Leserstimme zu
Das Kind, das nicht fragte

Ein Ethnologe der in Sizilien sein Leben neu entdeckt

Von: Alexandra Graßler
17.04.2019

Der Autor Hanns Ortheil ist ein preisgekrönter Schriftsteller mit einer ganz eigenen Geschichte. Doch dazu mehr beim nächsten Buch. Dieses Buch – das Kind das nicht fragte – ist ein Roman der sich um einen interessanten Beruf und Sizilien rankt. Der Protagonist Benjamin Merz ist Ethnologe und der jüngste von 5 Brüdern. Da seine Eltern früh verstorben sind, haben die Brüder es sich zur Aufgabe gemacht, ihm Ratschläge zu geben und versuchen sich immer wieder in sein Leben einzumischen. Dass es nicht ein idyllisches Kindheitserleben war, wird im Verlauf des Buches deutlich. Und so ergreift Benjamin auch gern die Gelegenheit nach Sizilien zu gehen und dort im Städtchen Mandlica Forschungen zu betreiben. Er tut sich nicht leicht von sich selbst zu erzählen oder sich gar zu öffnen, doch er ist ein Meister darin anderen ihre Geschichte zu entlocken. Eben der perfekte Ethnologe. Er kommt in einer Pension im Ortskern unter, die von zwei Schwestern geführt wird. Beide werden noch ihre eigene Rolle in seinem Leben spielen. Mich hat das Buch in vielerlei Hinsicht fasziniert. Man bekommt nicht nur Einblicke in ein akribisches Vorgehen und sammeln von Informationen um die Geschichte eines Ortes und der zugehörigen Menschen zu schreiben, sondern der Mensch Benjamin hat sehr viele Eigenheiten und tut sich insgesamt schwer enge Verbindungen mit anderen einzugehen. Was zu interessanten Verhaltensweisen führt und dem Blick in den Kopf von jemandem der die Welt mit anderen Augen sieht. Im Verlauf des Romans entspinnt sich eine Liebesgeschichte mit einer der Schwestern aus der Pension und darin verwoben werden Eigenheiten von Sizilianern und die wunderbare Landschaft Italiens. Es ist ein ruhiges, detailreiches und mit tiefen Gedanken beseeltes Buch, das ich sehr gerne gelesen habe.