Rezensionen zu
Der Tag X

Titus Müller

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Ostberlin und Halle/Saale im März 1953: Nelly steht kurz vor dem Abitur, während ihr Vater im weit entfernten Russland arbeiten muss und sie ihn seit Jahren nicht gesehen hat. Aufgrund ihrer Mitgliedschaft in einer kirchlichen Jugendorganisation wird sie von der Schule geworfen. Der Uhrmacher Wolf möchte ihr helfen, landet dadurch aber schließlich im Gefängnis und muss für die Stasi spionieren. Der russische Spion Ilja versorgt Nelly mit Briefen ihres Vaters, während er in Berlin nach Stalins Tod für Beria arbeitet. Dieser versucht eine Kurskorrektur in der DDR zu vollziehen, wo sich aber schließlich Mitte Juni 1953 die Unzufriedenheit der Bürger mit dem SED-Regime in Massenaufständen entlädt, so auch in Halle, wo die Putzfrau Lotte König versucht, ihre Kinder zu ernähren und mitten in die Demonstrationen gerät… Dieser Roman ist mittlerweile der dritte, den ich von Titus Müller gelesen habe. „Berlin Feuerland“ hatte mir sehr gut gefallen, woran auch sein neuestes Werk glücklicherweise heranreichen kann, war doch „Tanz unter Sternen“ eher eine Enttäuschung gewesen. Im Zentrum des Buches steht der Zeitraum von März bis Juni 1953 in der DDR. In einem Vorspann, der im Oktober 1946 spielt, erfährt man, wie Nellys Vater nach Russland verfrachtet wurde. Danach werden immer Ereignisse einzelner Tage im Jahr 1953 dargestellt. Der Fokus liegt auf Berlin (Nellys, Wolfs und Iljas Geschichte) und Halle (Lottes Geschichte), einzelne Szenen finden aber auch etwa in Bonn oder Moskau statt. Im Laufe des Buches liegen immer mehr Tage zwischen den einzelnen Kapiteln bis hin zum 16./17. Juni, was sehr sprunghaft wirkt und den Lesefluss ein wenig stört. Die Handlungsstränge kommen etwas abgehackt daher. Im Januar 1954 endet der Roman mit einem leider doch zu kitschigen Ende, das einiges noch offen lässt. Womit das Buch durchweg überzeugt, das ist die sehr genaue Orientierung an den historischen Fakten, was mir generell sehr an Müllers Romanen gefällt. Auf der Innenseite des Bucheinbandes ist zum einen ein Ausschnitt aus einem Berliner Stadtplan abgebildet, der die Marschroute der Bauarbeiter am 16. Juni zeigt. Zum anderen findet man im Anhang ausführliche Schilderungen der dem Buch zugrunde liegenden historischen Begebenheiten und Personen und erfährt, wo der Autor etwas Fiktion dazugepackt hat. Zudem werden Abkürzungen erläutert und weiterführende Literaturtipps gegeben. Auch greift Müller im Text auf historische Dokumente zurück, die zum Teil wortwörtlich abgedruckt werden. Man darf natürlich nicht vergessen, dass „Der Tag X“ immer noch ein Roman ist, doch der Umgang mit der geschichtlichen Überlieferung ist durchaus zu loben. So kann auch ein wenig Vorwissen rund um die Massendemonstrationen Mitte Juni 1953 nicht schaden, das Buch ist aber auch für Laien gut verständlich geschrieben. Insbesondere die spannenden Einblicke in die damalige Spionagearbeit und die damit verbundene Technik machen den Roman zusätzlich zu seiner aufwühlenden Hauptthematik sehr lesenswert. Diese wird sehr facettenreich dargestellt, man versteht besser, wie es zu den Aufständen kommen konnte, und weiß unsere heutige Demokratie und im Verhältnis deutlich größere Freiheit umso mehr zu schätzen. Fazit Mit diesem Roman konnte mich Titus Müller wieder überzeugen. Seine Herausarbeitung der Umstände rund um den 17. Juni 1953 ist kenntnisreich, spannend, nah an den historischen Fakten und abgewogen geschrieben. Im Verhältnis dazu bleiben die fiktiven Charaktere zwar ein wenig blass, sie tun dem Lesevergnügen aber keinerlei Abbruch. Wer sich für die Geschichte der DDR interessiert, kann mit diesem Roman rein gar nichts falsch machen!

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Empfehlenswert

Von: D.Maibach aus Wien

24.03.2017

Hier geht es um eine Geschichte aus Zeiten der DDR, welche durchwegs spannend und auch informativ erzählt wird. Auf jeden Fall sehr empfehlenswertes und gut geschriebenes Buch, vor allem, wenn man an der Thematik interessiert ist.

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Nelly musste die Deportation ihres Vaters miterleben. Er wurde 1946 als deutscher Wissenschaftler in die Sowjetunion gebracht. Seitdem ist das Mädchen unangepasster als es dem DDR-Regime wünschenswert scheint. Sie engagiert sich in der kirchlichen Jugendorganisation und lernt dort Wolf kennen. Sie hat aber auch Kontakt zu dem Spion Ilja. Beide Männer setzen viel aufs Spiel, damit Nelly Informationen über ihren Vater bekommt. Mit Tag X ist der Arbeiteraufstand vom 17. Juni 1953 gemeint, dessen Geschichte Titus Müller in seinem aktuellen Roman beschreibt. Er platziert seine Figuren glaubhaft in die historisch belegte Geschichte und lässt sogar einige reale Persönlichkeiten zu Wort kommen. Die Mischung gelingt ihm wie schon in den anderen Romanen hervorragend. Es wird deutlich, dass im Ostsektor die Menschen noch litten, während im Westen bereits der Wirtschaftsaufschwung begann. Politik, Wirtschaftslage und der Idealismus der Parteifunktionäre werden ebenso nachvollziehbar geschildert. Es werden Beweggründe und Ziele in einem Licht dargestellt, sodass sie wertfrei die Handlung der fiktiven Figuren beeinflussen. Zum einen begleitet der Leser Nelly auf ihrem Lebensweg und zum anderen lernt man Lotte in Halle kennen. In Halle werden durch sie die Zustände im Gefängnis offenbart, mit denen die Aufständischen agieren mussten. Der Aufstand wurde zurecht zum Gedenktag erklärt. Alle Fäden laufen an jenem Tag zusammen und aus der bunten Mischung an Charakteren ergibt sich ein Bild, das mich fassungslos zurückließ. Anfangs wird lediglich die aufkeimende Wut angesprochen, die durch die ständige Überwachung der Bevölkerung und der anschließenden Repressalien ihre Wurzeln hatte. Langsam steigert sich diese Unzufriedenheit und eskaliert in Demonstrationen und Protesten in der gesamten DDR. Der Roman hält sich exakt an den historischen Verlauf, was natürlich keine überraschenden Wendungen zulässt. Spannung kommt dennoch auf, da hier viel verarbeitet wird, was der Bevölkerung im Westen, also dem Klassenfeind der DDR, nicht so deutlich bekannt war. Der Roman wird vermutlich jeden interessieren, der mehr über die Deutsche Geschichte zwischen Ost und West wissen möchte. Er regt an zu hinterfragen, auch wenn die Ereignisse längst der Vergangenheit angehören und auch die Mauer nur 28 Jahre bestand. Zudem ist er berührend und weckt Empathie für die Figuren. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung.

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Von: Laura aus Saarbrücken

21.03.2017

Ich kannte den Autor vor diesem Buch noch nicht. Allerdings bin ich nun sehr beeindruckt. Dieser Mann, der diese Zeit selbst nicht miterlebt hat und trotzdem so zeitgetreu und historisch über die frühe DDR schreiben kann, hat mich überzeugt. Die Geschichte enthält interessante Charaktere, ist unterhaltsam, informativ und zeigt uns, wie es den Menschen in der DDR ergangen ist. Das Cover ist sehr ansprechend, ebenso der Klappentext. Ich würde es jederzeit weiterempfehlen.

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Ein letztes Aufbegehren

Von: Carmen aus Westerheim

16.03.2017

"Der Tag X" ist ein neuer Roman von Titus Müller, welcher im Karl Blessing Verlag erschienen ist. Er erzählt über den Aufstand vom 17. Juni 1953 aus der Sicht mehrerer Protagonisten. Dies war mein erstes Buch von Titus Müller, das meiner Meinung nach gut verständlich und bis zum Schluss spannend geschrieben ist. Der Titel und das Cover selbst haben mich auch sehr angesprochen. Zum Inhalt: Die Gymnasiastin Nelly wurde früh von ihrem Vater getrennt, da er Wissenschaftler ist und zu einem Leben in Russland gezwungen wurde. Nelly hat immer größere Probleme, sich ihrer Umgebung anzupassen, und als sie sich dann in einer Jugendorganisation der Evangelischen Kirche, der sogenannten Jungen Gemeinde engagiert, wird sie der Schule verwiesen. Hilfe findet sie bei dem Uhrmacher Wolf Uhlitz, der sich in Nelly verliebt hat. Dieser vermutet, dass Nelly in Verbindung mit einem russischen Spion steht, der wiederum für Beria, das Schwert der Revolution und Nachfolger Stalins, arbeitet. Zur gleichen Zeit entwickelt sich in Halle und Berlin aus einem Arbeiterkonflikt ein politischer Volksaufstand, der tragische Konsequenzen mit sich bringt.

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Der Tag X

Von: Karthause

14.03.2017

Nelly Findeisens Vater war Wissenschaftler und wurde im Oktober 1946 in die Sowjetunion abkommandiert, besser gesagt verschleppt. Sieben Jahre später, im Frühjahr 1953, ist sie kurz davor, ihr Abitur zu machen. Aber sie ist Christin, geht regelmäßig zur Jungen Gemeinde, einer christlichen Jugendorganisation und unmittelbar vor den Prüfungen wird sie deshalb der Schule verwiesen. Dann lernt sie Wolf Uhlitz kennen. Der ist ein junger Uhrmacher, der seinen Beruf und bald auch Nelly liebt. Allerdings wurde er von der Stasi gezwungen, Informationen über diese Treffen weiterzugeben. Weitere Handlungsstränge drehen sich um Lotte, Katerina und Marc in Halle und um den sowjetischen Spion Ilja. Rund um die Geschehnisse des 17. Juni 1953 in der DDR baut Titus Müller seine Geschichte aus Liebe, Spionage, Verrat und einen niedergeschlagenen Arbeiteraufstand auf. Gekonnt erzählt er von den Geschehnissen, die letzten Endes zum Aufstand der Arbeiter führten. Dabei verwebt er gekonnt die familiären Situationen, die sich anbahnenden Romanzen und Zerwürfnisse mit der großpolitischen Lage. Ich bin selbst in der DDR aufgewachsen, kenne diese Zeit aber auch nur aus Erzählungen. Die im Buch geschilderten Stimmungen und die mir in Erinnerung gebliebenen Berichte sind jedoch weitgehend identisch. Das für diesen Roman gewählte Thema finde ich großartig, denn diese Zeit wird auch in den Schulen häufig nur sehr flüchtig behandelt, wenn überhaupt. Zudem stellt der Autor auch unter Beweis, dass er auch über die neuere Zeit erkenntnisvermittelnd zu unterhalten weiß. „Der Tag X“ ist ein faszinierender Roman mit Personen, die lebensecht erscheinen und den Leser in eine spannende Handlung hineinziehen. Der Roman wird durch einen umfangreichen hochinteressanten Anhang abgerundet.

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17.Juni 1953, DDR. Ein Volksaufstand. Wie kam es dazu, was passierte damals ? Wie ging es weiter ? Titus Müller hat seinen Roman "Der Tag X" um dieses Ereignis gebettet. Es gibt verschiedene Erzählstränge, verschiedene Protagonisten und sie führen alle zu diesem Tag. Verschiedene Sichtweisen, verschiedene Erlebnisse. Wie immer hat Titus Müller alles hervorragend recherchiert, hat im Anhang den historischen Kern nochmals dargelegt, ein Stichwortregister mit weiteren Erklärungen zu den Abkürzungen ist ebenfalls vorhanden. Es geht um Nelly, die Abiturientin ist Mitglied der Jungen Gemeinde und bekommt zu spüren, dass der christliche Glaube in der DDR nicht mehr erwünscht ist, sowie um Wolf, dessen Vater SED-Kreisleiter ist. Lotte König ist alleinerziehende Mutter von drei Kindern, sie weiß kaum noch, wie sie sie satt bekommen soll. Ihr Cousin Marc und dessen Frau Katharina werden ungewollt eine größere Rolle am 17. Juni spielen. Das sind die kleinen "Rädchen", die alle wichtig sind für das, was passieren wird. Aber es gibt auch den Russen Ilja, Handlanger für Lawrentia Beria, der nach Stalins Tod einer der wichtigsten Männer der UDSSR wird. Historisches Geschehen, politische Entscheidungen und Ränke, reale Erlebnisse sind das wahre Grundgerüst zu diesem Roman. Ausgefüllt wurde dies mit den fiktiven Protagonisten, die der Autor nah an der Realität gefüllt hat. Wie immer gelingt es Titus Müller Zeitgeschehen informativ und unterhaltsam in eine Geschichte zu verpacken. Auch wenn mir die Protagonisten in "Berlin Feuerland" mehr ans Herz gewachsen waren. Diesmal sind es sehr viele, daher ist vielleicht die Distanz zum Leser größer. Dennoch zeigen sie alle eindringlich, warum sich die Menschen erhoben. Warum sie aufbegehrten. Jeder hatte seine Gründe, es waren unterschiedliche, doch nur zusammen konnten die sie damals stark sein. Das Buch ist ein wichtiger Beitrag dazu, diese Zeit nicht zu vergessen. Fazit: Gut recherchiert, hervorragend erzählt - Zeitgeschehen zum Nacherleben. Informativ und unterhaltsam.

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Aufstand

Von: Holger Naumann aus Oschersleben

12.03.2017

Ich finde das Buch wahnsinnig spannend und interessant, da ich in der DDR aufgewachsen bin. Das Buch hat etwas von einem Thriller, in dem es um Geheimnisse und tödliche Wahrheiten geht. Mir gefällt das Cover sehr gut. Es passt richtig gut zur Geschichte. Der Schreibstil ist spannend und man findet durch ihn in das Buch hinein. Besonders gelungen sind die Figuren, die tiefgründig und authentisch angelegt sind. Ich werde das Buch auf alle Fälle empfehlen.

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