Rezensionen zu
Totenhaus

Bernhard Aichner

Die Totenfrau-Trilogie (2)

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Ein Krimi der anderen Art

Von: TochterAlice aus Köln

13.09.2015

Eher der ruhigen, der introvertierten - doch wer glaubt, es ginge hier gemächlich zu, der befindet sich auf dem Holzweg! Worum es geht: Bestatterin Blum - eingeführt bereits im Vorgängerband "Totenfrau"- hat richtiggehend Schwierigkeiten: jede Menge Leichen haften ihr an. Und sie begibt sich auf eine Flucht - zunächst jedoch auf eine Suche, denn sie hat etwas für sie Ungeheuerliches entdeckt: eine Frau auf einem Zebra - beides ausgestopft und somit schon generell sehr speziell - die genauso aussieht wie sie. Recht schnell stellt sie fest, dass es für sie eine zweite Familie gibt, denn es gibt durchaus einen direkten Zusammenhang mit Björk, wie ihr Alter Ego heisst. Schneller, als sie sich umschauen kann, pflastern Leichen ihren Weg bzw. haften ihr an - und sie muss sich aus dem Staub machen - ohne ihre Kinder und ohne die Zuverlässigen Bezugspersonen Karl - den ehemaligen Schwiegervater und Reza - den zeitweiligen Geliebten. Weitere Figuren tauchen auf - sie alle als schräg zu bezeichnen, ist - gelinde gesagt - eine Untertreibung sondergleichen! Und die Handlung wird blutig und hart - auch wenn es viel um innere Entwicklungen geht, sind es große Themen, die hier angesprochen werden: es stellt sich die Frage, wem man vertrauen kann und wer man selber ist - vom gesamten Umfeld gar nicht zu Reden. Blum jedenfalls bereitet sowohl sich als auch anderen jede Menge Schwierigkeiten - wobei nur der kleinere - durchaus nicht geringe Teil - hausgemacht ist . Ein ruhiger, aber heftiger Thriller, an dessen Ende man noch lange nicht weiß, wohin die Reise geht - man kann es nur erahnen. Trotz der Härte, der Unbarmherzigkeit ist dies ein Buch der langsamen Entwicklungen - manchmal zu langsam für mich. Das bezieht sich aber ausschließlich auf den Schreibstil, wenn man sich vergegenwärtigt, was da so los ist, geht es eindeutig Knall auf Fall. Ein Buch für anspruchsvolle Thrillerfreunde, die wollen, dass es kracht und die nicht zu empfindlich sind. Meinen Geschmack hat es allerdings nur teilweise getroffen!

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starker zweiter Band

Von: Sabrina Weil aus Lehre

12.09.2015

Zum Inhalt : Bestatterin Blum,so scheint es, hat wieder Ruhe und Zufriedenheit gefunden, welche jedoch jäh unterbrochen wird, durch die Entdeckung einer Zwillingsschwester welche als Leiche zu einem Kunstobjekt hergerichtet wurde. Blum geht der Sache auf den Grund und lernt in einem nahezu verlassenem Luxushotelkomplex namens Solveig den Adoptivvater und Bruder Ihrer Schwester kennen. Zeitgleich werden bei einer Exhumierung auf dem Friedhof Ihres Heimatortes nicht zur Leiche gehörende Leichenteile entdeckt. Die Spur führt zu Blum, welche zunächst im Solveig untertaucht, bizarre Dinge erfährt und erlebt und dann beschließt Ihre Kinder zu holen um mit ihnen zu fliehen. Meine Meinung: Der Schreibstil des Autors ist außergewöhnlich. Kurze prägnante Sätze und Dialoge mit Bindestrich nehmen den Leser mit auf eine ganz eigene, rasante Lesereise, die mich zumindest bis zum Ende mitgerissen hat.Auch wenn man hierbei keinen Thriller mit massig Blutvergießen und brisanten Ermittlungen erwarten darf, reiht sich dieses Werk, bei mir persönlich zu meinen Favoriten ein.Die Thriller Elemente zeichnen sich hier jedoch vor allem durch die ganz eigenen unheimlichen Charaktere und durch die Achterbahnfahrt der Gefühle aus, auf welche der Leser mitgenommen wird. Was aber keinesfalls heißt, dass es in dieser Story völlig unblutig zugeht. Und über allem thront die Frage, wer ist jetzt gut und wer ist böse.Auch erwähnenswert ist, dass der Autor aufmerksam macht auf den Umgang mit Tod und Leichenkörpern. Einerseits wird durch die Bestatterin sehr würde- und respektvoll damit umgegangen, allerdings zeigt sich auch eine völlig andere, erschreckende Seite, welche durch die zur Schau Stellung von abstrus bearbeiteten Leichen als Kunstobjekte und dem hieraus gewonnenen Profit mehr als Gänsehaut bereitet.In Zeiten von bestimmten Welten Ausstellungen ein durchaus zu überdenkendes gesellschaftliches Thema. Man sollte sich im Klaren sein, dass dieses Buch eine Fortsetzung ist zu Totenfrau und es sich in jedem Fall empfiehlt Totenfrau vorher zu lesen. Hieran knüpft sich auch mein einziger Kritikpunkt an Totenhaus. Ich finde in diesem Buch wird etwas zu häufig an Blums schwere Kindheit erinnert. Fazit: Alles in allem ein wärmstens zu empfehlendes Buch für alle Leser, die Lust haben auf ein rasantes, spannendes Leseerlebnis und mehr über die Serienmörderin Blum, ihre Familie und ihr Leben nach Ihren Morden erfahren möchten.

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literarischer Thriller

Von: monster aus Freising

11.09.2015

„Totenhaus“ von Bernhard Aichner ist der zweite Teil einer Trilogie um die Bestatterin Brünhilde Blum. Und man sollte den ersten Band unbedingt vor Genuss des zweiten lesen, denn Blum ist so ein komplexer und verschrobener Charakter und ihre Taten in der Vergangenheit so radikal und ausserhalb aller Normen, dass man sie und ihr Verhalten sonst nicht richtig zuordnen kann. Ob man sie wirklich versteht bleibt jedem Einzelnen vorbehalten und man muss es auch nicht für gut befinden, was sie so treibt. Aber selten habe ich eine Hauptperson kennengelernt, die bei mir solch ambivalente Gefühle ausgelöst hat und die ich dennoch interessant fand. Ebenfalls sehr speziell ist der Schreibstil des Autors in dieser Reihe. Ich kenne seine anderen Werke nicht aber hier macht er daraus eine richtige Kunstform und wie von anderen Rezensenten schon gesagt, finde ich, dass diese Form sehr gut zu Blum und ihrer burschikosen Art passt. Deshalb würde ich diesen Roman in die Kategorie literarischer Thriller einordnen, wobei der Thrill im Gegensatz zum ersten Teil diesmal relativ lange auf sich warten lässt. Ein bisschen gestört habe ich mich daran, dass die Bösewichte so schräg und garstig waren, dass sie fast wie ihre eigenen Karikaturen agiert haben. Und dass einiges einfach prinzipiell etwas überzogen oder unrealistisch war. Hier bevorzuge ich eigentlich mehr die solide Schiene aber alles in allem passen die Heldin, die Gegner und der Erzählstil schon zusammen. Mein Fazit also: Nicht ganz so gut wie der erste Band, halt ein typischer Mittelteil. Aber dennoch lesenswert und ich werde den Abschlussteil sicherlich auch lesen.

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Langwierig und ohne richtige Spannung

Von: Iloenchen aus Rostock

11.09.2015

Die Bestatterin Blum kann immer noch nicht glauben, was sie sieht. Sich selbst, plastiniert und auf einem Zebra sitzen. Und dann werden plötzlich Leichtenteile gefunden, in Särgen, die sie unter die Erde gebracht hat. Sie muss fliehen aber der Ort, an dem sie Zuflucht sucht, ist keineswegs das Paradies auf Erden, wie sie ursprünglich gedacht hat. Totenhaus ist der zweite Band, in dem es um die Bestatterin Blum geht. Ich habe das erste Buch nicht gelesen und vielleicht fehlt mir deswegen ein bisschen der Kontext, aber richtig fesseln konnte mich Bernhard Aichner mit seiner Geschichte nicht. Dies lag zum einen am Schreibstil. In den ersten Kapiteln fand ich es noch spannend, dass der Autor viele Wiederholungen, Aufzählungen, Listen benutzt, um die aufgewühlte Gefühlswelt von Blum zu beschreiben. Dann wurde es anstrengend. Nach ungefähr der Hälfte, musste ich das Buch zur Seite legen und eine Woche Pause einlegen, weil ich es nicht mehr ertragen konnte. Ich habe es geschafft, den Roman zu beenden, aber ich musste mich durch die letzten Kapitel quälen. Durch den merkwürdigen Schreibstil kommt leider keine richtige Spannung auf. Leute werden umgebracht, es werden Fragen aufgeworfen, aber die Antworten haben mich wenig interessiert. Vielleicht lag dies auch daran, dass mir alle Figuren immer blass erschienen. Ich weiß noch viel zu wenig über Blum. Durch den komischen Stil erschien sie mir fremd und das hat sich auch das ganze Buch über nicht geändert. Da ist eine Hauptfigur, die nicht menschlich wirkt. Was mir fehlte waren kleine Details, irgendetwas, das normale Menschen tun. So konnte ich mich nicht mit ihr identifizieren und ihr Schicksal hat mich immer weniger interessiert. Vielleicht muss man den ersten Band gelesen haben, um Totenhaus gut zu finden. Ich rate jedenfalls allen, sich erst mal die Leseprobe anzugucken und dann zu entscheiden, ob dieses Buch lesenswert erscheint oder nicht.

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Eigentlich hätten die Särge für immer verschlossen bleiben sollen, doch ausgerechnet ein Erbschaftsstreit bringt die schauerlichen Taten ans Licht. In einem Sarg werden ein zusätzlicher Kopf und Beine gefunden eines vermissten Schauspielers und alle Ermittlungen führen zu Blum. Nach all den Jahren scheinen sie die Taten von damals wieder einzuholen und sie kann nichts tun, als ihr Bestattungsunternehmen verlassen und zu flüchten, ihre Kinder, ihr Leben zurücklassen. Eine Flucht, die sie in ein Hotel führt, dass mehr mit ihr gemein hat, als ihr lieb ist. Die Leichen verfolgen Blum Auch im Nachfolger von "Totenfrau" geht Bernhard Aichner in die Vollen. Mitten in die Geschichte hinein begleiten wir Blum nach der Zeit der Morde und müssen zusehen wie die Welt ihre Taten ausrollt. Ihr bleibt nichts übrig, als möglichst bald zu verschwinden. Doch es verfolgt sie, Leichen pflastern ihren Weg und sie kann nichts tun, außer zu rennen. Ihre Kinder zurücklassend und alles, was sie liebt, steigt sie auf ihr Motorrad und versucht zu entkommen. Sie zweifelt, sie trauert, sie hält es kaum noch aus und wir können nur zusehen wie sie druchzudrehen scheint. Ist sie ein Monster, war es doch falsch? Man kann von Blum vieles sagen, man kann sie hassen oder lieben, aber sie bleibt ein einzigartiger Charakter, der aneckt und dadurch begeistert. Sie will eigentlich nur Frieden finden, ein Hoffnungsstreifen vielleicht und gerät doch wieder in Schwierigkeiten, die leider den Thriller ziemlich zusetzen. Aber sie kämpft und das so gut sie kann. Genialer Schreibstil trifft auf wackeliges Kontrukt Aichners eigenenwilliger Stil aus Halbsätzen und Fragmenten, die wie Momentaufnahmen und Schnappschüsse wirken, ist atemberaubend wie eh und je, wnn nicht sogar in bester Form. Er lässt uns in Blum hineinfühlen, leiden bis wir kaum noch Luft holen können und schafft Emotionen in wenigen Worten, während wir durch die Geschichte geschoben werden. In rasenden Tempo bewegt man sich und sieht schon, dass mehr Potenzial vorhanden ist als im Vorgänger und kollidiert leider ohne Airbag. Wir befinden uns mitten in einem Hotel und alles schreit "Shining". Man freut sich sich und schnell stellt man leider fest, es wirkt wie eine unausgegorene Version eines Horrorhauses, das King Ehre machen hätte können, aber an seiner eigenen Dynamik kränkelt. Nicht nur wird man die ganze Zeit das Gefühl nicht los, dass die Verbindungen der Figuren mit Gewalt zusammengeschustert wurden, sondern das sie nur auf ein Finale hinarbeiten. Es entstehen logische Lücken, die umschifft werden mussten, was Aichner meistens gut gelingt, aber oftmals etwas fad und müde wirkt, sodass der Thriller anfängt zu kränkeln. Sobald die Fassade der Charaktere bröckelt, wird es noch diffuser und das wackelige Konstrukt tritt zum Vorschein. Es soll gnadenlos sein und wirkt doch zu überspitzt, raubt dem Thriller seine Spannung. Grund dafür sind auch die einseitigen Motive, die schwer nachvollziehbar erscheinen und sich nicht wirklich gut zusammenfügen. Die Faden wollen keinen richtigen Teppich ergeben und so bleibt an vielen Stellen ein Flickenteppich, auch wenn Spannung oberste Priorität hat. Lückenfüller für den Paukenschlag? Mit jeder Seite wird es nur dramatischer und die Abstrusitäten nehmen zu. Eine Effekthandlung trifft auf die Nächste, die oft oberflächlich erscheinen und nicht immer tiefgehende Spannung mit psychologischen Extra versprechen. Der ganze Roman bemüht sich um Authentizität, die er nicht vollkommen transportieren kann, und so streift man rasend durch einen Trümmerhaufen, der so viel mehr gekonnt hatte. Vieles wird angerissen, nichts wirklich vollendet. Zu viel bleibt offen, zu wenig wird zusammengefügt und man hat das Gefühl einen Lückenfüller zu lesen, der viele Versprechungen macht, aber sie nicht halten kann (oder nicht erfüllen will und sich alles für die Fortsetzung aufspart?). Auch wenn an vielen Stellen die Spannung steigt und man mitgerissen wird, will "Totenhaus" nicht so richtig funktionieren, auch wenn das Ende wieder voll ausholt. Da scheint er wieder, der Aichner, und man klebt förmlich an den Seiten, will einfach nur den Folgeband verschlingen und die schwächelnde Mitte vergessen. Aber die große Überrschung im zweiten Teil bleibt aus, auch wenn die Spannungkurve hoch bleibt. Fazit "Totenhaus" ist eine solide Fortsetzung mit Schwächen, die dank Aichners großartigen Schreibstil und Blums speziellen Charakter lesenswert bleibt, aber das Niveau seines Vorgängers nicht erreicht. Bleibt nur zu hoffen, dass der dritte Teil wieder mehr Schwung aufnimmt. Die Grundpfeiler dafür sind im "Totenhaus" dafür genügend vorhanden.

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Fesselnd

Von: CogitoLeider

10.09.2015

Aha, es wird eine Trilogie - nun, der zweite Teil hat seine Stärken, ist schön verwickelt und durchaus spannend. Allerdings hat sich für mich eindringliche Erzählstil ein bisschen abgenutzt. Bernhard Aichner ist auch hier wortgewaltig, beschreibt Blums innere Vorgänge bis ins Detail, durchaus gekonnt und mitreißend, aber doch auch eintönig. Unterstützt wird dieser Eindruck sicherlich auch durch den Sprecher Wolfram Koch, der auch in 'Totenhaus' eher zur Eintönigkeit neigt. Das ist nicht schlimm, entspricht doch sehr gut der Intention des Autors, der eher mit leisen Worten das Grauen schildert, in das Blum gerät - die arme Frau!! Dabei erscheint mir das langsam so absurd, dass ich abgeschaltet habe. Nur jeweils kurz, aber eben lange genug, um sagen zu können: es hat mich nicht so gepackt, wie 'Totenfrau'. Natürlich kann das auch andere Gründe haben, natürlich ist auch diese Rezension absolut subjektiv. Allerdings finde ich, Bernhard Aichner und Wolfram Koch machen ihre Sache insgesamt sehr gut. Der eine erfindet eine spannende Geschichte um eine sehr ungewöhnliche (hoffe ich wenigstens) Frau, die im Vergleich zu ihren Mitmenschen denn doch och immer sympathisch ist und der man jeden Mord verzeiht, schon deshalb, weil sie irgendwie und tief in unseren Herzen doch eventuell gerechtfertigt sein könnten, wenn man mal den humanistischen Geist und den Glauben an die Gerechtigkeit durch den Staat ganz vergisst. Schreibe ich mich hier gerade um Kopf und Kragen? Nun, ihr wisst, was ich meine. Natürlich ist Selbstjustiz böse! Nur Tyrannenmord ist eine andere Sache - und Notwehr sowieso! Genug mit der Moral, zurück zum Buch: Es ist spannend und blutrünstig und genau das Richtige für alle, die 'Totenfrau' gehört oder gelesen haben und denen es gefallen hat. Und das Ende ist so schön, da muss einfach auch noch der dritte Teil sein. Fazit? Meiner Meinung nach nicht ganz so fesselnd wie 'Totenfrau', auf alle Fälle aber außergewöhnlich und interessant.

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Irgendwann, auf einer überstürzten Flucht, nach einem Öffnen von Gräbern, nachdem die Vergangenheit, die Rache für den Tod ihres geliebten Mannes die Bestatterin Blum einholt, landet sie tatsächlich in einem „Totenhaus“. In dem zwar drei Menschen leben, in dem dennoch der Tod die Macht über die Lebenden besitzt. Und überwiegend nicht am Leben lassen wird. Ob das nun, wie es der Beginn dieses Thrillers angedeutet wird, auch Blum selbst betreffen wird, das sei dahingestellt. Dass aber eine Verzweiflung im Inneren der meisten der Beteiligten herrscht, dass eine Trauer und Leere im Leben entstanden ist, die ihresgleichen sucht und dass die Weisen des Umgangs der einzelnen Personen mit diesen dramatischen Lebensereignissen sich je ganz anders gestaltet, das gibt diesem zweiten Band um die Bestatterin Blum mit der harten Kindheit und dem traumatischen Verlust des geliebten Mannes eine ganz eigene Würze und Dynamik. Denn mindestens einer der handvoll Beteiligter sucht sein „Heil“ im Tod anderer Aber wer? Assoziativ in der Sprache, teilweise fast wie in Stichworten nur, taucht Aichner in die Innenwelt seiner Personen ein, lässt diese mehr und mehr wie gehetzt erscheinen, nicht mehr agierend in den äußeren Ereignissen, sondern von diesen bestimmt in den Richtungen ihres Handelns. Schon wenn ganz zu Beginn Blum ein Bild eines Exponates einer Ausstellung sieht, sich selbst quasi wie in einem Spiegel darin erkennt und ihre Ducati wie auf Schienen zum Ausstellungsort lenken muss, erlebt der Leser dieses getriebene, dieses fast schicksalhafte, das mehr und mehr eskaliert. Und fasziniert, was vor allem dem ganz eigenwilligen, temporeichen, psychologischem Stil Aichners geschuldet ist. Allerdings, im Lauf der Seiten, die äußeren Ereignisse stellen sich doch als ein wenig zu begrenzt dar, gerade im Vergleich zum Vorgängerband, die äußere Spannung im Buch lässt hier und da rein zugunsten der inneren, psychologischen nach (die in Teilen zu weit ausgedehnt dann verarbeitet wird), was für die ein oder andere Länge im Buch sorgt. Zudem werden ab einem bestimmten Punkt (man achte auf Kaninchen im Buch) die Ereignisse, zumindest die Täterfrage doch vorhersehbar. Zum Ende hin dann fließen wieder temporeich alle Fäden des Thrillers zusammen und enden in einem gut gesetzten und dann auch wieder spannend konstruiertem Finale. Alles in allem ein anregender, gerade in der sprachlichen Form außergewöhnlicher und vor allem, was die Figur der Bestatterin angeht, originärer Thriller, der allerdings nicht ganz so fesselt, wie das erste Auftreten Blums.

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Gelungene Fortsetzung

Von: Manuela tweedledee

10.09.2015

Mit "Totenhaus" hat Bernhard Aichner den zweiten Teil seiner Trilogie um die etwas schräge Bestatterin Blum herausgebracht. Der erste Band "Totenfrau" war eines meiner Lesehighlights, sowohl was den Schreibstil als auch die Intensität der Handlung und Personen betraf. Deswegen war ich auf die Fortsetzung wirklich sehr gespannt. Es geht auch schon im Prolog heftig los, eine spätere Szene wird vorweggenommen und meine Neugier war geweckt. Wie konnte sich Blum in diese ausweglose Situation bringen? Das Leben von Blum scheint nach den den Ereignissen aus Teil 1 in ruhigen Bahnen zu verlaufen, bis auf den Tag an dem sie ein Foto einer plastinierten Leiche in einer Zeitschrift entdeckt. Ein Kunstwerk, das eine Symbiose aus Frau und Zebra zeigt. Eine Frau, die Blums Gesichtszüge trägt. Blum wird völlig aus der Bahn geworfen, sie muss unbedingt wissen, was es mit dieser Frau auf sich hat, die ihr wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Bei ihren Nachforschungen bringt sie sich Lebensgefahr, da ihre Vergangenheit inzwischen aufgeflogen ist steht sie jetzt auch noch auf der Fahndungsliste der Polizei. Der Autor ist im zweiten Teil seinem Schreibstil treu geblieben, der etwas gewöhnungsbedürftig ist, aber sehr intensiv wirkt. Schon nach den ersten Seiten war mir die Handlung aus Teil 1 wieder präsent. Wobei es aus meiner Sicht unerlässlich ist, den ersten Teil zu kennen. Ohne das Vorwissen um Blums Charakter und der Ereignisse, die sie zu der Frau gemacht haben die sie jetzt ist, dürfte es schwer sein, sich in die Handlung einzufinden oder Nähe zu Blum aufzubauen. Denn Blum ist eine Ausnahmeprotagonistin, eine etwas verschrobene Frau, die trotz ihrer Morde nicht unsympathisch rüberkommt. Ihr Handeln war teilweise schwer nachzuvollziehen, mehr als einmal dachte ich "Blum, denk doch erst mal nach bevor du handelst". Die Geschichte ist teilweise hart an der Grenze des Ertragbaren, schockierend. Ein neuer, absolut kranker Charakter spielt eine wichtige Rolle und natürlich gibt es auch wieder einige Tote. Die Handlung spielt teilweise in einer wirklich abgedrehten Location, die mich an "Shining" erinnert hat und Gänsehaut erzeugt. Hier hatte ich Kopfkino vom Feinsten. Spannungstechnisch hätte es ruhig etwas mehr sein dürfen, auch wurden für mein Empfinden nicht alle Fragen geklärt. Auf den dritten Teil bin ich jedenfalls gespannt. Fazit: Etwas schwächerer Teil als der erste, trotzdem lesenswert und ein Leseerlebnis. Wer einen Thriller abseits des Mainstream lesen möchte ist hier gut beraten.

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