Rezension zu
Das Schicksal wartet beim Friseur - Waschen schneiden lieben

Waschen, schneiden und verkuppeln ...

Von: wortgeflumselkritzelkram
05.12.2016

"Das Schicksal wartet beim Friseur" von Anna Jansson ist 2016 bei btb erschienen. Zum Inhalt: Die Autorin Anna Jansson schreibt sonst eher Kriminalromane, die auch verfilmt worden sind. Hier erzählt sie über Angelika Lagermark, eine leidenschaftliche Friseurin Ende vierzig und seit sieben Jahre Witwe, die in ihrem eigenen Salon nicht nur Haare schneidet, sondern so ganz nebenbei auch noch ihre Kundinnen und Kunden verkuppelt. Das läuft auch ganz wunderbar, bis Angelika eines Tages Opfer eines Betrügers wird. Dieser verkauft sowohl ihr Haus, als auch teilweise die Häuser der anderen Bewohnern von Visby im Internet. Und auf einmal ist sie sich auch nicht mehr sicher, ob dieser Betrüger nicht sogar der Mann ist, in den sie sich Hals über Kopf verliebt hat….. „In den sieben Jahren, die ich den Salon d`Amour nun schon betreibe, habe ich nicht weniger als sechsundzwanzig Brautpaare zusammengebracht. Ich habe zu Hause auf dem Klavier ein Album liegen.“ Angelika und ihr Mitarbeiter Ricky lieben es, ihre Kundinnen und Kunden zu verkuppeln. Dafür haben sie sich ein eigenes System ausgedacht, nach dem sie Männlein und Weiblein einteilen und ihnen dann möglichst zeitgleich Termine zum Waschen, schneiden, föhnen geben. Und durch dieses System werden hier alle Protagonisten zu Hauptpersonen. Nicht nur die Besitzerin und ihr Mitarbeiter werden überaus plastisch geschildert, sondern eben auch die zu verkuppelnden Personen stehen vor meinem inneren Auge Spalier. Jeder strahlt eine gewisse Persönlichkeit aus, ob verschroben, skurill, liebenswert oder abstoßend. Dadurch wird das Buch lebendig und faszinierend mit einem großen Hauch von augenzwinkerndem Humor. Und dann kommt noch die Spannung hinzu, die aber auch eher leicht daher kommt. Trotzdem fragt man sich: Wer ist wohl Sindbad, der unbekannte E-Mail-Schreiber? Und wer ist der Betrüger, der die Menschen um ihr Hab und Gut bringt? Ist es tatsächlich der Unbekannte, in den sich Angelika verliebt? „In vielerlei Hinsicht tut es weniger weh, das Leben der anderen zu leben, statt sich über das eigene den Kopf zu zerbrechen, wenn ohnehin alles Schiffbruch erlitten hat. Es ist kein einziger Tag vergangen, an dem ich nicht an Joakim gedacht hätte, die Liebe meines Lebens, meinen Mann.“ Jansson ist hier ein ganz wundervoller Schmöker gelungen, voller Humor und Leichtigkeit geschrieben. Ein perfektes Buch zum Abschalten, wenn die Tage – so wie jetzt – nass und grau sind und man ein wenig Helligkeit und ein Lächeln braucht ….