Rezensionen zu
Tausendundein Granatapfelkern

Marjan Kamali

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Einfach traumhaft

Von: Pegah Gh. aus Bremen

08.01.2016

Ich liebe dieses Buch durch und durch. Die Figur der Mutter erinnerte mich sehr oft an meine eigene Mama und ich habe zum Schluss so einige Tränen vergossen, weil ich mich so sehr damit identifizieren konnte. Vor allem als Iranerin die einzelnen Worte auf iranisch zu lesen hat mir super gut gefallen. Vielen vielen Dank khanume Kamali, dass Sie sowas Wunderschönes geschrieben und veröffentlicht haben.

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… bei dem ich anfangs nicht viel mehr begeistert als das Cover. Normalerweise bin ich kein Leser der wirklich viel Wert auf ein Cover legt, aber dieses Cover war ungewöhnlich ruhig und trotzdem ausgewogen. Als mich dann auch noch der Klappentext ansprach, stand für mich fest dieses Buch wollte ich lesen. Wer die Anfänge meines Blogs kennt, der wird sich erinnern, dass ich vor einigen Jahren, dass es 2008 gewesen sein, „Die Hüterin der Gewürze“ gelesen habe. Ein Buch, das in eine ganz ähnliche Richtung zu gehen schien und doch ganz anders werden sollte. Da ich mit diesem Buch gute Erfahrungen gemacht hatte, wollte ich nun also auch „Tausendundein Granatapfelkern" lesen. Der Klappentext versprach einen angenehmen interkulturellen Roman. Und das war es auch, was ich bekam, oder aber auch ein bisschen was anderes. Inhalt Was ich tatsächlich bekam, erinnerte mich im großen Ganzen zunächst mehr an einen klassischen Liebesroman, der jedoch keiner war, denn die Frau um die es ging, Mina, wollte eigentlich gar nicht heiraten. Vielmehr versuchte die Mutter sie mit allen Mitteln, die ihr zur Verfügung standen, zu vermählen. Sämtliche Partner hatte sie zu diesem Zeitpunkt bereits abgelehnt. Nun stand wieder ein Blind Date ins Haus. Die Mutter hatte alles vorher berechnet, die Parameter passten, der Typ allerdings nicht. Doch die Liebe ist nicht Minas einziges Problem, denn auch ihr BWL Studium sitzt sie nur noch halbmotiviert fort. Eigentlich würde sie viel lieber zeichnen oder malen, eine große Künstlerin werden, aber das ist nicht das, was ihre Familie sich für ihr Leben erhofft. Ihre Familie, insbesondere ihre Mutter, ist noch viel zu sehr an alten Wurzeln gebunden, sie, die vor 15 Jahren aus dem Iran floh, würde jederzeit wieder dorthin zurückkehren, wohlweislich dass sich die Situation verändert hat. Wird Mina den Mann ihrer Träume finden? Findet sie vielleicht auch sich selbst bei der Suche nach einem geeigneten Ehemann? Ein Roman in drei Teilen Stilistisch ist dieser Roman sicherlich nicht weiter ungewöhnlich, es in einer einfachen Sprache geschrieben, ausgewogen und auch atmosphärisch hinter dem zurückgeblieben, was man hätte erwarten können. Allerdings ist eine Sache bei diesem Roman mit direkt positiv aufgefallen. Es ist ein Roman, der dreiteilig geschrieben wurde. Der erste Teil spielt im Jahr 1996, greift jedoch immer wieder zurück auf das Jahr 1978 und die darauf folgenden Jahre. Der zweite Teil schließlich spielt dann im Jahr 1978 und beschäftigt sich intensiv mit der Flucht der Familie in die USA. Hier wird es tatsächlich sogar ein wenig politisch und vor allem historisch. Etwas, das sich dem Roman sehr positiv anrechnen, da der Tiefgang im ersten Teil nicht wirklich vorhanden war. Wohl aber eine Prise Humor, Witz und Verstand. Der zweite Teil war für mich der interessanteste, aber Zusammenspiel mit dem dritten wird er nicht nur interessant, sondern geradezu brisant. Dritte Teil spielt nämlich wieder im Jahr 1996. Mina und ihre Mutter sind zu Gast im Iran, sie sind bei Verwandten untergekommen und Mina lernt tatsächlich ihre Verwandten kennen und schafft es so eine Brücke zwischen ihrem iranischen und ihrem amerikanischen ich zu bauen. Schließlich ist der Urlaub der Familie im Iran jedoch vorbei und Mina und ihre Mutter erkennen, was sich in den letzten 15 Jahren alles verändert hat. Froh dieser Kulturveränderung entkommen zu sein, setzen Sie Ihre Traditionen in Amerika fort, genießen jedoch auch die Freiheit, die das neue Land ihnen ermöglicht. Die Autorin An dieser Stelle möchte ich euch nun die Autorin vorstellen, da ich glaube, dass dieses Buch nicht zuletzt auch etwas über die Autorin selbst erzählt. "Marjan Kamali ist die Tochter iranischer Eltern. Sie wurde in der Türkei geboren und verbrachte ihre Kindheit in Kenia, Deutschland und dem Iran. Später studierte sie BWL und Creative Writing in New York City. Heute lebt Marjan Kamali mit ihrer Familie in der Nähe von Boston. »Tausendundein Granatapfelkern« ist ihr erster Roman." (Quelle:Amazon) Meinung Ich bin mir nicht sicher, inwieweit dieses Buch autobiografische Züge der Autorin beinhaltet, könnte es mir allerdings gut vorstellen. Marian Kamali hat sich sehr angenehm, aber doch zurückhaltend in die Rolle der Mina hinein begeben. Für ein Erstlings Roman ist dieser Roman auch ein sehr angenehm zu lesende Roman gewesen, ich glaube jedoch, dass die Autorin mit ein wenig mehr Übung noch viel mehr aus diesem Roman hätte machen können, denn gerade im atmosphärischen Bereich, kommt die Atmosphäre zu kurz. Dennoch ist der Roman aufgrund seiner politischen und historischen Einsichten durchaus lesenswert. Ich persönlich hätte mir davon jedoch mehr gewünscht.

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Es ist kein schwer zu lesendes Buch, aber auch keine seichte Lektüre. Es handelt von einer iranischen Familie zwischen 1979 und 1996, die von Teheran nach der islamischen Revolution nach New York auswanderte. Anhand der jüngsten Tochter, die an einer Elite-Universität BWL studiert obwohl sie sich lieber dem künstlerischen Malen widmen würde und der guten Beziehung zur Mutter wird der Spagat zwischen den Kulturen aufgezeigt. Der Vater hielt sich anfänglich als Pizzabäcker in der Neuen Welt über Wasser statt als Arzt im Krankenhaus. Die Mutter ist ein mathematisches Genie, eine versierte Köchin und lebt die persischen Traditionen. Letztere sorgen bei der Tochter des Öfteren für Unmut, besonders dann, wenn sie nach altem Brauch verkuppelt werden soll. Iranisch oder amerikanisch? Iranikanisch? Leere und Kompensation? Irgendwann steht die Tochter vor der Entscheidung: weiter Betriebswirtschaft studieren oder endlich Kunst? Und da sie sich sehr nach der Heimat sehnt, löst sie ein Hin- und Rückflugticket nach Teheran. Ihre Mutter schließt sich der Reise an. Und alles wird anders als gedacht. Denn nach fünfzehn Jahren im US-amerikanischen Ausland lebend ist die Tochter sowohl dort als auch im Iran eine Außenseiterin. Sie trifft alte Freundinnen und Verwandte wieder, nimmt Fäden auf und merkt wie sonderbar die islamische Welt ist: nach außen kuschen die Frauen damit die Sittenwächter nicht aufmerksam werden. Abends sind sie zu Parties geladen, an denen leicht bekleidet zu westlicher Musik getanzt wird. Feste, an denen sich wie vor der Revolution Männer und Frauen anfassen, anlächeln und angucken dürfen. Außerhalb der geschützten Privaträume würden sie dafür im Gefängnis landen. Es ist eine vielschichtige Lektüre bei der Leser Einblicke in das Leben iranischer Migranten erhalten und ab der zweiten Hälfte des Romans in das Leben der Frauen im Iran. Welches sich bis heute noch nicht wesentlich änderte. Ebenso lernt man viel über die iranische Art Essen zuzubereiten und Kultur.

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“Tausendundein Granatapfelkern” erzählt die Geschichte von Mina, einer jungen, erfolgreichen Amerikanerin. Und die Sehnsucht zweier Iranerinnen nach ihrer alten Heimat, den alten Bräuchen und ihrer Familie. Denn Marjan Kamali erzählt auch die Geschichte von Minas Mutter Darya. Und das ist sehr wichtig, um zu verstehen, warum jemand mit Mann und Kindern sein vertrautes Leben verlässt, um in einem fremden Land noch einmal komplett neu anzufangen. Mina hat bis zu ihrem zehnten Lebensjahr im Iran gelebt – bis zur islamischen Revolution. Mit dieser Revolution verschwindet nicht nur der Schah, sondern auch die Freiheit der Menschen. Denn Revolutionswächter überwachen die strengen Regeln der neuen Machthaber, die freie Meinungsäußerungen genau so brutal im Keim ersticken wie westlich orientierte Lebensweisen. Bald schon gibt es wieder eine strikte Trennung zwischen Männern und Frauen, letztere müssen sich nach alter Tradition verhüllen und selbst eine Geburtstagsfeier wird für alle Beteiligten zum gefährlichen Abenteuer. Als dann Saddams Bomben auf Teheran fallen und Minas Mutter befürchten muss, dass ihre Söhne zum Militärdienst eingezogen werden, flieht die Familie in die USA und lässt sich in New York nieder. All die Jahre führt Mina fortan ein normales amerikanisches Leben und fühlt sich trotzdem immer fehl am Platze. Inzwischen ist sie 25, studiert BWL und könnte ihr Leben in vollen Zügen genießen. Als ihr das Studium zur Qual wird, beschließt sie, in den Iran zu reisen. Dort will sie herausfinden, wieviel von ihrem Teheran noch da ist und wieviel von ihrer Heimat sie noch in sich trägt. Von ihrer Mutter begleitet tritt sie eine Reise an, die gefährlicher ist, als sie es für möglich gehalten hat. Es ist gut, dass sie ihre Mutter an ihrer Seite hat, denn die möglichen Verstöße gegen iranische Regeln sind kompliziert und vielfältig. Meine Meinung: “Tausendundein Granatapfelkern” ist das feinfühlige Portrait der Grenzgänger unter uns. Also der Leute, die weit entfernt von ihren ursprünglichen geographischen und kulturellen Wurzeln leben. Es fällt leicht, Minas Lebensgefühl in Amerika nachzuvollziehen. Es zeichnet aber auch ein Bild vom Iran und seinen Menschen, dass so gar nicht zu dem Bild aus den Nachrichten von Krieg und extremem Glauben passen will. Und das ist gut so. Denn es ist wichtig, dass wir bei all den Kriegen und großen Plänen der mächtigen Länder nicht vergessen, dass dort Menschen leben. Menschen, die sich kaum von uns selbst unterscheiden. Ein sehr wichtiger Teil der Geschichte sind aber auch die lebensnahen Darstellungen der Traditionen. Es ist eine Sache, die Regeln und Traditionen der iranischen Gesellschaft vorgesetzt zu bekommen. Besser ist es, wenn sie einem wie in “Tausendundein Granatapfelkern” am lebendigen Beispiel näher gebracht werden. Dann kann man den Menschen hinter den Bräuchen sehen und versteht sogar Dinge, die einem bis dahin vorkamen, als wären sie von einem anderen Stern. Fünf Sterne für “Tausenundein Granatapfelkern”.

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Ganze 15 Jahre ist es inzwischen her, dass Minas Familie den Iran verlassen hat. Minas Eltern wollten, dass sie und ihre zwei Brüder in Freiheit aufwachsen und leben können. Nun wird Mina 25 und ihre an alten Traditionen festhaltende Mutter Darya hat vor, Mina zu ihrem Geburtstag einen Ehemann zu schenken! Darya liebt Zahlen über alles und mit Hilfe ihrer Excel-Tabellen versucht sie, den richtigen Mann für ihre Tochter zu berechnen und zu finden. Mina jedoch muss immer öfter an die verlassene Heimat denken. Sie träumt von den roten Granatäpfeln, die ihre Großmutter ihr immer extra gekauft und mitgebracht hat und die schließlich in Sadams Bombenhagel umgekommen ist. Als ihr Wunsch immer größer wird, beschließt sie nach Teheran zu reisen. Zu ihrer großen Überraschung wird sie von ihrer Mutter begleitet. Beide begehen sie eine Reise in eine Welt, die sie schmerzlich vermisst und die sich doch so sehr verändert hat. Es ist die Reise in ein Teheran mit seinen Revolutionswächtern, die an jeder Ecke lauern. Die Reise in ein Iran voller Angst, aber es ist auch die Reise in ein Land voller Geschichten und Erinnerungen. „Tausendundein Granatapfelkern“ – ist einer dieser leisen Romane, die ich so sehr mag. Marjan Kamali lässt so viel Lebensgefühl mit einfließen, dass man das Gefühl hat, es wäre kein Roman, sondern als sei es ihre Geschichte. Sie zaubert wunderbare Bilder von der Hitze Teherans, der Farbe des Safrans und dem Duft der roten Granatäpfel. Sie zeichnet aber auch die Angst und die Panik, die aufkommt, sobald die gnadenlosen Revolutionswächter auftauchen, die die Menschen oft grundlos ins Gefängnis stecken. „Tausendundein Granatapfelkern“ – die gefühlvolle Geschichte von Menschen, die sich in der einstigen Heimat nicht mehr und in der neuen Heimat noch nicht Zuhause fühlen. Ein charmantes Lesevergnügen mit viel Wärme und einer mitreißenden Leichtigkeit.

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1978 herrscht im Iran die Islamische Revolution, die ein Jahr später zur Absetzung des Schahs und damit zur Beendigung der Monarchie führt. Gewalttätige Demonstrationen, Straßenschlachten, Kontrollen durch Revolutionswächter und Repressalien gegenüber denjenigen, die sich nicht an die Bestimmungen der islamischen Oppositionsbewegung halten, bestimmen das Leben. Mina ist gerade 10 Jahre alt geworden, als die Eltern mit ihr und den älteren Brüdern aus dem Iran nach New York flüchten. Dort macht sie viele Jahre später einen Hochschulabschluss und beginnt ein Betriebswirtschafts-Studium. Anlässlich ihres 25. Geburtstags präsentiert ihr die noch stark in Traditionen verhaftete Mutter den angeblich idealen Heiratskandidaten. Doch Mina will keine arrangierte Ehe eingehen, sie will ihr Leben selbst bestimmen. Oft aber weiß sie nicht, wo ihre – vor allem innere – Heimat ist. Sie hat das Gefühl, als Irano-Amerikanerin ein „Leben auf dem Bindestrich“ zu führen, keiner der beiden Kulturen richtig anzugehören. Gemeinsam mit ihrer Mutter reist sie daher zu ihren Wurzeln in den Iran. Sie stellt fest, dass das Leben dort ihr einerseits vertraut ist und gefällt, andererseits aber auch sehr fremd geworden ist. Letztlich möchte sie trotz der herzlichen Aufnahme durch Familie und Bekannte auch dort nicht dauerhaft leben. Zurück in den USA, kann sie sich aber nun mit beiden Kulturen arrangieren und auch einen Teil ihrer lang gehegten Wünsche verwirklichen. Außerdem hat sie bei ihrem Besuch „den Mann für's Leben“ kennengelernt, der ein sehr ähnliches Schicksal erfahren hat. Auch die Mutter bekommt einige Klarheit in Bezug auf ihr weiteres Leben. Wieder in den USA, gelingt es ihr, Einstellung und Handeln entsprechend zu modifizieren und positiver in die Zukunft zu blicken. Resümee: In diesem Roman geht es darum, seine Identität, seine – auch innere – Heimat zu finden. Ob und wie dies nach der Flucht in einen anderen Kulturkreis gelingen kann, wird sehr anschaulich und nachvollziehbar in unterhaltsamer Form am Schicksal der Mitglieder einer Familie beschrieben: ∙ Mina's Mutter ist nach 15 Jahren in den USA noch immer stark der iranischen Tradition verhaftet. Sie konnte ihre beruflichen Träume nicht verwirklichen und leidet unter Heimweh. ∙ Der Vater versucht aus dem Leben in einem anderen Land und Kulturkreis trotz aller Widrigkeiten das Beste zu machen, denkt positiv und arrangiert sich. Er kann nach einem Intermezzo als Pizzabäcker wieder dem Arztberuf nachgehen. Dennoch bleibt er immer stolz auf das, was das Perserreich hervorgebracht hat. ∙ Mina's ältere Brüder haben in den USA Hochschulabschlüsse erworben, studiert, machen Karriere und sind mittlerweile verheiratet. Sie wollen ebenso wenig wie der Vater zurück in die alte Heimat. ∙ Mina dagegen ist zwischen der iranischen und amerikanischen Kultur hin- und hergerissen, fühlt sich zu keiner richtig dazugehörig. Das Buch liefert darüber hinaus ein Stück Zeitgeschichte: Verschiedene Aspekte der Islamischen Revolution werden überwiegend aus Mina's Kindersicht erzählt. Daher kann die Darstellung natürlich keinen Anspruch auf einen komplexen politischen Abriss erheben. Das ist meines Erachtens aber auch gar nicht das vorrangige Anliegen der Autorin. Ihr geht es primär darum, die Kurz- und Langzeitfolgen eines religiös-politisch motivierten Umsturzes am Beispiel von Mina's Familie zu zeigen. Und das ist ihr hervorragend gelungen. Das Geschehen spielt um 1978 und 1996. Die unterschiedlichen Folgen einer Flucht aus dem Heimatland für die einzelnen Familien und ihre Mitglieder dagegen sind auf viele Flüchtlings- und Auswanderer-Schicksale verschiedenster Nationen übertragbar. Dies wird zwar durch den Handlungsverlauf und seine Protagonisten nicht explizit zum Ausdruck gebracht, durch die sehr differenzierte Darstellung am Beispiel von Mina's Familie aber deutlich.

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