Rezension zu
Freefall – Die Wahrheit ist dein Tod

Etwas zu wenig Thriller, eher mehr Familiendrama

Von: Petzi_Maus
11.11.2020

Kurz zum Inhalt: Die 30-jährige Allison überlebt als einzige einen Flugzeugabsturz in den Rocky Mountains. Ihr Begleiter ist tot. Und Ally weiß: sie muss fort, so schnell wie möglich, denn sie wird gejagt. Kann sie aus der Wildnis vor ihrem Verfolger fliehen? Als Allisons Mutter Maggie von dem Flugzeugabsturz hört, will sie nicht an den Tod ihrer Tochter glauben. Obwohl sie seit zwei Jahren keinen Kontakt mehr zu ihr hatte, beginnt sie zu recherchieren: wer war diese Frau, zu der Allison in den letzten Jahren geworden ist? Was sie dabei herausfindet, hätte sie sich niemals träumen lassen... Meine Meinung: "Freefall" ist als Thriller deklariert, jedoch fehlt dem Ganzen ein wenig der Thrill. Es ist eine pausable Geschichte über einen Mutter-Tochter-Konflikt und über den Egoismus der Reichen, die glauben, mit allem durchzukommen und sich mit Geld alle Freiheiten erkaufen zu können; der Thrill kommt eher nur nebenher. Außerdem gibt es einige Logikfehler: einerseits wird Ally seit dem Flugzeugabsturz vom "bösen Mann" verfolgt, wobei ich mich noch die ganze Zeit wunderte, wie derjenige schneller die Absturzstelle finden konnte als die Rettungskräfte. Weiters taucht derjenige öfter in Allys Nähe auf, greift sie aber nicht an. Daher ging ich davon aus, dass sie nicht getötet werden soll. Doch gegen Ende plötzlich will der Mann sie auf einmal umbringen? Warum hat er die vielen Möglichkeiten davor nicht genutzt? Unlogisch. Ebenso die Auflösung des Täters. Laut Allys Gedanken zu Beginn war ich mir absolut sicher dass es derjenige gar nicht gewesen sein könnte, aber nach nochmaligem nachlesen habe ich gemerkt, wie geschickt die Autorin den Leser hier in die Irre führt. Allerdings hat mir die Geschichte hinter dem Mutter-Tochter-Konflikt gut gefallen. Es ist authentisch und aus dem Leben gegriffen, und ich kann hier gut nachvollziehen, warum sich Ally von ihrer Mutter distanziert hat. Ich kann aber auch Maggies Tat nachvollziehen. Und auch Maggies Recherchen über Allys Leben in den letzten Jahren und über ihren Verlobten Ben und dessen Pharmakonzern waren spannend zu verfolgen, teilweise aber etwas langatmig. Auch fand ich Maggie als Person im Gegensatz zu Allison viel besser ausgearbeitet, mit viel mehr Gefühlen und Tiefen. Allys Flucht durch die Wildnis hätte detaillierter dargestellt werden können, und oft wusste ich bei ihren Gedanken nicht, wann es um Vergangenes und wann um aktuelle Geschehnisse ging. Die Auflösung des Täters hat mich zuerst überrascht, da ich dachte, das kann gar nicht sein. Doch nach der Irreführung der Autorin zu Beginn des Buches, war es dann doch logisch und schlüssig. Von den Sprecherinnen war ich nur zur Hälfte begeistert - Gabriele Blum, die Maggie spricht, hat eine ruhige, klare Stimme, die sich gut artikuliert. Yara Blümel hingegen, die Allison spricht, hat eine für mich nervige hohe Pieps-Stimme; weiters hat sie einen 'SCH'-Aussprachefehler, weshalb es für mich leider nicht sehr angenehm war, den Parts der Allison zuzuhören. Fazit: Gute Idee des Plots; nur die Umsetzung hätte besser sein können. Ich vergebe 3,5 Sterne.