Ahnung mehr wieso, verpasst den ersten Teil zu hören. Deshalb bin ich mit dem zweiten Band eingestiegen. Ich bin aber dennoch gut mitgekommen. Natürlich ist jetzt alles gespoilert. Den ersten Band möchte ich mir jedoch trotzdem noch anhören. Worum geht es? Ehrlich gesagt finde ich den Klappentext nicht aussagekräftig. Ich vermute mal das es eine Zusammenfassung des ersten Hörbuches ist. Zum Inhalt: Als ein pensionierter Detective nach einem inszenierten Selbstmord tot in seinem Auto aufgefunden wird, wird Cyrus an den Ermittlungen beteiligt. Das Opfer hat Fälle vermisster Kinder untersucht. Und es gibt eine Verbindung zu Evie Cormac. Cyrus will der Vergangenheit auf den Grund gehen und dabei begibt nicht nur er sich in Gefahr. Es geht um Kindesmissbrauch und nicht nur unter Kleinkriminellen. Um das gesehene zu vertuschen, geht man auch über Leichen. Das Hörbuch hat mir sehr gut gefallen. Es ist eine interessante stimmige Story. Sie wird aus zwei Sichten erzählt. Deshalb gibt es auch zwei Hörbuchsprecher. Das ist einmal Norman Matt und Anjorka Strechel. Das finde ich sehr angenehm. Beide haben eine schöne Stimme. Es spielt auch in zwei Zeitzonen. Einmal gibt es Rückblenden in die Vergangenheit von Evie und in der Gegenwart ermittelt Cyrus. Das Ganze ist garniert mit persönlichen, intimen Empfindungen der Protagonisten. Das gibt dem Buch dir richtige Würze. Es gibt reichlich Action und am Ende einen fulminanten Abschluss. Für mich 5 Sterne. Ich hatte nichts zu kritisieren und war nur enttäuscht das es nach 9 Std und 53 Minuten schon zu Ende ist. Ich hätte vielleicht doch besser zur ungekürzten Version gegriffen. Denn diese ist ca. 2 Stunden länger. Ich hoffe darauf dass es eine Fortsetzung gibt, da mir der neue Ermittler sehr gut gefällt. Ach ja, ich habe 7 Tage gebraucht um das Hörbuch anzuhören. Das Hörbuch wurde uns als Rezensionsexemplar von der Hörverlag kostenlos zur Verfügung gestellt. Dafür vielen Dank.

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Thriller

Von: Juttamoments

21.01.2021

„Fürchte die Schatten“ ist Teil 2 der Cyrus Haven-Reihe. Schon letztes Jahr habe ich den 1. Band geliebt. Nun ist der 2. erschienen und hat dieselbe Qualität wie der erste. ⭐️ ⭐️⭐️⭐️⭐️ In „Schweige still“ haben wir Evie Cormac kennengelernt. In diesem Teil erfahren wir mehr über ihre grausame Vergangenheit. Cyrus Haven, der Psychologe, versucht zu ergründen was Evie widerfahren ist und wer dahintersteckt. Doch so einfach ist es nicht, denn plötzlich holt Evie ihre Vergangenheit ein und die Jagd auf sie beginnt erneut. Cyrus hat selbst eine schwierige Kindheit durchlebt und scheint daher ein besonderes Verständnis bzw. Empathie für Evie zu verspüren. Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht von Cyrus und Evie erzählt. Michael Robotham weiß es zu schockieren. Obwohl er nur andeutet, erschließt sich uns das Grauen, das Evie erlebt haben muss. Gleichzeitig schreibt er mit Tiefe und schafft es, einen durchgehenden Spannungsbogen aufrecht zu erhalten. Ich habe Evie und Cyrus ins Herz geschlossen und hoffe auf eine Fortsetzung!

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Nachdem mich der erste Band „Schweige Still“ mit sehr vielen Fragen zurückgelassen hatte, war ich natürlich total gespannt auf „Fürchte die Schatten“. Das Ende des ersten Teils schließt zwar den zugehörigen Fall ab, lässt aber bezüglich der Vergangenheit von Evie eigentlich alles offen. Das war ziemlich geschickt, denn so kam es für mich gar nicht in Frage, „Fürchte die Schatten“ nicht zu lesen! Ich musste einfach wissen, was genau dort geschehen ist. Das Buch bringt zum Glück auch endlich nach und nach Licht ins Dunkel von Evies Leben. Die Auflösung des Ganzen war für mich absolut schrecklich, aber schlüssig und spannend! Vom Abschluss den Ganzen war ich allerdings ein klein wenig enttäuscht, hier hätte ich mir ein raffinierteres Ende gewünscht. Der Ausgang der Geschichte war für meinen Geschmack fast ein kleines Bisschen zu einfach, zu überstürzt und zu vorhersehbar. Was Michael Robothams Schreibstil für mich absolut besonders macht, ist seine Düsternis, seine Boshaftigkeit und sein Sarkasmus. Die Geschichte lässt den Lesenden in tiefe menschliche Abgründe blicken, Robotham schafft es aber trotzdem, manche Dinge mit Humor und einem Augenzwinkern herüberzubringen. „Fürchte die Schatten“ ist ein wirklich düsteres Buch, das unter anderem sensible Themen wie Kindesmissbrauch behandelt. Der Umgang Evies mit ihrer Vergangenheit und die Auswirkungen derer auf ihre Denkweisen und ihren Charakter sind für mein Empfinden sowohl im ersten Band als auch in diesem äußerst geschickt und wohl überlegt in die Geschichte eingebaut. Evie als Protagonistin ist unfassbar vielseitig und interessant. Bei Cyrus ist das ähnlich. Beide haben so viele Ecken und Kanten, sind teilweise unvorhersehbar, gleichzeitig kann man aber oft gut mit ihnen fühlen. Die beiden sind für mich eines der außergewöhnlichsten „Ermittlerduos“ überhaupt und ich bin unendlich gespannt auf weitere Bücher mit Cyrus und Evie!

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Evies Leben ist eine Lüge und Cyrus Haven möchte herausfinden warum sie nichts von ihrer Vergangenheit preis gibt.. dadurch bringt er sie und auch sich selbst in Lebensgefahr, da er Menschen auf sich aufmerksam macht von denen er sich besser fern gehalten hätte. Endlich erfahren wir was es genau mit Evie Cormack auf sich hat. Schon im ersten Band fragte ich mich die ganze Zeit was ist da wohl passiert.. wieso benimmt sie sich so merkwürdig und wer hat ihr wirklich etwas angetan. Bis zum Ende hin wurden diese Fragen nicht aufgelöst doch nun im zweiten Teil lichtet sich endlich der Vorhang. Der Schreibstil hat mir wieder super gut gefallen und hat einen durchs Buch fliegen lassen. Cyrus fand ich ab und an etwas anstregend, vor allem als er Evie erstmal nicht glaubt. Evie ist wie auch schon im ersten Band unberechenbar, doch diesmal versteht man wieso sie sich wie eine Oberzicke verhält. Der Storyverlauf hat mir extrem gut gefallen und ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen, weil es so extrem spannend war. Es gab nicht wirklich eine Pause zum durchatmen und langweilig wurde es auch nicht ein einziges mal. Daher gibts für diesen zweiten Teil der Reihe 5/5 Sterne von mir.

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Erschütternde Kindheitsgeschichte – Der eindrucksvolle 2. Teil der Cyrus Haven-Reihe Evie Cormac ist nicht ihr richtiger Name. Seit sie als kleines Kind aus einem verwaisten Haus gerettet wurde, versucht sie verzweifelt ihre wahre Identität zu verbergen und ihre dazugehörende Geschichte geheim zu halten. Denn sie weiß, jeder der die Wahrheit kennt, muss sterben. Doch der Psychologe und Polizeiberater Cyrus Haven will Evie helfen und unbedingt herausfinden, was dem Mädchen in der Vergangenheit geschehen ist. Als er zufällig bei Ermittlungen zu einem Mord an einem Detective auf Evies Decknamen „Angel Face“ stößt, sieht er eine Chance, endlich die Wahrheit zu erfahren und Evies Peiniger aufzuspüren. Was Cyrus nicht ahnt: mit seinen Recherchen führt er Evies Feinde direkt zu ihr… Meine Meinung: Mit „Schweige still“ hat Michael Robotham eine neue Psychothriller-Reihe begonnen. Cyrus Haven ist Psychologe und polizeilicher Berater. Im ersten Teil haben wir ihn und die junge Frau Evie kennengelernt, ein schwieriger Charakter, klug, aber unberechenbar und teilweise gewalttätig. In „Fürchte die Schatten“ erzählt Evie Cormac ihre erschütternde Geschichte. Eine spannende Story, unglaublich fesselnd, feinfühlig und raffiniert erzählt. Wieder ist der Plot in zwei Erzählstränge unterteilt. In der Gegenwart versucht Evie Cormac ihre wahre Identität geheim zu halten. Doch Evies schwieriger Charakter macht es nicht leicht, ihr zu vertrauen und zu glauben. Cyrus Haven ist Evies Vertrauter und dennoch versucht er herauszufinden wer Evie wirklich ist und was sie durchleiden musste, um so zu werden wie sie ist. Leider weckt er nicht nur die Geister aus Evies Vergangenheit, sondern auch diejenigen, die Evie schon seit langer Zeit jagen. Der zweite Handlungsstrang erzählt Evies Geschichte. Von der Zeit, bevor sie aus dem heruntergekommen Haus mit der Leiche von Terry Boland im Schlafzimmer, von einer jungen Polizistin gerettet wurde. Eine Zeit mit hübschen bunten Kleidern, genug zu Essen und Besuche bei ganz vielen, verschiedenen Männern mit unterschiedlichen Vorlieben, die ihr „Onkel“ vermittelt hat. Unglaublich, was das Mädchen erleiden musste und es ist kein Wunder, das Evie niemandem vertraut, teilweise aggressives Verhalten zeigt und eben einfach ist, wie sie ist. Michael Robotham ist ein Künstler im Geschichten erzählen. Die Seiten fliegen nur so dahin, der Perspektivenwechsel und die Einblicke in Evies Vergangenheit sorgen für spannende Abwechslung. In der Story geht es um sexuellen Missbrauch, Manipulation und Vertuschung und gibt dramatische Einblicke in menschliche Abgründe. Der Autor versteht es einfach, den Leser auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle zu schicken, auf eine ganz feinfühlige und besondere Art und das, auch ohne allzu viel detailreiche Schilderungen von Gewalt und Brutalität. Mein Fazit: „Fürchte die Schatten“ ist ein gut durchdachter, spannender Pageturner mit einer erschütternden und glaubhaften Geschichte. Fesselnd und absolut lesenswert.

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Darum geht's: Polizeipsychologe Cyrus Haven soll bewerten, ob der Tod des pensionierten Polizisten Hamish Whitmore Mord oder Selbstmord gewesen sein könnte. Hamish hat private Ermittlungen über einen Kinderschänder angestellt und es befinden sich Hinweise zu Evie Cormack alias Angel Face in Hamishs Unterlagen. Über Evie weiß man so gut wie nichts und Cyrus wird neugierig, was der Kinderschänder, Hamish Whitmore und Evie miteinander zu tun haben könnten. So fand ich's: Die Serie ist zwar nach dem Psychologen Cyrus Haven benannt, aber er muss sich die Rolle des Protagonisten zu etwa gleichen Teilen mit Evie Cormack teilen. Im ersten Band der Reihe gab es einen kriminalistischen Handlungsstrang und die sich entwickelnde Freundschaft zwischen Evie und Cyrus lief etwas unrund nebenher. Das ist in "Fürchte die Schatten" weit besser gewichtet, denn Cyrus beschäftigt sich hauptsächlich damit, Licht in das Dunkel von Evies Vergangenheit zu bringen, während sie die Folgen dieser Vergangenheit auch heute noch verfolgen. Die Erzählperspektive wechselt zwischen Cyrus und Evie hin und her und ich fand die Umsetzung sehr gelungen. Cyrus und Evie haben einiges gemeinsam, denn beide haben eine traumatisierende Jugend hinter sich. Auch wenn Evie eher impulsiv und noch viel zu nah an ihrer tragischen Vergangenheit ist, Cyrus ein Psychologiestudium und viele Jahre mehr Abstand hat, findet man auch viele Ähnlichkeiten. Ich mochte beide Figuren gleich gerne und weil sie beide die Handlung tragen können, las ich auch gleich gerne aus ihrer beider Sicht. Die Handlung entwickelte einen deutlichen Lesesog und die Ermittlungen, die Cyrus anstellt und die Rückblicke, in denen Evie ein paar ihrer Geheimnisse lüftet, verbinden sich zu einer mitreißenden Handlung. Es fehlt nicht an Tiefe, was den tragischen Ereignissen nur angemessen ist, die treibende Erzählweise aber nicht ausbremst. Mir hat dieser zweite Band um einiges besser gefallen als der erste Teil dieser Reihe und mich komplett überzeugt.

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