Rezensionen zu
Glück und Glas

Lilli Beck

(35)
(15)
(4)
(1)
(0)
€ 11,00 [D] inkl. MwSt. | € 11,40 [A] | CHF 16,90* (* empf. VK-Preis)

Die beiden Mädchen Hannelore und Marion werden am selben Tag im Jahr 1945 in der Münchner Frauenklinik geboren. Während Hannelore aus einer wohlhabenden Industriellenfamilie stammt, die ihr Geld seit Generationen mit einer eigenen Schuhfabrik verdient, kommt Marion aus ärmlichen Verhältnissen. Marions Mutter ist mittellos und zu ihrem Vater, der zunächst in Kriegsgefangenschaft ausharrt, hat das Arbeiterkind ein liebloses und distanziertes Verhältnis. Durch einen glücklichen Zufall findet Marions Mutter bei Hannelores Familie Arbeit als Haushaltshilfe und so wachsen „Lore“ und „Moon“, wie sich die beiden Mädchen nennen, wie Schwestern auf und werden zu unzertrennlichen Freundinnen. Den Mädchen sind finanzielle und soziale Unterschiede völlig gleichgültig, denn sie spüren eine tiefe Verbundenheit und von Hannelores Eltern wird Marion ebenfalls liebevoll unterstützt. Doch bald trennen sich die Wege der beiden! Während die bildhübsche Moon, die mit ihren feuerroten Locken alle Blicke auf sich zieht, von einer Karriere als erfolgreiche Modeschöpferin träumt und die Welt erobern möchte, entscheidet sich die bodenständige Lore Anwältin zu werden. Welche Pläne das Leben für die Mädchen schlussendlich bereithält, dass kann der Leser auf rund 500 Seiten gespannt mitverfolgen. Wir begleiten die beiden auf ihrem Lebensweg und sind Zeuge vieler Höhen und Tiefen. Wir lesen über Schicksalsschläge, Liebschaften, gemeinsame Erinnerungen, aber auch über Zeiten in denen Funkstille zwischen den Freundinnen herrscht.Von der schwierigen Nachkriegszeit über die wilden Siebziger bis ins Jahr 2015, unternehmen wir eine interessante Zeitreise durch die deutsche Geschichte. Die Autorin hat in ihrem Roman einige Aspekte aus ihrem eigenen Leben einfließen lassen und so ist es ihr besonders gut gelungen bildhafte Szenen entstehen zu lassen und die verschiedenen Stimmungen der unterschiedlichen Jahrzehnte gekonnt einzufangen.Wir bekommen Einblicke in die Lebensart der jeweiligen Dekade und können Entwicklungen und Neuerungen miterleben. Die Rolle der Frau, die Wohn- und Arbeitssituation, Farbfernsehen, Aids und die Erfindung der Anti-Baby-Pille, sind nur einige Themen die in „Glück und Glas“ aufgegriffen werden. Auch die Modetrends der verschiedenen Jahrzehnte werden anschaulich beschrieben. Hannelore und Marion sind mir sofort ans Herz gewachsen und auch die Nebencharaktere wurden äußerst authentisch gezeichnet und waren verantwortlich für viele schicksalshafte Entscheidungen der beiden Mädchen. Der Roman konnte mich von Beginn an fesseln, denn ich wollte unbedingt wissen für welchen Lebensweg sich Lore und Moon entscheiden werden und ob es zu einem Bruch der Freundschaft kommen wird. Ich habe mich an keiner Stelle gelangweilt, denn neben der berührenden Schilderung dieser besonderen Verbindung, konnte mich das Buch mit gelebter Geschichte und einem Streifzug durch die Vergangenheit äußerst gut unterhalten. Lediglich das Ende des Buches konnte mich leider nicht ganz überzeugen, doch an dieser Stelle sei natürlich nicht zu viel verraten.

Lesen Sie weiter

Der Leser beginnt zu verstehen, wie das Damals zum Heute beigetragen hat „Am 7. Mai 1945 werden Marion und Hannelore in der Frauenklinik in der Münchner Maistraße geboren. Obwohl sie aus ganz unterschiedlichen Verhältnissen stammen, wachsen sie wie Schwestern auf und sind unzertrennlich. Doch als Marion sich an ihrem zweiundzwanzigsten Geburtstag verliebt, zerbricht ihre Freundschaft. Während der Kalte Krieg immer mehr eskaliert, die Studenten auf die Straße gehen und die ersten Kommunen entstehen, trennen sich ihre Wege endgültig. Die widerspenstige Marion wird Fotomodel, hat großen Erfolg im Beruf, aber kein Glück in der Liebe. Hannelore studiert Jura, um Anwältin zu werden, doch das Leben hat andere Pläne mit ihr. Jahrzehnte später, am 7. Mai 2015, wollen sie ihren siebzigsten Geburtstag zusammen feiern – doch kann die Zeit alle Wunden heilen?“* *Quelle: blanvalet Lore und Moon kommen in der Nacht, in der auch der 2. Weltkrieg endet, in einer Münchener Klinik auf die Welt. Elsa, Moons Mutter und Hilde, die Mutter von Hannelore, von allen nur Lore genannt, freunden sich an. Hilde, verheiratet mit dem großbürgerlichen Schuhfabrikanten Lemberg, kümmert sich um Elsa, die aus ärmlichen Verhältnissen stammt und nach dem Krieg keine Bleibe hat, und nimmt sie bei sich als Haushälterin auf. Die Mädchen wachsen wie Schwestern auf – bis Elsas rüder Ehemann aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehrt und Lore aufs Gymnasium geht. Von hier an entwickeln sich die Lebenswege der beiden sehr unterschiedlich: Hannelore studiert Jura, verliebt sich in einen Kommilitonen, heiratet und bleibt lebenslang in der bürgerlichen Enge haften und versucht den sich selbst auferlegten Konventionen zu entsprechen. Moon jedoch findet keine Linie in ihrem Leben. Sie bricht mit ihren Eltern und versucht sich als Frisörin, Hippie, als Model und später als Designerin. Doch niemals findet sie die wahre Liebe in ihrem Leben und bleibt auf der ewigen Suche. Erst an ihrem 70. Geburtstag, den Lore und Moon gemeinsam feiern wollen, finden die Freundinnen nach Jahren wieder zueinander. „Glück und Glas“ ist ein Roman, der auf zwei Zeitebenen spielt. Einmal in der lektorischen Gegenwart, nämlich dem 70. Geburtstag der Frauen, und in der Vergangenheit, zu der die Autorin Lilli Beck aus den gegenwärtigen Kapiteln wunderbare Übergänge schreibt. So verfolgt der Leser die Lebensgeschichten der Protagonistinnen – immer aus der Perspektive von Moon- aus Sicht des allwissenden Erzählers. Obwohl Lore und Moon die Hauptfiguren des Romans sind, steht Moon immer im Vordergrund – wie sie auch im wirklichen Leben stets die Aufmerksamkeit auf sich zieht und im Mittelpunkt des Geschehens steht. Moon flattert durch die Geschichte und das Leben wie ein Nachtfalter. Sie fliegt immer dem Licht nach, kann es aber nie erreichen und erlebt dabei viele Höhen und Tiefen. Lore wird als eher bieder beschrieben. Sie verfolgt den klassischen Weg des Hausmütterchens, das für Mann und Kind alles opfert – sogar ihren Traum als Anwältin zu arbeiten und versucht dabei immer mit einer sauberen Weste dazustehen. Mit der Beschreibung der unterschiedlichen Lebensstile der beiden Frauen spiegelt Lilli Beck die Dualität der deutschen Gesellschaft in der Nachkriegsgeschichte wieder. Die Biederkeit des deutschen Bürgertums einerseits im Kontrast zu denjenigen, die die Gegenkultur lebten, und sich den bestehenden gesellschaftlichen und politischen Normen und Werten verweigerten. Lilli Beck schaffte es, mit ihrem Roman „Glück und Glas“ einen kleinen aber feinen Gesellschaftsroman zu schreiben. Anhand der Freundschafts- und Lebensgeschichte von Lore und Moon lässt sie den Leser das Leben im Nachkriegsdeutschland miterleben. Der Leser wird entführt in längst vergessene und verdrängte historische Episoden Deutschlands und wird erinnert an die Lebensarten, die weitergeführt und neu erfunden wurden. Er beginnt zu verstehen, wie das Damals zum Heute beigetragen hat. Lilli Becks Roman ist wirklich bezaubernd. Auf ganz wunderbare erzählerische Weise nimmt sie den Leser mit auf eine historische Reise – auf dem Rücken von Lore und Moon. „Glück und Glas“ ist nicht nur ein Roman über Freundschaft, sondern auch über die deutsche Geschichte, Politik und Gesellschaft. lilliÜber die Autorin* Lilli Beck wurde 1950 in Weiden/Oberpfalz geboren und lebt seit vielen Jahren in München. Nach der Schulzeit begann sie eine Ausbildung zur Großhandelskauffrau. 1968 zog sie nach München, wo sie von einer Modelagentin in der damaligen In-Disko Blow up entdeckt wurde. Das war der Beginn eines Lebens wie aus einem Hollywood-Film. Sie arbeitete zehn Jahre lang für Zeitschriften wie Brigitte, Burda-Moden und TWEN. Sie war Pirelli-Kühlerfigur und Covergirl auf der LP Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz von Marius Müller-Westernhagen. Glück und Glas ist sowohl eine romanhafte Autobiografie als auch der Roman einer ganzen Generation. *Quelle: blanvalet

Lesen Sie weiter

Das Cover des Buches ist zeitgemäß, schlicht und dennoch ansprechend. Die zwei Mädchen sollen die Freundinnen im Buch darstellen und wie es zu der Zeit aussah. Deswegen ist das Foto schwarz-weiß und diese weiße große Blase mit dem Titel passt gut dazu. In diesem Buch geht es um Marion und Hannelore, welche beide am gleichen Tag - am 7. Mai 1945 - im gleiches Geburtshaus geboren werden. Es ist ein oder zwei Tage her, dass erzählt wurde, dass endgültig Frieden herrscht. Die Geschichte spielt in München. Dort wachsen die Mädchen auch auf. Die meiste Zeit begleiten wir Marion auf ihrem Weg. Sie ist ein armes Mädchen. Ihre Mutter arbeitet für Hannelores Mutter, da sie sonst mit ihrer Tochter auf der Straße leben müsste. Sie sind froh, wenn sie etwas zu Essen bekommen, haben kein Geld und weder Hab noch Gut. Marions Vater ist lange ein Kriegsgefangener in einem anderen Land und wird erst Jahre später frei gelassen. Hannelore ist ein verwöhntes Mädchen. Ihre Eltern haben viel Geld, ein großes Haus und immer ausreichend Essen und Kleidung. Doch obwohl sie nicht unterschiedlicher sein könnten, wachsen sie wie Schwestern auf und sind beste Freundinnen. Als sie größter werden, spalten sich ihre Leben immer weiter voneinander ab, doch sie verlieren nie den Kontakt. Doch irgendwann spalten sie sich ganz voneinander an, da einige unschöne Dinge geschehen. Was genau, müsst ihr selbst lesen. Das Buch beginnt mit Marions Mutter, die sich im Geburtshaus befindet. Sie beschreibt genau ihre ganze Situation, es ist sehr bewegend. Als sie mit Baby entlassen wird, bekommt man einen Einblick in die Umgebung, durch die Mutter und Tochter laufen. Überall Schutt und Asche. Zwischendrin viele Bombenlöcher und noch mehr Menschen ohne Dach über dem Kopf. Wie es beschrieben wird, merkt man, dass es wahr ist. Da ist diese Traurigkeit und das wahre Erlebnis in den Worten, anders kann ich es nicht beschreiben. Durch diese vielen negativen Erlebnisse und Gedanken, die sich Seite um Seite schlängeln, kam ich anfangs sehr schlecht durch das Buch. Das Buch ist gestaffelt aufgebaut. Manchmal sind nur Tage zwischen den Kapiteln, später Monate und am Ende Jahre. Außerdem erzählt uns Marion - später Moon genannt- von Anfang an ihre Geschichte. Man springt immer wieder zu ihr in die Gegenwart. Sie schwelgt in Gedanken und findet einige Erinnerungen. Es hat Spaß gemacht, die Entwicklung zweier Mädchen über die Jahre zu begleiten und den Aufbau der Welt zu verfolgen. Auch über viele Jahre hinweg, denn wir begleiten sie von Geburtstag bis zum 70. Geburtstag. Die Gedanken ändern sich, ihre Denkweise und ihre Sicht auf die Welt und deren Bewohner. Sie erleben Schicksalsschläge, die wahre Liebe, Freundschaft, Trauer und vieles mehr. Es quillt über vor Emotionen. Sehr gelungen wie ich finde. Aus diesen Gründen habe ich einen halben Stern abgezogen und bin bei 4,5 Sternen. Leider bin ich zu schwer rein gekommen. Es ist aber auch ein sehr emotionaler Anfang. Wahrscheinlich einfach zu viel auf einmal.

Lesen Sie weiter

Titel: Glück und Glas Autorin: Lilli Beck Genre: (Historik)Roman Verlag: blanvalet Seitenzahl: 508 (Amazon)Preis: 19.99 Euro Inhalt (Klappentext) Am 7. Mai 1945, dem Tag, an dem Deutschland kapituliert, warten zwei Frauen, die sich nicht kennen, in der Frauenklinik in der Münchner Maistraße auf die Geburt ihres Kindes. Während Elsa eine sogenannte 'Hausschwangere' ist und als Anschauungsobjekt für Studenten und Hebammenschülerinnen dient, liegt Hilde gemütlich als Privatpatientin in ihrem Bett. Eigentlich hätten sie sich nie begegnen sollen. Doch als Elsa sich weigert, vor allen Augen ihr Kind zur Welt zu bringen, und in Hildes Zimmer Zuflucht sucht, ändert das Schicksal seinen Lauf: Marion und Hannelore werden am selben Tag und am selben Tag geboren. Voller Mitgefühl für Elsa, deren Mann noch nicht aus dem Krieg zurück ist, bietet ihr Hilde an, als Haushaltshilfe bei ihnen anzufangen. Elsa darf die kleine Marion zur Arbeit mitbringen, und so wachsen die Mädchen zusammen auf. Doch dann kommt Marions Vater traumatisiert aus der Gefangenschaft zurück, und das Schicksal macht erneut eine Kehrwende... Meinung Lilli Beck hat einen wundervollen, locker leichten Schreibstil. Dennoch braucht man Zeit und Nerven um dieses Buch zu lesen. Da dieses Buch eine Art Biographie von ihr selbst ist, ist es eine 'reale' Geschichte. Weil Lilli Beck in dieser Zeit, in der das Buch spielt, selber gelebt hat, gibt es spannende 'Insider' Informationen und auch der Münchner Dialekt ist wunderbar in den Schreibstil eingebaut. Das ganze Buch ist eine Erzählung, zweier Leben, weshalb es keinen Höhepunkt gibt. Meine Frage, die ich mir gestellt habe, war die, ob dieser nötig ist… Zur Überlieferung der Geschichte nicht, doch der Spannung hätte dies nicht geschadet. Fazit Ein schöner Roman, mit tollen Informationen über die Nachkriegszeit. Deshalb bekommt dieses Buch von mir 4 von 5 Punkten.

Lesen Sie weiter

Die Freundinnen Marion und Hannelore, die durch Schicksalsfügung am selben Tag geboren wurden, erzählen uns ihre Lebensgeschichte. Dies war es schon an Gemeinsamkeiten. Die Mädchen sind unterschiedlich wie Tag und Nacht. Durch den Krieg und dessen Umstände werden die Mütter Freundinnen und somit auch sie. Gemeinsam erleben sie ihre ersten Jahre. Doch wie es im Leben nun mal ist, geht jedes Kind seinen Weg. Die Autorin Lilli Beck hat eine gefühlvolle Geschichte geschrieben, die 7 Jahrzehnte überdauert. Die beiden Hauptprotagonisten Moon und Lore können unterschiedlicher nicht sein. Lore die Studierte aus gut Bürgerlichem Hause und ihre Freundin Moon. Deren Eltern als Arbeiterfamilie gerade über die Runden kamen. Auch das weitere Leben der beiden zeigt zwei Welten auf. Dennoch sind sie seit Kindertagen unzertrennlich. Marion (Moon) ist eine lebenshungrige, abenteuerlustige Person. Sie findet immer ihren Weg, wie aussichtslos er auch sein mag. Hannelore (Lore) dagegen lebt als Hausfrau und Mutter ehr zurückgezogen. Mir hat sehr gut gefallen das die Freundschaft für die beiden immer an erster Stelle stand. Egal welche Schwierigkeiten aufkamen, sie fanden immer wieder zusammen. Überwiegend wird die Geschichte von Marion erzählt. Hannelore ist ein Teil ihres Lebens und sie bindet ihre Geschichte in die eigene ein. Leider erfahren wir so nur am Rande von Lores Leben. Lilli Beck lässt zwei Menschenleben Revue passieren. Die Lebensgeschichte der Freundinnen liest sich flüssig. Sehr nett fand ich die vielen Produktbezeichnungen und Eigennamen, die mich mit einem schmunzeln an meine Vergangenheit denken liessen. Auch fliessen viele Geschichtliche Fakten mit ein, so beginnt sie mit dem Ende des zweiten Weltkrieges und Endet 2015 mit dem 70 Geburtstag der beiden Frauen. Immer wieder erarbeitete mein Kopfkino zu den Ereignissen seine eigenen Bilder. Auch wenn das Ende sehr schnell kam, ein wenig Ausführlicher hätte ich mir das Wiedersehen gewünscht. Es wirkte etwas gedrungen, als ob die Autorin das Buch zusammen kürzen musste. "Glück und Glas" ist eine schöne Biografie. Mir hat die Reise durch 70 spannende und mitreissende Jahre gut gefallen. Ich erlebte Gute und auch Schlechte Zeiten. Viele weitere Informationen, Fotos, Termine findet ihr auf der Homepage der Autorin. Der Verlag bietet auf seiner Seite eine Leseprobe zum Buch an.

Lesen Sie weiter

Anlass: Der Klappentext versprach einen Einblick in das München von 1945 und danach - und Einblick in eine Frauenfreundschaft zwischen höchst unterschiedlichen Damen aus verschiedenen Welten. Inhalt: Lore und Marion werden in das Endjahr des 2. WK geboren von ganz verschiedenen Frauen, die sich in einer Geburtsklinik kennenlernen. Die eine ist Fabrikantengattin, die andere hat alles verloren und fängt bei ihr als Haushälterin an, um ihr Kind ernähren zu können. Die beiden Mädchen werden zusammen groß und entwickeln sich höchst unterschiedlich- aus Marion wird Moon, die Erfolge als Model feiert und dank eines windigen Antiquitätenhandels plötzlich im Gefängnis landet. Lore dagegen wird Hausfrau und Mutter, verheiratet mit einem spießigen Vermögensberater, der sie betrügt und Pleite geht dank der Finanzkrisen der 2000er. Dazwischen erleben wir München in verschiedenen Jahrzehnten, Kommunen, Studentenrevolte, Mode, steigende immobilienpreise und Schickeria. Meinung: Das war verdammt cool! "Mein" München, in dem ich seit gut zehn Jahren glücklich bin so erleben zu dürfen, hat mich schwer begeistert. Und die die zwei Damen von 0 bis 70 begleiten zu dürfen, war mir eine Ehre.

Lesen Sie weiter

Das müssen auch Marion und Hannelore mehrfach erfahren. Seit ihrer Geburtstag am 07. Mai 1945 sind die beiden beste Freundinnen. Doch mit der Zeit wird ihre Freundschaft immer häufiger auf die Probe gestellt. Während aus Marion das bekannte Model Moon wird, nachdem sie von einem Fotografen in einer Bar entdeckt wird, will Lore Juristin werden. Doch das Schicksal hat andere Pläne für die beiden. Lore lernt einen Mann kennen, heiratet und gründet eine Familie. Moons Karriere endet jäh, als sie unschuldig verhaftet und ins Gefängis gesteckt wird. Während Moon nach ihrer Freilassung versucht, Fuß zu fassen, scheitert Lores Ehe. Schuld daran ist ihre beste Freundin. Lore, bitter enttäuscht von Moon, bricht den Kontakt ab. Nach zwanzig Jahren treffen sie sich auf einem Friedhof in München wieder. In ihrer beider Leben hat es viele Veränderungen gegeben und sie finden wieder zueinander zurück. Nach weiteren zehn Jahren, in denen sie sich selten gesehen aber oft telefoniert haben, wollen sie am 07. Mai 2015 ihren 70. Geburtstag gemeinsam feiern. Doch kann die Zeit alle Wunden heilen? Mir hat das Buch gut gefallen. Es waren die gut geschilderten Situationen, in denen sich die Protagonisten befunden haben. Ich konnte mir oft genau vorstellen, wie z.B. der Gesichtsausdruck war oder so ähnlich.

Lesen Sie weiter

Im Mai 1945 kommen in einem Münchener Krankenhaus zwei Mädchen zur Welt, die aus völlig verschiedenen Gesellschaftsschichten stammen. Während Hannelore die Tochter eines Schuhfabrikanten ist, dessen Geschäft auch in den Kriegsjahren ganz gut läuft, ist Marions Mutter ausgebombt und wohnt zur Zeit im Krankenhaus als "Übungsmaterial" für die Geburtsstation. Als sich die beiden Mütter zufällig begegnen, beschließt Hannelores Mutter, die beiden zu sich zu nehmen, eine Haushälterin wird sowieso gebraucht. So wachsen die beiden Mädchen miteinander auf, werden beste Freundinnen und beginnen dennoch, sich allmählich zu entzweien, als sie unterschiedliche Lebenswege einschlagen. Wird es zu ihrem Siebzigsten Geburtstag endlich eine Versöhnung geben, nachdem die Freundschaft zerbrach? Das Buch, das ich mir als Rezensionsexemplar bei blanvalet aussuchen durfte, klang eignetlich sehr schön. Ein Roman, der eine Geschichte von Freundschaft mit der Geschichte der Bundesrepublik verbindet - ich war sehr gespannt. Und die ersten Kapitel sind auch wirklich schön, man schnuppert das Leben in der unmittelbaren Nachkriegszeit und findet die beiden kleinen Gören doch ganz sympathisch. Okay, diese zwischengeschalteten Kapitel, in denen die jetzt siebzigjährige Marion auf ihre beste Freundin wartet, hätten nicht sein müssen - doch man ist gewillt, darüber hinwegzusehen. Aber je weiter das Leben dann voranschreitet, desto mehr wandelt sich der Roman von einer spannenden Schilderung hin zu einer wahnsinnigen Oberflächlichkeit. Marions und Hannelores Charakterzüge werden einach nur noch grob gepinselt und so wirklich warm wird man mit keiner der beiden erwachsenen Frauen. Noch schlimmer war für mich aber, dass ich - je mehr die Zeit voranschritt - das Gefühl hatte, das Buch ist entstanden mit folgendem Dialog: "Ich will ein Buch schreiben, das zwischen 1945 und 2010 spielt." "Hast du was drin zur APO?" "Klar." "Sexuelle Revolution?" "Logisch." "Anti-Atomkraft-Bewegung?" "Wird mal erwähnt." "Hausfrauenehe der Fünfziger Jahre und deren Problematik?" "Selbstverständlich." "Olympische Spiele 1972?" "Was denkst du denn?" Je näher wir ans Jahr 2010 kommen, desto mehr ergeht sich das Buch in belanglosen Erwähnungen historischer Ereignisse. Nach dem Motto "Hannelore ist schwanger. Sie ist froh, dass ihr Kind gesund ist. Das ist nicht immer der Fall. Die Zeitungen sind voll mit Fällen der Contergan-Kinder. Das ist wirklich schlimm." Ich zitiere nicht ganz im Original, aber das ist auch in etwa der Stil, in dem das Ganze gehalten ist. Sehr starke Hauptsatzreihungen, die mich als Leser immer weniger etwas erleben lassen, als mir nur Namen von früheren Marken, Namen bekannter Persönlichkeiten und Namen historischer Ereignisse um die Ohren zu hauen. Ich kam mir immer mehr vor wie beim Lesen eines Buchs "Das Jahr XY". Die Geschichte selbst wurde dabei immer oberflächlicher und erging sich letztlich in totaler Vorhersehbarkeit (ganz im Ernst, ich wusste von Anfang an, dass der Schwule natürlich in den Achtzigern AIDS bekommen muss ...) Für mich ein Roman, der meine Lesewerwartungen einfach nur enttäuscht hat, sowohl vom Stil als auch vom Aufbau der Geschichte her. :-(

Lesen Sie weiter