Rezension zu
Die rote Frau

Mordkomplott in Wien- erneut Spannung pur um Emmerich und Winter

Von: Monika Caparelli-Hippert
14.11.2020

Der zweite Fall für August Emmerich und seinen Assistenten Ferdinand Winter: ein prominenter Wiener Politiker wird ermordet, aber Emmerich und Winter, die Neulinge in der Abteilung Leib und Leben, kommen nicht zum Zuge. Stattdessen dürfen sie sich um eine Schauspielerin kümmern, die einen Fluch fürchtet. Mobbing im Job 1920 – aber Emmerich lässt nicht locker und verbeisst sich in Spuren, die in höchste Kreise deuten, und plötzlich erscheint auch die anfangs nicht ganz ernstgemeinte exaltierte Schauspielerin in den Fängen eines perfiden Mordkomplotts verwickelt zu sein….mit viel kriminalistischem Gespür und Hartnäckigkeit gelingt es den beiden Ermittlern natürlich am Ende, das Dickicht zu durchdringen und die Morde (ja, Plural, es bleibt natürlich nicht bei einem Todesfall) aufzuklären. „So geht Krimi“ lobt das ORF, und ich kann erneut nur zustimmen. Das ist jetzt mein 4. Emmerich-Fall gewesen (ja, ich hab sie in einer völlig verqueren Reihenfolge angehört, das hat dem Vergnügen aber keinerlei Abbruch getan!), und ich bin wieder begeistert. Die Autorin, selbst Wienerin, lässt das historische Wien wieder aufleben, sie erzählt dermassen anschaulich, dass vor meinem innerem Auge echt ein Historienfilm abläuft. Die Nachwehen des ersten Weltkrieges, die Armut, die unruhigen politischen Verhältnisse – man ist als Leser oder Hörer live dabei. Aber auch die polizeiliche Ermittlungsarbeit ist spannend beschrieben. Das waren die Zeiten, als die Spurensicherung noch in den Kinderschuhen steckte, und die ersten Automobile aufkamen. Zum Tatort ist man noch mit der Droschke gefahren, und mal eben per Telefon Verstärkung ordern, tja, das geht nur, falls ein moderner Apparat auch in der Nähe ist. Und natürlich leben diese Krimis von den Figuren: August Emmerich, in einem städtischem Waisenhaus aufgezogen, hat schon früh gelernt, sich durchzusetzen, und ist mit einer Kriegsverletzung von der Front zurück gekommen. Er ist der Underdog, der sich den Weg nach oben hart erkämpft hat, und seine Methoden sind entsprechend unkonventionell. Ferdinand Winter dagegen sein genaues Gegenteil, aus verarmten Adel entstammend, auf den ersten Blick ein verzärteltes Weichei, auf den zweiten Blick der intelligente Gegenpart zu seinem rüpeligem Chef. Und zusammen sind die beiden ein unschlagbares Team. Trotzdem geht es immer um den jeweiligen Fall, das Privatleben der beiden wird zwar immer mal wieder angeschnitten, aber ist nie Hauptthema. Deshalb ist es auch völlig problemlos, mit welchem Band man in die Reihe einsteigt, und das finde ich immer sehr angenehm. Wie schon bei meinen anderen Rezensionen über Beer’s Krimis um Emmerich empfehle ich hier, das Hörbuch zu hören: der Wiener Schauspieler Obonya liest einfach brilliant. Er gibt allen Charakteren eine unverwechselbare Stimme, und es macht einfach Spass, ihm zuzuhören. Ich hab allein durch sein Vorlesen ganz bestimmte Bilder der Protagonisten vor Augen. Also zusammengefasst: das ist ein absoluter Krimitipp! Vielen dank an das Bloggerportal vom Randomhouse für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!