Leserstimmen zu
Was kann man heute noch glauben?

Nikolaus Schneider, Martin Urban

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Gelungenes Buch

Von: Monika Wobbe aus Oberhausen

19.10.2013

Wie gehen Glaube und wissenschaftlicher Fortschritt zusammen? Ist Jesus leiblich auferstanden? Warum gibt es Fundamentalismus? Diese und andere Fragen behandelt das Buch „Was kann man heute noch Glauben? Ein Disput“ der Autoren Nikolaus Schneider, Präses der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und Diplom-Physiker Martin Urban, Wissenschaftspublizist und Gründer der Wissenschaftsredaktion der Süddeutschen Zeitung. Das Buch ist 2013 im Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh erschienen. Aus dem Inhalt Glaube, Aberglaube und Wissen Martin Urban meint, nur wenn biblische Aussagen im Licht heutiger Wissenschaften neu gedeutet werden, könne eine weitere Ausbreitung des Fundamentalismus verhindert werden. Seiner Meinung nach beschäftigen sich die Kirchen zu wenig mit dieser Gefahr. Der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider betont, dass Glauben eine andere Qualität als Wissen habe. Er sieht Glauben und Wissen nicht als gegenseitige Konkurrenz. Er selbst frage in erster Linie danach, wem er glauben könne. Die Beziehung Gottes zu den Menschen und der Menschen zu Gott stehe für ihn im Mittelpunkt. Die Offenbarung – kreativer Einfall oder göttlicher Ursprung? Martin Urban fragt nach Maßstäben, anhand dessen man göttliche Offenbarungen voneinander unterscheidet. Er hält eine Offenbarung für einen „kreativen Einfall“. Wichtig sei „kritische Selbstreflexion“. Präses Schneider hält dagegen: „Ich glaube an Offenbarungen Gottes, die außerhalb der kreativen Leistungen des menschlichen Gehirns entstehen..." Er hält aber nicht von Pauschalurteilen über die katholische Kirche. Hat Jesus Christus eine Kirche begründet? Dies verneint Martin Urban ausdrücklich. Präses Schneider glaubt dagegen, dass Jesus Christus nicht die heute existierenden institutionellen Formen der christlichen Kirchen gestiftet habe. Er habe aber das Zutrauen, dass Jesus Christus auch heute Nachfolgerinnen und Nachfolger inspiriert. Kirche und Toleranz Martin Urban wünscht sich eine aufgeklärte und tolerante protestantische Kirche. Er tritt ein für die Rechte homosexueller Menschen und die Emanzipation der Frau. Präses Schneider stimmt ihm zu. „Den anderen Menschen als Gottes geliebtes Geschöpf zu achten, … das ist nach meiner Erfahrung eine große Hilfe, mit Konflikten gewaltfrei umzugehen“. Heiliger Geist – Hilfskonstruktion oder lebendige Wahrheit? Martin Urban stellt Fragen zur Kommunikation Gottes mit den Menschen. Ihn interessiert, wie Gott kommuniziert und ob dann die Naturgesetze noch gelten. Seiner Meinung nach benötigen wir die „Hilfskonstruktion Heiliger Geist“ nicht. Ein furchtloser Glaube sei das, was uns Jesus vermittelt habe. Präses Schneider sucht auf diese Fragen keine Antwort. Der Heilige Geist ist für ihn „keine überflüssige Hilfskonstruktion, sondern die unverzichtbare Form, Gottes gegenwärtiges Wirken zu beschreiben und zur Sprache zu bringen“. Wissenschaftsgläubigkeit könne auch in eine „Gefangenschaft des Denkens“ führen. Das Buch ist interessant für jeden, der sich mit Fragen zum christlichen Glauben in heutiger Zeit beschäftigt. In einem Streitgespräch versuchen beide Autoren, wichtige Glaubensthemen zu behandeln. Sie tun dies als überzeugte Protestanten in offener und ehrlicher Weise. Es geht um die Herausforderung, in unserer Zeit als Christ zu bestehen und seinen Glauben nicht zu verlieren. Ob die im Buch vertretenen Meinungen zutreffen oder nicht, muss der Leser selbst beurteilen. Nicht gefallen hat mir die pauschale Verurteilung des Katholizismus, denn es gibt nicht nur eine Sichtweise. Auch heute noch weht der Geist wo er will. Das Glossar am Schluss bietet noch einmal wichtige, durch gelungene Cartoons aufgelockerte Informationen zum Thema. Ein empfehlenswertes Buch.

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