Rezensionen zu
Die F*ck-it-Liste

John Niven

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Im vorliegenden Buch versucht Niven ein vom Trumpclan regiertes Amerika zu zeichnen und überzeichnet die skurrilen Absurditäten der vier Jahre Trumpregierung. Sein Protagonist Frank erfährt, dass er nur noch kurze Zeit zu leben hat und entscheidet sich, sich an den Menschen zu rächen, die angeblich sein Leben ruiniert haben. So kommt es zur F*ck-It-Liste. Die Gründe, Menschen ins Jenseits zu befördern sind teilweise haarsträubend, aber auch nachvollziehbar. Die Liste funktioniert gut, weil Niven die schockierenden Bilder sehr gut beschreibt. Mir gefällt jedoch überhaupt nicht, dass die ungefilterte Wut und der überzeichnete Hass auf die "da oben" ohne Reflexion der Ursachen zu einem dystopischen Bild von Amerika führt und somit auch die Sprachlosigkeit in der gespaltenen Gesellschaft feiert. Alles im allen, die Wahl ist gelaufen, es braucht den erhobenen Zeigefinger von Niven nicht mehr. Aus heutiger Sicht würd eich es nicht mehr empfehlen.

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Die Diagnose kam nicht überraschend. Frank Brill ist unheilbar an Krebs erkrankt. Sein Arzt versteht ihn nicht, denn Frank interessiert sich nicht für die Möglichkeiten verschiedener Therapien. Für ihn ist es Zeitverschwendung, denn mit dem "mörderischen Eindringling in seinem Unterleib" hat er sich längst arrangiert und gelernt, ihn "wie einen alten Freund willkommen zu heißen". Der ehemalige Chefredakteur eines Lokalblatts in Schilling/Indiana hat nach privaten Katastrophen keinerlei privaten Bindungen mehr und sieht sich jetzt in der Lage, einen Plan nun endlich in die Tat umzusetzen. Jene Liste mit Namen und den entsprechenden Akten kann jetzt abgearbeitet werden. Frank macht sich auf den Weg. Die Vorbereitungen sind abgeschlossen. Eine lange Strecke erwartet ihn. Über St. Louis nach Oklahoma City würden es mehr als zwölf Stunden Fahrt sein. Es ist niemand da, von dem er sich verabschieden könnte. Von seinem Haus verabschiedet er mit jenen Worten, die einst sein Sohn gesprochen hatte ... Die Vereinigten Staaten von Amerika im Jahr 2026: Trumps zweite Amtszeit ist Geschichte. Präsidentin ist nun seine Tochter Ivanka. John Nivens bittere Zukunftsvision spielt in einem durch Populismus tief gespaltenen Land. Im Gewand eines erbarmungslosen Rachethrillers führt die Geschichte kreuz und quer durch ein Land, das, analog zur Krankheit der Hauptfigur, von Krebsgeschwüren und Metastasen der Fremdenfeindlichkeit und des Rechtsradikalismus durchsetzt und hochgradig befallen ist. John Niven geht in diesem Werk erstaunlich nüchtern und auf leichtem sprachlichem Gerüst zur Sache, so als ob er sich dem zitierten orwellschen Zitat, jener Bauanleitung für perfekte Prosa, uneingeschränkt verpflichtet fühlen würde. Man hat tatsächlich jederzeit das Gefühl, die Geschehnisse durch eine "Fensterscheibe" zu beobachten. Die F*ck-it-Liste ist ebenso eine bösartige Polit-Satire wie ein blutiger Thriller, eine Dystopie als Abziehbild möglicher gesellschaftlicher Entwicklungen und befriedigt so ganz nebenbei das, was man schon immer über Selbstjustizphantasien wissen wollte, aber bisher nicht zu fragen wagte.

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Es ist nicht ganz einfach, eine Kategorie für John Nivens Roman "Die F*ck-it-Liste" zu finden: Polit-Satire, Thriller, Drama? Wie man es aus anderen Romanen des schottischen Autors kennt, geht es ganz schön brachial und blutig zu. Doch im Gegensatz etwa zu "Kill ´em all" (das ich im vergangenen Oktober hier rezensiert habe https://nimm-ein-buch.blogspot.com/2020/10/der-bad-boy-ist-zuruck-kill-em-all.html), ist Die F*ck-it-Liste, düsterer, trauriger, ohne die an Tarrantino erinnerten Gewalt-Grotesken. Wie Leonard Cohen schon sang: You want it darker? Das gilt für dieses Buch. Nicht nur, dass Frank Brill, ehemaliger Zeitungsredakteur einer Kleinstadtzeitung im Mittleren Westen, erfahren muss, dass er unheilbar an Krebs erkrankt ist und ihm nicht mehr viel Zeit bleibt. Der Mann hat in den vergangenen Jahren gleich mehrere schwere Schicksalsschläge überstehen müssen: Seine dritte Frau und sein jüngster Sohn kamen bei einem Schulmassaker ums Leben, seine ältere Tochter aus zweiter Ehe nach einer missglückten Abtreibung. Denn in den USA der nahen Zukunft, in der der Roman spielt, konnte die ungewollt schwangere Collegestudentin legal keinen Schwangerschaftsabbruch mehr vornehmen. Die bekannte Roe vs. Wade-Entscheidung des Obersten Gerichtshofs, ein Durchbruch für das Recht der Frauen auf die Entscheidung, ob sie eine Schwangerschaft abbrechen oder nicht, ist mittlerweile gekippt. In zwei Amtszeiten von Donald Trump haben sich die USA dramatischverändert. Derzeit ist Ivanka Trump die Bewohnerin des Weißen Hauses, als Mann fürs Grobe ist Vizepräsident Sean Hannity, ehemals Fox News, zuständig. Nicht nur Frauenrechte sind vom Obersten Gerichtshof, in dem jetzt die Erzkonservativen das Sagen haben, zurückgedrängt worden. Für Waffen, auch automatische, sind weder Sicherheitsüberprüfung noch sonstige Regeln notwendig. Proteste und Demonstrationen sind nur noch im Kleinstformat erlaubt, es ist verboten, Staatsbedienstete im Einsatz zu filmen oder fotografieren, etwa wenn sie gewaltsam gegen Demonstranten oder Verdächtige vorgehen. Die Mauer an der Grenze zu Mexiko steht schon in vielen Bereichen, gegen echte oder vermutete illegale Einwanderer wird hart durchgegriffen. Das Amerika, das Niven in seinem Buch schildert, wirkt nach den Erfahrungen mit vier Jahren der Trump-Präsidentschaft gar nicht so weit aus der Luft gegriffen. Die Befürchtungen, was eine zweite Amtszeit für den Zustand der Demokratie bedeutet haben könnte, dürften auch viele Trump-Gegner bei der letzten Wahl geteilt haben. Und allein die Ernennung der Nachfolgerin von Ruth Ginsburg zeigte, dass es Dinge gibt, bei denen Satiriker gar nicht übertreiben können. Wie konnte es so weit kommen? Frank Brill sieht sich als Teil des Problems, hat er doch als typischer Wechselwähler 2016 Trump die Stimme gegeben, in der Überzeugung, der werde eh nicht gewinnen. Während seine Lebenszeit verrinnt, will er abrechnen mit denen, die er persönlich oder politisch verantwortlich macht für die Tragödien in seinem Leben. Er begibt sich auf einen tödlichen Road-Trip, dessen Ausgang der Leser schon ahnt. Insofern halten sich Überraschungen in Grenzen. Am stärksten ist "die F*ck-it-Liste" da, wo die dystopische Zukunftsversion geschildert wird, die gar nicht so überzogen wirkt. Zwischen nationalem Größenwahn, Grundrechtsbeschränkung und dem Erstarken der Waffenlobby ist die von Niven gezeichnete Welt durchaus eine düstere Möglichkeit, wenn am Wahltag fatale Entscheidungen getroffen werden.

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„Die F*ck-It-Liste“ ist politische Satire und Thriller, der neunte Roman aus der Feder von Erfolgsautor John Niven. Der Schotte besticht durch seinen beißenden Humor und detailgenaue Schilderungen, als Journalist hat er Artikel für “FHM”, “Q”, “Word”, “Socialism” und “GolfPunk” und außerdem einige, teils preisgekrönte, Drehbücher und Theaterstücke verfasst. Mit „Die F*ck-It-Liste“ hat Niven einen kurzweiligen Unterhaltungsroman mit sehr kritischen Untertönen vorgelegt. Darin denkt der Autor die USA der Trumps und ihrer Anhänger nur konsequent weiter, so wie es im absoluten Worst Case sein könnte: Mit einem geschickten politischen Kniff ist es Donald Trump noch während seiner zweiten Amtszeit gelungen, Tochter Ivanka im Weißen Haus zu installieren. Offiziell lenkt sie die Geschicke der USA, doch sein Schatten liegt auch 2026 über dem ganzen Land. Dieser dystopische Blick auf die USA der Zukunft entwickelt mit zwingender Logik die Politik Donald Trumps in aller Konsequenz zu Ende: So wurde das Recht auf Abtreibung ausgehöhlt, die Bewaffnung ist für einen guten Bürger kein Problem und die Mauer zu Mexiko hat die Fremdenfeindlichkeit weiter gesteigert. Wo Amokläufe unter den Tisch gekehrt werden, droht bei Abtreibung der elektrische Stuhl. Während die Pressefreiheit abgeschafft wurde, bekamen Ordnungshüter freie Hand bei der Ausführung ihrer Pflichten: Illegale aufspüren, Minderheiten schikanieren, dafür sorgen, dass nichts in soziale Medien gelangt, was die Realität abbildet. Die USA sind ein Polizeistaat. Nivens Hauptperson, Frank Brill, Zeitungsredakteur im Ruhestand, ist indirekt Opfer des Trump-Systems geworden und hat Frau und Kinder verloren. Er gehört nicht zum Gros der weißen Bevölkerung, das in den USA im Jahr 2026 Beifall zu rigidesten Maßnahmen klatscht, für Populismus empfänglich ist, bei dem sich latente Fremdenfeindlichkeit zu unverhohlenem Rassismus ausgewachsen und Egoismus jeden Anflug von Idealismus abgelöst hat. Als Brill dann auch noch die Diagnose Krebs im Endstadium bekommt, fasst er den Vorsatz, einen bislang nur ausgedachten Plan, umzusetzen: Auf seiner „F*ck-It-Liste“ stehen die Namen von fünf Männern, die er zum einen für sein persönliches Unglück und zum anderen für das des gesamten Landes verantwortlich macht. Brill will diese Liste abarbeiten, indem er die Männer darauf tötet. Er macht sich ans Werk und zieht los. In packender Sprache, die in ihrer Rohheit ein bisschen an Charles Bukowski erinnert, erzählt John Niven die Geschichte eines Mannes, der nichts mehr zu verlieren hat und auf einen persönlichen Rachefeldzug geht. Dabei breitet der Autor in jedem Kapitel immer nur ein Stück der Geschichte von Frank Brill aus, so dass der Leser auf Spannung gehalten wird erst nach und nach die Zusammenhänge in ein großes Ganzes einordnen kann. Das macht Niven großartig, weil er immer wieder Wendungen in die Geschichte einbaut, die fast ein wenig satirisch anmuten und trotz der düsteren Geschichte sogar das ein oder andere Mal zum Schmunzeln verleiten. Die politische Anti-Trump Haltung des Autors kommt dabei klar heraus, die Hintergründe im Buch sind eine starke Vermischung des realen Zustands in den USA und der Fiktion einer Fortführung des Systems Trump, das in eine Diktatur ausartet. Wenn man dieses Buch liest, erscheint es einem manchmal zu einfach: die Handlung ist schlüssig, es liest sich locker und flüssig, vielleicht zwischendurch sogar etwas plump. Aber Vorsicht, bei John Niven steht Vieles immer zwischen den Zeilen: Dieses Buch ist eine gewaltige Anklage, ein Fingerzeig, er hält der Gesellschaft in den USA den Spiegel vor und ist so ein unglaublich eindringlicher Appell an die Bevölkerung eines Landes, das sich gerne als „Freiestes der Welt“ bezeichnet, aber sich auf einen gefährlichen Weg begeben hat. Dabei schildert Niven die Lebensumstände so drastisch, dass sich dem Leser teilweise die Nackenhaare aufstellen – so realistisch ist das was-wäre-wenn Szenario. „Die F*ck-It-Liste“ ist extrem kurzweilig und lustig, aber gleichzeitig bestürzend und beklemmend. Vor dem Hintergrund der politischen Situation in den USA eine spannende Dystopie.

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Nein, bei Frank Brill läuft es alles andere als gut: Der Ruhestand bekommt dem ehemaligen Zeitungsredakteur nicht im Geringsten. Von zwei seiner Ehefrauen ist er geschieden, die dritte ist tot, und seine beiden Kinder hat er auch verloren. Überdies erhält er die niederschmetternde Diagnose, er habe Krebs im Endstadium. Was nun? Nach jedem Strohhalm greifen, alle medizinischen Möglichkeiten ausnutzen, um sein Leben so lange wie möglich zu verlängern? Verzweifeln, resignieren und gar nichts tun? Frank entscheidet sich für eine dritte Option: Er erstellt eine „F*ck-it-Liste“ mit alle jenen, die er direkt oder indirekt für sein desaströses Leben verantwortlich macht. Und diese fünf Personen wird er nun aufsuchen, eine nach der anderen, und Rache üben. Frank macht sich auf zu einem todbringenden Roadtrip quer durch die USA – und die Schilderungen dieser Nation sind es, die aus meiner Sicht den größten, eigentlichen Reiz dieses Romans ausmachen. Wir befinden uns nämlich in sehr naher Zukunft; Donald Trump hat zwei Amtszeiten hinter sich gebracht (und blickt dankt seiner vierten Gattin, der achtundzwanzigjährigen Chrystal neuen Vaterfreuden entgegen), nun regiert Ivanka als neue Präsidentin, die von ihrem Vater bereits rechtzeitig als Madam Vice President installiert wurde, um dann nahtlos die Regentschaft zu übernehmen. Fast unnötig zu erwähnen, dass eine ihrer ersten Amtshandlungen in einer Generalamnestie für ihren Dad bestand. Jetzt ist sie nicht nur Präsidentin, sondern auch eine geschäftstüchtige Modedesignerin, deren Entwürfe problemlos über die Website des Weißen Hauses bezogen werden können. Die Polizeigewalt kennt kaum noch Grenzen, der Rassismus grassiert noch arger und die NRA sorgt für ihre Bürger*innen, indem Waffen noch leichter zu besorgen sind als jemals zuvor. Dabei wird er unwissentlich von dem stiernackigen Polizisten Chops verfolgt, der zwar ein ausgemachter Hinterwäldler ist, aber einer mit Prinzipien. Und dazu gehört, Frank zu fassen. Um jeden Preis. Laut Klappentext ist der Roman „einerseits politische Satire, andererseits ein gnadenloser Thriller“, beide Genres sind zweifellos nicht von der Hand zu weisen. Und doch greifen sie für mich zu kurz, denn „Die F*ck-it-Liste“ ist weit mehr als das. Das Buch schildert gleichzeitig eine Art Dystopie, der allerdings das „Puh, wie gut, dass es in Wirklichkeit anders ist“-Erleichterungsmoment fehlt. John Niven schildert sprachlich gewohnt spitz, klug und süffisant (aus dem Englischen von Stephan Glietsch) ein Amerika, das zwar in einer dystopischen Zukunft liegt, das andererseits aber nur allzu nah an dem ist, was alles hätte kommen können (und was noch längst nicht überwunden ist). Mich überlief während der Lektüre so manches Mal eine Gänsehaut und nur allzu oft blieb mir das ironische Lachen im Hals stecken. Trotzdem oder gerade deswegen eine sehr lohnenswerte Lektüre!

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Die USA in der nahen Zukunft. Nachdem Donald Trump zwei Amtszeiten durchregiert hat, wurde mit einer überwältigenden Mehrheit seine Tochter Ivanka Trump ins Präsidentenamt gewählt. Die einst Vereinigten Staaten von Amerika sind tief gespalten und mit einer Demokratie hat dieses Land schon lange nichts mehr zu tun. In dieser bedrückenden Atmosphäre erhält der ehemalige Journalist und Chefredakteur Frank Brill eine niederschmetternde Diagnose: Krebs im Endstadium. Doch anstatt in Selbstmitleid und Trauer zu vergehen und den Schock der Diagnose zu verarbeiten, sieht Frank in dieser Nachricht eine Chance. Die Chance einen schon lang gefassten Plan in die Tat umzusetzen...und eine Liste abzuarbeiten... Noch vor kurzer Zeit schien das fiktive Ausgangsszenario von "Die F*ck-it-Liste", aus der Feder von John Niven durchaus realistisch. Wer weiß schließlich, wie es mit den USA weiter gegangen wäre, wenn es Donald Trump tatsächlich zu einer zweiten Amtszeit geschafft hätte? Da wir uns darüber im wahren Leben nun keine Sorgen mehr machen brauchen, fällt es umso leichter in John Nivens Zeichnung eines fast schon dystopischen Amerikas abzutauchen, in dem er genau das Wirklichkeit werden lässt. Die Amerikaner werden dazu aufgerufen sich jederzeit und überall zu bewaffnen, Abtreibungen sind verboten und werden unter Strafe gestellt, fast jeden Tag scheinen Meldungen von neuen Amokläufen aufzutauchen, Einwanderer, die in Arbeitslagern eingesperrt werden und die Sterblichkeitsrate schießt in die Höhe, weil es immer mehr verzweifelte Frauen gibt, bei denen illegale Abtreibungen vorgenommen werden und die währenddessen oder kurz danach verbluten. In Zusammenhang mit John Niven's "Die F*ck-it-Liste" taucht immer wieder der Begriff 'Satire' auf, doch satirisch ist eigentlich nur die Verwandlung der Hauptfigur vom kleinstädtischen Bürger, der sich noch nie etwas hat zu schulden kommen lassen zum Wild-West-Revolvermann, der genau diese Verwandlung überhaupt vollbringen konnte, weil es sowohl in den von John Niven kreierten Vereinigten Staaten von Amerika, als auch in den realen USA so einfach ist an Waffen und Munition zu kommen, wie noch einmal eben nach Feierabend zwei Liter Milch kaufen zu gehen. Wenn man dieses Buch liest, erscheint es einem einfach: die Handlung ist schlüssig, es ist einfach zu lesen und vielleicht zwischendurch sogar etwas plump, doch es steht so viel zwischen John Nivens Zeilen. Sein Buch ist eine gewaltige Anklage, ein Fingerzeig, ein Spiegel der Gesellschaft, der endlos erscheint, ein so unglaublich eindringlicher Appell an ein Land, das sich gerne als 'freistes Land der Welt' bezeichnet und das sich auf einen gefährlichen Weg begeben hat. Und das zu sagen, was John Niven zu sagen hat, das macht er auf großartige Weise, in dem er immer nur ein Stück der Geschichte von Frank Brill, seiner Hauptfigur, vor seinen Leserinnen und Lesern ausbreitet. Immer nur ein kleines bisschen, das einem allerdings umso heftiger den Atem stocken lässt. Das macht er so großartig, weil er immer wieder Wendungen in die Geschichte einbaut, die dann doch fast wieder ein wenig satirisch anmuten und sogar das ein oder andere Mal zum Schmunzeln verleiten. Und das macht er so großartig, weil am Ende seiner Geschichte der absolute Höhepunkt wartet. Der Beweis, das sich bloß eine scheinbar harmlose Entscheidung in etwas nicht mehr Kontrollierbares verwandeln kann. Und wo das große Problem in der Politik und auch der Demokratie liegt. Lasst euch also nicht von einer scheinbar vorhersehbaren Handlung täuschen. John Niven's Geschichte kann sehr viel mehr, als sie auf dem ersten Blick zu zeigen scheint. Und sie ist verdammt wichtig.

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Das Cover und der Titel haben mich sofort neugierig gemacht, ich habe das Buch einmal bei einer anderen Bloggerin entdeckt und musste es daraufhin unbedingt haben. Ich habe das Buch erhalten und gleich drauf losgelassen, man kann es einfach nicht aus der Hand legen denn man will unbedingt wissen was Frank vor hat. Wir lernen Frank Stück für Stück kennen und erfahren was sein Leben ausgemacht hat und warum er diesen Weg gewählt hat. Ein unglaublicher „Rachefeldzug“ der ganz besonderen Art macht Frank zu einem Serienkiller. Ich habe so verrückt es klingt trotzdem Sympathien für ihn denn er hatte triftige Gründe für sein Handeln und die Menschen hatten es quasi „verdient“. Aber lest einfach selber dann werdet ihre diese Begeisterung nachvollziehen können! Leute dieses Ende hat mich fertig gemacht, es war so spannend und genial geschrieben. Ich bin gerade noch richtig im Rausch dieses Buches und weiß nicht so wirklich was ich jetzt mit mir anfangen soll, das muss man erstmal sacken lassen! Im positiven Sinne natürlich! Das wird definitiv nicht mein letztes Buch dieses Autors sein. FAZIT Dieses Buch war einfach genial geschrieben, mitreißend und reißerisch! Die besondere Kombination aus einem rasanten Thriller mit jeder Menge Menschlichkeit hat mich einfach umgehauen. Dieses Buch muss man unbedingt lesen und es wird dich so schnell nicht loslassen!!!

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John Niven hat sich mit „Gott Bewahre“ und „Straight White Male“ in mein LeserInnenherz geschrieben. Er legt hart und direkt den Finger dahin wo’s richtig wehtut. Die F#ck-It-Liste macht da nur insofern eine Ausnahme, dass der Lesezeitpunkt meinerseits extrem ungünstig war. Heute ist Samstag, elevenseven und seit Freitag läuft CNN Int. in Dauerschleife. Das Gewese um den, dessen Namen ich nie mehr hören mag, wenn alles gut läuft, (den Ergebnissen nach zu urteilen könnte es klappen) soll endlich ein Ende habe. Bei Nivens Dystopie angesiedelt im Jahr 2026 ist der anstandslose Schreihals mittlerweile auf den Dollarscheinen zu sehen. Ivanka hat den Job übernommen und sie ist den Anhängern ihres Alten zu liberal. Der „Extreme Patriot Act“ ist verabschiedet, die Presse ein Regierungsorgan. Frank Brill, Nivens abgehalfterter Protagonist, ehemaliger Chefredakteur, ist auf dem Weg zumindest ein wenig aufzuräumen. Bewaffnet, er hat nichts mehr zu verlieren. Das Satirische dieser Dystopie ist mir mir nicht entgangen, Nivens beschriebenes gesellschaftliches Sittenbild ist wie immer hervorragend gezeichnet und gewohnt zynisch, nur mir fehlte noch der Humor solange Mr. Cofeve noch seine kleinen schmutzigen Finger auf die Atomsprengköpfe legen kann. „The F*uck-It-List“ wäre durchaus amüsant, wenn klar wäre, dass sie niemals nötig sein würde. Und so wie es ausschaut, heute ist der 8.11.2020, John Niven schien es beim Schreiben ähnlich zu gehen. Sehr zügig nimmt die Geschichte Fahrt auf, ohne sich mit Schnörkeln abzugeben. Frank Brill arbeitet seine Liste ab, nur der Bulle Chop könnte ihn noch stoppen. Nebenbei erfährt man wie Frank zu dieser Fuck-It-Liste animiert wurde. Und hier erweist sich Niven wieder als der gesellschaftskritische Berichterstatter, als der er geschätzt wird. Berührt hat mich jener Moment in dem Brill überlegt, wo er versagt hat. "Frank war sein Leben lang Wechselwähler gewesen. Bei der Wahl von 2016 hatte er gedacht … ja, was eigentlich genau? Bis dahin hatte Frank den Begriff Kakistrokatie noch nie gehört. Er sollte ihm ziemlich schnell geläufig werden." Stellvertretend für viele Amerikaner und nicht nur für diese … Demokratie und Rechtsstaatlichkeit sind zarte Pflänzchen, wenn man sie immer wieder anpisst gehen sie ein. Hoffen wir, dass diese Dystopie eine schreckliche Zukunftsvison bleibt. Bei RBG lag Niven ja auch falsch.

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