Northanger Abbey

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Jane Austens wunderbar witzige Satire auf den Schauerroman erstmals im Hörspiel

Gotische Abteien, gruselige Mönche, verworrene Handlungen – die junge Catherine Morland liebt Schauerromane! Sie reist mit Freunden der Familie für einige Wochen nach Bath, wo sie sich in den charmanten Henry Tilney verliebt. Als sie von dessen Schwester und deren Vater auf den Familiensitz Northanger Abbey eingeladen wird, sagt sie begeistert zu. Durch ihre sich überschlagende Phantasie manövriert sie sich dort allerdings in die eine und andere peinliche Lage...

Silke Hildebrandt verwandelt Jane Austens Debütroman mit vielen Stimmen und der Musik von Jakob Diehl in ein schwungvolles Hörspiel voller Esprit.

Mit den Stimmen von Ulrich Noethen, Anna Drexler, Anne Müller und vielen anderen

Produktion: Hessischer Rundfunk 2019

(Laufzeit ca. 2h 30)


Aus dem Englischen von Andrea Ott
Originaltitel: Northanger Abbey (John Murray)
Originalverlag: Manesse
Musik von Jakob Diehl
Bearbeitet von Silke Hildebrandt
Hörbuch Download, Laufzeit: 2h 11min
ISBN: 978-3-8445-3610-2
Erschienen am  14. Oktober 2019
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Schauerromane und Romanzen

Von: Riana White

14.09.2020

Jane Austen ist einer DER Namen, wenn es um Romane geht. Northanger Abbey wird oftmals als „satirische Version eines Schauerromans“ betitelt, passend zu der Vorliebe der jungen Protagonistin - dem naiven Bücherwurm Catherine Morland. Bei einer Reise mit Freunden lernt Catherine unter anderem den charmanten Henry Tinley kennen, zu dem sie mit der Zeit eine (sehr) tiefgehende Freundschaft entwickelt. Als sie von seiner Familie nach Northanger Abbey eingeladen wird, scheint ihre Fantasie, durch die vielen gelesenen Romane beflügelt, mit ihr durchzugehen. Es ist nicht wie ein normales Hörbuch, sondern dank der 14 Sprecher ist es ein herrliches Hörspiel für Erwachsene geworden. Sowohl die verschiedenen Stimmen, als auch die Musik geben dem Hörer einen lebendigen Eindruck in die damalige Zeit und die gesellschaftlichen Gepflogenheiten. Wirklich gegruselt habe ich mich natürlich nicht, aber es war toll, etwas anderes von Jane Austen kennengelernt zu haben (als immer nur „Stolz und Vorurteil“).

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"Northanger Abbey" als Hörspiel

Von: Katlin

19.03.2020

“Northanger Abbey” ist mein Lieblingsroman von Jane Austen und Henry Tilney ist mein Lieblings-Austenheld. Jane Austen liefert mit “Northanger Abbey” (1817) eine sehr pointierte, sarkastische Parodie auf das damals zu Beginn des 19. Jahrhunderts sehr beliebe Schauer-Genre: Ihre Heldin Catherine Morland liest “Die Geheimnisse von Udolpho”, den Grusel-“Bestseller” von Ann Radcliffe von 1794, und beginnt selbst überall Geister zu sehen und sich für die Heldin in einem Gruselroman zu halten. Ihr zur Seite steht der junge Geistliche Henry Tilney, den ich so sehr mag, weil er ein sehr untypischer Austenheld ist: Er ist höflich, aber gleichzeitig der König der zweischneidigen Komplimente und hat für die Entstehungszeit des Romans, um 1800, sehr “unmännliche” Interessen: Literatur und Mode. Dass Jane Austen sich selbst in Henry Tilney, der Catherine immer mit einem guten Ratschlag zur Seite steht, gespiegelt haben könnte, ist sehr gut möglich und genau das macht ihn als Helden so überzeugend. Auch darüber hinaus ist “Northanger Abbey” ein Roman voller spannender Figuren und einfach die perfekte Mischung aus Austen-Romantik, Schauerroman und Austens ironischem Blick auf ihre Gesellschaft und den Schauerroman-Hype des frühen 19. Jahrhunderts. “Northanger Abbey”, das bereits 1803 geschrieben wurde, behält sich zudem noch den sehr zynischen Ton von Austens frühen Werken, der in “Emma” (1815) und “Stolz und Vorurteil” (1813) nicht mehr so stark durchkommt. “Northanger Abbey” ist also vieles in einem: Gesellschaftsroman, Parodie, Schauerroman, aber auch vor allem die Coming-of-Age-Geschichte seiner siebzehnjährigen Heldin Catherine Morland, die aus ihrer beschützten Idylle auf dem englischen Land gerissen wird, und nicht nur lernt, dass Romane nicht der Wirklichkeit entsprechen, sondern auch die nicht so schönen Seiten ihrer Gesellschaft entdeckt. Diese Geschichte hat der Hessische Rundfunk also 2019 in einem zweistündigen Hörspiel umgesetzt. Und wie ist das gelungen? Ich habe “Northanger Abbey” schon in vielen Varianten gehört, gelesen und gesehen. Jane Austens Originalroman natürlich und die Filmversion von 2007 mit Felicity Jones und J.J. Feild, oder auch Val McDermids Neuerzählung von 2014, die aus “Northanger Abbey” einen in der Gegenwart spielenden YA-Roman macht. Auf die deutsche Hörspielvariante vom Hessischen Rundfunk war ich deshalb natürlich sehr gespannt, denn ähnlich wie bei einem Film ist es sicherlich nicht leicht einen Roman in ein zweistündiges Hörspiel zu übersetzen. Dem Team hinter dieser Fassung ist das meiner Meinung nach jedoch sehr gut gelungen. Silke Hildebrandt hat es geschafft die Geschichte nicht nur verständlich und klar aufzuarbeiten, sondern sie auch in ein unterhaltsames Hörspiel umzuwandeln, das man genau wie einen Film gebannt verfolgt, Kopfkino inklusive. Besonders die musikalische Untermalung von Jakob Diehl ist gelungen und sorgt für sehr viel Regency-Atmosphäre auf den Bällen, die Catherine in Bath besucht, aber auch in den unheimlicheren Momenten auf Northanger Abbey. Es sind aber natürlich auch die Sprecher.innen, die diese Hörspielfassung so hörenswert machen. Anna Drexler spricht Catherine Morland wunderbar naiv und gibt ihr einen ganzen eigenen Ton, der ihren Charakter gut widerspiegelt. Auch Max Bretschneider als Henry Tilney hat mir sehr gut gefallen, sowie natürlich der Erzähler Ulrich Noethen, der nicht nur als Schauspieler bekannt ist, sondern auch als beliebter Leser für Hörbücher und -spiele. Hier passt sein leicht ironischer Tonfall sehr gut zu Jane Austens Schauerromanparodie. Das Hörspiel ist mit sehr viel Liebe zum Detail gestaltet. Ich mochte besonders, dass Szenen aus Catherines Lieblingsbuch “Die Geheimnisse von Udolpho” vorgelesen wurden, immer dann, wenn Catherine sich in dem Buch verliert. Das einzige, das ich leider nicht ganz nachvollziehen konnte war, warum diese Szenen Englisch belassen wurden, sodass sie für Hörer.innen, die nicht so gut Englisch verstehen können, schon allein wegen des dichten Queen’s English des Lesers vielleicht schwer zu verstehen sein könnten. Die neue “Northanger Abbey”-Hörspiel-Fassung vom Hessischen Rundfunk ist jedoch trotz dieses kleinen Minuspunkts für alle Austen-Fans auf jeden Fall zu empfehlen. Das Hörspiel bleibt dem Roman sehr treu und erzählt die Geschichte verständlich und vor allem atmosphärisch in etwas über zwei Stunden, toll gesprochen und erzählt von den Darsteller.innen und mit wunderschöner Musik untermalt, die nicht nur Bath im Winter Ende des 18. Jahrhunderts lebendig macht, sondern auch das düstere, alte Herrenhaus Northanger Abbey und seine Ländereien. Musik, Geräuschkulissen auf Straßen, Bällen oder in der Natur, Sprecher.innen und auch die moderne, aber trotzdem für die Epoche passende Übersetzung von Andrea Ott machen das Hörspiel sehr rund, sodass es meiner Meinung nach mit der britischen Hörspielfassung mit Emma Thompson, Lily Cole und Douglas Booth durchaus mithalten kann und mir in einigem sogar besser gefallen hat. Silke Hildebrandts Umsetzung hat einfach etwas sehr Lebendiges, das einen das Hörspiel am Stück durchhören lässt und Spaß macht. Auch allen Hörspiel-Fans, die mit Austen bisher vielleicht nicht so viel anfangen konnten, aber historische Hörspiele mögen, würde ich diese Fassung von Austens wohl ungewöhnlichstem Roman auf jeden Fall ans Herz legen, da das Hörspiel atmosphärisch und unterhaltsam einfach eine gute Geschichte erzählt. Ich werde mir auf jeden Fall auch die weiteren Jane-Austen-Hörspiele mal genauer ansehen, die der Hessische Rundfunk seit 2019 produziert hat, und dieses hier auf einer langen Auto- oder Zugfahrt sicherlich auch noch einmal anhören.

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Vita

Jane Austen

Jane Austen (1775-1817) wurde in Steventon, Hampshire, geboren und wuchs im elterlichen Pfarrhaus auf. Nach Meinung ihres Bruders führte sie »ein ereignisloses Leben«. Sie heiratete nie. Ihre literarische Welt war die des englischen Landadels, deren wohl kaschierte Abgründe sie mit feiner Ironie und Satire entlarvte. Psychologisches Feingefühl und eine lebendige Sprache machen ihre scheinbar konventionellen Liebesgeschichten zu einer spannenden Lektüre. Vor einigen Jahren wurde Jane Austen auch vom Kino wiederentdeckt: »Sinn und Sinnlichkeit« mit Emma Thompson und Kate Winslet gewann 1996 den Golden Globe als bester Film des Jahres und den Oscar für das beste Drehbuch; »Stolz und Vorurteil« mit Keira Knightley war 2006 für vier Oscars nominiert. »Emma« wurde 2009 vom BBC als vierteilige Fernsehserie gezeigt und mit einem Emmy ausgezeichnet. »Verstand und Gefühl« wurde 2011 gleich zweimal, 2014 ein weiteres Mal in modernen Adaptionen verfilmt. Im Hörverlag sind von Jane Austen bereits »Stolz und Vorurteil« und zuletzt »Northanger Abbey« erschienen.

Zur Autor*innenseite

Ulrich Noethen, geboren 1959, begann seine Schauspielkarriere am Theater. Anfang der 90er Jahre wechselte er zum Fernsehen. Der große Durchbruch gelang ihm 1997 mit Joseph Vilsmaiers »Comedian Harmonists«. Seitdem war er in unzähligen Kino- und TV-Produktionen zu sehen. Er wurde u. a. mit dem Grimme-Preis, dem Goldenen Löwen, dem Bundesfilmpreis und dem Preis der deutschen Filmkritik ausgezeichnet.

Anna Drexler, geboren 1990, trat bereits in jungen Jahren an den Münchner Kammerspielen auf, zu deren festem Ensemble sie von 2013 bis 2017 gehörte. Seit 2018 ist sie am Schauspielhaus Bochum engagiert. Außerdem ist sie in verschiedenen TV-Produktionen zu sehen, u. a. »Zwei allein«, »Das Leben danach« und »Tatort«. 2014 wurde Drexler mit dem Bayerischen Kunstförderpreis ausgezeichnet.

Anne Müller, geboren 1982, absolvierte ihre Schauspielausbildung an der Hochschule für Musik und Theater Hannover. 2008 wurde sie bei der Kritikerumfrage von »Theater heute« zur Nachwuchsschauspielerin des Jahres gewählt. Sie war Ensemblemitglied am Schauspiel Frankfurt sowie am Maxim Gorki Theater Berlin und gehört seit der Spielzeit 2013/14 zum Ensemble des Deutschen Schauspielhauses Hamburg.

Max Brettschneider, geboren 1989, erhielt noch vor dem Abschluss seines Studiums an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch ein Engagement am Schauspiel Frankfurt. Er wirkte unter anderem in den Fernsehproduktionen »Willkommen bei den Honeckers« und »Charité« mit und war zuletzt im Kinofilm »100 Dinge« zu sehen.

Andrea Ott

Andrea Ott, geboren 1949, hat sich als Übersetzerin englischer und amerikanischer Literatur einen Namen gemacht. Für den Manesse Verlag hat sie Meisterwerke u.a. von Jane Austen, Anthony Trollope, Charlotte Bronte, Elizabeth Gaskell, Henry James, Edith Wharton und Upton Sinclair ins Deutsche gebracht.

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Jakob Diehl

Jakob Diehl wurde 1978 in Paris geboren. Von 2001 bis 2006 studierte er Komposition bei Friedrich Goldmann an der Universität der Künste Berlin. Seit 2002 schreibt er Konzertmusiken für unterschiedliche Besetzungen, sowie Film-, Theater- und Hörspielmusik. Bei Deutschlandradio Kultur arbeitete er von 2006 bis 2009 auch als Regieassistent im Bereich Hörspiel. Daneben ist Jakob Diehl auch als Schauspieler im Theater und Film tätig, er war zum Beispiel in "Der Baader Meinhof Komplex" (2007) und "Lichtjahre" (2013) zu sehen. Er lebt seit 2008 als freischaffender Komponist und Schauspieler in den Niederlanden.

Silke Hildebrandt

Silke Hildebrandt, geboren 1970 in Darmstadt, studierte Geschichte und Philosophie in Heidelberg und Köln. Im Anschluss war sie in der freien Theaterszene aktiv und als Regieassistentin für die Hörspiel und Feature-Abteilung des WDR tätig. Dort arbeitete sie unter anderem mit den bekannten Hörspielregisseuren Walter Adler, Norbert Schaeffer und Leonhard Koppelmann zusammen. Seit 2005 realisiert sie als freie Regisseurin und Bearbeiterin Hörspiele und Feature, mit denen sie namhafte Preise gewann.

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