Rezension zu
Glück und Glas

Eine Zeitreise ins letzte Jahrhundert

Von: die.buecherdiebin
27.02.2018

Glück und Glas“ - wie leicht zerbricht das? Inhalt: Hannelore und Marion werden beide am 7. Mai, dem Tag der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht im 2. Weltkrieg geboren. Während Marions Mutter Elsa nach einem Bombenangriff kein Dach mehr über dem Kopf hat und ihr Mann noch nicht aus dem Krieg heimgekehrt ist, wohnt Hannelores Mutter Hilde mit ihrem Mann und Schwiegervater in einer schönen Villa. Nachdem die Frauen sich im Krankenhaus kennengelernt haben, bietet Hilde Elsa und ihrem Baby Unterkunft und Arbeit in ihrem Haus an. Die Mädchen werden trotz ihrer unterschiedlichen Herkunft bald beste Freundinnen. Meine Meinung: Der Leser begleitet Marion (die sich später Moon nennt) und Hannelore (später Lore) von der Geburt bis zu ihrem 70. Geburtstag in unterschiedlich großen Zeitsprüngen. Hauptsächlich wird die Geschichte aus Moons Sicht erzählt, da sie das aufregendere und ereignisreichere Leben hat. Das fand ich schade, denn ich hätte auch gerne mehr von Lore gelesen. Der Schreibstil von Lilli Beck gefällt mir sehr gut und lässt sich flüssig lesen. Ihr gelingt es, die damalige Zeit wieder lebendig werden zu lassen, indem sie die politischen und gesellschaftlichen Ereignisse, die Musik, die Mode und die Neuerungen der letzten 50 Jahre des 20. Jahrhunderts in die Geschichte einfließen lässt. Am besten haben mir die Kindheitsjahre von Hannelore und Marion in der Nachkriegszeit gefallen, hier wurden die Unterschiede der beiden Freundinnen in der Erziehung und in den Lebensbedingungen sehr deutlich. Hannelore wächst behütet in einer wohlhabenden und liebevollen Familie auf, doch Marion leidet unter ihrem strengen Vater und den ärmlichen Verhältnissen. Moons Geschichte in den 60er / 70er Jahren, leider ein großer Teil des Buches, hat mir insgesamt weniger gut gefallen. Teilweise hat mich die Handlung etwas deprimiert. Obwohl Moon ein gefeiertes Fotomodell wird und auch immer wieder auf die Füße fällt, muss sie doch sehr viele Niederlagen einstecken. Zitat Moon Seite 476: „Bis auf wenige Wochen war mein Leben eine einzige Kathastrophe.“ Und auch Lore führt kein wirklich glückliches Leben. Die enge Freundschaft der beiden zerbricht durch einen Vertrauensbruch und lässt sich viele Jahre später nur schwer wiederherstellen. Fazit: Das Buch ist eine Zeitreise ins letzte Jahrhundert und eine Geschichte über eine Freundschaft, die stärker ist als Glas.