Leserstimmen zu
Die rote Frau

Alex Beer

Die Kriminalinspektor-Emmerich-Reihe (2)

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"Was waren das für Leute, die tagtäglich Abertausende von Kronen dafür ausgaben, Scheinwelten zu erschaffen, während zur selben Zeit in derselben Stadt Menschen kläglich an Hunger, Kälte und Seuchen verreckten?" (CD 1, Track 13) Wien im Jahre 1920: Die Stadt hat immer noch mit den Nachwehen des Ersten Weltkriegs zu kämpfen, und Rayonsinspektor August Emmerich und sein Assistent Ferdinand Winter sind aufs Abstellgleis geraten. Zwar sind sie mittlerweile in der Abteilung ‚Leib und Leben‘ der Wiener Polizei beschäftigt, aber statt sich mit spannenden Kriminalfällen zu beschäftigen, dürfen die beiden nur Sekretärinnentätigkeiten erledigen. Emmerich ist frustriert, aber es soll noch schlimmer kommen, denn die Schauspielerin Rita Haidrich begibt sich ins Präsidium, da ihrer Meinung nach ein Fluch auf den Dreharbeiten zu ihrem aktuellen Film lastet. Emmerich und Winter sollen sich um diese schnöde Angelegenheit kümmern. Bald stecken Emmerich und Winter jedoch unverhofft mitten in einem spannenden Fall und kommen einem Mordkomplott auf die Spur. Ich habe den ersten Band der Reihe (‚Der zweite Reiter‘) mit großer Begeisterung als Hörbuch gehört, und auch der zweite Fall hat mir gut gefallen, obgleich ich das erste Buch der Reihe um Emmerich etwas besser fand. Alex Beer ist es auch diesmal gelungen, eine besondere Stimmung aufzubauen und den Leser/Hörer ins Wien der 1920er Jahre zu versetzen. Gelesen wird das gekürzte Hörbuch von Cornelius Obonya, der der Geschichte die passende Intonation und einen wunderbaren Wiener Zungenschlag gibt. Auch wenn mir das Hörbuch insgesamt gefallen hat und ich mich auf den dritten Band der Reihe freue, ist bei ‚Die rote Frau‘ nicht recht der Funke übergesprungen. Ob dies an der Schusseligkeit von Emmerich lag, die zwar amüsant war, aber wenig überzeugend wirkte, oder daran, dass die Geschichte auf mich einfach etwas zu chaotisch wirkte, oder ob die Kürzungen für das Hörbuch vielleicht doch zu umfassend waren, weiß ich nicht, aber beim Hören musste ich mich oft ermahnen, weiter zuzuhören, nicht abzuschweifen, war nicht so gefesselt, wie ich das nach dem ersten Band erwartet hatte. Nichtsdestotrotz werde ich die Reihe weiterverfolgen und freue mich auf ‚Der dunkle Bote‘. Alex Beer: Die rote Frau. Ein Fall für August Emmerich. Gekürzte Lesung mit Cornelius Obonya. Random House Audio, 2018; 20 Euro.

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Zum Inhalt: August Emmerich und sein Assistent Ferdinand Winter sind zur Mordkommision Leib und Leben gewechselt, doch von ihren Kollegen werden den beiden nur Steine in den Weg gelegt. Wärend sich die etablierten Mordermittler mit dem Mord an einem hochrangigen Politiker beschäftigen, werden Emmerich und Winter als Babysitter für eine verängstigte Schauspielerin abbestellt. Emmerich erkennt schnell, dass sein Fall alles andere als nebensächlich ist und findet sich schon bald inmitten eines Mordkomplots wieder. Mein Fazit: Band zwei steht seinem Vorgänger kaum in etwas nach. Schreibstil und Plot verschaffen dem Leser einen wahren Lesegenuss. Ich empfehle jedoch, die Reihe der Reihenfolge entsprechend zu lesen, da die persönlichen Passagen der Protagonisten ansonsten chronologisch durcheinander geraten.

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Ein spannender Krimi aus der Zwischenkriegszeit, der in Wien spielt. Historisch sehr gut recherchiert, was mir gefällt. Aber, es gibt keine Entwicklung zum vorigen Band, es klang für mich wie eine Wiederholung, schade. Hier geht es zur Rezension von: Die Rote Frau von Alex Beer https://literaturblog-sabine-ibing.blogspot.com/p/die-rote-frau-von-alex-beer-rezension.html

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Historische Romane scheinen im Moment Trend zu sein. Die rote Frau von Alex Beer spielt Anfang der zwanziger Jahren in Wien. Ich habe den Krimi als Hörbuch gehört, 6 Tage habe ich für die ca. 8 Stunden gebraucht. Hauptdarsteller ist Kriminalinspektor August Emmerich. Gerne würde er in einem großen Mordfall am Stadtrat Richard Fürst ermitteln, doch den bekommt sein Widersacher Inspektor Brüh. Nach einem Gespräch mit seinem Vorgesetzten erhält er und sein Assistent Ferdinand Winter die Chance in der Sache zu ermitteln. Zunächst löste er einen Fall in der aufstrebenden Filmbranche mit der Filmdiva Rita Haidrich. Zum Plot, die Ereignisse überstürzen sich, ein Täter wird wird vom Brühl präsentiert. Allerdings handelt es sich um einen Mitbewohner aus dem Männerwohnheim von Emmerich. Dieser kann es nicht gewesen, seine Unschuld gilt es zu beweisen, zudem geschieht ein zweiter Mord. Der Täter scheint aus der Oberschicht der feinen Wiener Gesellschaft zu kommen. Jedoch habe die Verdächtigen alle wasserdichte Alibis. Der Fall ist verstrickt, vermeintliche Freunde werden zu Feinden und böse Buben werden zu Verbündeten, dies macht die würze dieses Hörbuches. Der Kriminalinspektor ist sehr sympathisch, wenn auch ein wenig draufgängerisch. Sein Kollege Winter hingegen ist zurückhalten und besonnen. Gemeinsam sind sie ein gutes Team. Bei den Ermittlungen bekommt man etwas von dem Zeitgeist der Nachkriegsjahre vermittelt. Man taucht in die Epoche der Zwischenkriegszeit. Bekommt etwas vom politischen Zusammenbruch der Monarchie mit. Die Kluft zwischen Arm und Reich ist riesig, das alles schildert die Autorin vollumfänglich. Das Hörbuch ist in sich abgeschlossen, ich selbst kenne den ersten Teil ‚der zweiter Teil‘ nicht. Nie hatte ich das Gefühl, etwas nicht zu wissen. Cornelius Obonya als Sprecher ist eine sehr gute Wahl. Sehr differenziert hat die verschiedenen Figuren gesprochen. Besonders gut gefallen hat mir, das vereinzelt wiener Dialekt gesprochen und dies sehr verständlich. Für das Hörbuch vergebe ich 4 Sterne.

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“Dichte Wolken zogen über den Himmel von Wien. Grau und schwer spiegelten sie die Stimmung in der Stadt wieder. Bald würde die Dämmerung einsetzen, was ihm sehr entgegenkam. manch Dinge ließen sich in der tröstlichen Umarmung der Dunkelheit einfacher erledigen als in der kalten Realität des Tages.” (Buchbeginn) August Emmerich wurde abgesägt. Also nicht wortwörtlich, aber sinngemäß. Zusammen mit seinem Kollegen Ferdinand Winter wurde er an den Schreibtisch verbannt. Statt Verbrecher zu jagen und das Straßenpflaster unter den Füßen zu spüren, hören Schreibmaschinen klappern und atmen schweren Aktengeruch ein. Das wurmt Emmerich extrem und so kommt es ihm ganz gelegen, dass er einen Fall zugewiesen bekommt. Der landet natürlich nicht ohne Hintergedanken bei ihm. Kichernd überreicht ihm sein Chef die nötigen Informationen und lässt ihn damit stehen. Um was für einen Auftrag es sich handelt? Eine Schauspielerin vermutet einen Fluch, der auf ihrem neuen Stück liegt. Schwere Unfälle passieren und keiner kann sich deren Ursache erklären. Emmerich, der Hexenbeschwörer? Das lässt er natürlich nicht auf sich sitzen und verlangt eine Gegenleistung. Sollte er denn Fall lösen, möchte er – zusammen mit Winter – in den brisanten Hauptermittlungsfall der Stadt einbezogen werden. Emmerich nickte. “Wir haben eine Abmachung?” Gonska schnaubte erneut. “Ja, und jetzt raus, bevor ich es mir anders überlege.” (S.32) Man kann es sich schon denken und das ist auch kein großer Spoiler: Natürlich dürfen die beiden weg vom Schreibtisch und mit ermitteln. Leichter wird der Job dadurch aber nicht. Sie müssen sich nun doppelt und dreifach beweisen. Zudem lastet ein großer Druck auf den Beamten, da immer weiter gemordet wird. Wohlhabende Menschen, werden zum Opfer eines grausamen Killers. Kurze Zeit später wird der Täter gefasst. Freude Stimmung macht sich breit. Nur Emmerich bleibt skeptisch. Da ist was faul. Das spürt er. Und so sehen wir ihn – wieder einmal – heimlich hinter dem Rücken seines Vorgesetzten ermitteln. August Emmerich, wie er leibt und lebt. Genauso, wie man ihn im Auftakt kennen gelernt hat, so präsentiert er sich erneut als kleiner Rebell, der stets gegen den Strom schwimmt. Manchmal muss man eben aus der Reihe tanzen, um zum Ergebnis zu kommen. Aber ob ihm das hier auch hilft? Nicht nur er, auch als Leser sieht man die Felle langsam wegschwimmen. Langweilig wird es daher an keiner Stelle. Jeder Stein wird umgedreht und gelegentlich befindet sich keine Niete darunter. Ein Lächeln schlich sich auf Emmerichs Lippen. “Wenn dieser [Mister X] tatsächlich unser Mann ist…” “…dann kriegt Brühl doppelt Ärger.” (S.254) Der Leser bewegt sich durch das heruntergekommene Wien, schleicht durch dunkle, übel riechende Gassen und sieht das feuchte Blut sachte von dem noch warmen Opfern tropfen. Das Gefühl dabei ist perfekt. Hautnah dabei, das bekommt die Autorin wunderbar hin. Mir sind diesmal dabei leider die emotionalen Momente um Emmerich etwas zu kurz gekommen. Ich hatte in der Hinsicht nicht das gleiche Lesegefühl. Zwar taucht seine Frau wieder auf, aber nur recht kurz und auch in seinen Gedanken ist die familiäre Situation nicht so präsent, wie der Fall oder seine Lebensumstände, in Bezug auf seine Unterkunft. Natürlich trübt dies nicht das Gesamtpaket. Ich habe mich wieder ausgezeichnet unterhalten gefühlt. Die Seiten flogen nur so dahin und man möchte jetzt eigentlich nur den nächsten Band in den Händen halten. Lesetipp: Das zwiegespaltene Wien der 20er, gepaart mit einem Ermittler, der sich nicht untergraben lässt und seine Nase in jeden Getümmel steckt, um zu dem richtigen Ergebnis zu kommen. Perfekte Unterhaltung.

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Bewertung: 4 1/2 Sterne Nachdem mich der erste Band rund um Rayonsinspektor August Emmerich sehr gut gefallen hat, war es selbstverständlich, dass ich auch den neuen Fall lesen werde. Und ich kann euch gleich zu Beginn verraten: Auch "Die rote Frau" ist wieder richtig gut! August Emmerich und sein junger Assistent Ferdinand Winter haben es nach der erfolgreichen Auflösung des Kriminalfalles aus Band 1 tatsächlich geschafft und sind in die Abteilung "Leib und Leben" aufgestiegen. Allerdings gestaltet sich das Berufsleben am neuen Arbeitsplatz nicht so, wie es sich Emmerich vorgestellt hat. Anstatt endlich durch die Straßen von Wien auf Verbrecherjagd zu gehen, sitzen er und Winter gemeinsam neben Bürofräuleins und "dürfen" Protokolle tippen. Von den Kollegen werden sie als "Krüppelbrigade" beschimpft, nachdem Winter wegen eines Dienstunfalles noch seinen Arm in der Schlinge trägt und Emmerich wegen eines Granatsplitters im Bein hinkt. Vom Heroin, das ihm im ersten Teil Linderung verschaffte, ist er losgekommen, aber seine Wohnung bei Luise hat er trotzdem verloren als ihr Mann aus dem Krieg zurückkehrte. Nun lebt er in einem Männerwohnheim für Kriegsverletze. Als Stadtrat Richard Fürst, der sich für die Belange der sozial Schwachen einsetzt, ermordet wird, hofft Emmerich den Fall zu übernehmen, doch Polizeichef Gonka zieht ihn gar nicht erst in Betracht. Bald darauf geschieht ein weiterer Mord. Die Tote ist ebenfalls gut situiert und eine Wohltäterin, wie Stadtrat Fürst. Wer bringt schon Menschen um, die sich für Andere einsetzen? Welches Motiv hat der Täter? Kollege Brühl fasst kurz darauf einen Verdächtigen: Es ist Peppi, der im selben Männerlogierheim, wie Emmerich wohnt. Dieser ist fassungslos und beginnt auf eigene Faust zu ermitteln. Seine Wege führen ihn und Winter wieder in den Wiener Untergrund: Illegale Wettlokale, Bordelle und Bäder, aber auch ein Sanatorien und die Welt des Theaters und des Films sind ihre Ziele. Doch Emmerich und Winter bleiben nur 72 Stunden, die Gonka der "Krüppelbrigade" gibt, um die Mordefälle zu lösen.... Noch immer ist das Leben der Menschen gekennzeichnet von bitterer Armut, Wohnungsnot, unzureichender medizinischer Versorgung, Hunger und hoher Arbeitslosigkeit. Die junge Republik ist instabil. Während Monarchisten die Rückkehr des Kaisers wünschen, bilden sich bereits neue politische braune Herde, die aus München nach Wien überschwappen. Zur selben Zeit befindet sich die Filmindustrie auf ihrem Höhenpunkt. Die Menschen flüchten in eine Scheinwelt. Emmerich, der mittlerweile seine Meinung über seinen Assistenen Winter geändert hat, bleibt seiner unkonventionellen Arbeitsweise treu. Die Auslegung der Gesetze dreht und wendet er, wie er sie gerade braucht und Winter kommt durch Emmerichs Eskapaden nicht nur in eine brenzlige Situationen. Trotzdem unterscheidet er sehr wohl zwischen Gut und Böse und hat immer das Herz am rechten Fleck. Die Sorge um seine Geliebte Luise und die Kinder lassen ihn kaum schlafen, denn Luises Mann kehrt als anderer - als grausamer Mensch - aus dem Krieg zurück. Während sich die Ermittlungen etwas im Kreis drehen, die Motive völlig unklar sind und Emmerich sich auch in eine Sackgasse manövriert, begleiten wir die beiden ungleichen Ermittler durch die Straßen Wiens. Manche Auflösungen erschienen mir dabei ein bisschen weit hergeholt, jedoch löst sich alles logisch auf, während sich das Ende diesmal zu einem richtigen Showdown entwickelt. Alex Beer gelingt es wieder hervorragend das Lokalkolorit der Stadt Wien einzufangen. Der historische Krimi lebt neben den beiden eigenwilligen Ermittlern vorallem von der besonderen Atmosphäre, die die Nachwehen des Krieges brutal aufzeigen. Die atmosphärische Beschreibung der Nachkriegszeit habe ich noch bei keinem Autor/Autorin so perfekt umgesetzt gefunden, wie bei Alex Beer. Dazu gibt es, wie bereits im ersten Teil, interessante Details über bedeutende Bauwerke und Lokale, die heute noch existieren. Schreibstil: Wie schon im ersten Teil gelingt es der Autorin wieder fabelhaft, sich beim Lesen mitten im Wien der Zwanziger Jahre zu fühlen. Sie erzählt sehr intensiv und detailliert, aber genau in der richtigen Dosierung. Auch die Wiener Mundart darf nicht fehlen und bringt wieder das typische Lokalkolorit mit sich. Alex Beer alias Daniela Larcher hat hervorragend recherchiert und erzählt von einem Wien der gar nicht so goldenen Zwanziger Jahre. Die Charaktere sind einzigartig und facettenreich. So wird das Wien der 1920iger Jahre wieder lebendig! Fazit: Auch der zweite Band rund um den charismatischen Inspektor August Emmerich und seinen Assistenten Winter ist wirklich gelungen. Der historische Krimi lebt vorallem wieder von der tollen Atmosphäre der Nachkriegszeit, dem typischen Wiener Flair und dem verzwickten Kriminalfall. Von mir gibt es eine Empfehlung für diese tolle Reihe!

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August Emmerich hat es geschafft: Endlich wird er in die „Leib und Leben“ versetzt, wie die Mordkommission im Jahre 1920 in Wien genannt wird. Allerdings ist seine erste Aufgabe nicht sonderlich spektakulär. Emmerich und sein Assistent Winter sollen die Schauspielerin Rita Haidrich beschützen. Die Dame wähnt ihr Leben in Gefahr und glaubt an einen Fluch. Schon bald erkennen Emmerich und Winter jedoch eine seltsame Verbindung zum Mord an einem Stadtrat, mit dem sich die Kollegen gerade beschäftigen. Offenbar ist Emmerich einem Mordkomplott auf der Spur … Schon im insgesamt noch etwas sperrigen ersten Band um den Wiener Kommissar Emmerich, Der zweite Reiter, konnte Alex Beer mit ihrem Protagonisten weitestgehend überzeugen. „Die rote Frau“ festigt das Bild und fügt neue Elemente hinzu. Emmerich ist endlich an seinem Wunsch-Arbeitsplatz angekommen. Doch Neulinge wie er und Winter, dürfen erst einmal Kaffee kochen, Protokolle abtippen und sich den Spott der Kollegen anhören. Weil beide unter gewissen Handicaps leiden, werden sie von den Kollegen als „Krüppel-Brigade“ bezeichnet. Man kann also nicht gerade behaupten, dass Emmerichs Leben nun wirklich so viel besser geworden ist. Aber er lässt sich nicht unterkriegen. Emmerich wittert seine Chance, als die Schauspielerin Rita Haidrich die Polizei um Hilfe bittet. Eine Frau habe die Dreharbeiten verflucht, erzählt sie, und nun passieren Unglücke. Emmerichs neuer Abteilungsleiter ist mit einem Deal einverstanden: Können er und Winter diesen Fall lösen, dürfen sie mitarbeiten an der Mordaufklärung, die das Dezernat gerade beschäftigt. Leider hat der sehr von sich überzeugte Inspektor Brühl schnell einen Mörder im Falle des Stadtrates zur Hand. Doch Emmerich kennt den Mann. Er kann es nicht sein. Die Nebenschauplätze in „Die rote Frau“ sind, wie schon im ersten Fall von August Emmerich, erneut faszinierend. Emmerich hat sich aus der Not heraus im Obdachlosenasyl einquartiert. Die dort herrschenden Zustände sind ein grausamer Kontrast zur schillernden Scheinwelt der Filmbranche. Dies und der Umgang mit Kriegsversehrten nach dem Ersten Weltkrieg, das Leben überhaupt in einer Stadt, die noch immer unter den Folgen des Krieges leidet, sind spannende Details, die Alex Beer sehr plastisch und überzeugend schildert. Doch während in „Der zweite Reiter“ das Gewicht noch etwas zu stark auf diesen historischen Einzelheiten lag, schafft „Die rote Frau“ die Balance zwischen Kriminalroman und Geschichtsstunde. Gut ist auch, dass die Autorin kleine Rückblenden auf den ersten Band einfließen lässt. So kann man zur Not auch quer einsteigen und den Roman ohne Vorkenntnisse lesen. Und auch die Sprache hat sich gegenüber dem ersten Teil der Emmerich-Serie gebessert. Noch immer streut Alex Beer viel Wiener Dialekt ein, was auch gut funktioniert angesichts der Zeit und des Settings. Aber insgesamt ist der Roman leichter und wesentlich flüssiger lesbar – auch für jene, die sich mit dieser Art von Sprache für gewöhnlich eher schwer tun. Mein Fazit: „Die rote Frau“ ist ein sehr unterhaltsamer Krimi mit spannenden historischen Hintergründen und einem spröden, aber sympathischen Protagonisten. Viel-Leser dürfte das vorhersehbare Finale kaum überraschen, es erscheint auch etwas zu konstruiert, um vollends zu überzeugen. Insgesamt aber hat mir „Die rote Frau“ sehr gut gefallen und macht Lust auf weitere Bände mit Emmerich und Winter.

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Alex Beer hat mit „Der zweite Reiter“ den Erfolg bekommen, den sie unter ihrem bürgerlichen Namen und einer zeitgenössischeren Serie vergeblich gesucht hat. Das Feuilleton hat das erste Buch um August Emmerich gefeiert, Beer hat einen der wichtigsten Literaturpreise Österreichs gewonnen und auch mich hat sie begeistert. Nicht nur, weil es in meiner Heimatstadt spielt, sondern auch zu einer absolut interessanten Zeit – einer völlig vernachlässigten Zeit, wie Beer dem Krimisofa in einem Interview verriet. Jetzt kam der Zweite Teil heraus, der mich allerdings nicht mehr so euphorisch zurückließ. August Emmerich und sein Assistent Ferdinand Winter haben es in die „Leib und Leben“-Abteilung geschafft – jene Abteilung, in die Emmerich schon vor seinem letzten Fall wollte. Winter ist noch von seinen schweren Verletzungen gezeichnet, die er im „zweiten Reiter“ erlitten hatte und kann nur einen Arm nutzen. Aber mehr als Protokolle abzutippen, haben die zwei, die vom Rest der Abteilung geschnitten und hinter ihren Rücken „Krüppelbrigade“ genannt werden, ohnehin nicht zu tun. Emmerich hingegen ist vom Heroin, das er im ersten Teil gegen seine Knieschmerzen genommen hat, losgekommen. Da er von seiner Luise ausziehen musste, weil ihr Mann es wider Erwarten aus der russischen Kriegsgefangenschaft heim geschafft hat, wohnt Emmerich jetzt in einem der neuen und von der Presse gefeierten Männerlogierhäusern. Anstatt einen Mordfall zu untersuchen, müssen die zwei sich den Fall der angeblich verfluchten Schauspielerin Rita Haidrich ansehen – eine weitere Schikane ihrer Vorgesetzten. Doch über diesen Fall stoßen die zwei auf den Fall des ermordeten Wiener Stadtrats Fürst, den die restliche Abteilung bearbeitet und die auch schnell einen Täter verhaftet. Aber Emmerich ist sicher, das es der falsche ist. Manchmal frage ich mich, ob man ein Buch nicht so gut findet, weil man in der falschen Stimmung ist, einen harten Tag hatte und deshalb nicht richtig in die Geschichte reinkommt – genau so erging es mir bei „Die rote Frau“, das ich erst gegen Ende richtig gut fand. Auch fragte ich mich, was die Sache mit dem Fluch am Anfang sollte, die so gar nicht in die Geschichte passen will – am Ende war ich dann aber schlauer, denn beim hervorragenden und historisch interessanten Showdown löst sich alles auf. Die Charaktere von Emmerich und Winter haben sich weiterentwickelt und die zwei sind sich gegenseitig wesentlich loyaler als zu Beginn von „Der zweite Reiter“, obwohl „Die rote Frau“ nicht mal ein halbes Jahr danach spielt. Obwohl es ein völlig anderes und wesentlich politischeres Buch ist als „Der zweite Reiter“, gibt es einige ähnliche Abläufe. Zum Beispiel hat Emmerich im ersten Teil der Serie sein lädiertes Knie verheimlicht – diesmal verheimlicht er, dass er in einem Männerlogierhaus in einer drei Quadratmeter Kabine haust. Oder dass die zwei Protagonisten über einen Fall zu einen Mordfall kommen – das gab es im ersten Teil schon. Dort war es der Schleichhändler, den sie dingfest machen solltest und über den sie dann zu einem Mordfall kamen. Aber das ist wohl der Preis, den man zahlt, wenn man eine Serie schreibt. Teilweise macht Beer es sich beim Plot zu einfach: da findet Emmerich, der kein Latein kann, ein Heft, das in  reinstem Latein geschrieben ist – „Na kloa, do kenn i wen, der mir des übersetzt" (überspitzt zitiert). Oder Emmerich wird schwer verletzt, kann sich aber keine ärztlich Behandlung leisten – Winter schickt ihn zum Hausarzt seiner Oma, der macht's gratis. Und was mir leider sauer aufstößt, ist die Vermischung von Deutschem und Wiener Dialekt. Da findet ein regelrechtes Meet & Greet zwischen „die Faxen dicke“ und „Heast Oida“ statt und das geht leider auf Kosten der sonst so hohen und abermals herausragend recherchierten Authentizität. Denn ich glaube nicht, dass es in Wien 1920 gängig war, „die Faxen dicke" oder „klauen" zu sagen. Und falls doch – mea culpa.

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