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Rezensionen zu
Herbst

Ali Smith

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€ 22,00 [D] inkl. MwSt. | € 22,70 [A] | CHF 30,90* (* empf. VK-Preis)

"Herbst" ist der erste Teil und leitet das Quartett der vier Jahreszeiten von Ali Smith ein. "Vorsicht Spoiler!" Es geht um Elisabeth und Daniel. Sie, mittlerweile 32 Jahre alt und Aushilfsdozentin. Er, war ein ehemaliger Schlagerkomponist, und ist mit seinen nun 101Jahren Bewohner eines Pflegeheims. Was die Beiden verbindet? Beide waren mal Nachbarn, als Elisabeth noch ein Kind war. Daniel war für sie nicht nur Vaterersatz, Vertrauter und Mentor. Er begleitete Elisabeth auf den Weg ins Erwachsenenleben und führte sie an die Kunst, an die Bücher und an das Hinterfragen heran. Ali Smith hat mich als Leser vom ersten Satz an begeistert. Auf den 263 Seiten geht es nicht nur um die Geschichte von Elisabteh und Daniel. Das Buch lädt den Leser ein vielmehr auf die Details, dem Hinterfragen und dem Vergänglichen und Gegenwärtigen zwischen den Zeilen zu achten. Die Gedankengänge sind nachvollziehbar und die Denkanstöße könnten nicht aktueller sein. Für mich ein wortgewandter und beeindruckender Auftakt eines Romans, den ich nur empfehlen kann.

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Das neue Buch von Ali Smith Herbst, dem ersten Roman aus einem geplanten Jahreszeitenquartett, als Brexit-Roman zu bezeichnen wird diesem Werk nicht im Entferntesten gerecht. Ihr ist, meiner Meinung nach, ein wunderbar poetisches, melancholisches Buch über Freundschaft und Abschied (was der Brexit ja nun zugegebener Weise auch ist) gelungen, mit einigen bizarren, beinahe kafkaesken Elementen. Elisabeth Demand, 32 Jahre alt, besucht ihren alten Freund und ehemaligen Nachbarn Daniel in einem Altenpflegeheim und liest ihm, während er vor sich hindämmert, vor. Denn „Was liest du gerade“ war seit ihrer ersten Begegnung ihre persönliche, geradezu intime Form der Begrüßung. Daniel eröffnete der zwölfjährigen Elisabeth damals die Welt der Fantasie in Büchern und Kunst, poetische Beschreibungen und wundersame Wortspiele verzaubern nicht nur das Mädchen sondern auch mich als Leserin: „Das Wort Gymkhana, sagte Daniel, ist wunderbar, ein Wort, das ein Gewächs aus mehreren Sprachen ist. Wörter sind keine Gewächse, sagte Elisabeth. O doch. Wörter sind keine Pflanzen. Wörter sind ihrerseits Organismen, sagte Daniel. Oregano-ismen, sagte Elisabeth. Herbal und verbal, sagte Daniel. Sprache ist wie Mohnblumen….“ In diesem Roman mischen sich Rückblenden aus Elisabeths Kindheit mit Passagen aus der Innenwelt des schlafenden Daniel und Elisabeths aktuell neu belebter Beziehung zu ihrer Mutter. Dabei gelangen Bilder von Stränden mit tot angespülten Flüchtlingen in die Traumsequenzen, traumartige Bildbeschreibungen einer lange vergessenen Pop-Art-Künstlerin in die Rückblenden und bizarre bürokratische Alptraumszenarien in Elisabeths Realität. Ja, es wird auch die Brexit-Abstimmung, die aufgeheizt-missmutige Stimmung im Land, die Armut und Abschottung unterhaltsam aber distanziert thematisiert: „Heute sind die Nachrichten wie eine überdrehte Schafherde, die einen Steilhang hinabgetrieben wird. (…) Thomas Hardy auf Speed.“ Doch es ist Hoffnung zu verspüren, obwohl Orwells Schöne neue Welt, Balzacs Chagrinleder und Das eiserne Herz bemüht werden: Elisabeths Mutter sucht nach Kostbarkeiten in altem, verstaubtem Gerümpel und findet dabei die große Liebe. Und letztendlich schließt das Buch nicht mit dem befürchteten Tod Daniels, sondern mit seinem Erwachen und dem letzten Erblühen einer späten Rose. Ein wirklich wunderbares Buch! Ich freue mich schon sehr auf die nächsten Jahreszeiten.

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„Herbst“ ist der erste Band des Jahreszeitenquartetts der 1962 in Schottland geborenen Ali Smith, die mit diesem Roman zum vierten Mal auf der Shortlist des Man Booker Prizes platziert war. Hier werden die gesellschaftspolitischen Veränderungen und der gegenwärtige Zustand nach dem Brexit-Votum beschrieben, aber auch die Themen Freundschaft, Kurzlebigkeit, Flüchtigkeit und Vergänglichkeit spielen eine Rolle. Der 101-jährige jüdische Pflegeheimbewohner Daniel, ein ehemaliger Schlagerkomponist, liegt im Sterben. Die 32-jährige Aushilfdozentin Elizabeth, seine ehemalige Nachbarin, begleitet ihn in dieser letzten Phase seines Lebens. Sie sitzt jeden Tag lesend an seinem Krankenbett und jedes Mal, wenn er aus seinem Dämmerschlaf erwacht, fragt er sie: „Was liest Du gerade?“ Daniel hatte eine große Bedeutung in Elizabeths Leben. Er war gleichermaßen Vaterersatz, Vertrauter, Freund und Mentor, führte sie in die Welt der Bücher ein und ermunterte sie durch Fragen und Diskussionen zu selbstbestimmtem, unabhängigem und kritischem Denken. Er begleitete sie sozusagen ins Erwachsenenleben, was von ihrer Mutter skeptisch beäugt wurde. Ist es nicht verdächtig, wenn sich der Fremde aus dem Nachbarhaus so intensiv der Tochter widmet? Muss man nicht misstrauisch werden, wenn man deren gegenseitige Zuneigung wahrnimmt? Während dieser letzten gemeinsamen Zeit im Pflegeheim, in der Elizabeth dem Greis etwas von dem zurückgeben möchte, was er ihr einst geschenkt hat, hängen sie zusammen Gedanken nach und schwelgen in Erinnerungen und Rückblenden. Es sind gegenwartsbezogene Gedanken, wie Kunst, Rassismus und Brexit-Votum, Rückblenden in die Zeit des Krieges und Erinnerungen an die Kindheit, die die beiden beschäftigen und verbinden. Ali Smith schreibt anschaulich, ergreifend und poetisch und appelliert subtil an mehr Menschlichkeit. Den typisch britischen Humor hat sie dabei gekonnt eingebaut. „Herbst“ ist ein beeindruckender und wortgewandter Roman, der Politik fast nebenbei, äußerst unaufdringlich, unterhaltsam und poetisch vermittelt und viele Denkanstöße gibt. Ich empfehle dieses besondere, außergewöhnliche und aktuelle Buch, das mich bald in seinen Bann zog, äußerst gern weiter, bin nun gespannt auf die Folgebände und freue mich schon sehr darauf, sie zu lesen.

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'Herbst' von Ali Smith ist ganz schön besonders. Häufig wird das Buch als Brexit-Roman beschrieben, für mich war es aber vor allem die Geschichte einer ganz besonderen Beziehung. Elisabeth und Daniel: kein Liebespaar, nicht verwandt, keine Sandkasten- oder Studienfreunde, ein Altersunterschied von über 60 Jahren. Trotz dieser scheinbaren Distanz sind sie so stark miteinander verbunden, haben ein solch außergewöhnliches Verständnis voneinander, dass man geneigt ist, das Wort Seelenverwandte zu verwenden. Was die beiden verbindet, ist die Liebe zur Kunst, zu ungewöhnlichen Blickwinkeln, zur Literatur und natürlich zueinander. Obwohl sie sich zwischenzeitlich aus den Augen verlieren und lange keinen Kontakt haben, ist Elisabeth sofort zur Stelle, als sie erfährt, dass Daniel im Krankenhaus liegt. Fast täglich sitzt sie an seinem Bett, liest, erinnert sich an die gemeinsame Zeit zurück. An seinen ungewöhnlichen Blick auf die Welt, den Verlust seiner großen Liebe, von dem er ihr eigentlich nie richtig erzählt hat, an die Musik, die er geschrieben hat. Und ja, natürlich geht es nebenbei auch um die Veränderung in der britischen Gesellschaft. Um Zäune, um Nachbarschaftspatrouillen, um Google Suchanfragen zur EU, um das Referendum, um die Hürden der Bürokratie und um Ausländerfeindlichkeit. Was den Roman außerdem ausmacht, ist ganz klar die Sprache. Nicht nur der Inhalt des gesagten, sondern auch der Klang, die Wahrnehmung von Wort- und Schriftbild spielt eine Rolle. Was anfangs noch etwas verwirrt, wird ganz schnell zu einem Symbol der verspielten, zärtlichen und außergewöhnlichen Beziehung der Beiden. Ich kann das Buch wirklich empfehlen, wenn ihr nicht nur Lust auf geradlinige Stories habt, sondern euch auch gerne mal für Wortspiele und Lyrik im weitesten Sinne begeistern könnt. 'Herbst' ist der erste auf Deutsch veröffentlichte Teil von Smiths Jahreszeitenquartett - 'Winter' ist gerade erst erschienen und ich freue mich schon sehr drauf. Die Übersetzung kommt von Silvia Morawetz. Vielen lieben Dank an den @luchterhand_verlag für das Rezensionsexemplar!

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>>Sprache ist wie Mohnblumen. Sie nimmt etwas und wühlt die Erde drum herum auf, und schon kommen schlafende Wörter zum Vorschein und werden, leuchtend rot und frisch, überallhin verweht.<< „Herbst“ von Ali Smith ist für mich ein unheimlich besonderes Buch. Beim Lesen zog es mich in einen unglaublichen Lesezog und konnte mich mit seiner Wortgewandtheit und der darin eingebundenen Lyrik sehr sehr begeistern! Für mich persönlich stand thematisch hier die Beziehung zwischen Elisabeth und Daniel Gluck und das Altwerden sehr im Vordergrund. Mich konnte es berühren und all die Worte und Zeilen der Autorin hatten für mich hier große Wortkraft. Der Schreibstil und auch die Art der Geschichte ist hier doch eher speziell und ich glaube inhaltlich könnte es sich für viele doch eher wie ein Chaos lesen, doch sind es meiner Meinung nach einfach die Feinheiten, die hier Beachtung verdienen und die einen hier wirklich sehr fesseln können, wenn man sich denn darauf einlasen kann und sich durch all die Besonderheiten gleich angesprochen und gefühlsmäßig angezogen fühlt. >>Es geht darum, wie wir unsere Lebensumstände betrachten,... dass wir hinschauen und erkennen, wo wir stehen,...<< Mich hat dieser erste Band des Jahreszeitenquartett von Ali Smith sehr sehr begeistert und zählt klar zu meinen literarischen Highlights in diesem Jahr! Daher kann ich es jedem sehr ans Herz legen, der sich auf das Spezielle einlassen möchte.

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edes Buch hat es verdient, mit voller Aufmerksamkeit gelesen zu werden. Dieses hier musste eine kleine Ewigkeit darauf warten, aufgeschlagen zu werden. Umso besser, denn: Passend zum Oktober-Start habe ich mit Ali Smiths „Herbst“ begonnen und es binnen von 2 Tagen nahezu atemlos durchgelesen. Dieser außergewöhnliche Roman hat mein Denken so sehr eingenommen, dass ich mich tatsächlich rhetorisch fragen musste: Kann diese Art von Literatur jemals übertroffen werden? Akutes Fazit: Nur allzu schwer. Denn wer Gegenwart in solcher Weise mit Literatur verschränkt, kann nur die Führung der literarischen Disziplin ‚Realitätsdurchdringung‘ inne haben. „Herbst“ ist der erste Band der Jahreszeiten-Quadrologie von Ali Smith, der - so möchte ich es lesen - eine tragisch schöne Geschichte über eine unmögliche Liebe thematisiert. Elisabeth ist Anfang 30 als wir sie als Kunst-Dozentin kennenlernen, die eine außergewöhnliche Beziehung zu Daniel Gluck pflegt. Daniel hingegen ist - das erfahren wir etwas später im Roman - 101 Jahre alt als er in einem Pflegeheim tagelang schlafend auf den Tod wartet. Zwischen diesen Figuren spinnt sich eine interessante Handlung zusammen, die vor dem Hintergrund des Brexit übergeordnete Fragen nach der ‚Zeit‘, dem Altern, der Kunst und der Sinnsuche behandelt. Elisabeth ist ein kleines Mädchen, als sie ihren Nachbarn Daniel kennenlernt - dieser selbst Kunstliebhaber und -sammler eröffnet dem neugierigen Mädchen die Welt der Literatur und Intellektualität. Die sich - und das ist eine der Kernaussagen des Romans - vor allem in der Etablierung eines eigenen Sehens der Welt ausweist. Elisabeth lernt mit den Geschichten, den der alte Daniel ihr bei langen Spaziergängen im Feld erzählt, autonomes Denken und das Versprachlichen eigener Ansichten, Eindrücke und Wünsche. Natürlich fragt man sich die ganze Zeit über, was es mit dieser Beziehung auf sich hat, die Elisabeths Mutter zwischenzeitlich sogar verbieten will, weil ‚komisch‘. Und keine Frage: Ab und an scheinen Momente einer tief verborgenen Sinnlichkeit auf, die vor allem von Elisabeth ausgehen, die sich vielleicht nur nach einem Vater sehnt, den sie in der Kindheit nie gehabt hat, bis sie einen Traum, den sie neben Daniels Pflegebett träumt, ausspricht: „Mit Daniel schlafen, so ist das also.“ Wie der Roman ausgeht oder ‚wohin‘ er generell geht - das ist gar nicht so einfach zu greifen. Aber gerade von dieser Undurchsichtigkeit und Vagheit lebt jede Zeile dieses besonderen Romans, der für mich nur eines zum Ziel haben kann: Die Offenlegung diverser Denkansätze, die dazu führen, Gegenwart und Vergangenheit als zwei Ereignisse zu verstehen, die sich stets bedingen, sich gegenseitig beleuchten und erklären, voneinander schöpfen und einander formieren. Damals und jetzt. Danke an den wunderbaren Luchterhand Verlag für dieses Rezensionsexemplar!

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Ali Smith ist keine leicht zu lesende Autorin, und doch sind ihre Worte und Gedanken schön. Wenn euch eine lineare Handlung gefällt, werden Sie sie hier nicht finden, obwohl sie meist in der Zeit nach Brexit angesiedelt ist, sie geht in der Zeit vor und zurück. Zu einer Freundschaft zwischen einem jungen Mädchen und einem älteren Mann, einem Mann, der eine ziemliche Vergangenheit hatte, die langsam aufgedeckt wird. Die Gedanken, die über Brexit geäußert werden, sind die gleichen, die viele hier in den Staaten nach unserer jüngsten Wahl zum Ausdruck bringen. Wunderbar und geschickt ausgedrückt über die Art und Weise, wie viele von uns fühlen. Sie liebt es, mit Worten zu spielen, mit Szenen zu spielen, das ist manchmal eine Herausforderung, aber wenn man nur liest und nicht erwartet, dass sie sich an die vermeintlichen Regeln der Fiktion hält, sind diese Dinge oft entzückend. Sie erforscht die Zeit, sie vergeht, vom Herbst in den Winter, von der Vergangenheit in die Gegenwart, von jung in alt, so wie die Jahreszeiten uns verändern. Sie wirft einen Pop-Art-Künstler ein, den Christine Keeler-Skandal, den ich nachschlagen musste, weil ich nicht aus Großbritannien stamme. Ihre Beschreibung der natürlichen Welt ist absolut großartig. Auf der anderen Seite bietet Ali Smith aber auch eine Form von Sicherheit und Beständigkeit: nämlich die große Freundschaft, die sich zwischen Elisabeth und dem 70-jährigen Daniel entwickelt hat und die wir durch einige großartige Rückblenden allmählich kennen lernen. Besonders die Figur des Gluck ist verlockend; er erinnert mich an die Erzähler in den Romanen der AG Sebald: ein Mann deutscher Abstammung mit einer enormen Vergangenheit (auch mit einem klaren Bezug zum Holocaust), mit großer Gelehrsamkeit und einem kritischen Sinn und mit Tentakeln sowohl in der Hoch- als auch in der Populärkultur; für Elisabeth ist er der Meister, den jeder von uns gerne gehabt hätte. Das Buch steht im Mittelpunkt ihrer Freundschaft, daher Glucks letzte Worte in diesem Buch an Elisabeth: "Schön, Sie zu sehen. Was lesen Sie?". In gewisser Weise bieten die vielen Hinweise sowohl auf die höhere als auch auf die niedere Kultur sowie auf den politischen Kontext eine Art Vertrautheit und Trost. Es mag ein wenig hochgestochen klingen, aber für den aufmerksamen Leser sind die Hinweise auf und Parallelen zu Dickens, Huxley, Homer, Ovid, Kafka, Cocteau, Vian, Beckett usw. ziemlich erkennbar. Aber es gibt nicht nur die höhere Kultur, sondern auch Hinweise auf Werbespots und auf populäre Lieder. Und dann gibt es den politischen Aspekt. Es scheint mir, dass Smith ihren Roman ursprünglich um den so genannten Profumo-Skandal herum aufgebaut hatte, der Großbritannien Anfang der 1960er Jahre in seinen Grundfesten erschütterte, einen Spionageskandal mit dem Callgirl Christine Keeler im Mittelpunkt. Genau wie der Brexit-Skandal war dies ein politisches Thema, das hauptsächlich auf Lügen und falschen Wahrnehmungen beruhte. Sowohl der Skandal als auch die Figur Keeler werden in diesem Roman regelmäßig als geschlechtsspezifisches Element genannt (das im Werk von Ali Smith oft wiederkehrt), aber sie fungieren am stärksten als Symbole der Verblendung, Unsicherheit und Vergänglichkeit. So hat ihr beispielsweise die Pop-Künstlerin Pauline Boty ihr berühmtestes Werk gewidmet: eine Collage um das berüchtigte Foto des nackten Keeler, der auf einem umgedrehten Stuhl sitzt. Ich persönlich fand es etwas schwierig, diese Verweise zu platzieren, da ich nicht wirklich damit vertraut war, wofür der Profumo-Skandal stand. So ist dieses Buch manchmal etwas herausfordernd und sogar widerspenstig, abwechselnd urkomisch-halluzinativ-absurd und schließlich auch bewegend wegen seiner poetischen Herangehensweise und dem Gefühl des Altersendes, das es durchdringt. Es ist eine trügerisch glatte Lektüre, aber gleichzeitig ein Roman, der unglaublich reich und vielschichtig ist, von unfassbarer Schönheit, der in Zeiten der Zerrüttung bis zu einem gewissen Grad Trost spendet. Dies ist sicherlich einer, über den man nachdenken sollte. Ich freue mich darauf, die nächsten Teile zu lesen.

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Herbst

Von: Bearnerdette

27.05.2020

Herbst von Ali Smith habe ich im Rahmen einer Leserunde mit einigen anderen Bloggern gelesen. Was soll ich sagen, ich bin schwer begeistert von diesem zeitgenössischen Roman, der so viel in sich vereint. Aber zunächst zur Story: Elisabeth besucht Mr Gluck im Altersheim. Der inzwischen über 100 Jahre alte Herr war früher ihr Nachbar und wurde ein guter Freund, doch dann riss der Kontakt ab. Jetzt schläft er die meiste Zeit, während die Mitt-Dreißigerin Elisabeth an seinem Bett sitzt und liest. Als Leser wechseln wir zwischen Vergangenheit und Gegenwart, erleben mit wie sich die Freundschaft zwischen den beiden entwickelte und sehen, wie es Eilsabeth heute geht. Der Roman streift viele interessante Themen, behandelt den Brexit, das gegenwärtige politische Kima in England, erzählt aber auch die faszinierende Geschichte der Pop Art Künstlerin Pauline Boty. Mit einer kunstfertigen Leichtigkeit taucht Smith in diese Themen ein, streift sie oder vertieft sich, bringt aber in jedem Fall die Stimmung der Figuren rüber. Ein Buch mit Tiefgang, was sich aber weder schwermütig noch schwerfällig liest. Smiths Schreibstil verleiht dem Buch Leichtigkeit und Poesie. Herbst ist der erste Teil eines Vierjahreszeiten Quartetts. Ich freue mich jetzt schon auf den nächsten Teil. Das Buch ist bei Luchterhand erschienen.

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