Leserstimme zu
Leere Herzen

vorsicht spoiler

Von: Gusaca aus Aldenhoven
05.11.2017

Britta Söldner lebt mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Braunschweig und hat eine kleine Praxis für Psychotherapie. Dabei wird schnell klar, das diese Scheinfirma Geld mit den Selbstmordgedanken hoffnungslos radikalisierter MEnschen macht. Die Situation gerät außer Kontrolle als ein Konkurrent erscheint dessen Ziele zunächst sehr unklar bleiben. Die Autorin Juli Zeh hat eine zeitlich in naher Zukunft liegende Dystophie entwickelt, die leider gar nicht so unrealistisch wirkt. Die politsche Entwicklung liegt sehr nahe an der Realität, nur eben etwas weitergedacht. Die Menschen haben sich ins private zurückgezogen , gehen nicht mehr zur Wahl und überlassen den Politikern die Geschicke der Welt. Die innere Leere der Menschen wird mit dem im Buch immer wiederkehrenden Song -Full hands, empty Hearts, its a suicide World --immer wieder aufgegriffen. Der Schreibstil der Autorin ist genial. Zunächst wird dem LEser das scheinbar idyllische Privatleben der Protagonistin aufgezeigt, das durch ein Ereignis aufgerüttelt wird und deshalb langsam die beruflichen und politischen Hintergründe enthüllen läßt. Die innere ZErissenheit Brittas wird mit Verlauf der Handlung immer stärker und gipfelt am Ende in zunächst unerklärlichen Entscheidungen. Der Schreibstil ist detailliert, spannungsgeladen , Fragen aufwerfend und raffiniert. Trotz des intensiv zynischen und makaberen Aspektes konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen. Ich war einfach zu schockiert und auch neugierig. Erst am Ende erkennt man das ganze Ausmaß der GEsellschaftskritik und Demokratieverdrossenheit. Warum handelt Britta am Ende so und nicht anders? Hofft sie die MEnschen so aufzurütteln? Der LEser wird auf jeden FAll zum NAchdenken gebracht.