Leserstimme zu
Auch alte Wunden können heilen

viel Empathie und Gefühl

Von: Michael Lausberg aus Doveren
28.09.2018

In den ersten Lebensjahren werden die wichtigsten Grundlagen für ein erfülltes Leben und die Erfahrung von Bindung, Zugehörigkeit und Kontakt geschaffen: „Die Erfahrungen, die uns am stärksten geprägt haben, reichen zurück in unsere ersten Lebensjahre, in eine Zeit also, an die wir uns normalerweise nicht erinnern können. Das macht es für viele Menschen schwer, zu erkennen, welche existenzielle Bedeutung diese Phase für uns hat. (…) Frühe Wunden verhindern die Entstehung dieser Grundlagen oder schränken sie ein werfen so einen langen Schatten auf das Leben vieler Menschen.“ (S.12) Menschen, die dies nicht erfahren haben, leiden oft ein ganzes Leben darunter: Gefühlsunausgeglichenheit, Ängste, Depressionen, wenig Selbstvertrauten und unerfüllte Beziehungen sind oft die Folge. In diesem Buch beschreibt die Traumatherapeutin Dami Charf, wie frühe Erfahrungen auf unser Leben wirken und uns in vielen Punkten prägen. Sie zeigt darin auf, wie alte Wunden heilen können, man wieder mit sich selbst in Kontakt kommt, innere Sicherheit gewinnt und liebevoller im Umgang mit sich selbst zu werden. Ihre Erfahrungen als Therapeutin beschreibt sie so: „Ich möchte also meine Klienten bei der Bewusstwerdung ihrer verdrängten Muster und ihrer Sicht auf die Welt unterstützen. Der nächste Schritt besteht darin, ihnen neue Erfahrungen zu ermöglichen und gemeinsam die fehlenden Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln. Mein Ziel in der Therapie ist es, dass ein Mensch wieder Wahlmöglichkeiten hat und sein Leben selbst gestalten kann.“ (S. 269) Als Ausweg dient weiterhin die Fähigkeit zur Resilienz: „Das Herzstück jeder Resilienz ist etwas, das seit Jahren im Mittelpunkt meiner Arbeit steht. Es ist die Tätigkeit einer Person, innere Erregung (Sprich Stress) zu regulieren. Je resilienter eine Person ist, desto besser kann sie auf Stresskreisläufe einwirken und diese regulieren. (…) Wir müssen also lernen, wie wir einerseits Erregung besser regulieren können und andererseits neue neuronale Muster erschaffen, indem wir uns erziehen, anders zu denken.“ (S. 203) Das Buch erläutert mit viel Empathie und Gefühl, wie sich frühe Erfahrungen auf unser späteres Leben auswirken können. Es ist fachlich gut beschrieben, strukturiert im Aufbau und in einer verständlichen Sprache geschrieben. Die Interventionsmöglichkeiten können Patienten Hoffnung machen, in einer Therapie sich selbst neu zu finden.