Karen Dionne

Die Rabentochter

Fünfzehn Jahre ist es her, dass die damals 11-jährige Rachel Cunningham ihre Mutter erschoss. Ein tragischer Unfall – so ihre Erinnerung. Seither lebt Rachel freiwillig in einer psychiatrischen Klinik, ohne ihre Schuldgefühle je überwunden zu haben. Doch Trevor Lehto, ein Bekannter und angehender Journalist, möchte für eine Reportage mehr über den damaligen Fall herausfinden. Auch in Rachel erwacht der Wunsch, sich endlich der ganzen Wahrheit zu stellen. Wild entschlossen verlässt sie die Klinik und fährt zu ihrer Tante Charlotte und ihrer Schwester Diana, die im Elternhaus von Rachel und Diana leben, einem herrschaftlichen Jagdhaus. Damit begibt sich Rachel jedoch in höchste Gefahr, denn die beiden hüten ein tödliches Geheimnis ...



DEUTSCHE ERSTAUSGABE
Aus dem Amerikanischen von Andreas Jäger
Paperback, Klappenbroschur, 352 Seiten, 13,5 x 20,6 cm
ISBN: 978-3-442-48934-3

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HEUTE
Rachel

Manchmal, wenn ich die Augen schließe, halte ich ein Gewehr in den Händen. Meine Hände sind klein, meine Finger kurz und dick. Ich bin elf Jahre alt. Das Gewehr an sich ist nichts Besonderes, nichts unterscheidet es von irgendeinem anderen Remington. Außer dass es das Gewehr ist, das meine Mutter getötet hat.
In meiner Vision stehe ich vor meiner Mutter, die am Boden liegt. Das Gewehr zielt auf ihre Brust. Ihr Mund ist offen, und ihre Augen sind geschlossen. Ihre Brust ist rot.
Mein Vater kommt zur Haustür hereingestürmt. »Rachel!«, schreit er, als er mich sieht. Er fällt auf die Knie, nimmt meine Mutter in die Arme und blickt zu mir auf, seine Züge entstellt von Schock und Entsetzen. Lange Zeit wiegt er meine Mutter in den Armen, als ob sie ein Baby wäre. Als ob sie noch lebte. Schließlich legt er sie behutsam auf den abgetretenen Parkettboden und richtet sich langsam auf. Er nimmt das Gewehr aus meinen zitternden Händen, sieht mich an mit einem Schmerz, so groß, dass ich ihn nicht begreifen kann, und richtet das Gewehr gegen sich selbst.
Es war anders, sagt die Seidenspinne, die in der Mitte ihres Netzes sitzt, in einer Ecke des Zimmers, wo die Putzfrauen nie wischen. Dein Vater hat erst deine Mutter getötet und dann sich selbst.
Ich verstehe nicht, warum die Spinne lügt. Normalerweise sagen Spinnen die Wahrheit.
»Woher willst du das wissen?«, kann ich mir nicht verkneifen zu fragen. Sie war nicht dabei, als meine Eltern starben. Ich schon.
Die Spinne betrachtet mich ernsthaft mit ihren acht glänzenden Augen. Ich weiß es, sagt sie. Wir alle wissen es.
Ihre Jungen wuseln an den Rändern des Netzes umher, winzig wie Staubkörnchen, und nicken.
Ich will der Spinne sagen, dass sie sich irrt, dass ich besser als alle anderen weiß, was an dem Tag passiert ist, als meine Eltern starben, und das ich die Konsequenzen des Verbrechens, das ich als Kind begangen habe, besser verstehe, als sie es je können wird, denn schließlich lebe ich seit fünfzehn Jahren damit. Wer einmal einen Menschen getötet hat, ist für immer gebrochen, zerschlagen in so viele unendlich kleine Teile, dass nichts und niemand sie je wieder zusammensetzen kann. Fragen Sie irgendeinen Autofahrer, der im betrunkenen Zustand einen Fußgänger überfahren hat; fragen Sie irgendeinen Jäger, der seinen Freund oder Schwager mit einem Hirsch verwechselt und erschossen hat.
Fragen Sie irgendeine Frau, die ein geladenes Gewehr in der Hand hielt, als sie noch zu klein war, um vorherzusehen, was passieren würde.

Karen Dionne
© Robert Bruce 2020

Die Autorin: Karen Dionne

Karen Dionne hat in jungen Jahren mit ihrem Mann und ihrer kleinen Tochter ein alternatives Leben in einer Hütte auf der Upper Peninsula geführt. Ihre Erfahrungen in der Wildnis von Michigan inspirierten sie zu ihrem Psychothriller-Debüt und großen Bestseller »Die Moortochter«, dem mit »Die Rabentochter« wieder ein packender Psychothriller folgt. Heute lebt Karen Dionne mit ihrem Mann in einem Vorort von Detroit, wo sie an weiteren Spannungsromanen schreibt.

Das sagen die Leser*Innen über "Die Rabentochter"

Athesia Buch GmbH
Von: Heidi Haspinter
13.04.2021

Rachel ist seit 15 Jahren in psychiatrischer Behandlung. Ihr Alltag wird bestimmt von Therapien, Medikamenten und ihrer Schuld. Doch dann ändern zwei Sätze plötzlich alles. Sie beginnt zu zweifeln und zu hoffen. Ist sie doch keine Mörderin? Der einzige Weg, die Wahrheit herauszufinden, ist der Weg zurück nach Hause. Denn die Antworten, die Rachel so verzweifelt sucht, sind in ihrer Vergangenheit begraben. Ein atemberaubender Psychothriller, in dem falsche Erinnerungen und Annahmen eine Tragödie der Irrungen auslösen. Und dessen Hauptfigur mit Schuldgefühlen, Verzweiflung, Zorn und Fassungslosigkeit zu kämpfen hat. Unbedingt lesen.

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Solide aber nicht überzeugend

04.03.2021

Ich hatte von der Autorin schon durch die Moortochter gehört, aber da bin ich nur um das Buch rumgeschlichen habe es aber nie gekauft. Bei diesem Buch habe ich das Cover gesehen und dazu den Klappentext, nach dem Lesen der Leseprobe war für mich klar, ich muss dieses Buch kaufen.
Man ist direkt in der Geschichte drin, denn wir lernen als erstes Rachel in ihrer aktuellen Situation in der Klinik kennen. Sie war mir von Beginn an sympathisch und was sie erleben und durchmachen musste tat mir einfach nur leid. An ihr wird uns deutlich aufgezeigt, welche merkwürdigen Wege unser Gehirn wählt wenn wir Traumatisches erleben.
Die gesamte Handlung wird uns aus zwei Perspektiven erzählt, also Vergangenheit und Gegenwart. Das macht das ganz dynamisch und eröffnet uns einen weiteren Blick auf das Geschehen. War das Buch deswegen ein Pageturner? Stellenweise... ich fand die Grundstory wirklich interessant und wollte natürlich auch wissen wie es ausgeht. Aber nachdem die Rahmenhandlung bekannt war empfand ich es stellenweise als langatmig und war sogar teilweise etwas genervt, weil ich dachte es geht nie vorwärts. Man erfährt zwar immer wieder häppchenweise neue Details und man legt sich im Kopf auch eigene Theorien zurecht, aber wenn man das Gefühl hat die Handlung stagniert werde ich zumindest schnell ungeduldig. Und auf den letzten 80 Seiten kommt Bewegung in die Sache alles geht Knall auf Fall und alles fügt sich an seinen Platz. Hat das Buch damit einen perfekten Abschluss? Also es bleibt eventuell nur eine Frage offen und alle anderen werden beantwortet, aber perfekt ist was anderes. Es geht dann wirklich Schlag auf Schlag und alles fügt sich so perfekt und für alles gibt es die passende Lösung, dass es für mich total überzogen und unrealistisch war. Ich kann dies leider hier nicht ausführen, da ich sonst das gesamte Buch spoilern würde was ich nicht möchte.
Mein Fazit zu diesem Psychothriller: eine gute Grundstory, sympathische Charaktere und passende Antihelden mit einem Ende, dass nicht offen gehalten wurde. Allerdings hat sich alles zu sehr gefügt, mit Längen in der Mitte und Überstürzung am Ende. Ich fühlte mich auf den letzten 30 Seiten ein wenig abgefertigt. Ein solider Psychothriller, der mich leider nicht ganz überzeugen konnte.

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Mehr Spannung von Karen Dionne

Die Moortochter

Helena Pelletier lebt in Michigan auf der Upper Peninsula. Sie ist eine ausgezeichnete Fährtenleserin und Jägerin – die Fähigkeiten hierzu hat sie von ihrem Vater gelernt, als sie in einer Blockhütte mitten im Moor lebten. Für Helena war ihr Vater immer ein Held – bis sie erfahren musste, dass er in Wahrheit ein gefährlicher Psychopath ist. Seit dreizehn Jahren sitzt er nun im Hochsicherheitsgefängnis. Doch als Helena eines Tages in den Nachrichten hört, dass ihr Vater von dort entkommen ist, weiß sie sofort, dass er sich im Moor versteckt. Nur Helena ist in der Lage, ihn aufzuspüren. Es wird eine brutale Jagd, denn er hat noch eine Rechnung mit ihr offen ...



Aus dem Amerikanischen von Andreas Jäger
Taschenbuch, Klappenbroschur, 384 Seiten, 12,5 x 18,7 cm
ISBN: 978-3-442-48818-6

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