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Special zu Hüther/Hauser »Jedes Kind ist hoch begabt«

„Die vorherrschende Auffassung von Begabung und Intelligenz ist nicht nur falsch, sondern sehr gefährlich.“
Gerald Hüther und Uli Hauser im Gespräch


Herr Hüther, die Neurowissenschaften, sagen Sie, können längst belegen, dass wir in Schule und Ausbildung unseren Kindern nicht gerecht werden. Was läuft falsch?

Unser Bildungssystem siebt nach Kriterien aus, die weder den Anforderungen der heutigen Gesellschaft noch den Fähigkeiten der Kinder entsprechen. Wenn wir so weitermachen, wird unser Land seine Zukunftsfähigkeit verlieren. Denn wir bieten nicht nur den vermeintlich „Minderbegabten“ zu wenige Chancen, es klappt auch mit den sogenannten High-Performern nicht mehr. Bestnoten in der Schule sind nicht das, worauf es für die Entfaltung eigener Begabungen und ein gelingendes Leben ankommt.

Herr Hauser, muss man nicht viel früher ansetzen? Bei den Eltern?

Natürlich, aber leider haben auch die Eltern die fatale Gleichung „Begabung = gut in der Schule“ im Kopf. Es zählt nur eines: Das eigene Kind soll zu den Besten gehören. Das erzeugt enormen Druck und in der Folge passiert etwas sehr Gefährliches: Eltern überfordern und unterschätzen ihre Kinder zugleich. Sie wollen den Kindern alle Chancen und Möglichkeiten bieten und zwingen sie deshalb immer früher in das Anforderungskorsett, das später nur messbare Leistung belohnt. Und sollten die Kinder nicht „begabt genug“ sein, gibt es ja Frühförderung, Nachhilfe, Sommerkurse – den ganzen Förderwahn. Die Hirnforschung weiß längst, dass gutes Lernen anders funktioniert: Mit Zuwendung und Zeit zu eigenständigem Entdecken und Gestalten, anhand ermutigender Vorbilder, und nicht zuletzt durch die Erfahrung, dass es auf jeden ankommt, wenn man gemeinsam etwas schaffen will.

Wollen Sie damit sagen, alle seien gleich begabt? Ist jedes Kind zum Abitur geboren?

Nochmal: Wir erleben immer häufi ger, dass Einser-Abiturienten nicht automatisch auch diejenigen sind, die später im Auf und Ab des Lebens bestehen. Picasso konnte sich nie an die Reihenfolge des Alphabets erinnern, Cezanne wurde an der Kunstschule abgelehnt und Marcel Prousts Aufsätze fanden die Lehrer zum Schreien. Im System Schule zählt am Ende nur eines: einen passablen Durchschnitt vorweisen zu können. Wer dachte, das Leben sei da, um nach Höherem zu streben, dem wird schnell beigebracht, sich lieber am Mittelmaß zu orientieren. Das gilt auch fürs Gymnasium. Wie Erziehung und Schule sein müssen, um Persönlichkeiten hervorzubringen, die Lust haben, sich einzubringen, darüber müssen wir nachdenken.

Inwiefern ist jedes Kind hoch begabt?

Unser Buch handelt von diesem neuen Verständnis von Begabung. Eine Begabung oder ein Talent ist ja zunächst nur eine Möglichkeit, um später eine besondere Fähigkeit zu erwerben und bestimmte Leistungen zu erbringen. Die Freude und Begeisterung am Lernen und an der Entfaltung der eigenen Talente ist in jedem Kind angelegt und so stark wie ein Naturgesetz. Das darf doch nicht verkümmern, wenn Kinder in die Schule gehen. Da müssen wir ansetzen.

Jedes Kind ist hoch begabt

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