Rezension zu
A single night

Eine Liebesgeschichte, die nicht nur eine Liebesgeschichte ist

Von: Jamie
13.08.2020

Willkommen in der Welt der Mode: schöne Stoffe, raffinierte Designs und der Wunsch herauszustechen aus der Masse. Dieser Roman ist in zwei Teile aufgeteilt: der erste, wo sich Libby und Jasper treffen und eine einzige, perfekt unperfekte Nacht miteinander verbringen. Und einen zweiten Teil, in dem Libby ihrem Weg folgt und versucht durchzuhalten, und Jasper zerrissen zwischen Pflichtgefühl und dem Drang nach eigener Freiheit zwischen den Stühlen steht. Zum ersten Mal sieht Libby Jasper in New York, wo er einen begehrten Preis als Designer erhält, dieser ihm jedoch kaum egal sein könnte, denn seine Gedanken sind bei seinem besten Freund Ian, den er als Bruder ansieht. Als Ian Libby bittet bei Jasper zu bleiben, bevor er diesem eine schreckliche Nachricht überbringt, tut Libby genau das und ist Jasper vollkommen uneigennützig eine emotionale Stütze. Genau deswegen ist es eine perfekt unperfekte Nacht, eine einzige Nacht, die sich mit allen Gefühlen so sehr in Libbys Herz und Seele gegraben hat, dass sie auch 1 1/2 Jahre später daran hängt. Sie hängt an Jasper, an dieser Liebe fest, die sie damals gespürt hat und wenn man gemein sein möchte, könnte man fragen: "Eine Nacht? Mädchen, Liebe auf den ersten Blick gibt es nicht! Sei nicht so naiv!", aber ich will nicht gemein sein, denn das wäre Libby gegenüber nicht fair. Mag sein, dass sie in manchen Bereichen naiv ist, aber sie ist auch ein Freigeist, der die Mode liebt und Abenteuer gerne angeht, selbst wenn es manchmal nicht so wirkt. Sie verlässt ihr College, um ein Auslandssemester in England zu absolvieren und das einzig und alleine, wegen Alicia King, die dort unterrichtet. Eine Frau, die Libby sehr beeindruckt und aus ihrem Loch geholt hat, denn an ihrem früheren College war sie nicht glücklich. Libby ist herzensgut, freundlich, dazu bereit, jedem zu helfen und hat doch ihre Macken und verrückten Episoden, allen voran aber wünscht sie sich wahre Freundschaften und diese bekommt sie in Form ihrer drei Mitbewohnerinnen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, sich jedoch perfekt Ergänzen. Vor allem aber: Libby will Jasper als den Mann, der er ist und nicht das Genie der Modewelt. Jasper ist... naja, Jasper. Ein Genie mit Stoffen und Bahnen, die Designs scheinen ihm nur so zuzufliegen, sein Kopf steht nicht still, seine Gedanken rasen. In der Modewelt ist er zuhause und gleichzeitig scheint es, als wäre er einsam. Jasper ist grummelig, ein Playboy, nur auf Affären und One-Night-Stands raus, weil er sich sicher ist, dass keine Frau ihn lange um sich herum aushalten kann. Er ist energiegeladen, selbstsicher und eigensinnig. Und hat ein großes Pflichtgefühl, denn er ist unglücklich mit der momentanen Situation, kann sich jedoch daraus nicht lösen. Erstens vertraglich nicht, zweitens schafft er es emotional nicht, denn Ian ist sein bester Freund und sie haben so viel zusammen durchgemacht, dass er dessen Spitzen andauernd über sich ergehen lässt. Ja, die beiden streiten andauernd, aber Jasper ist es, der immer wieder verzeiht, auch wenn es ihn zerreißt. Ich muss dazu sagen, dass ich Ian im zweiten Teil wirklich hasste. Er ging mir so auf den Sender, alleine schon durch seine manipulative Art und der Tatsache, dass er Jasper immer wieder verbal so nieder machte, dass ich mich fragte, warum er sich nicht löst, aber gleichzeitig - je mehr man über Jasper erfährt - wurde mir auch klarer, warum er diese toxische Freundschaft weiter aufrecht erhält und dabei versucht, die Wogen zu glätten. Dennoch, Ian und ich werden keine Freunde. In diesem Roman wird nicht nur die Mode in den Vordergrund gesetzt, sondern ganz besonders die soziale und die psychosoziale Komponente. Es wird nicht alles durchgesprochen, aber angesprochen. Hier verlaufen Fäden, die noch mit der Vergangenheit zutun haben, Knoten wurden in meinem Kopf gelöst und neu verbunden, während ich immer tiefer eingetaucht bin. Allein schon der Umgang von Jasper mit Libby nach dem Wiedersehen sagt vieles über ihn aus. Und seine ewige Treue gegenüber Ian, die doch so schädlich für ihn selbst ist. Und Libby mag noch jung sein, aber sie ist eine starke Protagonistin und auch wenn sie ihr Herz bereits an Jasper verloren hat, heißt es nicht, dass sie es ihm leicht macht, tatsächlich muss er sich ziemlich anstrengen, auch wenn ihr jedes Treffen immer wieder weh tut, sobald sie sich zufällig sehen. Doch sie geht ihren Weg und versucht sich nicht von ihren Gefühlen abhalten zu lassen. Gerade Jasper hat in diesem Roman ziemliches durchgemacht, aber ich gestehe, dass ich diesen Chaoten sehr gerne mag. Er wirkt so selbstsicher und arrogant, doch wenn man aus seiner Sicht liest, bekommt man einen ganz anderen Einblick in ihn. Richtig schön fand ich auch, dass die Autorin ihre Mottos mit eingebaut hat: "Dream big and dirty" und "In einer Welt, in der du alles sein kannst, sei nett!" - Mottos, die ich sehr inspirierend finde und gerade das nett sein scheinen viele verlernt zu haben, wenn es keinen Vorteil für sie bringt. Fazit: 5 Sterne für diesen gelungenen Reihenauftakt! Für mich war alles dabei, von Liebe, Missgunst, Vertrauen über Freundschaft und die täglichen Hürden des Lebens, die man meistern muss, um voran zu kommen. Ich liebe es einfach nur.