Leserstimmen zu
Der Tod und das Mädchen

Frank Tallis

Die Max-Liebermann-Krimis (6)

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Wien zur Jahrhundertwende scheint ein ganz besonderer Ort zu sein. Alles scheint einen etwas opulenter und dekadenter zu sein, als anderswo. Das fängt bei den großen, wunderschön gestalteten Häusern an und endet noch lange nicht bei den köstlichen Kuchen und Süßspeisen zum Kaffee. Es herrscht passend dazu auch eine gewisse Leichtigkeit im Umgang miteinander und im Umgang mit den gängigen Konventionen. Intellektuell reichhaltig Genauso reichhaltig wie die Auswahl an Süßspeisen ist hier auch die Auswahl an intellektueller Anregung in Form von Wissenschaft, Literatur und Musik. Sigmund Freud versucht hier seine noch recht neue Arbeit und die daraus resultierenden Erkenntnisse publik zu machen. Aber auch ein Gustav Mahler, damals noch Direktor der Wiener Oper, kämpft gegen althergebrachte (Un)Sitten im Orchestergraben. Dunkle Seiten Es gibt natürlich auch die andere, die dunkle Seite Wiens. Nicht nur, dass Verbrechen wie Diebstahl, Mord und Totschlag immer weiter und sich greifen, sondern auch die Korruption ist überall zu finden und hat längst auch den inneren Zirkel der Regierung erfasst. Der Antisemitsmus wird nicht nur in Wien immer salonfähiger, sondern verbreitet sich über ganz Europa und unser Hauptverdächtiger im vorliegenden Fall ist daran kräftig beteiligt. Gute Mischung Der Kriminalfall ist spannend und gut durchdacht, aber ich habe viel mehr Spaß an dem ganzen drumherum. Die Mischung aus den fiktiven und tatsächlichen historischen Persönlichkeiten wie Kaiser Franz Joseph, Sigmund Freud, Gustav Mahler und vielen mehr hat mir super gefallen. Auch die sehr detaillierten Beschreibungen der historischen Verhältnisse, der stets sachte vorhandene Glaube an esoterisches und gleichzeitige Hinwendung an weltliche Freuden fand ich wirklich gut gelungen. Wenig Krimi Für reine Krimifans ist der kriminalistische Part vielleicht etwas zu einfach und zu durchschaubar, die Lösung vielleicht ein bisschen zu psychologisch. Gegenüber all den anderen Teilen dieses Buches wirkt der Fall vielleicht auch etwas spärlich - aber ich fand das nicht weiter schlimm. Ich bin ohnehin ein Fan von guten Beschreibungen der Umgebung und gerade bei historischen Krimis macht das für mich auch einen Teil des Reizes aus. Mein Fazit: Der Tod und das Mädchen von Frank Tallis ist ein Krimi, in dem der Kriminalfall ein bisschen wenig Raum bekommt. Aber all die detaillierten und liebevollen Beschreibungen des Drumherums haben mir soviel Spaß gemacht, dass ich auf jeden Fall noch weitere Bücher der Reihe lesen werde.

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