Leserstimme zu
Unschuld

Ein echter Franzen fantastisch vorgelesen

Von: Lesetante
29.10.2015

Die junge Pip Tyler weiß nicht, wer ihr Vater ist. Das ist nicht ihr einziges Problem: Sie hat Studienschulden, ihr Bürojob in Oakland ist eine Sackgasse, sie liebt einen verheirateten Mann und ihre Mutter erdrückt sie mit Liebe und Geheimniskrämerei. Als ihr eines Tages bei Whistleblower Andreas Wolf ein Praktikum angeboten wird, hofft sie, er könne ihr bei der Suche nach ihrem Vater helfen. Sie stellt ihre Mutter vor die Wahl: Entweder diese lüftet das Geheimnis ihrer Herkunft, oder Pip macht sich auf nach Bolivien, wo Andreas Wolf sein Enthüllungswerk vollbringt. Und wenig später bricht sie auf … Dank des Hörverlages bekam ich das neue Buch des großen Jonathan Franzen als Hörbuch zur Verfügung gestellt, was mich sehr freute, denn ich höre jeden Tag auf dem Weg zur und von der Arbeit Hörbücher. Einen Schreck bekam ich, als ich die Gesamtlaufzeit sah: knappe 26 Stunden, das ist ein ganzer Monat Fahrtzeit, die ich in dieses Buch investiere. Aber gut, es ist ein Franzen, da nehme ich das gerne in Kauf. Zum Inhalt werde ich tatsächlich nichts weiter sagen, als das, was man beim Bloggerportal findet und ich schon per copy and paste oben veröffentlicht habe. Es ist mein erstes Hörbuch von Jonathan Franzen, den ich sehr mag und von dem ich schon “Die Korrekturen” und “Die 27. Stadt” gelesen habe. Momentan höre ich die zweite CD, ich habe also schon 7 Stunden des gewaltigen Romanes intus und maße mir an, das Hörbuch bewerten und empfehlen zu können. Anfänglich ist es etwas schwer in die Thematik zu finden, weswegen ich das Buch auch dreimal begonnen habe. Es erfordert eine enorme Konzentration, sonst kommt man zu schnell aus der Geschichte. Einmal den roten Faden in Händen haltend, ist die Geschichte spannend und entwickelt einen Sog, der unter anderem auch durch die fantastischen Sprecher ensteht. Die beiden Herren lesen hervorragend, verleihen den unterschiedlichen Protagonisten Leben und lassen sich Zeit, um der Geschichte den nötigen Raum zu geben, den diese braucht. Die Tonlage ist sehr angenehm, die Betonung angemessen und es macht Spaß, immer wieder von Neuem in die Handlung abzutauchen. Man muss am Ball bleiben, ansonsten ist es schwer in der Geschichte anzukommen. So gut Sascha Rotermund und Walter Kreye auch vorlesen, die Komplexität dieses Romans erfordert Aufmerksamkeit. Wie man es von dem amerikanischen Autoren kennt, entwickelt er eine Bandbreite an Themen und Inhalten, die miteinander verwoben sind. Alles in allem ergibt dieses Konstrukt einen Sinn, bruchstückhaft verliert es an Bedeutung. Deswegen sollte man sich Zeit nehmen, denn die Geschichte dankt es mit großartigen sprachlichen Leistungen und einer Geschichte, die bis in die Tiefen der DDR-Stasi-Zeit reicht.