Leserstimmen zu
Die Erfindung der Flügel

Sue Monk Kidd

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"Es war einmal eine Zeit, da konnten die Menschen in Afrika fliegen." Es ist dies, die erste Zeile von Sue Monk Kidds Roman „Die Erfindung der Flügel“, die fortan, für die Dauer meiner Lektüre, den Soundtrack zur vorliegenden Geschichte bestimmt. Wenn ich die Augen schließe, sehen ich sie vor mir: Hetty, genannt Handful, eine der Protagonistinnen des Buches. Sie sitzt auf dem Dachboden einer stattlichen Villa in Charlston, South Carolina und blickt auf den Hafen der Stadt. In der Hand hält sie die Näharbeiten für ein herrschaftliches Gewand. Dann höre ich sie summen: Sometimes I feel like a motherless child a long way from home. Sometimes I wish I could fly like a bird in the sky little closer to home. (Manchmal fühle ich mich wie ein mutterloses Kind, weit fort von zu Haus. Manchmal wünschte ich mir, ich könnte fliegen wie ein Vogel im Himmel etwas näher nach Hause.) Dieses Negro Spiritual führt direkt in die Lebenswelt von Handful. Die Geschichte, die Sue Monk Kidd in ihrem 2014 erschienen Roman erzählt, beginnt im Jahre 1803. Die Metropole Charleston hat es durch den Handel mit Sklaven zu Glanz und Größe gebracht und Handful ist eine von ihnen, eine Sklavin. Mit 10 Jahren wird sie Eigentum von Sarah Grimké, eine junge Frau von hohem Stand, die sie als Geburtstagsgeschenk von Ihrer dominanten und mitunter grausamen Mutter erhält. Sarah ist da selbst erst 11 Jahre alt und hat keine Freude an dieser Zuwendung. Schon als junges Mädchen, zwar mit einem immer wiederkehrenden Stottern geschlagen, aber einem scharfen Verstand gesegnet, erkennt sie deutlich das Übel, das in der Sklaverei liegt. In kindlicher Naivität verfasst sie ein Schreiben, in dem sie Handful die Freiheit schenkt und lässt es auf dem Lesetisch ihres von Ihr geschätzten Vaters zurück. Am nächsten Morgen findet sie dieses in zwei Hälften zerrissen vor Ihrer Tür. Durch ihre Stellung als rechtlose Frau und Ihren Sprachfehler gehemmt, besitzt sie nicht das Selbstbewusstsein sich gegen Irgendwen zu behaupten. So wird auch sie zur Gefangenen. Eine Gefangene ihrer eigenen Träume und Wünsche. Denn was steht einer Frau in der Gesellschaft des beginnenden 19. Jahrhunderts schon zu? "Mein Körper mag ein Sklave sein, aber nicht mein Geist. Bei dir ist es umgekehrt." Die Lebenswege der beiden Mädchen, die im Laufe der Geschichte zu Frauen heranwachsen, trennen sich und doch finden sie immer wieder zueinander. Beide suchen und finden sie ihre eigenen Wege zur Rebellion gegen die sie einengenden gesellschaftlichen Grenzen. Jede von ihnen so gut sie kann. Dieser Roman gibt nicht nur einen Einblick in die Anfänge der Anti-Sklaverei-Bewegung und den Beginn der Frauenrechtsbewegung in Amerika, sondern malt ein emotionales und intimes Bild von den gesellschaftlichen und religiösen Sitten und Gepflogenheiten der Zeit. Dabei ist kein Wort zu viel geschrieben und es kommt zu keinem Zeitpunkt des Lesens das Gefühl auf, dass hier eine Situation zu langatmig beschrieben wird. In den sehr interessanten Anmerkungen zum Roman schildert die Autorin zudem, welche Teile der von ihr erdachten Geschichten auf wahren Personen und Ereignissen beruhen. Die Ich-Perspektive, aus der die Ereignisse abwechselnd aus Handfuls und Sarahs Sicht geschildert werden, ermöglich dem Lesenden darüber hinaus einen intimen Einblick in das Seelenleben der beiden so verschiedenen Protagonistinnen. So ist der Lesende in der exklusiven Lage, zu erfahren, wie die gegenseitige Sicht der beiden Frauen aufeinander ist. Das erweckt gelegentlich das Gefühl, man wüsste mehr über die jeweils Handelnde, als sie es selbst tut. Sometimes I feel like a motherless child Während ich diese Zeilen schreibe, summe auch ich dieses Negro Spiritual vor mich hin. In diesen wenigen Zeilen liegt so viel Verzweiflung, dass ich sie kaum fassen kann. Mir rollt eine Träne die Wangen herunter. Wie unbegreiflich muss das Leben für ein Mädchen, eine Frau wie Handful gewesen sein. Auch dieses Buch kann nur eine Ahnung davon beim Lesenden erwecken. Die Realität werde ich wohl niemals begreifen können. Gleichsam klingt aus den Zeilen des Gospels auch die Hoffnung hindurch. Sometimes, manchmal. Also auch, manchmal nicht.

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Nachdem ich bereits „Die Bienenhüterin“ von Sue Monk Kidd gelesen hatte, war ich wieder sehr berührt von der Schreibweise der Autorin. Es ist ein Roman mit wahrem Hintergrund. Der Roman basiert auf der Geschichte der Grimké- Schwestern und ihrem Engagement gegen die Sklaverei im 19. Jahrhundert. Ein Roman, in dem Überliefertes und Fiktion sehr gelungen miteinander verwoben sind. Die Autorin hat sehr viel Recherche betrieben und die Ergebnisse dieser Recherche in die Geschichte einfließen lassen. Hervorragend schildert sie das Leben der Sklaven, vergisst aber nicht die Schilderung der Zwänge, denen auch Mädchen aus „guten Hause“ unterlagen. Es war nicht üblich, Mädchen zu gestatten, egal ob sie klug waren oder nicht, einen Beruf zu erlernen, geschweige denn ein Studium aufzunehmen. Auch diese Mädchen waren wie die Sklaven nicht frei, mussten sich unterordnen. Die tragende Darstellung und geschilderte Freundschaft zwischen Sarah und der Sklavin Hetty ist Fiktion, aber passend für den Charakter der Sarah Grimké . Für mich als Quilterin war es ebenfalls berührend, wenn von Charlottes Story-Quilt erzählt wurde. Diese Quilts mit ihren genähten oder gestickten Bildern waren so etwas wie ein Tagebuch der Sklaven. Nadel und Faden waren ihr Papier und ihre Feder, das Sticken war der Ersatz für das Schreiben. Noch heute sind solche ausdrucksstarken Quilts in amerikanischen Museen zu besichtigen. Mich hat dieses Buch sehr und nachhaltig berührt. Es ist ein Buch welches flüssig zu lesen ist, aber keine leichte Lektüre darstellt. Sehr angenehm war für mich das kleine Format, passend in jede Handtasche, zum Lesen unterwegs. Wirklich sehr empfehlenswert.

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Lesen!

Von: Influenza Bookosa

29.04.2018

Als ich den Klappentext zu Die Erfindung der Flügel las, wusste ich: das ist ein Buch für mich. Die Thematik finde ich zum einen durch persönliche Bezüge sehr interessant, zu anderem finde ich es wichtig über Misstände in unserer Gesellschaft – vergangene und aktuelle – informiert zu sein. Sue Monk Kidd erzählt in ihrem Bestseller die Geschichte zweier Mädchen, die auf den ersten Blick unterschiedlicher nicht sein könnten. Schaut man genauer hin erkennt man diese eine wichtige Gemeinsamkeit: beide wollen etwas verändern. Sarah, die als Tochter einer gut bürgerlichen Familie aufwächst und zu ihrem 11. Geburtstag eine eigene Sklavin geschenkt bekommt, weckte von Beginn an Sympathie. Ihr Out-Of-The-Box-Denken imponierte mir sehr und auch ihrem Umgang mit Handful, ihrer Sklavin, gefiel mir. Die Autorin erzählt diese besondere Geschichte aus Sicht der beiden Mädchen, was einen optimalen Rundum blick der Geschehnisse ermöglicht. Handfuls Sicht der Geschichte ergibt einen herrlichen Kontrast zu Sarahs Sichtweise. Am Ende treffen sie sich wohl irgendwo in der Mitte.

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Sue Monk Kidd erzählt in diesem halb fiktiven, halb historischen Roman die Geschichte der Schwestern Sarah und Angelina Grimké, die Anfang des 19. Jahrhunderts für die Abschaffung der Sklaverei und Gleichberechtigung der Frauen kämpften. Mithilfe des (erfundenen) Sklavenmädchens Hetty „Handful“ geht Monk Kidd der Frage nach, wie Sarah als höhere Tochter einer wohlhabenden, sklavenhaltenden Südstaatenfamilie dazu kam, für die bedingungslose Freilassung aller Sklaven und Gleichberechtigung der Farbigen und der Frauen einzutreten und sich damit gegen ihre Herkunft und ihre eigene Familie zu stellen. Sarah war schon immer wissensdurstig und haderte damit, als Frau nicht studieren zu dürfen. Nach dem Tod ihres Vaters konvertierte sie zu den Quäkern und zog als alleinstehende Frau von Charleston nach Philadelphia – ein Skandal! Ihre jüngere Schwester Angelina folgte ihr alsbald und beide fingen an, gegen die Sklaverei anzuschreiben und später auch als erste Frauen überhaupt vor Publikum Reden zu halten. Zuerst wusste ich nicht so recht, ob ich dieses Buch überhaupt lesen wollte – ich mag zur Entspannung keine schweren Themen. Als ich damit mal anfing, konnte ich gar nicht mehr aufhören. Beeindruckend fand ich, wie geschickt die Autorin den Kontrast, aber auch die Gemeinsamkeiten zwischen der jungen Sklavin namens „Handful“ und Sarah, der privilegierten Tochter aus reichem Haus herausgearbeitet hat: Beide sind Gefangene der jeweiligen Umstände, aber der goldene Käfig der Einen ist trotzdem nicht zu vergleichen mit der totalen Hörigkeit einer Sklavin. Bei allen Benachteiligungen, denen sie als Frau ihrer Zeit ausgesetzt ist, kann Sarah trotzdem ausbrechen. Sie bezahlt einen hohen Preis dafür, aber nicht mit dem Leben oder ihrer körperlichen Unversehrtheit. Aber im Kopf ist Hetty Handful eben so frei, weil sie weiss, dass nur ihr Körper anderen gehört. “Die Erfindung der Flügel” ist eine spannende Lektion in der Geschichte der Anti-Sklaverei-Bewegung und der Frauenbewegung, die beide untrennbar zusammenhängen. Die Autorin schont ihre Leserschaft nicht, sondern lässt sie an den inneren Konflikten und äusseren Zwängen der Protagonistinnen manchmal fast verzweifeln. Trotzdem ist es kein schweres Buch, sondern gute Unterhaltung und dafür, dass ihr dieser Spagat zwischen Unterhaltung und ernstem Hintergrund so gut gelungen ist, hat die Autorin meinen tiefsten Respekt!

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„Es war einmal eine Zeit, da konnten die Menschen in Afrika fliegen“ Inhalt: 1803 in Charleston. Sarah Grimké ist die Tochter angesehener und kinderreicher Plantagenbesitzer. Zu ihrem 11. Geburtstag bekommt sie von ihren Eltern gegen ihren ausdrücklichen Willen das 10-jährige Sklavenmädchen Handful - von den Weißen Hetty genannt - als Dienstmädchen, und mit einer lila Schleife versehen, geschenkt. Zwischen den beiden Mädchen entsteht, trotz aller Unterschiede, eine Freundschaft und Sarah bringt Handful das Lesen bei - mit schlimmen Folgen für beide. Im Laufe der Jahre lockert sich die Beziehung der beiden und Sarah kann Handful nicht immer beschützen, doch Jahrzehnte später beweist sie, was ihr Handful bedeutet. Meine Meinung: Das Buch beginnt 1803 und erstreckt sich in mehreren Zeitsprüngen bis 1838. Die Kapitel sind relativ kurz und wechseln regelmäßig zwischen Handful und Sarah. Das fand ich sehr gelungen, denn es macht die Unterschiede der beiden Lebensweisen sehr deutlich. Sarah ist schon als Kind gegen die Sklaverei und möchte später einmal Anwältin werden. Für Frauen in der damaligen Zeit unmöglich. Eine Zeit lang fügt sie sich dem Willen der Eltern, doch irgendwann rebelliert sie und geht ihren eigenen Weg. Später wird sie von ihrer jüngsten Schwester Angelina unterstützt. Handful ist die Tochter einer Näherin der Familie Grimké. Genauso wie ihre Mutter ist sie rebellisch, begehrt gegen die Sklaverei auf und ist sehr mutig. Den Wunsch nach Freiheit haben beide Frauen, nur in unterschiedlicher Weise. Zitat von Handful, Seite 273: „Mein Körper mag ein Sklave sein, aber nicht mein Geist. Bei dir ist es umgekehrt“. Sarah kämpft später gegen die Sklaverei und für die Frauenrechte, Handful für ein selbstbestimmtes freies Leben. Der Schreibstil ist wunderschön und sehr bildhaft. Beide Protagonistinnen sind authentisch und haben mir gut gefallen, Handful noch etwas besser als Sarah. Leider zieht sich Sarahs Geschichte ab der Hälfte des Buches etwas. Ihre Geschichte in Philadelphia hat mich nicht so ganz fesseln können. Natürlich werden in diesem Buch auch Bestrafungen und Misshandlungen der Sklaven geschildert, aber nicht reißerisch, sondern eher emotional aufwühlend und tief berührend. Das offene Ende hat mich nicht gestört, ich fand es passend. In den Anmerkungen der Autorin habe ich später gelesen, dass es Sarah Grimké, ihre Schwester Angelina und einige andere Charaktere des Buches wirklich gab. Handful ist dagegen eine fiktive Protagonistin. Sarah und Angelina waren die ersten offiziellen Rednerinnen der Anti-Sklaven-Bewegung und zählten in den USA zu den ersten bedeutenden Frauenrechtlerinnen. Fazit: „Die Erfindung der Flügel“ hat mir insgesamt wirklich gut gefallen. Eine berührende Geschichte, die ich gerne weiter empfehle.

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Handlung: Die elfjährige Sarah und die zehnjährige Handful, genannt Hetty, sind zwei unterschiedliche Mädchen. Vor allem unterscheiden sie sich in der Hautfarbe. Und genau das macht die schwarze Handful zur Sklavin. Und zum allen übel bekommt Sahra Handful an ihren elften Geburtstag geschenkt. Doch sie hält nichts von der Sklaverei und möchte ihr am liebsten die Freiheit schenken, dagegen sind aber ihre Eltern. Sarah freundet sich mit Handfull an und um für Handful irgendetwas zu tun, bringt sie ihr das Lesen und Schreiben bei, was ein sehr großes Vergehen in der Zeit damals war. Denn das war gegen das Gesetz und wurde hart bestraft. Zu diesem Zeitpunkt träumt Sarah davon etwas zu bewirken, etwas zu verändern. Deswegen möchte sie auch Anwältin werden und gegen die Sklaverei vorgehen. Doch die Träume werden schnell zerstört, denn als Frau hatte man in der damaligen Zeit nicht zu sagen. Und Handful? Sie träumt frei zu sein, frei sein wie die Vögel, denn einst sollen Menschen Flügel gehabt haben. Meinung: Das Buch habe ich durch einen Zufall beim stöbern gefunden und durch den Titel wurde ich magisch angezogen. Ich wollte genaueres Wissen und habe mir den Klappentext durchgelesen. Von da an stand für mich fest, ich muss das Buch lesen. Weswegen ich den Versuch startete und beim Bloggerportal meine Anfrage sendete. Und ich hatte Glück, denn das Buch ist ja schon etwas länger auf dem Markt erhältlich. Ich freue mich immer noch wahnsinnig, dieses Buch gelesen zu haben, denn es ist einfach nur großartig. Es erzählt die Geschichte von der Sklavin Handful und Sarah aus der Ich-Perspektive. So war ich gleich am Anfang in der Geschichte involviert und war auch ebenso gefesselt von ihr. Doch an manchen Stellen musste ich schlucken. Denn es geht hier um die Sklaverei und ich weiß das es in der damaligen Zeit nicht einfach war, es aber zu lesen war für mich real geworden. Bis jetzt habe ich mich nicht richtig mit der Geschichte befasst aber seit dem Buch bin ich Neugierig, denn ich habe noch die Anmerkung der Autorin gelesen und einiges ist auf einer wahren Begebenheit. Denn Sahra Grimkè hat es wirklich gegeben. Es ist aber wie gesagt nur einiges wahr und vieles auch fiktiv, da die Autorin die Geschichte aus ihrer Perspektive schreiben wollte und ich muss sagen es ist gelungen. Handful und Sarah sind mir Beide sehr sympathisch, ich konnte ihren Standpunkt nachvollziehen und die Mutter von Handful ist mir Seite für Seite immer mehr ans Herz gewachsen. Manchmal musste ich auch Lächeln, denn Charlotte, Handfuls Mutter, hat es faustdick hinter den Ohren. Die Veränderung der Hauptprotagonisten, konnte ich Schritt für Schritt verfolgen, dass fand ich auch sehr gut. Und Nina, die Schwester von Sarah, darf ich auch nicht unerwähnt lassen, denn die Beiden waren ein eingespieltes Team. Auch muss ich sagen, dass es an manchen Stellen spannend war, denn man wusste nicht was Charlotte wieder ausheckte oder was die Besitzer sich für Strafen ausdachten oder was mit dem Aufstand der Sklaven passiert. Ich habe richtig mitfiebern können während des Lesens und auch ein wenig über die Geschichte der Sklaverei erfahren. Fazit: Ich kann nur eines zu dem Buch sagen: Lesen! Denn es ist einfühlsam, spannend und es erzählt ein Stück Geschichte. Ich kann es nur weiterempfehlen.

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Charleston, um 1800: Sarah Grimké wächst als mittlere Tochter eines angesehenen Plantagenbesitzers in einem großen Stadthaushalt auf. Zu ihrem 11. Geburtstag bekommt sie von ihrer Mutter das Sklavenmädchen "Handful" geschenkt, die ihr von nun an als persönliche Zofe dienen soll. Sarah, die seit einem traumatisierenden Erlebnis die Sklaverei strikt ablehnt, rebelliert zunächst gegen das Geschenk und sucht, als das nichts nützt, die Freundschaft zu Handful. Eine schwierige, gefährliche Beziehung entsteht zwischen den beiden und über die Jahre stoßen sie immer wieder an die Grenzen der Gesellschaft in der sie leben. Eine Schlüsselszene ist, als Handful eines Tages feststellt, dass ihr Körper zwar versklavt sei, ihre Gedanken jedoch frei, während es für Sarah genau umgekehrt ist. “My body might be a slave, but not my mind. For you, it's the other way round.” ― Sue Monk Kidd, The Invention of Wings Ich kann gar nicht beschreiben, wie sehr mich dieses Buch berührt hat. Auch das frühere Werk der Autorin "Die Bienenhüterin" habe ich verschlungen und mit 5 Sternen bewertet, aber mit diesem hat mich Sue Monk Kidd noch mehr überzeugt. Über ein halbes Jahrhundert spannt sie die Lebensgeschichten von Sarah und Handful, jeweils aus der einen oder anderen Erzählperspektive, die, obwohl sie untrennbar miteinander verwoben sind, nicht unterschiedlicher sein könnten. Mitunter sehr schwer auszuhalten sind die bildhaften Schilderungen der Grauen der Sklaverei, aber die Autorin schafft es, über ihre starken Heldinnen immer ein bisschen Hoffnung zu transportieren. Sehr spannend fand ich auch den historischen Hintergrund zur Person Sarah Grimké. Das machte den Roman für mich noch authentischer und Lust darauf, ihre eigenen Publikationen auch einmal zu lesen. "The Invention of Wings" ist kein romantischer Südstaatenroman - Bälle und Empfänge bleiben außen vor - sondern eine realistische Annäherung daran, wie das Leben von Frauen in dieser Zeit ausgesehen haben könnte.

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Die elfjährige Sarah, wohlbehütete Tochter reicher Gutsbesitzer, erhält in Charleston ein ungewöhnliches Geburtstagsgeschenk – die zehnjährige Hetty »Handful«, die ihr als Dienstmädchen zur Seite stehen soll. Dass Sarah dem schwarzen Mädchen allerdings das Lesen beibringt, hatten ihre Eltern nicht erwartet. Und dass sowohl Sarah als auch Hetty sich befreien wollen aus den Zwängen ihrer Zeit, natürlich auch nicht. Doch Sarah ahnt: Auf sie wartet eine besondere Aufgabe im Leben. Obwohl sie eine Frau ist. Handful ihrerseits sehnt sich nach einem Stück Freiheit. Denn sie weiß aus den märchenhaften Geschichten ihrer Mutter: Einst haben alle Menschen Flügel gehabt … "Mein Körper mag ein Sklave sein, aber nicht mein Geist. Bei dir ist es umgekehrt..." [S. 285] Manche Geschichten sind die Farbe in einer Welt aus Schwarz und Weiß. "Die Erfindung der Flügel" ist eine von ihnen. Auf einer wahren Begebenheit beruhend erzählt Sue Monk Kidd eine eindringliche wie leidenschaftliche Geschichte über die Sklaverei und die eingeschränkten Verhältnisse der Frau im 19. Jahrhundert aus der Sicht von Sarah Grimké und Hetty, einem weißen wohlbehüteten Mädchen aus gutem Hause und ihrer Sklavin. Zwischen den beiden webt sich langsam das Band einer ungewöhnlichen Freundschaft, die über Hautfarbe, Stand und Entfernung weit hinausgeht, doch es geht nicht hauptsächlich um diese Freundschaft. Vielmehr ist die ganz leicht in den Hintergrund verwebt, immer präsent, aber nie offensichtlich. Vor allen Dingen geht es um Sarahs Kampf um die Gleichberechtigung der Menschen und Hettys Wunsch nach Freiheit. Mit leisen Tönen und viel Gefühl erzählen beiden Figuren ihre Geschichte, in der es nicht immer so läuft, wie man es sich wünschen würde. Ein besonders prägnantes Merkmal dieses außergewöhnlichen historischen Romans ist die Authentizität und die Atmosphäre, die sich durch das ganze Buch zieht. Zuerst die sehr sklavenfeindliche Stimmung im Süden der Plantagenbesitzer und schließlich Sarahs Reise zu sich selbst, die sie in den Norden und zu den verschiedensten Personen führt. Ohnehin sind die Figuren des Romans allesamt facettenreich und interessant. Da sind einmal die Sklaven, wie Hetty oder Aunt-Sister, Goodis oder Sky und dann sind da die gut betuchten "Weißen", wie Sarahs Mutter - die Missus -, Sarahs Vater, ihre Geschwister und schließlich auch die Männer, die sie kennenlernt und ihr nicht nur einmal das Herz brechen. Protagonistin Sarah ist eine starke Persönlichkeit, auch wenn sie das erst im Laufe der Geschichte richtig zu verstehen weiß. In der Realität ist sie eine der ersten Frauen, die sich für die Frauen- und Sklavenrechte eingesetzt hat. Hetty hingegen ist eine weitesgehend erfundene Figur, die sich aber ebenso sinnvoll in die Geschichte einfügt wie alle anderen Figuren. Sie ist stark, mutig und kämpft um ihre Ideale und Träume. Abwechselnd ist das Buch aus Hettys und Sarahs Sicht geschrieben. "Im Herzen aller unsäglichen Dinge haust ein abscheuliches Schweigen und auch ich hatte mir dieses zu eigen gemacht." [S. 138] Die Geschichte hat dann und wann kleine Längen, auch wenn die einfach zu den eher leiseren Tönen des Buches passen. Die Ereignisse entwickeln sich schließlich nur langsam und verfolgen Hetty und Sarah ihr ganzes Leben lang. Der Einblick, den man in das Leben im 19. Jahrhundert werfen kann ist faszinierend wie schockierend, gerade für die Sklaven, aber auch für die Frau, die vor allen Dingen durch moralische Gesetze eingeschränkt wird und sich - ohne diese einzuhalten - kaum bis gar nicht in der Gesellschaft eingliedern kann. Das Ende des Buches ist nicht nur sehr schön, sondern beinhaltet zudem ein paar Anmerkungen der Autorin, in denen sie auf die geschichtliche Figur der Sarah Grimké und ihrer Schwester Angelina (die auch im Buch eine tragende Rolle spielt) eingeht und diese näher beleuchtet. Wie wahnsinnig interessant und traurig es beispielsweise ist, dass die beiden Frauenrechtlerinnen weitesgehend unbekannt sind, obwohl sie einen so großen Beitrag geleistet haben, da die Geschichtsschreibungen Frauenrollen meistens nicht erwähnen oder streichen. Wie schön, dass "Die Erfindung der Flügel" das geändert hat. Ein Roman, der tief berührt, realistisch erzählt ist, Einblicke in die Rolle der Sklaven und der Frau im 19. Jahrhundert gibt und vor allen Dingen eine facettenreiche Geschichte erzählt, die auf wahren Ereignissen beruht.

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