Rezension zu
Freefall – Die Wahrheit ist dein Tod

Während der Schwangerschaft Contergan und für die Wochenbettdepression Somnoblaze

Von: Karin Elsen aus Fürth /Bayern
07.03.2020

Seit der grausamen Contergan-Affäre wissen wir es, den Pharmaproduzenten ist nicht zu trauen. Im vorliegenden Thriller handelt es sich auch um solch einen Medikamentenskandal. Dabei lassen die ersten Kapitel nicht ahnen worum es hier eigentlich geht. Eine junge Frau überlebt nur knapp einen Flugzeugabsturz in den Bergen Colorados, packt ein paar lebensnotwendige Sachen aus dem Flugzeugwrack ein und flieht sofort von der Landestelle, ohne auf Such- und Rettungstrupps zu warten. Wir erfahren nicht warum sie das tut, weshalb sie so schnell wie möglich die größtmöglichste Distanz zwischen sich und dem Flugzeug bringen will. Ich musste auch ihre Umsicht bewundern, mit der sie vorgeht: sie untersucht das Flugzeugwrack nach brauchbaren Sachen für die Flucht: Seile, Decken, Kabel, praktische Kleidungsstücke. Wasser trinkt sie nur, nachdem sie es mit Jodtabletten trinkfähig gemacht hat Indes erfährt ihre Mutter von ihrem schrecklichen Unfalltod und kann nicht glauben, dass ihre Tochter nun nicht mehr leben soll. Sie versucht herauszufinden, wie Allison in den letzten zwei Jahren gelebt hat und entdeckt, ihre Tochter hat ein ganz anderes Leben geführt als sie, Maggie, geglaubt hat. Den ganzen Roman durch alternieren die Szenen: einerseits Allison auf der Flucht und stetig in Acht vor einem immer näher rückenden Feind und andererseits Maggie, die Nachforschungen anstellt und immer mehr herausfindet, wo und wie Allison gelebt hat und wieso sie in Gefahr ist. Auf der einen Seite die junge Frau die durch Wälder und unwegsames Gelände flieht und andererseits die Mutter, die Kaffee oder Tee aufsetzt, mit der Polizei oder ihrer Freundin spricht, in der Bibliothek Internetrecherche betreibt, nach San Diego fliegt um die Wohn- und Wirkenstätten ihrer Tochter zu entdecken. Während Allisons physische Flucht irgendwann langsamer wird, sprich sie muss nicht mehr selber laufen sondern hat nun ein Auto mit dem sie quer durch Amerika zu ihrer Mutter fährt, beschleunigt sich Maggies Leben, es treten neue Menschen in ihren Umkreis, helfen ihr oder bedrängen sie, bringen sie in Gefahr bis es zum großen Showdown kommt. Und da geschieht der eine kleine Schwachpunkt des Romans. Das Showdown ist ein wenig zu Hollywoodmässig aufgebaut. Bis auf den Bösen überleben alle Guten in der Szene. Aber vielleicht, wenn man am Anfang einer Thriller Karriere steht so wie Barry, zögert man zu viele „Gute“ sterben zu lassen. Wie gesagt, das ist in meinen Augen ein kleines Manko. Zwei Personen überleben direkte Schüsse aus nächster Nähe, eine davon sogar einen Kopfschuss. Ansonsten habe ich nichts auszusetzen. Die Sprache ist so richtig den dargestellten Szenen angepasst: ruhig fließend bei Maggie und abgehackt, hektisch bei Allison, um dann langsam, aber stetig zu wechseln. Es ist ein subtiler Wechsel, zum Ende wird die Sprache in den Kapiteln beider Frauen rasant und angespannt. An dieser Stelle auch ein Lob an die Übersetzerin Susanne Goga-Klingenberg, die diesen subtilen Geschwindigkeitswechsel im Schreibstil gekonnt ins Deutsche gebracht hat. Fazit: ein beachtenswertes Debüt das Jessica Barry nicht als Debütantin dastehen lässt.