Leserstimmen zu
Trügerische Nähe

Susanne Kliem

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Seesendorf bei Berlin, die neue Heimat von Alexander und Nora sowie Johannes und Marlis. Alexander und Johannes sind Studienfreunde und das Leben in der Stadt leid, sodass sie die Chance nutzen, gemeinsam auf einem geerbten Bauernhof, den sie von Grund auf renovieren, einen ruhigen Lebensabend zu verbringen. Zwar sind beide Paare erst in den Vierzigern, dennoch sehen sie sich nach Ruhe auf dem Lande. Die Männer werden nach wie vor täglich in die Stadt pendeln, immerhin hat Johannes dort ein Architekturbüro und Alex ist Professor (Parasitologe) an der Universität, doch die Frauen müssen nicht täglich diese Strapazen auf sich nehmen. Marlis betreibt einen Onlineshop, hier ist es egal, von wo aus sie ihre Ware versendet und Nora, ja Nora macht eine längere Pause vom Berufsleben. Vor nicht allzu langer Zeit war sie eine erfolgreiche Galeristin und auch heute noch gehört ihr die Galerie, doch nach einem Burn-Out ist sie derzeit nicht in der Lage, wieder zu arbeiten - hier soll das Landleben Abhilfe schaffen und sie endlich zur Ruhe kommen. Obwohl sie neu in Seesendorf sind, finden die beiden Paare schnell Anschluss. Gleich gegenüber wohnt die überaus sympathische Ärztin Diana Wolf, mit der sich die Paare schnell anfreunden. Jedoch gibt es, wie wohl in jeder Dorfgemeinschaft, auch die etwas verschrobenen Typen, hier in Form von Nachbar Norbert Dierks, der nach dem Tod seiner Frau zusammen mit seiner geistig zurückgebliebenen Tochter Hanna auf einem heruntergekommenen Hof lebt. Dianas Herzensprojekt ist es, mit den Dorfbewohnern ein Theaterstück auf die Bühne zu stellen - damit rennt sie bei Marlis offene Türen ein. Zwar schauspielert sie nicht selbst, aber Livia, ihre Tochter aus einer früheren Beziehung macht derzeit eine Schauspielausbildung in München, sodass Marlis ja fast "vom Fach ist". Dann jedoch taucht, völlig unerwartet und angemeldet, eben jene Livia auf dem Hof auf und bringt allein durch ihre Anwesenheit das harmonische Gleichgewicht durcheinander, denn Livia gehört zu den Frauen, die sich nehmen, was ihnen gefällt, sei es ein Kleidungsstück aus einem fremden Kleiderschrank oder gar einen Ehemann einer anderen Frau. Vor allem Nora hofft, dass Livia bald wieder vom Hof verschwindet und zurück nach München geht, doch Livia hat so ihre ganz eigenen Pläne und kurz darauf gibt es eine Leiche im angrenzenden Wald ... (Alp)Traum Landleben! Der Plot wurde spannend und abwechslungsreich erarbeitet. Besonders gut hat mir gefallen, wie die Autorin es schaffte, wirklich grundverschiedene Figuren (freiwillig) an einem Ort zu versammeln und durch das Erscheinen einer weiteren Figur dieses sehr sensible Konstrukt nach und nach zu Einsturz zu bringen, sodass sich nach und nach die wirklichen Facetten der einzelnen Figuren offenbaren. Die Figuren selbst wurden authentisch und einzigartig erarbeitet, sodass ein hoher Wiedererkennungswert jederzeit gegeben war. Den Schreibstil kann ich nur als packend, ja teilweise beklemmend beschreiben, sodass ich mich am liebsten gar nicht mehr von dem Buch getrennt hätte.

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Zwei befreundete Paare, Nora, Alexander mit Sohn Lukas und Marlis und Johannes, erfüllen sich einen Traum und ziehen gemeinsam auf einen liebevoll renovierten Hof. Alles könnte perfekt sein, denn die beiden Männer sind Jugendfreunde und die Frauen verstehen sich untereinander gut. Plötzlich und unerwartet taucht Livia, Marlis` Tochter aus erster Ehe, auf dem Hof auf und die Idylle entwickelt sich langsam in ein Drama, das aus Neid, Eifersucht, Lügen und Verdächtigungen besteht. Livia scheint durchtriebene Ziele zu verfolgen und nur Nora scheint ihr Spiel zu durchschauen... Wer hier von vorneherein einen Krimi erwartet, wird wahrscheinlich enttäuscht werden. Die Krimielemente gibt es erst relativ spät zu lesen.Dafür haben wir es aber, wie auch schon der Aufkleber auf dem Buch verrät, mit einem Psychodrama zu tun, das von Kapitel zu Kapitel subtiler wird. Bald merkte ich, dass die Idylle für die beiden Ehepaare, mehr Schein als Sein ist. Mir kam es vor als würden die vier irgendwie auf der Flucht vor sich selbst sein, denn allesamt haben so ihre Probleme, die sie im weiteren Verlauf der Geschichte fast zu überwältigen drohen. Livia ist eigentlich nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Das Mädchen hat mir leid getan, denn der Grundstein für ihr Verhalten und ihr Tun wurde meiner Meinung nach schon in ihrer Kindheit gelegt. Hohe Erwartungen seitens ihrer Mutter begleiten sie von Anfang an und so scheint es logisch, dass Livia ist voller Selbstzweifel ist und Angst vor dem Versagen hat. Ich habe nach Beendigung des Buches lange darüber nachgedacht, wer denn nun eigentlich der/die Böse war. Die Probleme, die die Charaktere mit sich selbst und untereinander haben, waren für mich allesamt hausgemacht. Wenn man mit allen Mitteln den schönen Schein aufrechterhalten möchte, kann man sich auf seinem Weg eigentlich nur verlaufen und wie in einem Labyrinth, keinen Ausweg mehr finden, was zu Frust und am Ende zu einem großen Knall führen kann. Die Geschichte lässt sich durchweg gut lesen. Man kann das Buch nur schwer aus der Hand legen, denn natürlich möchte man wissen, welche Überraschungen sich Livia noch für die Bewohner ausgedacht hat. Das Ende war für mich allerdings etwas überhastet. Die Ereignisse überschlagen sich und ich war etwas enttäuscht, denn ich hätte gerne etwas mehr über die Charaktere, allen voran Livia und auch Noras Sohn Lukas, erfahren. Alles in Allem hat mich "Trügerische Nähe" gut unterhalten und auch nachdenklich gemacht. Für Fans psychologischer Krimis gebe ich gerne und guten Gewissens eine Leseempfehlung!

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Schreibstil Von Susanne Kliem habe ich im Vorfeld noch gar nichts gehört, umso gespannter war ich auf ihren Schreibstil, denn Elisabeth Hermann sagt über das Buch, dass es ein „meisterhaftes Psychodrama“ ist und jetzt, nach dem Lesen, kann ich dieser Aussage voll und ganz zustimmen. Susanne Kliems Stil ist geradlinig und besticht besonders durch ihre Charaktertiefe, die lebhaften, emotionalen Dialoge und das Miteinander der agierenden Personen. Nach nur wenigen Seiten war ich in diesem Buch gefangen und habe mich gefühlt, als würde ich selbst mit auf den Hof gezogen sein. Alle Gefühle wie Hass, Neid, Eifersucht, Verlangen und Einsamkeit waren auch bei mir zu spüren. So muss ein gutes, mitreißendes Buch sein! Charaktere Die Tiefe der einzelnen Charaktere und die Darstellung der jeweiligen Probleme machen dieses Buch zu etwas ganz Besonderem. Es gibt kaum einen Charakter, der blass bleibt. Ja, selbst die Nebencharaktere werden perfekt ausgearbeitet, sodass ich das Gefühl hatte, alle Personen in diesem Buch näher kennenlernen zu dürfen. Wie der Klappentext vermuten lässt, geht es in erster Linie um die zwei Paare, die auf einem einsamen Hof ziehen, um dort zusammen zu leben. Zum einen ist da Nora, die nicht mehr arbeiten kann und nun auf dem Land die Ruhe sucht. Die Ehe zu ihrem Mann Alexander funktioniert nicht mehr richtig und beide versuchen sie krampfhaft zu retten. Alexander ist der Analytiker. Er scheint alles zu durchschauen, sich einfach zurückzulehnen und zu beobachten, aber dennoch hat er so seine schwachen Momente. Seine Überheblichkeit und seine Selbstverliebtheit stehen ihm im Grunde selbst im Weg. Das andere Paar besteht aus der toughen Marlis, die sich selbst einzureden versucht, dass ihr Leben perfekt ist. Die Beziehung zu ihrem Mann Johannes ist auch alles andere als rosig, aber das will sie sich natürlich nicht eingestehen. Johannes und Alex waren alte Studienfreunde, aber auch bei ihnen sind Spannungen zu merken. Ist da Eifersucht im Spiel? Oder steckt da wirklich mehr dahinter? Als Marlis Tochter Livia an den Hof kommt, werden alte Wunden aufgerissen und neue zugefügt. Livia ist wie ein Parasit, der sich auf dem Hof einnistet und Schaden anrichten will. Was hat sie vor? Und warum ist sie nicht mehr auf der Schauspielschule? Ich fand Livia einen sehr interessanten Charakter. Sie ist ein Mädchen, das ihren Weg noch nicht gefunden hat. Sie kennt sich im Grunde selbst nicht und steht zwischen Lügen und Wahrheiten, ohne selbst zu begreifen, wie riskant ihr Leben auf diese Weise ist. Meine Meinung Obwohl der Titel „Trügerische Nähe“ eher schwach wirkt, verbirgt sich im Inneren des Buches doch ein wahrer Schatz. Als Leser werden wir in die Welt von zwei Paaren eingeführt, die zusammenleben wollen, aber nicht recht wissen, auf was sie sich da eingelassen haben. Sie versuchen zu retten, was noch zu retten ist, aber als dann Livia zu ihren stößt, werden sie an ihre Grenzen gebracht. Livia ist optisch die reinste Perfektion, aber wie sieht es mit ihrem Inneren aus? Ist ihr schönes Aussehen vielleicht nur Fassade? Wie zuvor erwähnt mochte ich sie sehr, denn sie nimmt die Rolle des Parasiten ein, der plötzlich auf dem Hof auftaucht und metaphorisch betrachtet in die Gedanken der vier mehr oder weniger zerbrochenen Menschen eindringt. Sie will zerstören, vielleicht weil sie selbst nicht das Gefühl hat, komplett zu sein. Ein schönes Aussehen ist schließlich noch lange nicht alles, vor allem wenn man Schauspielerin werden möchte! Spannend wird das Buch durch das ganze Miteinander der Personen. Es wird schnell klar, dass auf dem neuen Hof nichts perfekt ist, auch wenn alle krampfhaft versuchen, dies nach außen zu zeigen. Es kommt zu Eskalationen, was vor allem daran liegt, dass Livia plötzlich allen Männern den Kopf verdreht. Angefangen mit Lukas, dem Sohn von Nora, hin zu Alexander und Johannes. Für sie scheint es ein Spiel zu sein, ohne das ihr bewusst ist, was sie anrichtet. Ich habe das Buch innerhalb weniger Tage gelesen und musste auch zwischen dem Lesen immer wieder an die Geschichte denken, was bei mir wirklich nur bei guten Büchern passiert. Besonders mitfühlen konnte ich mit Nora, die sich sehr allein fühlt und damit umgehen muss, dass ihr Mann ihr einfach nicht treu sein kann. An manchen Stellen habe ich Alexander mit seiner überheblichen Art wirklich abgrundtief gehasst. Einen Kriminalroman würde ich das Buch eher nicht nennen. Es ist wie Elisabeth Hermann so schön gesagt hat, ein Psychodrama auf höchstem Niveau. Erst zum Ende hin, kommt es zu einem kleinen Kriminalfall, der aber schnell gelöst und auch recht vorhersehbar ist. Ich bin mir ein wenig unschlüssig, ob das Ende wirklich zu der restlichen Geschichte passt, denn es wirkt teilweise zu hektisch und fast schon ein wenig zusammengewürfelt. Die Stärke der ersten 300 Seiten wurden deswegen ein wenig abgeschwächt, aber ich muss trotzdem sagen, dass mich die ganze Geschichte trotzdem voll und ganz überzeugt hat! Fazit Ein Psychodrama auf höchstem Niveau! Ich konnte bei dem Buch gar nicht mehr aufhören zu lesen und war voll und ganz in der Geschichte gefangen! Mehr davon!

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Aufgrund des Klappentextes habe ich mich auf einen lockeren und spannenden Kriminalroman gefreut, doch was dann kam, hat mich im wahrsten Sinne des Worte umgehauen. Bereits der Prolog hat mich völlig mit seinen malerischen Beschreibungen gefangen genommen, fast hatte es etwas poetisches an sich. Danach habe ich die fünf zentralen Personen kennengelernt, die eine Wohngemeinschaft gegründet haben. Sofort war für mich die Düsterheit und und die subtile unterschwellige Spannung spürbar. Die Charaktere sind hierbei sehr komplex gestaltet und es ist kein herankommen an sie. Sie wirken , als kümmere sich jeder nur um sich, aber trotz allem ist immer das Misstrauen und die Abneigung spürbar, die sie gegeneinander aufbringen. Das brachte mich natürlich zu dem Gedanken, warum sie überhaupt zusammenleben. Von Freundschaft ist dabei nicht wirklich was zu spüren, es ist eher so, als belauere jeder den anderen. Einzig Nora konnte mich etwas erreichen. Ich kann nicht behaupten , daß sie mir sympathisch war, aber sie berührte etwas in mir. Es gelang mir auch nicht sie zu durchschauen. Man spürt, sie verbirgt etwas, konnte es jedoch nicht näher ergründen. Als dann Livia dazukam, war alles komplett. Sie stach vor allem mit ihrer Person heraus. Sie wollte in jedem Fall auffallen, sie bettelte förmlich nach Aufmerksamkeit und Liebe. Es hatte etwas lauerndes an sich. Sie machte den Eindruck auf mich, als wenn sie nicht weiß, wo ihr Platz im Leben ist. Der Handlungsverlauf an sich war sehr komplex gestaltet. Wir bekommen Einblicke in die jeweiligen Lebensabschnitte von den Charakteren. Man spürte mit der Zeit, daß sich die Schlinge immer mehr zusammenzuziehen drohte. Aufgrund der sehr intensiven Beschreibungen der Natur und der Umgebungen, war die Spannung förmlich greifbar. Hier geht es weniger um Taten, als vielmehr um die intensive , psychologische und abgründige Spannung , die sich immer mehr aufbaut. Aufgrund diesen Aspektes ist man unglaublich an dieses Buch gefesselt. Man muss einfach ergründen, was es mit dem Unergrund auf sich hat. Hierbei war die Spannung fast kaum noch zum aushalten. Emotional haben mich die Charaktere nicht wirklich erreicht, es war mehr die dunkle und geheimnisvolle Atmosphäre, die alles beherrscht und mich gefangengenommen hat. Mitunter musste man sich auch wirklich fragen: Was ist Sein und was ist Schein? Was verbirgt sich hinter diesem ganzen Konstrukt aus Misstrauen und Eifersucht? Dieses Buch lebt von einigen Höhen Tiefen, die immer mehr hervorstechen. Der Showdown entlädt sich dann nochmal gewaltig und plötzlich ist alles klar. Der Abschluss hierbei hat mir recht gut gefallen. Auch wenn die Autorin nochmal mit einigen Wendungen aufwartet, so hat mich doch am meisten die Atmosphäre gefangen genommen. Düster und unheilvoll. Dieses Buch erzählt vor allem von Einsamkeit, Misstrauen und Eifersucht, aber auch von Hoffnung und Abhängigkeit. Hierbei erfahren wir zum größten Teil die Perspektive von Nora, was ihr aber nicht mehr Tiefe einbringt, es dient eher dazu, dem ganzen Geschehen ein Gefühl zu vermitteln. Die Handlungen und Gedanken fand ich gut nachvollziehbar gestaltet. Das Buch ist in drei Teile aufgeteilt, die einzelnen Kapitel haben hierbei eine normale Länge. Sehr gut hat mir gefallen, daß über jedem Kapitel eine Überschrift mit dem Namen war, aus dessen Perspektive es geschildert wurde. Dadurch wusste man gleich woran man war. Der Schreibstil der Autorin ist fließend, aber auch sehr einnehmend und mitreißend. Das Cover und auch der Titel sind gut gewählt. Fazit: Susanne Kliem hat hier einen psychologischen Spannungsroman geschaffen, der vor allem durch Düsterheit und Subtilität besticht. Das Unheilvolle ist mit jeder Zeile spürbar und bindet den Leser förmlich an das Buch. Nach "Die Beschützerin" hat die Autorin hier wieder etwas ganz Großes geschaffen, daß an unterschwelliger Spannung kaum zu überbieten ist. Es ist nervenzerrend und unheimlich komplex gestaltet. Eine mehr als klare Leseempfehlung. Ich vergebe 5 von 5 Punkten.

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Zwei Paare in den Vierzigern - Marlis und Johannes sowie Nora und Alexander mit Sohn Lukas - restaurieren einen Bauernhof vor den Toren Berlins. Sie wollen von der Großstadt aufs Land ziehen und damit ihren Traum von einem idyllischen, naturnahen Leben verwirklichen. Während der gemeinsamen Einweihungsfeier, bei der auch eine Nachbarin anwesend ist, steht plötzlich Livia auf dem Hof. Sie ist Marlis' Tochter aus erster Ehe und studiert an einer renommierten Münchner Schauspielschule. Alle sind überrascht über den unerwarteten Besuch außerhalb der Ferienzeit, aber die Erklärung der 20-Jährigen beschränkt sich zunächst auf die Aussage, dass sie nicht zurückkehren könne. Sie wirkt verzweifelt und ruhelos. Aber niemand kommt an die junge Frau heran, obwohl sich alle ihretwegen - sehr unterschiedliche - Gedanken machen. Im Laufe der nächsten Zeit nistet sie sich regelrecht in den Köpfen der Hofbewohner und Nachbarn ein. Dabei setzt sie eine nicht zu stoppende Dynamik in Gang, die schließlich in einer Katastrophe endet - der Traum vom harmonisch-beschaulichen Landleben verwandelt sich immer mehr in einen mörderischen Albtraum. Resümee: Dieser Krimi liefert nahezu von Anfang an Hochspannung. Der Leser ahnt bei Livias "Auftritt" während der Einweihungsfeier sofort, dass mit ihr etwas nicht stimmt, sie etwas verbirgt. Und bereits nach wenigen Kapiteln ist man absolut sicher, dass der "große Knall" zwangsläufig kommen muss. Man weiß zwar nicht wann und in welcher Form er sich entladen wird, sieht das Unheil aber unaufhaltsam nahen. Als gegen Ende des Buches dann eine Leiche gefunden wird, ist klar, dass der Täter unter den Hofbewohnern oder Nachbarn zu suchen sein muss. Es haben aber so viele von ihnen ein Motiv, dass der Leser wirklich nicht sagen kann, wer der Täter ist. Der Schwerpunkt des Romans liegt auf der psychologischen Ebene: Die Handlung wird durch die immer stärker aufbrechenden zwischenmenschlichen Konflikte bestimmt. Sie eskaliert in dem Maße, wie Livia sich in den Köpfen aller einnistet, bis es schließlich zum totalen Kollaps kommt. Hervorragend gelungen ist in dem Zusammenhang auch die Analogie zwischen Livias Verhalten und dem Leben von Parasiten: Sie nisten sich bei ihrem Wirt ein, leben auf seine Kosten und beeinflussen sein Leben. Im Extremfall können sie ihn trotz Anpassung und / oder gezielter Abwehrmechanismen nach einiger Zeit sogar vernichten. Erzählt wird die Handlung vor allem aus Noras und Livias Perspektive, gelegentlich auch aus Johannes`und Boris' Sicht. Die anderen Protagonisten sieht der Leser durch deren "Brille". Fazit: ein Kriminalroman, dem auch die Bezeichnung "Psychothriller" gerecht werden würde.

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Die Geschichte: Die Mittvierzigerin Marlis erbt einen Hof in einem kleinen Dorf. Zusammen mit ihrem Ehemann Johannes und dessen Jugendfreund Alexander samt Ehefrau Nora und Sohn Lukas ziehen sie dort ein, um endlich ein ruhigeres Leben abseits des Städtetrubels zu genießen. Was sich zunächst wie eine echte Idylle anhört, wird ganz schnell zum fragilen Experiment als plötzlich Marlis’ 20-jährige Tochter Livia auftaucht. Die Stimmung auf dem Hof wird zunehmend feindseliger, schwelende Konflikte brechen auf, wachsende Zwietracht und Intrigen verpesten den Traum vom friedlichen Landleben. Seinen Höhepunkt findet das Ganze in einem rätselhaften Mord … Meine Meinung: Dass das Buch als “Kriminalroman” betitelt wurde, kann man wohl kaum der Autorin anlasten. Bleibt aber zu hoffen, dass es deshalb nicht so viele Leser mit falschen Erwartungen in die Hand nehmen, wie ich das getan habe. Wäre nicht wenigstens bereits im Prolog kurz die spätere Leiche erwähnt worden, dann würde die eigentliche Krimihandlung erst auf den letzten 50 Seiten stattfinden. Alles davor war für meinen Geschmack eher ein konfliktgeladener Psychothriller, der mit wenigen Personen auskommt, die aber dafür umso detailreicher charakterisiert wurden. In die Beschreibung ihrer Protagonisten und der Schauplätze legt Susanne Kliem sehr viel Herzblut, so dass gleich eine authentische und lebendige Atmosphäre entsteht. Zusätzlich sorgt sie mit manchmal recht kurzen Kapiteln, die abwechselnd aus der Sicht verschiedener Personen erzählt werden, für eine besondere Nähe zur Handlung und den Figuren. Im Verlauf der Handlung kann man auch eindrucksvoll sehen, wie verschieden Menschen auf Probleme reagieren. Wobei Alkohol und Drogen hier schon eine große Rolle spielen als vermeintliches Allheilmittel. Vielleicht war es gerade diese zunächst sehr authentische Stimmung und die lebensnahen Charaktere, die dafür sorgten, dass ich mich mit der Story nicht so recht anfreunden konnte. Die zunehmenden zwischenmenschlichen Konflikte nervten mich schnell, ich fühlte mich beim Lesen an die gehäuften Intrigen in so mancher Vorabendserie erinnert. Als empathischer und harmoniebedürftiger Mensch mag ich solche Geschichten nicht besonders, die von Streit, Zickereien, Verrat und Lügen beherrscht werden. Das liegt daran, dass ich der Ansicht bin, dass man sich schon im “echten Leben” viel zu oft mit Derartigem rumplagen muss – und wenn ich ein Buch lese, dann möchte ich Ablenkung darin finden. Im Verlauf der Geschichte wurden die Aktionen mancher Figuren etwas unglaubwürdig für meinen Geschmack. Leider gab es auch keinen einzigen richtigen Sympathieträger, erst zum Ende hin wurde ich in dieser Hinsicht noch leicht versöhnt: dann erhält eine Person mehr Raum, die vorher eher als Nebendarsteller fungierte. Das Buch habe ich fast in einem Rutsch durchgelesen, es war auf jeden Fall alles andere als langweilig. Aber fesselnd war es hauptsächlich, weil ich ständig wissen wollte, wo die Aktionen bleiben, die ich in einem Krimi erwarte. Im letzten Drittel wurde es dann etwas spannender, stellenweise sogar richtig actionreich und die ersehnten Ermittlungen fanden auch noch statt. Das wirkte dann zwar leider etwas schnell abgehandelt an manchen Stellen, aber die Auflösung war auf jeden Fall gut durchdacht und schlüssig. Das Ende hat mir echt gut gefallen, da wurde auch meine Harmoniesucht wieder vollends befriedigt! :) Fazit: Wer einen eher klassischen Kriminalroman erwartet, der könnte – wie ich – etwas enttäuscht sein. Man sollte sich vielmehr auf einen Psychothriller einstellen: zwischenmenschliche Auseinandersetzungen, Intrigen und eine unterschwellig bedrohliche Atmosphäre inklusive! Bewertung: 3,5 Sterne

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