Leserstimme zu
Wir haben das KZ überlebt - Zeitzeugen berichten

Die Rezension bezieht sich auf eine nicht mehr lieferbare Ausgabe.

Ein ergreifender Bericht über den Holocaust - GEGEN das Vergessen und FÜR die Versöhnung

Von: Tina von Superlesehelden
12.11.2015

Die Gedanken zum Buch "Wir haben das KZ überlebt." Eine gewaltige Aussage, die nur wenige Menschen machen können. Was genau hinter dieser Aussage steckt, welche bewegenden Geschichten und ergreifenden Schicksale sich dahinter verbergen, erzählt Reiner Engelmann in seinem Buch. Er hat mit zehn Zeitzeugen gesprochen, die eine Gefangenschaft in einem Konzentrationslager - oder sogar in mehreren - erlebt und tatsächlich überlebt haben. Zehn wunderbare Menschen, vier Frauen und sechs Männer, die durch die Hölle auf Erden gehen mussten und dennoch nicht daran zerbrochen sind; die zwar tiefe Wunden davongetragen haben, aber ihr Leben "danach" trotzdem weitergelebt und ihre Stimme gegen die Ungerechtigkeit, den Hass und gegen das Vergessen erhoben haben - für das Erinnern und für den Frieden. Die Geschichten dieser zehn Zeitzeugen lesen sich wie ein dramatischer und ergreifender Roman, bei dem man den Atem anhält und das Gelesene kaum fassen kann. Man fiebert mit, man leidet mit, man freut sich mit und man weint mit. Wie bei einem Roman. Nur, dass es sich hier nicht um erfundene Geschichten handelt, sondern um persönliche Schicksale und Erfahrungen. Erfahrungen, die so erschreckend und unfassbar sind, dass sie jenseits unserer Vorstellung liegen. Der Autor hat jedem Zeitzeugen ein Kapitel gewidmet, in dem er über dessen Leben berichtet - über die meist unbeschwerte und glückliche Kindheit und Jugend, über die ersten Diskriminierungen und die Progromnacht am 9.11.1938, über die Deportation und über die grausame Zeit in einem Konzentrationslager in Auschwitz, Dachau oder Buchenwald. Sowohl authentisch als auch einfühlsam beschreibt Engelmann den individuellen Umgang eines jeden Betroffenen mit der albtraumhaften Situation und dem furchtbaren Alltag im KZ. Darüber hinaus erzählt er, wie das Leben der zehn Überlebenden nach Kriegsende, nach ihrer Befreiung weiterging. Wie sie mit ihrer Vergangenheit, in der ihnen von den Nazis tiefe Wunden zugefügt wurden, umgegangen sind und immer noch umgehen. Wie sie bewusst wieder aufgestanden sind, ihre eigene Stimme gefunden haben und sich mit dieser Stimme - die frei von Hass und Rachegefühlen ist - gegen Gewalt, Diskriminierung und gegen das Vergessen stellen. Auch heute noch engagieren sie sich für eine Erinnerungs-Kultur, indem sie Vorträge über die Shoah, den Holocaust, halten, Schulen besuchen, sich den Fragen von Teenagern stellen und Führungen durch die Gedenkstätten der ehemaligen KZs begleiten. Die eigene Meinung Tief beeindruckt und gerührt klappe ich dieses Buch zu. Die Geschichten von diesen zehn wertvollen Menschen sind mir unter die Haut gegangen und lassen mich ein Stück weit sprachlos zurück. Schon zuvor habe ich Bücher über den Zweiten Weltkrieg, die Judenverfolgung und die Grausamkeiten der KZs gelesen, mir Filme darüber angeschaut. Diese Thematik ist nicht neu, und doch lässt sie mich keinesfalls kalt, berührt und erschüttert mich immer wieder aufs Neue. Besonders, weil in diesem Buch die wahren Schicksale von Holocaust-Überlebenden dargestellt werden. Und weil die Betroffenen zwar mit Schmerz auf das Geschehene zurückblicken, dabei aber keinen Hass für die Täter empfinden. Vielmehr können sie von sich sagen, dass sie den Nazis vergeben haben - und das finde ich außerordentlich bewundernswert und rührend. Erna de Vries: "Hass habe ich nie empfunden. Und darüber bin ich ganz froh. Denn Hass ist etwas Zerstörerisches. Er zerstört nicht den, den man hasst, sondern einen selbst." Nun mag man einwenden, dass es bereits genügend Literatur und Filmmaterial über den Holocaust gebe. Warum dann noch dieses Werk? Reiner Engelmann beantwortet diese Frage in seinem Vorwort treffend: "Heute leben nicht mehr sehr viele Menschen, die das Grauen überlebt haben, um darüber zu reden. Aber wir brauchen ihre Geschichten, jetzt und in Zukunft noch mehr, wenn die Überlebenden nicht mehr unter uns sein werden. Wir brauchen sie nicht, um neu anzuklagen oder zu verurteilen. Wir brauchen sie als Erinnerung für die Zukunft. Für unsere Zukunft." "Wir haben das KZ überlebt" ist ein wichtiges Buch. Ein Buch, das aufwühlt und aufrüttelt und das sicher nicht als leichte Unterhaltungslektüre für zwischendurch geeignet ist. Auch die vom Verlag angegebene Altersempfehlung "ab 12 Jahren" halte ich für etwas zu niedrig angesetzt, es sei denn, ein erwachsener Leser begleitet den Teenager bei der Lektüre und spricht mit ihm über das Gelesene. Aber trotz des schwer zu verdauenden Inhalts ist dies ein Buch, das ich als Bereicherung empfunden habe und von dem ich wertvolle Erkenntnisse gewonnen habe: Versöhnung mit der Vergangenheit und mit den Tätern des Holocaust ist möglich. Doch die Gräueltaten der Judenverfolgung dürfen sich nicht wiederholen. Ich bin nicht dafür verantwortlich, was geschehen ist, aber ich bin dafür verantwortlich, dass es nicht noch einmal geschieht. Ich danke den zehn Zeitzeugen, dass sie ihre Geschichten mit uns geteilt haben und Reiner Engelmann, dass er sie aufgeschrieben hat. Danke an Esther Bejarano, Edward Paczkowski, Erna de Vries, Josef Königsberg, Philomena Franz, Heinz Hesdörffer, Karol Tendera, Eva Mozes Kor, Tadeus Sobolewicz und Max Mannheimer. Das Fazit "Wir haben das KZ überlebt - Zeitzeugen berichten" ist ein ergreifendes, aufwühlendes und berührendes Buch über das Schicksal von zehn Holocaust-Überlebenden. Ein Buch, das zugleich erschüttert und beeindruckt. Ein wichtiger Bericht über die Vergangenheit des Holocaust - gegen das Vergessen -, mit einer Perspektive für die Zukunft - für ein friedliches Miteinander. www.superlesehelden.com