Leserstimme zu
Auch alte Wunden können heilen

Wie alte Wunden heilen können

Von: Sonja
25.01.2019

Ein Buch, das mich nachdrücklich sehr beeindruckt hat: Im ersten Kapitel geht es darum, „wie frühe Wunden auf unser Leben wirken – und warum das Problem selten das Problem ist„. Viele Menschen suchen nach Lösungen für Symptome, wie Nervosität, Konzentrationsschwäche, Schlaflosigkeit, Kraft- und Energielosigkeit bis hin zu Depression und Burn Out. Doch häufig helfen einfache Lösungen und Selbstmedikation nicht weiter, weil das Problem tiefer, nämlich in frühen Erfahrungen, liegt. Frühe Entwicklungstraumata können die Ursache dafür sein, dass wir als Erwachsene Schwierigkeiten damit haben, uns selbst zu regulieren. Selbstregulation ist wichtig, um uns zum Beispiel nach Stress zu beruhigen, um uns zu erholen und zu entspannen, uns zu konzentrieren, mit Frust umzugehen, Gefühle und Impulse wahrzunehmen und zu kontrollieren, innezuhalten, bevor wir nach einem Reiz reagieren. Die Autorin zeigt auf, wie hinderliche Bindungsmuster entstehen. Im zweiten Kapitel beschreibt die Autorin ausführlich fünf Lernaufgaben, die wir von Geburt an haben und die wesentlich mitbestimmen, wie gut wir später für unser Leben gerüstet sind: 1. Sicherheit und Willkommensein, 2. Bedürfnisse und Sattwerden, 3. Hilfe annehmen können, 4. Selbstständigkeit und Verbundenheit, 5. Liebe und Sexualität. In diesem Kapitel beschreibt sie sehr anschaulich, wie schon die Geburt und soagar die Zeit davor prägend sind für unser Leben, auch wenn wir uns nicht aktiv daran erinnern können: „Die Prä- und Perinatale Psychologie geht davon aus, dass bei der Geburt bereits Lebensskripte für die gesamte Lebenshaltung gelegt werden. Kommen wir mit Todesangst auf die Welt, weil uns die Nabelschnur fast erdrosselt hat? (…) Oder kommen wir in Ruhe in einem warmen abgedunkelten Raum auf die Welt und werden liebevoll auf Mamas Bauch gelegt?“ Alles, was wir in uns tragen, was uns aber nicht bewusst ist, bestimmt und prägt maßgeblich unser Leben. Häufig ist uns gar nicht klar, woher die ungesunden Muster kommen. „Jede Form von Trauma ist immer eine Trennung von sich selbst, von der eigenen Körperlichkeit, und eine Trennung von anderen Menschen. Letztlich isoliert uns ein Trauma vom Leben und der Lebendigkeit.“ Die Autorin beschreibt im dritten Kapitel ausführlich, wie sich unsere Prägungen in unserem Körper und unserer Persönlichkeit ausdrücken. Deshalb ist es vor allem anderen wichtig, einen guten Bezug zu unserem Körper herzustellen und zu lernen, ihn zu fühlen und wahrzunehmen. Um aus alten Handlungsmustern auszusteigen und Heilung zu erfahren, sieht die Autorin die wichtigsten Schritte darin: „Den eigenen Körper wieder zu fühlen und darin Heimat zu finden, die Selbstregulation zu erhöhen, Emotionen regulieren zu lernen, die eigene Kontakt- und Beziehungsfähigkeit zu stärken.„ Sich nicht mit der Vergangenheit auseinandersetzen zu wollen, bedeutet, sie in einem Keller mit Falltür einzusperren. Mit einem Bein müssen wir immer auf der Türe stehen bleiben und unser Bewegungsradius ist zeitlebens sehr begrenzt. Dieser Vergleich der Autorin hat mich sehr bewegt.