Rezension zu
Des Menschen Furcht

Die Rezension bezieht sich auf eine nicht mehr lieferbare Ausgabe.

Krimi im historischen Gewand

Von: Michael Taube
18.11.2016

Der historische Roman „Des Menschen Furcht“ von Neil Mackay wird vom „True-Crime-Magazin des Stern empfohlen. Vielleicht hat man dort ja das Buch nicht gelesen. Es ist bestimmt kein Krimi wie es der „Name der Rose“ war, aber es ist ein verdammt spannendes, unterhaltendes Stück Mittelalter des ausgehenden 16. Jahrhunderts. Erzähler der Ereignisse um das Jahr 1563 in Bedburg nahe Köln ist der 80-jährige William Loos. William erzählt im Rückblick sein Abenteuer mit dem unheimlichen Mörder Peter Stumpf. Stumpf auch Stubbe-Peter genannt, soll ein Werwolf sein und über 60 Menschen getötet und gefressen haben. Es dauert nicht sehr viele Seiten und ich weiss, dass er es war. Und damit eigentlich Ende der Geschichte. Aber das eigentliche Verbrechen ist nicht der interessante Teil dieses Romans. Mackay entwirft ein Sittengemälde des ausgehenden 16. Jahrhunderts, dass durch den Glauben und die Furcht vor übernatürlichen Geschöpfen beherrscht wird. Zudem wird die Suche und die Erlebnisse der Menschen zwischen der katholischen Kirche und dem nach den Glaubenswirrungen nach Luther entstandenen Königreichs von Münster. In lebhaften Farben erzählt der Autor die Erlebnisse der Figuren z.B. des Advokaten Paulus Melchior, von Landsknechten im Krieg, von Williams Vater in Münster und nimmt diese Geschichten als Begründung für die Furcht der Menschen in Bedburg vor dem Werwolf. Ein wenig Frauenbefreiung rundet das Bild dieser Zeit ab. Der Roman befleißigt sich dabei einer sehr gelungenen Sprache, nicht zu kompliziert, aber auch nicht zu einfach im Satzbau. Neil Mackay versucht den Roman mittelalterlich wirken zu lassen, was bei mir ankommt. Da ich ja bekanntermaßen ein Freund von historischen Karten bin, bin ich hier etwas knapp dran. Es gibt eine Karte von Bedburg, die mir aber nichts geholfen hat. Wer einen reinen Krimi im historischen Gewand erwartet, wird vermutlich enttäuscht sein. Wer eine emotionale und anschauliche Beschreibung aus dem 16. Jahrhundert mit viel Religionsbezug sucht, dem empfehle ich den Roman.