Leserstimmen zu
Eine Weihnachtsgeschichte. Wundervoll illustriert von Eric Kincaid. Für Kinder ab 8 Jahren

Charles Dickens

Klassiker der Kinderliteratur (16)

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Die "Weihnachtsgeschichte" von Charles Dickens ist für mich ein echter Klassiker, der zu den Feiertagen einfach dazu gehört: Der alte Geizkragen und Weihnachtsverächter Ebenezer Scrooge begegnet nacheinander drei Geistern. Erst durch diese "Schocktherapie" erkennt er, wie einsam er eigentlich ist, und dass sich Liebe und Freude mit keinem Geld der Welt erkaufen lassen. Obwohl ich vermutlich alle Verfilmungen auf dem Markt kenne, hat mich diese Buchausgabe noch einmal so richtig begeistert. Das liegt unter anderem an den schönen Illustrationen, die die kalte Winterwelt und die vergangenen Zeiten sehr lebendig machen. Vor allem aber liebe ich den Schreibstil von Charles Dickens. Wie zu seiner Zeit üblich, holt er beim Erzählen gerne etwas weiter aus. Er schafft es dadurch immer wieder, die Szenen so lebendig zu beschreiben, dass man sich zum Beispiel direkt in das Elend der ärmeren Bevölkerung hineinversetzen kann. Diese klassische Erzählweise ist nicht so hektisch und auf "Action" ausgelegt, wie es heute oft üblich ist. Und so passt die Geschichte perfekt zu einer besinnlichen Weihnachtsstimmung. Trotzdem ist die "Weihnachtsgeschichte" spannend genug, dass sie auch die "Generation Internet" noch begeistern kann. Und Dickens fügt gerne mal kleine satirische Seitenhiebe oder Anspielungen ein, die auch den erwachsenen Lesern Freude machen. Die Übersetzung dieser Ausgabe ist ein schöner Gegensatz zu dem beschriebenen etwas weiter ausholenden Schreibstil, denn sie ist schnörkellos und in einer zeitlosen Sprache gehalten. Dadurch werden Kinder keine Mühe haben, der Geschichte zu folgen. Insgesamt finde ich, dass das Buch allen viel Freude bereiten wird, die eine klassische Erzählung und stimmungsvolle Illustrationen zu schätzen wissen. Ob nun zum Vorlesen oder zum Selberschmökern. Würde ich diese Fassung also weiterempfehlen? Unbedingt! Sie ist liebevoll gestaltet und solide gearbeitet. Daher verschenke ich sie in diesem Jahr bestimmt nicht zum letzten Mal.

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Die Hauptfigur, Ebenezer Scrooge, macht unter dem Einfluss des „Festes der Nächstenliebe“ eine wundersame Wandlung durch. Am Anfang wird sie als „erpresserisch, ausbeutend, raffgierig und geizig“ beschrieben. Man könnte die Dickens-Geschichte als ein pädagogisches Lehrstück bezeichnen, sowohl für Scrooge als auch für die Leser. In dessen Verlauf wird der sprichwörtliche Geizhals Scrooge (Scrooge ist im englischen ein Synonym dafür geworden) durch eine Schockmethode dazu gebracht, sich neu zu definieren und in philanthropischer Manier einen Teil seines Reichtums für die Armen und Bedürftigen zu spenden. Die Handlung spielt in London, zur Entstehungszeit der Geschichte, aber mit Sprüngen in Zeit und Raum. Zwar gilt Dickens als Meister des realistischen Romans, doch dazu passen schwerlich die nicht weniger als 4 Gespenster, die nach und nach erscheinen und die Scrooge jeweils an die Hand nehmen und ihn mit Szenen seines Lebens konfrontieren, genauer gesagt mit seinen vergangenen, jetzigen und künftigen Weihnachten. Daraus lernt er, dass er, wenn er so weitermacht, eines Tages sterben wird, ohne dass jemand um ihn trauert, und dass ihm die Grabdiebe und Plünderer, ohne dass es jemanden kümmert, sprichwörtlich das letzte Hemd ausziehen werden. Diese pädagogische Schock-Methode führt zu seiner bereits erwähnten Läuterung. Der melodramatische Aufbau lässt mehr an ein Theaterstück oder Film als an eine herkömmliche Erzählung oder einen Roman denken. Nicht von ungefähr wird der Inhalt in späteren Disney-Produktionen aufgegriffen. Scrooge wurde dabei zum Vorbild der Comic-Figur Dagobert Duck. Man kann ohne Übertreibung sagen, dass der Literat Dickens Eingang in die Populärliteratur gefunden hat. Daran ändert auch die Schablonenhaftigkeit der Hauptfigur in dieser Story nichts. Die Nebenfiguren dagegen sind im Detail genauer und realistischer beschrieben. Dickens‘ Stereotype gerade auch in dieser Geschichte kritisierte bereits sein Zeitgenosse Anthony Trollope: „… his good poor people are so very good, his hard rich people so very hard.“ Bei den Guten stehen oftmals Kinder und Jugendliche im Zentrum, so auch hier der behinderte Junge Tiny Tim. Man wird dem viel gelesenen Charles Dickens einen gewissen Anteil daran zuerkennen müssen, dass der raubtierhafte Frühkapitalismus im angelsächsischen Raum am Ende dann doch durch Philanthropie gezähmt und in Teilen zivilisiert werden konnte.

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