Rezension zu
Wahllos

Die Rezension bezieht sich auf eine nicht mehr lieferbare Ausgabe.

Rasanter Thriller, der an 'The Mentalist' erinnert

Von: Mathematiqua
03.01.2017

Wenn man die Serie "The Mentalist" nimmt und in einen Roman mit noch mehr involvierten Personen und unerwarteten Wendungen umschreibt, dann bekommt man einen Thriller wie "Wahllos". Die Geschichte handelt von einem Killer, der Massenpaniken auslöst, um Menschen zu töten. Dafür spielt er mit deren Angst und Bewusstsein, er sorgt dafür, dass die Menschen selbst zu der Gefahr werden, die sie letztendlich tötet. Agent Dance ist ihm auf der Spur, während sie nebenher ihr Privatleben zu managen versucht. Da sind zwei Männer, die eine Beziehung mit ihr möchten, zwei Kinder, die seit ihrer Scheidung viele Veränderungen durchmachen mussten, Kollegen, die sie nicht leiden können, und zu guter Letzt auch noch eine Suspendierung, weil ihr ein schwerer Fehler unterlaufen ist. Wahllos ist ein Thriller, der durch viele parallele Handlungsplots besticht. Obwohl es sich hier wirklich um einen dicken Schmöker handelt, habe ich das Buch an nur einem Tag durchgelesen, da ich es einfach nicht mehr aus der Hand legen konnte und unbedingt wissen musste, was als nächstes geschieht. Deaver brilliert darin, den Spannungsbogen stetig weiterzustricken, geschickt die Perspektive zu wechseln und seinen Leser so nie - wirklich nie (!) - über langweilige, unnötige Erzählpassagen stolpern zu lassen. All die actiongeladene Handlung und das interessante Personengeflecht präsentiert er uns zudem in einer sehr angenehm zu lesenden Sprache, die in etwa dem durchschnittlichen amerikanischen Thriller entspricht. Besonders gelungen ist auch sein Spiel mit der Wahrnehmung der Wirklichkeit, er weiß, wie er seine Leser täuschen kann. Jedesmal, wenn man denkt aha, jetzt weiß ich, was lost ist, setzt er einfach eine neue Wendung und alles erscheint in einem völlig anderen Licht. Lediglich das Ende fand ich nicht ganz so gelungen. Es war nicht schlecht, aber gerade, da so viele verschiedene Handlungsstränge im Buch vorkommen, hätte ich mir noch etwas mehr Verflechtung derselben gewünscht, manche werden einfach bezugslos nebeneinander stehen gelassen. Außerdem hatte ich das Gefühl, dass er, so sehr er davor ins Detail ging, am Ende versucht, so schnell wie möglich alles aufzulösen, eine Erkenntnis folgt der nächsten, Knall auf Fall. Vielleicht etwas zu plötzlich. Hier hätte mehr Weitschweifigkeit sicher nicht geschadet. Alles in allem ein Buch, das jeder Thriller-Fan gelesen haben sollte, ein echter Page-Turner, der selbst dann noch überrascht, wenn man glaubt, man wäre bereits am Ende der Story angelangt.