Der Glanz einer edlen Epoche. Der Aufstieg einer großen Dynastie.

Deutschland 1866. Die kleine Porzellanmanufaktur Strehlow steht vor einer glorreichen Zukunft. Gräfin Thyra von Hardenstein ist die einzige Erbin des Patriarchen. Sie soll einst die Geschicke des Unternehmens lenken und den Traum ihres Vaters verwirklichen: Porzellan, das weiße Gold der fürstlichen Tafeln, für einfache Leute erschwinglich zu machen. Doch dann kommt die hochschwangere Thyra bei einem tragischen Kutschunfall ums Leben. Entgegen jeder Erwartung kann ihr ungeborenes Kind gerettet werden. Sämtliche Hoffnungen liegen nun auf der jungen Sophie, die das Erbe antreten könnte, wenn sie alt genug ist. Doch auf dem Mädchen lastet ein dunkles Geheimnis.

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PROLOG – Sophie.
Wohldenbach 1953.


Es sind seltsame Dinge, an die die Menschen ihr Herz hängen: schöne Kleider und funkelnde Steine, edle Pferde und schnelle Automobile. Manche dieser Leidenschaften können wir verstehen, manche teilen wir sogar, andere dagegen werden uns auf ewig ein Rätsel bleiben.
Doch das ist nicht das Seltsamste. Das Seltsamste ist, dass selbst derjenige, der sich ganz und gar einer solchen Leidenschaft hingibt, seine Mühe haben wird, das Warum zu erklären. Die geschmeidig fließende Seide, das Schimmern des edlen Steins, die majestätische Eleganz des Rennpferds: Wenn sie doch allesamt die Herzen von Menschen höher schlagen lassen, warum kommt unserem eigenen Herzen gerade diese eine Sache so nahe? Wer nicht selbst gefangen ist von ihrer Schönheit, wird niemals vollständig ergründen können, was an ihr so Besonderes sein soll.
Ich kann mich an keine Zeit erinnern, in der ich Porzellan nicht geliebt hätte. Auf Anhieb könnte ich tausend Gründe nennen, die meine Faszination für das weiße Gold erklären.
Porzellan war kostbarer als Gold, jahrhundertelang. Wer auch nur einige wenige Stücke sein eigen nennen wollte, war gezwungen, sein Leben aufs Spiel zu setzen auf der gefährlichen Reise an den chinesischen Kaiserhof. Menschen töteten und starben für Porzellan, und die ersten, denen es hierzulande gelang, sein Geheimnis zu enträtseln, wurden bewundert und gefürchtet als Magier und Alchimisten.
Doch ist das die Antwort? Ganz zweifellos ist es eine Antwort. Doch ist es meine Antwort nach einem ganzen Leben, das auf so schwindelerregende Weise im Zeichen des weißen Goldes stand?
Es ist eine lange Geschichte, die Geschichte des Porzellans in dieser Familie. Eine Geschichte von Liebe und Hass, von hochfliegenden Träumen und von brennenden Leidenschaften. Eine Geschichte von Treue und Verrat und von bitterem Verzicht. Und da es sich um eine Geschichte handelt, in der sich die Dinge immer wieder anders verhalten werden, als sie zunächst erscheinen mögen, versteht es sich von selbst, dass sie nicht aus einem einzigen Blick erzählt werden kann.
Denn Porzellan verändert sein Gesicht, je nachdem, wie das Licht auf das kostbare Material fällt. Und um zu werden, was es ist, muss es durchs Feuer gehen. So ist es keine Überraschung, was manche behaupten: dass es von innen her leuchte. Porzellan ist hart wie Stein, und doch ist es zerbrechlich wie wenig anderes auf der Welt. Denn auch das ist ein Teil seines Geheimnisses: Der einzig sichere Beweis, dass ein Gegenstand wahrhaftig Porzellan ist, lässt sich nur an den Scherben führen, nachdem er zerbrochen ist.
Und ist es nicht genau das, was die Menschen in dieser Familie wieder und wieder haben erkennen müssen? Heute bin ich die Einzige, die von all dem zu berichten weiß.
Und es ist an der Zeit, diese Geschichte zu erzählen. Doch dazu muss ich vor dem Anfang beginnen.



Gut Hohensandau, Sommer 1866

»Und ich habe mich eben doch nicht getäuscht!«, verkündete Martha mit dem Brustton der Überzeugung. »Eine der Frauen aus der Küche hat ihn auch gesehen. Oder doch beinahe. Sie hat ihn gerochen, sagt sie. Selbst heute Morgen noch hat es nach Kampfer gerochen auf der hinteren Treppe. Über die haben sie ihn nämlich eingelassen. Schließlich sollte niemand mitbekommen, dass er da war. Aber ich habe es natürlich trotzdem mitbekommen.«
Ächzend richtete sie sich ein Stück auf und stützte die Hände auf die stattlichen Oberschenkel. »Und es war nicht der Arzt aus dem Dorf«, betonte sie. »Es war der Physicus aus der Stadt mit seinem hohen Zylinder.«
Theresa warf ihr nur einen knappen Blick zu. Mit einer geübten Bewegung ließ sie die Grabegabel in den feuchten Boden gleiten, tastete sich voran und zog das Werkzeug mit einer angedeuteten Drehung wieder zurück, sobald sie auf Widerstand stieß. Sie wechselte zu der kleinen Schaufel, um die Kartoffelknolle unter dem vertrockneten Kraut freizulegen.
»Und seine Kutsche hat die ganze Zeit auf ihn gewartet«, beharrte Martha in einem fast beleidigten Tonfall. »Mehr als eine Stunde lang muss er sich im Schlafgemach der Gräfin aufgehalten haben.«
Als hätte ihr jemand widersprochen, dachte Theresa. Als hätte überhaupt jemand ein Wort gesagt, mit Ausnahme ihrer üppigen Freundin. Zu ihrer Rechten stocherte Ilsa im Boden, tief über die dunkle Krume gebeugt, während die Frauen sich in den Furchen des Kartoffelackers Seite an Seite vorarbeiteten.
»Der Graf sei ganz krank vor Sorge, heißt es«, fuhr Martha mit versonnener Stimme fort. »Seit mehr als einer Woche hat er der Herrin keine Ausfahrt erlaubt, aus Furcht, dass ihr oder dem Kind etwas geschehen könnte.«
»Das Kind würde verhungern!«, zischte Ilsa unvermittelt.
»Oder ihre Herrschaft selbst würde Hungers sterben, bevor sie es noch zur Welt gebracht hat! Wenn sie auf dich angewiesen wären.« Sie warf ihr über Theresas Rücken hinweg einen bösen Blick zu. Mittlerweile waren sie der schwatzhaften Martha bereits mehrere Pflanzreihen voraus.
Wieder schaute Theresa nur rasch über die Schulter, aber dann doch lange genug, um zu sehen, wie Martha voller Empörung den Mund öffnete und wieder schloss. Wie ein Fisch, der unversehens an Land gespült worden war.
Nur für einen Moment allerdings. Einen Atemzug später ging ein plötzlicher Ruck durch ihre Gestalt, und schon duckte auch sie sich wieder über die Kartoffelpflanzen – und zwar unmittelbar an der Seite ihrer Freundinnen. Sie musste mehrere Pflanzen ausgelassen haben. Im selben Augenblick sah Theresa auch den Grund dafür: In den Schatten der herrschaftlichen Gebäude war die stämmige Gestalt von Justus Brandt zu erkennen, der dem betagten Gutsverwalter seit dem Frühjahr zur Hand ging – und der sich Chancen auf dessen Nachfolge ausrechnete, wie man im Gesinde munkelte. Worin seine eigentlichen Aufgaben im Augenblick bestanden, war nicht ganz klar.

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Florian Busch
© Hamsterdrache

Über den Autor

Florian Busch ist das Pseudonym des Autors Stephan M. Rother. Er wurde 1968 in Wittingen geboren und studierte Geschichte, Kunstgeschichte und Philologie in Göttingen. Fünfzehn Jahre war er als »Magister Rother« mit historischen Bühnenprogrammen unterwegs. Unter dem Namen Benjamin Monferat hat er die erfolgreichen Romane »Welt in Flammen« und »Der Turm der Welt« veröffentlicht. Der Autor ist verheiratet und lebt heute in Bad Bodenteich.

Im Interview

Interview mit Florian Busch

Das sagen die LeserInnen

spannender Cosy Crime

Von: sunnylopes
14.01.2021

Dies „ist der Auftakt einer Seebad-Krimireihe um das sympathische Ermittlerduo Viktoria Berg und Christian Hinrichs“ – so steht es am Ende dieses Buches. Das Buch kann man definitiv für sich lesen, und ich hätte ehrlich gesagt nicht unbedingt gedacht, dass es weitergeht. Aber ich könnte mir vorstellen, für einen weiteren Teil wiederzukommen :-) Die Geschichte spielt im Jahr 1912 und dreht sich um Viktoria Berg – Tochter aus guten Hause, die ihren Urlaub in der Sommerfrische von ihren Eltern spendiert bekommen hat, um die Flausen aus dem Kopf zu kriegen und standesgemäß zu heiraten. Stattdessen will sie weiterhin Lehrerin werden, ungewöhnlich zu dieser Zeit. Und um Christian Hinrichts – er stammt eher aus einfachen Verhältnissen, und ihn verschlägt es nach Norderney, um einem Geheimnis aus seiner Vergangenheit zu entfliehen.

Viktoria beobachtet zufällig, wie Christian eine Leiche aus dem Wasser zieht. Es stellt sich heraus, dass es eine ehemalige Freundin Viktorias ist, und der von der Polizei deklarierte Selbstmord kommt für sie absolut nicht in Frage! Also tun sich die beiden zusammen, denken sich einen Grund aus, warum sie ständig Zeit miteinander verbringen – denn das ging damals ja nicht so einfach! – und versuchen herauszufinden, was wirklich passiert ist. Im Gegensatz zu heute hatten sie nicht so viele Hilfsmittel, und es gestaltet sich nicht ganz so einfach. Vor allem finden sich immer mehr Verdächtige, die alle einen guten Grund haben, und man sieht in so manchen Abgrund der ach so feinen Gesellschaft – mal seicht, mal abgrundtief… Stellenweise geraten die Beiden in ordentliche Bedrängnis, so dass man zwischendurch richtig mitfiebert, ob sie es unentdeckt herausschaffen oder nicht. Ich gebe zu, ich wäre nicht auf den Täter gekommen, obwohl ich mehrmals dachte, ich wüsste die Lösung.

Man bekommt auch eine kleine Einsicht in die Art zu leben damals, ohne dass man von historischen Einzelheiten erschlagen wird, das hat mir persönlich ganz gut gefallen! Sehr lustig fand ich die Darstellung, wie Viktoria schwimmen gehen wollte und sich dafür umziehen musste. Habt ihr schon mal von Badekarren gehört? Ich noch nicht, und es ist eine aberwitzige Vorstellung… Und natürlich wurde nach Geschlechtern bzw. nach Familien getrennt. Und dann die Badekleidung… Heutzutage kaum vorstellbar…

Das Buch war sehr locker-leicht zu lesen, mal eine Abwechslung zu den ultra-spannenden Thrillern, die ich sonst lese. Was nicht heißen soll, dass es hier keine Spannung gibt! Sie ist aber ganz anders. Ich hatte keine genaue Vorstellung, wie das Buch so wird, und kann jetzt sagen, ich habe meinen allerersten Cosy Crime gelesen ;-) Wird wohl nicht mein Lieblingsgenre, gebe ich offen zu, aber es hat mir tatsächlich gut gefallen. Es ist wie gesagt mal etwas anderes, und Abwechslung beim Lesen ist doch was Tolles! Ich bin inzwischen gespannt auf den zweiten Teil. Diesem Auftakt der Reihe gebe ich gute 3,5 von 5 Sternen, da ich denke, dass es noch besser geht ;-)

Lesen Sie weiter

Ein Krimi am Vorabend des Ersten Weltkriegs

19.12.2020

Historienkrimis sind ein zunehmend beliebtes Genre. Spätestens seit Volker Kutscher seine Gereon Rath Reihe im Berlin der verklingenden Weimarer Republik ansiedelte und damit ungeahnte Erfolge feiern durfte, finden sich Nachahmer. Elsa Dix zum Beispiel, die ihren Erstling 1912 spielen lässt und somit zeitlich ansiedelt unmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg. Spielstätte ist die ostfriesische Insel Norderney, von der die in Düsseldorf lebende Autorin sagt, es sei die Insel, auf der sie am liebsten ihre Urlaube verbringe. Die alte Architektur habe in ihr die Idee zu dem Krimi reifen lassen.

So weit so gut. Ich glaube ihr ja, wenn sie in eineinhalb Seiten (!) Danksagung schreibt, der Stadtarchivar der Insel habe sie ausführlich über das Norderney des Jahres 1912 informiert. Mag ja sein. Aber leider hat Frau Dix es nicht verstanden, das in Atmosphäre umzusetzen. An keiner Stelle im Buch hatte ich das Gefühl, mich im Jahr 1912 zu bewegen. Im Gegenteil. Es war vielmehr so, als führten mich zweitklassige Schauspieler, die in die Mode der Belle Epoque gesteckt worden sind und sich darin bewegten und sprachen wie Aufziehpuppen, durch eine Kulisse. Der karge Hinweis auf den wenige Monate vor der Zeit, in der der Roman angesiedelt ist, erfolgten Untergang der Titanic oder den Einsturz einer Landungsbrücke in Binz auf Rügen, bei der 17 Menschen starben, sind nicht geeignet, das Zeitkolorit zu färben und den Lesern die Atmosphäre jener Epoche zu vermitteln. (Hier noch eine Klugscheißerei am Rand: Das Unglück in Binz war Anlass, die DLRG ins Leben zu rufen.)

Das liegt möglicherweise an den vergeblichen Bemühungen von Dix, ihren Akteuren zeitgemäße Sprache in den Mund zu legen. Dabei beweist sie weder ein glückliches Händchen noch viel Geschick. Die sprachlichen Unterschiede zwischen Adel, Großbürgertum und Arbeitern vermag sie nur unzulänglich herauszuarbeiten. Etwas Studium der Schriften der Mann-Brüder Thomas und Heinrich hätte viel dazu beitragen können. Sie missachtet außerdem den semantischen Wandel von Begriffen von damals zu heute.

Es sei nur ein Beispiel genannt. Sie verwendet den Begriff „vor Ort“ in der Bedeutung, die sich in den vergangenen zwei, drei Jahrzehnten bildete: „sich an Ort und Stelle zu befinden“. Tatsächlich bedeutete vor fast 110 Jahren „vor Ort“ – ein Begriff, der aus Sprache der Kumpel, der Bergleute, stammt – sich unter Tage aufzuhalten. Und zwar dort „vor Ort“, wo Kohle oder Erz abgebaut werden. Vor allem beherrschte das Großbürgertum und der Adel von 1912 noch die damals geltende deutsche Grammatik. Etwas, womit sich die Elsa Dix von 2020 schwer tut. Etwa in dem sie den Konjunktiv II mehrheitlich in der sprachlich-ästhetisch fragwürdigen Form mit „würde“ bildet, statt die korrekte konjugierte Verbform zu verwenden, der häufig auch noch der passende altertümliche Klang anhaftet und damit schon wieder zeitgemäß wäre.

Damals wusste man auch, dass ein deutscher Satz nach Subjekt – Prädikat – Objekt aufgebaut ist. Ein Satz wie dieser: „Und da haben Sie Ihre Eltern allein reisen lassen?“ bedeutet, dass die angesprochene Viktoria tatsächlich ihre Eltern allein wegfahren ließ. Gemeint ist aber tatsächlich, dass die Eltern ihre Tochter ohne Begleitung in die Sommerfrische reisen ließen. Wenn‘s die Autorin (leider) nicht beherrscht, sollte man zumindest vom Lektorat, spätestens vom Korrektorat erwarten, dass diese sinnentwertenden Formulierungen richtig gestellt werden.

Gleichzeitig biegt sich Elsa Dix die Realität zu Beginn des 20. Jahrhunderts so zurecht, wie sie glaubt, sie zu benötigen.

Da ist Viktoria Berg, aufsässige Tochter eines Staatsanwalts. In der dem Großbürgertum entstammenden jungen Frau schlummert der Drang nach Unabhängigkeit in einer Zeit, in der die Freiheit der Frauen von ihren Männern vorgegeben wurde. Und diese Unabhängigkeit erhofft sich Viktoria Berg erhalten zu können, indem sie Lehrerin wird. Dabei missachtet Dix, dass es zu dieser Zeit ein Lehrerinnen-Zölibat gab. Ein, natürlich von Männern geschaffenes, Verbot für Lehrerinnen zur Eheschließung. Heiratete eine Lehrerin dennoch, verlor sie ihre Privilegien wie Beamtenstatus und Pension. Und natürlich den Job. Eine Diskriminierung, auf die Elsa Dix mit keinem Wort eingeht. Und das, obwohl sie sich sonst über vieles, zu Recht, echauffiert.

Zwar erwähnt sie den Begriff „Lehrerinnen-Zölibat“, allerdings so lala nebenher, ohne es kritisch zu hinterfragen und ziemlich am Ende des Buches. Und es erweckt den Eindruck, als sei ihr dieses diskriminierende Edikt erst sehr spät zugeflüstert worden. Zu spät, um es noch sinnbringend in das weit fortgeschrittene Manuskript einzufügen.

Soweit zu den mangelnden Recherchen über das Jahr 1912, das politisch vor allem geprägt war vom Säbelrasseln Europas am Vorabend des Ersten Weltkrieges. Davon erfährt man jedoch nichts. Kein Wort auch von den Olympischen Spielen, die zu dieser Zeit in Schweden ausgetragen wurden, kein Hinweis auf den in Deutschland umstrittenen Gerhart Hauptmann, der im Dezember des Jahres den Literaturnobelpreis erhielt. Dafür umso mehr Worte um einen Fotoapparat des Typs „Kodak Brownie“ – ein Gerät aus Pappe, das damals zwei Mark kostete – mit dem der Journalist Christian Hinrichs über die Insel eilt, um im Auftrag des Chefredakteurs der „Frau von Welt“ einen Bericht über die wohlhabenden Sommerfrischler auf Norderney zu schreiben.

Dabei stößt er auf die Leiche von Henny. Sie treibt im Meer, aber weder Christian noch Viktoria glauben daran, dass Henny Selbstmord beging. Noch dazu, da Viktoria Henny kennt, die einst im Berg‘schen Haushalt lebte und der Viktoria Nachhilfe in Lesen und Schreiben erteilte.

Und auch Christian ist ein Aufsässiger, der mit den Konventionen bricht und statt wie sein Vater im Schlachthaus die Schweinehälften zu zerteilen, lieber Journalist wird. Allerdings trägt er ein düsteres Geheimnis mit sich, das zwar im Verlauf des Buches gelüftet, nicht aber gelöst wird. Und so erfährt man nicht, auf welches Schicksal Christian Hinrichs zusteuert, als er die Insel in Richtung Hamburg verlässt, wo er sich für den Tod eines Polizisten verantwortlich glaubt.

Wem das Zeitkolorit gleichgültig ist, wer eine Liebesgeschichte mag, in der der pleite gehende Adel seine schwindenden Privilegien schamlos ausnutzt und wo der Standesdünkel auch familiäre Zwietracht sät, der ist mit der auch sprachlich leichten Kost von Elsa Dix Erstling gut bedient.

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Band 2 der Porzellan-Saga, ab November 2020

Die Porzellanerbin – Gefährliche Jahre

Deutschland Ende des 19. Jahrhunderts. Die Porzellanmanufaktur Strehlow von Hardenstein hat ihr großes Ziel erreicht und alle ehrgeizigen Mitbewerber weit hinter sich gelassen. Die Zukunft des legendären Unternehmens aber liegt nun auf den Schultern der jungen Sophie, die in einem abgelegenen Bergdorf aufgewachsen ist und durch nichts auf ihre Rolle vorbereitet wurde. Erschrocken muss Sophie erkennen, dass man von allen Seiten auf ihr Verderben sinnt: beim traditionsreichen Konkurrenzunternehmen Teutschenthal, auf dem Familiengut Hohensandau, ja, in den Reihen der eigenen Familie. Mit einem Mal steht alles auf dem Spiel. Wird es der Porzellan-Erbin gelingen, die Bedrohungen zu meistern?

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