Rezension zu
Mauerpost

Berührendes Stück deutscher Geschichte

Von: Buchspinat
20.06.2019

Zum Inhalt: Berlin 1988: Juli ist fast sechzehn Jahre alt und lebt schon immer im ostdeutschen Teil der geteilten Stadt. Durch ihre ältere Nachbarin „Oma Ursel“ bekommt sie per Brieffreundschaft Kontakt zu der dreizehnjährigen Ines, die in Kreuzberg in Berlin lebt. Kein ungefährlicher Kontakt. Die Briefe zwischen den beiden Mädchen müssen heimlich über die Grenze gebracht werden. Ines war noch nie im Ostteil der Stadt, um ihre Oma zu besuchen. Ihre Mutter hat seinerzeit unerlaubt die DDR verlassen und hat sämtliche Kontakte in die DDR abgebrochen. Zwischen Ines und Julia wächst das Vertrauen und immer häufiger hinterfragt Julia das System. Auch Ines versucht, etwas über die damaligen Vorkommnisse um ihre Mutter herauszufinden und bald sind die Mädchen kurz davor, ein dramatisches Familiengeheimnis aufzudecken, nichtsahnend, dass sie sich und ihre Lieben damit in Gefahr bringen…. Meine Meinung: Als sich damals die Grenzen öffnete war ich gerade 10 Jahre alt und habe davon kaum etwas mitbekommen. Ich habe zwar früher ab und an eine entfernte Verwandte in der DDR besuchen dürfen und war als Kind immer wieder erstaunt, wie merkwürdig dort die Supermärkte bestückt waren, aber mehr hatte ich dann damit auch nicht zu tun. Und nun verbringe ich alle paar Wochen immer mal wieder Zeit in Berlin und fand das Buch unheimlich interessant, gerade, weil ich die Orte, an denen die Geschichte spielt, nun auch persönlich kenne – wenngleich auch erst 30 Jahre nach dem Mauerfall. Ines und Julia fand ich unheimlich mutig. Ich weiß nicht, ob ich den Mut der beiden Mädchen jemals aufgebracht hätte. Je weiter sie dem dramatischen Geheimnis auf die Spur kommen, desto mutiger werden die beiden. Das Buch „Mauerpost“ ist in Briefform geschrieben und beleuchtet die historischen Ereignisse und das Leben Ende der 80iger Jahre in beiden Teilen Berlins sehr detailliert. Die Geschichte ist sehr unterhaltsam geschrieben und zieht den Leser bereits nach ein paar Seiten in den Bann. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie grausam es in der damaligen Zeit gewesen sein muss. Seine Lieben nicht mehr sehen können, niemals frei entscheiden können, wo man sein möchte. Nicht einfach mal sagen dürfen, was man denkt. Immer Angst davor zu haben, denunziert zu werden. Niemandem wirklich trauen zu können. Die Erzählung wird am Ende ergänzt durch eine Stadtkarte, um sich die örtlichen Gegebenheiten von Ines und Julia leichter vorstellen können, ein ausführliches Glossar und eine sehr ausführliche Aufstellung der wichtigsten geschichtlichen Ereignisse der DDR bis zum Mauerfall. Mein Fazit: Ein wichtiges Stück Geschichte in einen fesselnden Briefwechsel verpackt. Lesenswert – nicht nur für junge Leser.