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Juli Zeh

Über Menschen

Roman

Ungekürzte Lesung mit Anna Schudt
Hörbuch Download
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Der neue Roman von Bestsellerautorin Juli Zeh (»Unterleuten«)

Dora ist mit ihrer kleinen Hündin aufs Land gezogen. Sie brauchte dringend einen Tapetenwechsel, mehr Freiheit, Raum zum Atmen. Aber ganz so idyllisch wie gedacht ist Bracken, das kleine Dorf im brandenburgischen Nirgendwo, nicht. In Doras Haus gibt es noch keine Möbel, der Garten gleicht einer Wildnis, und die Busverbindung in die Kreisstadt ist ein Witz. Vor allem aber verbirgt sich hinter der hohen Gartenmauer ein Nachbar, der mit kahlrasiertem Kopf und rechten Sprüchen sämtlichen Vorurteilen zu entsprechen scheint. Geflohen vor dem Lockdown in der Großstadt muss Dora sich fragen, was sie in dieser anarchischen Leere sucht: Abstand von Robert, ihrem Freund, der ihr in seinem verbissenen Klimaaktivismus immer fremder wird? Zuflucht wegen der inneren Unruhe, die sie nachts nicht mehr schlafen lässt? Antwort auf die Frage, wann die Welt eigentlich so durcheinandergeraten ist? Während Dora noch versucht, die eigenen Gedanken und Dämonen in Schach zu halten, geschehen in ihrer unmittelbaren Nähe Dinge, mit denen sie nicht rechnen konnte. Ihr zeigen sich Menschen, die in kein Raster passen, ihre Vorstellungen und ihr bisheriges Leben aufs Massivste herausfordern und sie etwas erfahren lassen, von dem sie niemals gedacht hätte, dass sie es sucht.

Juli Zehs neuer Roman erzählt von unserer unmittelbarsten Gegenwart, von unseren Befangenheiten, Schwächen und Ängsten, und er erzählt von unseren Stärken, die zum Vorschein kommen, wenn wir uns trauen, Menschen zu sein.


Originalverlag: Luchterhand HC
Hörbuch Download, Laufzeit: 10h 11min
ISBN: 978-3-8445-4135-9
Erschienen am  14. April 2021
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.
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Rezensionen

Toller Spagat zwischen zwei wichtigen Themen

Von: Buchmomente

28.04.2021

Manches von Juli Zeh mag ich gerne, anderes aber auch nicht. Deshalb sind ihre Geschichen für mich immer ein bisschen wie eine Wundertüte. Hier hat mich der Plot sehr angesprochen, und ich war neugierig, wie die Autorin zum einen das Thema Corona-Pandemie umsetzt, zum anderes das heikle Thema Antisemitismus. Und sie hat mich nicht enttäuscht, sondern positiv überrascht – so ernst die Themen sind, ist die Geschichte trotzdem unterhaltsam, regt zum Nachdenken an und hat mich auch emotional berührt. Dora zieht mit ihrer Hündin Jochen aufs Land, weg von Berlin, wo sie sich zunehmend eingeengt fühlt, nicht nur von Corona, sondern auch von ihrem Freund. Doch Bracken ist kein idyllisches Dörfchen – das merkt sie rasch, als sie ihren Nachbarn kennenlernt, der sich als Dorf-Nazi Gote vorstellt. Obwohl sie das so gar nicht akzeptieren kann, entwickelt sich zwischen den beiden eine Art Freundschaft – und daran ist auch sein kleine Tochter Franzi nicht ganz unschuldig. Ich mochte schon den Einstieg in die Geschichte, in dem Dora über das Leben, die Pandemie, ihre „Flucht“ und vieles andere nachdenkt. Man erfährt ihre Hintergründe, warum sie sich entschlossen hat, ein Haus in Bracken zu kaufen, aber auch ihre Eindrücke vom Beginn der Corona-Pandemie – und ich gestehe, dass ich Angst hatte, darüber zu lesen, weil das Thema ja immer noch aktuell ist. Aber die Autorin hat da für mich genau den richtigen Ton getroffen – dieses „sich erinnern“, wie es anfing, wie die Situation zu Hause war, wie die erste Versuche starteten, den Mund-Nase-Schutz zu etablieren. Es hat sich für mich angefühlt wie sich erinnern, dieser „Ach ja“-Effekt, dieses „ja stimmt, so war das“. Sie hat es damit auch nicht übertrieben, sondern es geschickt mit der eigenen Geschichte um ihren Freund Robert verbunden und die daraus entstandenen Probleme in ihrer Beziehung. Auch das Thema Rassismus bzw. Antisemitismus geht sie auf eine interessante Art und Weise an – ihr Nachbar Gote bekennt sich beim Vorstellen als Dorf-Nazi und natürlich ist das ein Problem für Dora. Er hat Schreckliches getan, er weiß das und entschuldigt sich auch nicht. Und trotzdem hat auch Gote ein gutes Herz, das immer mal wieder durchblickt – oft ist er aber auch einfach nur doof und eben gar nicht liebenswert. Juli Zeh entschuldigt in keinster Weise Gotes Verhalten, zeigt Gote aber auch von anderen Seiten. Die Freundschaft, die sich zwischen beiden anbahnt, ist keine klassische im Sinne von „zusammen Pferde stehlen“ und sich gut verstehen – sie entsteht eher aus der Not heraus und zeigt sich in vielen kleinen Zwischentönen. Natürlich gibt es in der Dorfgemeinschaft Bracken nicht nur die beiden, und auch bei den anderen Dorfbewohnern hat die Autorin nicht zu den typischen Stereotypen gegriffen – und auch hier gilt: Oberflächlich betrachtet ist es keine Gemeinschaft, aber zwischen den Zeilen sind sie doch füreinander da, aber es sind tatsächlich nur sehr leise Töne. Die Geschichte nimmt dann eine Wendung, die das Thema Corona völlig vergessen lässt und bei dem es dann immer mehr um zwischenmenschliche Dinge geht. Ich mochte das, denn so wurde ich auch emotional noch einmal anders mitgerissen, und es ist ein ganz eigener Sog in der Geschichte entstanden. Den Schreibstil fand ich streckenweise wirklich gut, an vielen Stellen aber auch einfach und schlicht – so kann man der Geschichte zwar gut folgen, ich hatte aber das Gefühl, dass in diesen Abschnitten auch die Tiefe verloren gegangen ist. Gerade aber am Anfang mochte ich die klare und präzise Sprache, die ohne Schnörkel auskommt und die Dinge auf den Punkt bringt. Ich mochte die zum Teil herrschende Ironie und vor allem auch Innenansichten Doras, die zwar unbequem, aber vor allem ehrlich waren. Im letzten Drittel überwiegt dann das Geschehen rund um Dora und Gote, es gibt viele Dialoge und dadurch ist es nicht mehr so tiefsinnig. Aber – das ist Jammern auf hohem Niveau, denn ich wurde gut unterhalten, habe aber auch viel nachdenken müssen und insgesamt das Hörbuch sehr genossen. Mir bislang unbekannt war die Sprecherin Anna Schudt, deren Stimmfarbe wunderbar zu Dora gepasst hat. Sie hat eine eher dunklere Stimme, aber klar, nicht rauchig und sie hat die Geschichte großartig vorgetragen. Ich empfehle dieses Hörbuch gerne weiter und gebe 5 von 5 Sternen. Mein Fazit Juli Zeh hat den Spagat geschafft, ernste Themen wie Corona-Pandemie und Antisemitismus unterhaltsam darzustellen. Geht es am Anfang vor allem um die Gedanken der Protagonistin Dora, steht im Weiteren dann die ungewöhnliche Freundschaft zwischen ihr und dem Dorf-Nazi im Vordergrund. Mich hat das Buch unterhalten, aber auch nachdenklich gemacht – ich gebe 5 von 5 Sternen.

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Vita

Juli Zeh, 1974 in Bonn geboren, Jurastudium in Passau und Leipzig, Studium des Europa- und Völkerrechts, Promotion. Längere Aufenthalte in New York und Krakau. Schon ihr Debütroman »Adler und Engel« (2001) wurde zu einem Welterfolg, inzwischen sind ihre Romane in 35 Sprachen übersetzt. Juli Zeh wurde für ihr Werk vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Rauriser Literaturpreis (2002), dem Hölderlin-Förderpreis (2003), dem Ernst-Toller-Preis (2003), dem Carl-Amery-Literaturpreis (2009), dem Thomas-Mann-Preis (2013), dem Hildegard-von-Bingen-Preis (2015) und dem Bruno-Kreisky-Preis (2017) sowie dem Heinrich-Böll-Preis der Stadt Köln (2019). 2018 wurde sie mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Im selben Jahr wurde sie zur Richterin am Verfassungsgericht des Landes Brandenburg gewählt.

www.juli-zeh.de

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Anna Schudt

Anna Schudt, geboren 1974, besuchte die Otto-Falckenberg-Schule und stand in der OFS-Aufführung "Krach in Chioggia" als Checca zum ersten Mal auf der Bühne des Werkraumtheaters. Ihre erste große Rolle war 1995 die Gesangsschülerin Klara Hühnerwadel in Frank Wedekinds "Musik". Nach zwei Spielzeiten an der Berliner Schaubühne unter Thomas Ostermeier – dort war sie u.a. in "Personenkreis 3.1" von Lars Noren und "Das Lied vom Sag-Sager" von Daniel Danis zu sehen – kam sie mit Dieter Dorn 2001 ans Bayerische Staatsschauspiel. Auch im Fernsehen spielt Anna Schudt immer wieder Rollen in Serien und Filmen (darunter "Gespenster" 2005). Seit Januar 2006 war Anna Schudt als Maria Stuart im gleichnamigen Drama auf der Bühne des Residenztheaters in München zu sehen, 2010 gab sie die Anna Karenina am Düsseldorfer Schauspielhaus. Seit Herbst 2012 ist Anna Schudt als Dortmunder "Tatort"-Ermittlerin zu sehen. Für ihre schauspielerische Leistung erhielt sie bereits mehrere Auszeichnungen.

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