Leserstimme zu
Sprechen wir über Eulen - und Diabetes

Schwimmwettkämpfe, ausgestopfte Eulen und andere Kuriositäten

Von: Jiskett
07.07.2016

"Sprechen wir über Eulen - und Diabetes" war mein erstes Buch von Sedaris. Darauf aufmerksam geworden bin ich durch den ungewöhnlichen Titel und das sehr schöne Cover, vor allem durch den Bezug zu Eulen. Die Inhaltsangabe klang ebenfalls interessant und so habe ich zugeschlagen, als das Buch bei Weltbild reduziert zu haben war. Sedaris präsentiert 26 Essays beziehungsweise Kurzgeschichten, die sich zu großen Teilen mit Ereignissen aus seinem Leben befassen. Dabei deckt er eine große Bandbreite an Themen ab, zum Beispiel Schwimmwettkämpfe in seiner Kindheit, die komplizierte Beziehung mit seiner Familie, ein Valentinstag für seinen Partner und Reisen in andere Länder. Die Erzählungen scheinen dabei sehr ehrlich zu sein - so sind auch Kapitel enthalten, in denen der Autor selbst nicht wirklich sympathisch rüberkommt und er über sein Verhalten und seine Gedanken reflektiert. Das hat mir gut gefallen, ebenso wie die Gesellschaftskritik, die mal mehr, mal weniger unterschwellig vorkommt. Man erfährt einiges über Sedaris' Ansichten und sein Leben beziehungsweise man bekommt diesen Eindruck. Besonders interessant fand ich die Kapitel, in denen der Autor in eine andere Rolle schlüpfte und Ansichten präsentierte, die nicht den seinen zu entsprechen schienen. Diese alternativen Sichten waren teils sehr überspitzt (wobei ich das Verhalten der fiktiven Personen leider nicht einmal unrealistisch fand) und satirisch präsentiert, was sie mit zu den besten Erzählungen gemacht hat, gerade weil sie durchaus provokativ formuliert waren. Insgesamt muss ich aber sagen, dass das Buch meine Vorstellungen nicht ganz erfüllt hat. . Ich habe schnell einen Zugang zu dem Werk gefunden und die einzelnen Geschichten waren unterhaltsam und es gab definitiv einige humorvolle, sarkastische und zynische Momente, aber davon abgesehen, aber im Ganzen betrachtet war "Sprechen wir über Eulen - und Diabetes" nicht so lustig, wie ich es aufgrund der Inhaltsangabe und der sehr positiven Rezensionen erwartet hatte; laut lachen musste ich kein einziges Mal. Einige Erzählungen sind dabei unbestritten besser als andere und es waren vor allem die kleineren Szenen, die mich gut unterhalten haben. So schildert der Autor beispielsweise einen Diebstahl seines Geldbeutels und betont, dass die Polizei nicht gerade kooperativ war, die Schauspieler der Crime-Serie Hawaii Five-0 aber umso mehr. Solche unterwarteten kleinen Bemerkungen sind auf jeden Fall ein starker Punkt der Essays, die sie belebt haben, ebenso wie die Erlebnisse, in denen man sich als Leser selbst wiedererkennen kann. FAZIT: Wie gesagt ist das Buch nicht schlecht und ich habe es sehr gerne gelesen; der Autor hat definitiv eine ganz eigene Art, seine Gedanken und Beobachtungen in Geschichten zu verpacken und dabei sehr viel unterzubringen, ohne etwas zu beschönigen, aber der Funke ist einfach nicht übergesprungen. Deshalb "nur" 3,5/5 Sternen. Ein weiteres Buch des Autors werde ich bei Gelegenheit bestimmt noch lesen.