Rezension zu
Und niemand soll dich finden

Die Rezension bezieht sich auf eine nicht mehr lieferbare Ausgabe.

Der neue Roman einer Thriller-Königin...

Von: Krisi - Wurm sucht Buch
21.08.2017

Eine Braut, die vor der Hochzeit das Lampenfieber packt und sie ihre sieben Sachen packt und den Bräutigam stehen lässt. Dieses Phänomen findet sich in zahlreichen Büchern und Filmen. Doch können kalte Füße wirklich das verschwinden einer jungen Frau erklären? Und noch viel wichtiger, ist eine Vorlage wie diese passend für einen Thriller? Amanda könnte genau zu den „Frauen, die sich nicht trauen“ gehören, wird allerdings seit jenem Tag vor fünf Jahren vermisst. Laurie Morgan, die Hauptverantwortliche für eine Kriminalshow im TV, möchte ihrem Verschwinden auf den Grund gehen. Doch was kann ihr geschehen sein? Der Roman wird als „Thriller“ bezeichnet, was mir allerdings nicht passend erscheint. Die Geschichte ist spannend, da der Leser sich das Verschwinden der jungen Frau nur schwer erklären kann, dennoch schwebt keiner der Protagonisten in imminenter Gefahr, was die Dramatik etwas mindert. Deshalb sollte der Roman wohl eher als „Kriminalroman“ angesehen werden und Fans diesen Genres begeistern. Und niemand soll dich finden lebt von Laurie Morgen, welche Tag für Tag mit einem schweren Schicksal leben muss und dies meistert, was sie dem Leser sehr sympathisch macht. Auch die Tatsache, dass sie sich um das Leben einer ihr fremden Frau sorgt, empfand ich als sehr bemerkenswert. Ähnlich sticht auch ihr Vater heraus, welcher sich nicht nur als Ermittler, sondern auch als Babysitter sehr gut macht. Was bei den Charakteren allerdings noch zu erwähnen ist, ist eine gewisse emotionale Entfernung, welche zwischen ihnen existiert. Da die Ermittlerin und das vermeintliche Opfer sich nicht kennen, besteht eine gewisse Distanz zwischen den Figuren; so auch zwischen dem Leser und dem Opfer – man scheint sich kaum zu kennen, da die Protagonistin eine andere ist. Dies ist allerdings auch dem zeitlichen bzw. räumlichen Faktor geschuldet, denn der Leser erfährt über das dramatische Schicksal von Amanda im Nachhinein und ist nicht aktiv dabei. Mary Higgins Clark ist eine Legende, wenn es um Thriller geht. Ihren Schreibstil behält sie seit so vielen Jahren bei, dass der Leser bei jedem ihrer neuen Romane nur staunen kann, wie sie das schafft. So aufregend der Schreibstil, so dürftig die Umsetzung des geschriebenen Textes. Die Kapitel des Romans sind extrem kurz – oftmals nur 1-2 Seiten, was den Lesefluss immer wieder unterbricht und die Wirkung der sich auf das Wesentliche beschränkenden Erzählweise mindert. Fazit Und niemand soll dich finden ist ein größtenteils überzeugender Roman, mit der ein oder anderen kleinen Schwachstelle. Dennoch freue ich mich sehr auf weitere Romane der Autorin und kann das Werk besonders Krimi-Fans wärmstens empfehlen.