Rezensionen zu
Das Licht jener Tage

Stephan Abarbanell

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Romancier Stephan Abarbanell, der hauptberuflich Kulturchef beim RBB ist, hat mit ‚Das Licht jener Tage‘ bereits seinen zweiten Roman vorgelegt. Wer den Hintergrund des Autors ein wenig kennt, wundert sich nicht über den Themenkomplex seines zweiten Romans. Sofort fällt auf, dass der Protagonist im Roman, Robert Landauer, ähnlich alt ist und mit dem Autor selbst einige Lebenseckpunkte verbindet und dabei besonders den Nahe Osten. Sprich hier sind viele eigene Erfahrungen eingeflossen. Aber nun mal ein paar Worte zum Roman, den ich mit Begeisterung gelesen habe. Robert Landauer, Arzt, hilft in Berlin einer jungen Muslimin, die einen leichten Hitzeschock im Auto erlitt. Wie der Zufall es will ist der Vater der jungen Frau ein Altbekannter von Landauer und so kommen nicht nur Erinnerungen an alte Zeiten hoch auch löst der ehemalige Weggefährte einen Gefallen ein. Sein ehemaliger Retter benötigt seine Hilfe und wir reisen gedanklich mit ihm in den Nahen Osten. Der Roman hat exakt 350 Seiten und davon ist aus meiner Sicht keine zu viel und keine zu wenig. Er schreibt auf den Punkt genau, konzentriert, aber wirkungsvoll und spannungsgeladen. Stephan Abarbanell hat den Roman zuerst strategisch durchgeplottet, dadurch ist der gut durchdacht. Mir gefällt diese klare Sprache und das durchkomponierte wie ein erdachtes Schachspiel. Äußerst gut. Mir fiel beim Lesen dieses Romans ein anderer wieder ein: der Roman ‚Schwarzer September‘, der auch den Nahen Osten im Fokus hat und uns mit in die Vergangenheit nimmt. Allerdings ist er strukturell komplett anders und aus meiner Sicht sehr viel wirrer daher kommt. Sprich, wer einen Roman sucht mit Kontext „Naher Osten“ sollte lieber zu ‚Das Licht jener Tage‘ greifen. Spannend ist auch,dass Abarbanell evangelische Theologie studierte, obwohl er gerne jüdische Theologie studiert hätte. Er lernte dafür auch Alt-Hebräisch gelernt, das moderne Hebräisch spricht er hingegen nicht! Man sieht der Autor hat sich viel mit der Gegen auseinandergesetzt und ist ein Nahost-Kenner. So was tut auch fiktionalen Geschichten gut, die uns den Horizont erweitern. Insgesamt gelungen!

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Ein Roman, dessen Klappentext irgendwie auf Abenteuer mit Krimi hinweist. Tatsächlich ist die Geschichte spannend und sie ist vielschichtig. Sie greift politische Geschehnisse in Beirut und im Libanon nahe der israelischen Grenze um 1982 auf. Wird dadurch persönlich, dass der Erzähler damals als junger Kerl in die Ereignisse rutschte und nun, vierzig Jahre später, wieder damit konfrontiert wird. Sein Umgang damit, die Beschreibungen der gesellschaftlichen Landschaften, in denen er sich nun bewegt, sind lesenswert. Sachlicher Erzählstil Die Geschichte ist von einem maskulinen, sachlichen Erzählstil geprägt. Manchmal sehr detailliert, aber nie zu beschreibend, oft so, dass man sich einiges denken kann und nie zu viel vorab erahnen kann. Man erfährt die Geschichte, wie der Erzähler: peu á peu und sieht die Gegenden durch seine Augen. Denn daran lässt der Autor gut teilhaben. Man kann sich vieles bildlich vorstellen - ob in Berlin, Beirut oder Tel Aviv. Dieser Roman ist kein Schmöker, in dem man versinkt und erholt wieder auftaucht. Einiges zu Lesende ist durchaus verstörend, anderes wiederum neckisch. Ich hatte einige Tage etwas von dieser Geschichte und finde sie insgesamt lesenswert.

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Robert Landauer war einst ein sehr angesehener Mediziner, doch ein Pharmaskandal sorgte für einen enormen Karriereknick. Zwar muss Landauer die Arbeitslosigkeit nicht fürchten, doch sein Ruf ist beschädigt. Er lebt allein, von seiner Frau ist er seit langem getrennt, die Ehe zerbrach am Tod der gemeinsamen Tochter. In Berlin hat er eine folgenreiche Begegnung, als er einer jungen Frau hilft, die bei hohen Temperaturen einen Schwächeanfall erleidet. Er kümmert sich um sie und erhält kurze Zeit später eine Einladung ihres Vaters, der sich bedanken will. Fouad Tamimi, so sein Name, und Landauer kennen sich aus der Vergangenheit, ja, aus so etwas wie einem früheren Leben. Tamimi bittet Landauer um einen Gefallen, denn Landauer steht in dessen Schuld, wegen dem, was viele Jahre zuvor passiert ist. Landauer macht sich auf die Suche nach der Frau, die Tamimi vor vielen Jahren geliebt und verloren hat. Tamimi hatte mit Sahira aus dem Nahen Osten fliehen und ein neues Leben mit ihr beginnen wollen, doch die beiden wurden getrennt. Angeblich wurde Sahira beim Massaker im palästinensischen Flüchtlingslager getötet, so wie ihre gesamte Familie, doch es gibt keine Beweise. Landauer reist in den Libanon, um die Spuren Sahiras aufzunehmen und trifft dabei auch auf vergessen Geglaubtes aus seiner eigenen Vergangenheit. Gleichzeitig macht man ihm schnell klar, dass einige mächtige Männer es lieber sähen, wenn er seine Recherchen einstellen würde. Landauer wird bedroht. Es ist eine brisante Geschichte, der er immer näher kommt. „Das Licht jener Tage“ von Stephan Abarbanell folgt Robert Landauer auf seiner rasanten Suche nach Sahira und dem, was mit ihr passiert ist. Orte und Zeiten wechseln dabei schnell, Informationen erhält Landauer und damit auch der Leser nach und nach. Was recht harmlos beginnt, gewinnt an Tiefe und Brisanz, und immer deutlicher zeigt sich, dass Landauer auf gefährlicher Mission ist. Landauer ist ein versehrter Charakter, einer, der geliebt und verloren hat, der sich in seine Arbeit stürzte und der zu Beginn der Geschichte an einem Punkt ist, an dem sich entscheiden wird, wie er von nun an, mit schätzungsweise um die 50, weiterleben will. Sehr viele starke Frauen tummeln sich in „Das Licht jener Tage“, angefangen von Landauers Exfrau über seine Jugendliebe, seine Kollegin Monique, die verschollene Sahira bis hin zur Journalistin Mila, die Landauer auf seiner Reise kennenlernt. Viele, positiv besetzte Frauencharaktere, die wissen, was sie wollen. Abarbanells neuer Roman lebt von der Spannung, von dem langsamen Aufschlüsseln aller Fragen, die im Laufe der Geschichte aufgeworfen werden, aber auch von der Hauptfigur Robert Landauer und der Entwicklung, die dieser durchmacht. Dabei findet sich zwar teilweise etwas Pathos und einige Dialoge sind etwas gestelzt und unnatürlich geraten, insgesamt fällt dies aber nicht allzu schwer ins Gewicht. Die Stärke von „Das Licht jener Tage“ liegt weniger in Sprache und Stil, der Roman lebt ganz klar von seiner spannenden Geschichte und der undurchsichtigen Vergangenheit, der der Protagonist auf die Spur zu kommen versucht. Ganz nebenbei erfährt man auch noch etwas über den Nahostkonflikt. „Das Licht jener Tage“ ist eine spannende, höchst unterhaltsame Geschichte um einen Mann und seine Mission, um Geheimnisse und Geschichte, um Israelis und Palästinenser, um eine große, jäh zerplatzte Liebe. Zwar teils pathetisch, aber nicht kitschig, insgesamt eine recht runde Sache.

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