Rezension zu
Der Tag X

Gewährt einen guten Einblick!

Von: Martina - Schmökerwelten
07.10.2018

Titus Müller hat ein sehr beeindruckendes Stück Zeitgeschichte, den Aufstand in der DDR am 17. Juni 1953, in einen sehr interessanten Roman verpackt. Gerade für Westdeutsche ist es eine gute Möglichkeit etwas mehr darüber zu erfahren, weil zumindest mir vieles nicht so bekannt war. Ich war erschrocken, wie stark beschnitten der Alltag in der DDR sein konnte, wie immens der Staat sich in das Privatleben gedrängt und welche Konsequenzen das für den ein oder anderen nach sich gezogen hat. Titus Müller hat für seinen Roman "Der Tag X" ein Gerüst aus historischen Fakten mit fiktiven Figuren und Schicksalen gefüllt. Der Wissenschaftler Peter Findeisen lebt mit seiner Frau und Tochter Nelly in Berlin und wird 1946 von heute auf morgen nach Russland verschleppt. Seine Ehefrau entscheidet sich dagegen, ihren Mann zu begleiten und bleibt mit Nelly zurück. Nelly, mittlerweile zu einer mutigen, jungen Frau gereift, wird kurz vor dem Abitur der Schule verwiesen, weil sie sich in einer kirchlichen Jugendorganisation der evangelischen Kirche - der "Jungen Gemeinde" - engagiert hat. Der "Jungen Gemeinde" wurden angebliche Spionage - und Sabotagetätigkeiten vorgeworfen. Für die Jugendlichen in der DDR hatte es nur eine Jugendorganisation zu geben: die FDJ. Nelly lernt den jungen Uhrmacher Wolf Uhlitz kennen. Wollf verliebt sich in Nelly. Er ist Sohn eines SED Funktionärs, möchte Nelly helfen und riskiert dabei einiges für sie. Dadurch gerät er in die Fänge der Stasi und wird zu Spitzeltätigkeiten gezwungen. Ilja ist ein russischer Soldat, der für Lawrentia Beria, nach Stalins Tod einer der mächtigsten Männer der UDSSR, als Spion nach Westdeutschland geschickt wird. Die Machenschaften in der sowjetischen Machtzentrale in Moskau, rund um Stalin, Chruschtschow, Beria und einigen anderen waren mir persönlich etwas ausschweifend und haben auch etwas meinen Lesefluss gestört, aber es gehörte nun mal dazu. Welche Rolle Ilja in Nellys Leben spielt, ist eine Weile unklar. Die Charaktere des Buches sind sehr gelungen, gut gezeichnet und wirken sehr authentisch. Der Schreibstil des Autors ist sehr angenehm. Er hat mich mit "Der Tag X" definitiv beeindruckt. Es ist ein sehr interessantes, spannendes Buch, aus dem ich unheimlich viel an Informationen mitgenommen habe.