Leserstimme zu
Willkommen im Hotel der Herzen

Temporeicher Hotelalltag!

Von: Igela
25.06.2020

Gretchen Wilde, ihr Schwiegervater Theo und ihre Tochter besitzen und führen ein Hotel in Cornwall. Das Hotel im kleinen Ort Port Magdalen ist ein Geheimtipp und praktisch immer ausgebucht. Was die drei mit ihren Gästen erleben, zeigt die breite Palette von lustig bis zu berührend und skurril. Nettie, die 16-jährige Tochter des Hauses, hat jedoch auch eigene Probleme, die sie verarbeiten muss, denn plötzlich fühlt sie sich zu Damien, ihrem Freund aus Kindertagen, hingezogen. Doch auch ihre Mutter möchte nicht mehr alleine durch das Leben gehen. Nettie versucht, sie mit einem Gast des Hauses, dem Schriftsteller Harvey Hamilton, zu verkuppeln … doch Gretchen hat da so ihre eigene Idee. Langweilig wird die Geschichte um die Familie Wilde und ihren Hotelbetrieb nicht, denn immer geschieht etwas Unvorhergesehenes und so wird die Story sehr vielseitig und abwechslungsreich. So wandeln drei Mitglieder der Familie auf Freiersfüssen, ein Gast hat nach dem Genuss giftiger Pflanzen gesundheitliche Probleme und ein Wasserschaden hält die Hoteliersfamilie in Atem. Dadurch ist dieser Beruf ganz und gar nicht rosarot verklärt, sondern so beschrieben, wie er vermutlich ist : Hart und arbeitsintensiv. Ab und zu hätte ich mir gewünscht, dass ein, zwei Figuren weniger in die Handlung involviert gewesen wären, denn die wird zeitweise leicht hektisch. Nur schon drei Generationen unter einem Dach ist wohl nicht immer einfach. Wenn dann noch jede der drei Generationen im Hotelalltag ihre Hand im Spiel hat, wird's wohl schnell chaotisch. Okay, die Jüngste, die 16-jährige Nettie, arbeitet nur in den Ferien im Hotel. Dafür sehr pflichtbewusst. Ich habe nicht schlecht gestaunt, als das Alter von Nettie erwähnt wurde. Denn sie agiert, reagiert und spricht nicht wie eine 16-jährige. Da ist die Pubertät wohl spurlos an ihr vorbeigezogen. Genau so wie bei ihrem besten Freund Damien. Die beiden kommen sehr erwachsen rüber. Da hätte ich mir ab und zu ein altersgemässes Aufbegehren gewünscht! Nettie war mir jedoch von Beginn weg sehr sympathisch, wohl auch aus dem Grund, weil sie eine leidenschaftliche Leserin ist. So sind die Figuren durchwegs liebevoll charakterisiert. Vor allem Gretchen hat mich berührt. Zwischendurch sind Kapitel eingeschoben, die 4,5 Jahre zuvor handeln. In diesen Kapiteln erfährt man, was mit Gretchens Mann, Nettes Vater, geschehen ist. Dadurch bekommt die Figur Gretchen sehr viel Tiefe und meine Bewunderung. Der Schreibstil der Autorin kann ich als temporeich angeben. Es gibt keine langatmige Stellen, ständig geschieht irgendwas. Dass sie bei so viel Handlung noch geschafft hat, die Stimmung der Gezeiteninsel rüberzubringen, finde ich toll. Ab und zu wurden die Belegungspläne der vier Zimmer und der Suite eingeschoben, was ich als besondere Idee einstufe. Denn so weiss man, im Anbetracht der regelmässig wechselnden Gästen, immer, wer denn nun gerade in der Story anwesend ist. Der Hotelalltag enthält witzige und lustige Passagen, bei denen ich geschmunzelt habe. Dann liest man jedoch auch Szenen, die mich weniger begeistert haben, bei denen es gewollt lustig zu und her geht. Mir hat die Geschichte um die Familie Wilde sehr gefallen und somit werde ich das Buch " Wild at Heart - Winterglück im Hotel der Herzen" ganz sicher auch lesen.