Beth Ann Fennelly
© Andy Anderson

Tom Franklin

Ich kam 1963 in dem kleinen Dorf Dickinson in Alabama zur Welt, damals ein malerischer Ort mit einer Kreuzung, an der sich ein Laden und ein Friedhof gegenüberlagen. An den Laden angeschlossen war die Post, und jeden Morgen stritten mein Bruder ich uns darum, wer mit dem Fahrrad über die bucklige Straße fahren und die Post abholen durfte. Am Ende der Straße, nach ein paar Häusern und Trailern, kam die weiße Baptistenkirche, und noch viel weiter dahinter, an der Straße zur Müllkippe, die schwarze Baptistenkirche. Das war Dickinson. Die Einwohnerzahl lag bei vier- oder fünfhundert, halb schwarz und halb weiß.

Mein Vater ist Automechaniker. Zusammen mit meinem Bruder besitzt er eine Werkstatt in Mobile, Alabama: Franklin Automotive. Ich kann für ihre Arbeit garantieren. Als ich ein Kind war, betrieb mein Vater eine Werkstatt in Grove Hill. Nach der Schule und in den Ferien nahm er mich dorthin mit. Er hat versucht, einen Automechaniker aus mir zu machen. Aber nachdem ich mein erstes Getriebe in ein Auto eingebaut hatte, ganz zu schweigen von den vielen vergessenen Teilen, trieb es mich zur Schreibtischarbeit.

1981 zog meine Familie nach Mobile, wo ich die University of South Alabama besuchte und fast neun Jahre für den Bachelor brauchte. Ich hatte wechselnde Jobs: drei Monate als Lagerarbeiter, vier Jahre in einem Werk, das Sand für Sandstrahler herstellte, vier weitere in einem Ingenieursbüro, für das ich oft vor Ort in einer Chemiefabrik war. In einem Krankenhaus, wo ich viele Stunden im Leichenkeller verbrachte, und zuletzt in einem Schreibzentrum. Und währenddessen habe ich die ganze Zeit studiert. Nach meinem Abschluss habe ich ein Jahr lang an der Selma University unterrichtet, eine traditionelle Uni für Schwarze in Selma, Alabama. Danach machte ich mit dem Schreiben Ernst und schrieb mich an der University of Arkansas für den Studiengang Kreatives Schreiben ein. Ich erlebte vier wunderbare Jahre, nicht zuletzt, weil ich meine Frau Beth Ann Fennelly dort kennenlernte. Nach dem Abschluss erklärte sich mein Agent Nat Sobel bereit, mich zu vertreten. Beth und ich heirateten im Mai 1998, und während wir auf Hochzeitsreise waren (eine billige Kreuzfahrt nach Mexiko) rief Nat an und sagte, er habe meine Kurzgeschichten verkauft, Poachers, und einen Vertrag für einen Roman abgeschlossen.

Das folgende Jahr verbrachten Beth Ann und ich getrennt. Sie hatte ein Stipendium in Madison, Wisconsin, und ich unterrichtete an der University of South Alabama (und rang mit Die Gefürchteten). Ein Jahr später zogen wir nach Galesburg, Illinois, wo Beth Ann mir einen Job am Knox College besorgt hatte. Sie stellten mich tatsächlich ein. Wir verbrachten zwei schöne Jahre und bekamen dort unsere Tochter Anna Claire.

Die Gefürchteten hätte ich schon Jahre früher fertigstellen müssen, aber da geschah ein Wunder. Der von mir verehrte Barry Hannah rief an und bot mir für den Herbst ein Aufenthaltsstipendium an der University of Mississippi an.

Wir zogen nach Oxford, Mississippi. Wir hatten geplant, ein Jahr zu bleiben, doch das Leben dort war perfekt für uns und Beth Ann fand einen Job im Fachbereich Englisch der University of Mississippi. Ich beendete Die Gefürchteten, sie schrieb Tender Hooks. Nachdem Die Gefürchteten erschienen war, stürzte ich mich in die Arbeit und verfasste Krumme Type, krumme Type. William Morris kaufte netterweise die Rechte, als ich noch nicht mehr hatte als ein vages Exposé über zwei Brüder. 2004 wurde meine Arbeit durch den Roman Smonk rüde unterbrochen, den zu schreiben nicht bloß weniger frustrierend war als die Arbeit an Die Gefürchteten, sondern ein großer Spaß. Das Buch erschien 2006, und ich konnte mich wieder Krumme Type, krumme Type widmen.

Beth Ann und ich leben immer noch in Oxford, zusammen mit unseren Kindern, und wir freuen uns sehr auf die Arbeit an einem zweiten gemeinsamen Roman. Wir unterrichten beide Kreatives Schreiben an der Ole Miss, Beth Ann ist inzwischen die Leiterin des Studiengangs. Mit anderen Worten ist sie der Boss.

Beth Ann Fennelly

Ich wurde 1971 in New Jersey geboren. Als ich fünf Jahre alt war, zog meine Familie nach Illinois, und so habe ich einen großen Teil meiner Kindheit in Lake Forest verbracht, einem nördlichen Vorort von Chicago. Ich habe die dortige Highschool überlebt (ich besuchte ein katholisches Mädcheninternat, durfte aber abends nach Hause) und besuchte dann die University of Notre Dame. Dort belegte ich meinen ersten Kurs in Kreativem Schreiben, und ich begegnete großartigen Lehrkräften, die mich der zeitgenössischen Literatur bekanntmachten (in der Schule hatte ich ein einziges Gedicht gelesen, Emily Dickinsons „Ich bin niemand! Wer bist du?“, zweifellos ihr einziges niedliches Gedicht). Während des Studiums legte ich ein Auslandssemester in London ein und lernte, das Reisen zu lieben; nach dem Abschluss verbrachte ich ein Jahr als Englischlehrerin in einer Bergarbeiterstadt an der tschechisch-polnischen Grenze.

Ich kehrte in die Staaten zurück und belegte einen Studiengang für Kreatives Schreiben an der University of Arkansas; Tommy habe ich am ersten Tag an der neuen Uni kennengelernt. Vier Jahre später haben wir unseren Abschluss gemacht und geheiratet. Ich verbrachte ein Jahr als Diane Middlebrook Fellow an der University of Wisconsin und unterrichtete dann zwei Jahre lang am Knox College in Galesburg, Illinois. In dieser Zeit veröffentlichte ich meinen ersten Gedichtband, Open House, für den ich den The Kenyon Review Prize erhielt, den GLCA New Writers Award und einen Pushcart Prize.

2001 zogen wir mit unserer zwei Monate alten Tochter nach Oxford, Mississippi. Tommy unterrichtete ein Seminar über die Lyrik von Elizabeth Bishop. Es war ein großes Familienabenteuer (inzwischen war unser Sohn Thomas zur Welt gekommen), und ich schätzte mich glücklich zu sehen, dass meine Lieblingsdichterin sich in einer so schönen Gegend mit so warmherzigen Menschen niedergelassen hatte, mit frischgepressten Säften und brutzelndem Grillfleisch, mit Tanzpartys und Affen, die in der Schule meiner Kinder durch die Fenster einstiegen und ihnen die Bananen aus der Hand rissen.

Inzwischen leben wir wieder in Oxford, keine drei Kilometer von Faulkners Rowan Oak entfernt. Hinter unserem kleinen Haus steht eine Tischtennisplatte, manchmal lasse ich Tommy gewinnen. Morgens kann ich unseren Sohn zu Fuß zur Schule bringen, und dann fahre ich mir Rad zur Arbeit, die ich sehr liebe. Einen Studiengang zu leiten ist sicherlich eine große Herausforderung, aber wann immer ich mich erschöpft fühle, wirken die Erfolge meiner Studierenden wie eine Infusion. 2011 wurde ich zur Liberal Arts Outstanding Teacher of the Year ernannt. Außerdem bin ich Pilates-Trainerin und helfe in der Grundschule als Assistentin aus. Ich fürchte, dass ich, was mein eigenes Schreiben betrifft, auf die dunkle Seite gewechselt bin, denn nachdem ich jahrelang ein Loblied auf die Lyrik gesungen habe, freue ich mich auf den zweiten Roman mit Tommy. Bis dahin genießen wir die drei Ergebnisse unserer anderweitigen Zusammenarbeit – 2011 kam Nolan zur Welt.

Beth Ann Fennelly über die gemeinsame Arbeit an "Das Meer von Mississippi"

Nachdem mein Mann und ich bei einer Lesung einen Ausschnitt vorgetragen haben, beginnt die Fragerunde, und jedes Mal, wenn die erste Hand in die Höhe schießt, fragt jemand: „Wie haben Sie es geschafft, ein Buch zusammen zu schreiben?“, um dann lächelnd zu ergänzen: „Und immer noch verheiratet zu sein?“

Manchmal spüre ich, dass der Fragende am liebsten etwas über Paartherapie, Selbsthilfegruppen und vielleicht sogar häusliche Gewalt hören möchte. Die Wahrheit ist weniger glamourös: Mein Mann und ich haben einen Roman zusammen geschrieben, ganz ohne uns zu streiten. Beim Zusammenbau eines Kinderbetts von IKEA gab es mehr Streit (und als es fertig war, hätten wir tatsächlich fast eine Eheberatung gebraucht). Einmal haben wir uns auf einer Fahrt nach Nebraska so heftig gestritten, dass wir danach beschlossen, die Schuld auf Nebraska zu schieben. Wir sind nie wieder dort gewesen und nehmen den Schwur bis heute sehr ernst – als wir letzten Sommer von Mississippi nach Wyoming fuhren, nahmen wir einen langen Umweg in Kauf, um nicht Nebraskas Boden zu berühren.

Doch während der Arbeit an Das Meer von Mississippi gab es keinen Streit. Mit jemandem zusammenzuarbeiten, kann auch belastend sein, aber uns hat es Spaß gemacht. Schreiben ist eine einsame Tätigkeit; nachdem ich vier Bücher allein verfasst hatte, schrieb ich nun einen Roman mit meinem besten Freund.

Nicht, dass es immer leicht gewesen wäre. Wir haben lange gebraucht, unseren Weg zu finden. Ehrlich gesagt hat es sogar lange gedauert, bis ich mir die Zusammenarbeit mit Tommy vorstellen konnte – vor diesem Buch hatte ich Essays und Gedichte geschrieben und Tommy oft damit geärgert, ich könne niemals „tief genug sinken“, um einen Roman zu schreiben. Aber dann hatte er mich an der Angel.

Ich biss an, als wir zusammen eine Kurzgeschichte mit dem Titel „What His Hands Had Been Waiting For“ geschrieben hatten, ein kleines Projekt, das als Jux begonnen hatte. Aber die Geschichte funktionierte und wurde in einigen Anthologien abgedruckt, darunter den Best American Mystery Stories. Kurz darauf ermutigten uns Tommys Agent und meine Agentin (zufälligerweise ebenfalls ein Paar), aus der Geschichte einen Roman zu machen. Wir willigten ein, weil uns die Figuren, die wir für die Geschichte erschaffen hatten, nicht mehr aus dem Kopf gingen. Sie hatten mehr zu sagen. Außerdem war die Recherche so interessant gewesen – die Geschichte spielte vor dem Hintergrund der großen Mississippiflut des Jahres 1927 –, dass wir fast enttäuscht waren, nicht mehr davon verwendet zu haben.

Wir erklärten uns bereit, die Geschichte zu erweitern und binnen zwölf Monaten eine erste Fassung vorzulegen. Am vereinbarten Termin kam uns etwas ganz anderes dazwischen – unser drittes Kind. Es hat den Roman in vielerlei Hinsicht inspiriert, denn die weibliche Hauptfigur Dixie Clay kümmert sich um ein verwaistes Baby; es war schön, das schlafende Kind in meinem Arm zu beobachten und mit der anderen Hand zu schreiben, wie Dixie Clay ihr schlafendes Kind im Arm hält und währenddessen Whiskey brennt.

Doch abgesehen von dem Chaos in unserem Haushalt, zu dem nun auch noch ein Baby kam (unsere anderen Kinder waren zehn und sechs), kamen wir mit der Arbeit nur sehr langsam voran. Die Art und Weise, in der wir die Kurzgeschichte verfasst hatten – einer schrieb etwas und mailte es dem anderen, der den Text überarbeitete und zur weiteren Bearbeitung zurückmailte und so weiter – erwies sich bei diesem längeren Projekt als mühselig. Außerdem passten unsere Tagesabläufe nicht zusammen. Ursprünglich war es unser Plan gewesen, dass Tom aus der Perspektive einer Männerfigur schrieb – Ted Ingersoll – und ich aus der von Dixie Clay. Aber Tommy war mit seinem vorherigen Buch Krumme Type, krumme Type auf Lesereise und es kam ständig zu ärgerlichen Verzögerungen. Die Magie wollte sich nicht einstellen. Eines Tages, Tommy war wieder mal unterwegs, wurde mir klar, dass ich mit Dixie Clay nicht weiterkam, solange ich nicht wusste, was Ted Ingersoll tat, und da nahm ich mir die Freiheit, auch diese Figur näher zu ergründen. Ab da panschte der eine im Text des anderen herum. Allmählich kam alles zusammen, und wir überraschten uns selbst und einander.

Wir entwickelten die Zusammenarbeit weiter und fingen an, ganze Szenen gemeinsam zu entwerfen, Knie an Knie in meinem winzigen Arbeitszimmer, wir redeten und schrieben und verflochten Wörter zu Sätzen. Und ab da nahm der Roman Fahrt auf, die Arbeit machte Spaß und wir begannen die Phase der „wetteifernden Laptops“, in der wir nebeneinandersitzend dieselbe Passage schrieben und einander laut vorlasen, diskutierten, uns einigten und weitermachten. Einer beendete die Sätze des anderen. Sicherlich war es nicht die kürzeste Route, denn zu zweit einen Roman zu schreiben bedeutet nicht geteilte Arbeit, sondern doppelt so viel. Aber es war neu und aufregend, den Text seiner besseren Hälfte zu lesen und noch einmal zu verbessern. Einander nicht ein gefeiltes Manuskript vorzulegen, sondern ungefilterte Ideen und halbgare Sätze, war intim und berauschend.

So berauschend, dass wir nun, da Das Meer von Mississippi draußen in der Welt ist, mit dem Gedanken spielen, ein weiteres Buch zusammen zu schreiben. Werden wir uns diesmal streiten? Vielleicht. Wahrscheinlich. Wenn nicht über den Roman, dann vielleicht, weil unser Baby mit drei Jahren kein Baby mehr ist und irgendjemand das Babybett auseinanderbauen muss. Das neue Stockbett wurde bereits geliefert, auf dem Karton steht „Zusammenbau erforderlich“. Ich fürchte, wir werden einen Streit anfangen, den man bis Nebraska hören kann.

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Rezept: Floodwater Punch

Das Meer von Mississippi hat Jayce McConnell, Barmann in der Snackbar in Oxford, Mississippi, zum folgenden Rezept für einen Floodwater Punch inspiriert:

  • 2 Flaschen Buffalo Trace Bourbon (à 750 ml)
  • 1 Flasche Orangen-Ingwer-Shrub (Rezept s. unten) (750 ml)
  • 1 Flasche Dolin Rouge Sweet Vermouth (750 ml)
  • 1 Flasche Cathead Pecan Vodka (750 ml)
  • 60 ml Angostura Bitter
  • 4 Liter Ginger Ale

Alle Zutaten in einer großen Bowlenschüssel auf einem großen Eisblock vermischen. Ergibt ca. dreißig Portionen à 120 ml.

Orangen-Ingwer-Shrub

  • 15 Orangen
  • 1 Tasse Ingwerpüree (oder 2 Tassen gehobelten Ingwer, frisch)
  • 2 Tassen Rohrzucker

Orangen schälen und die Schalen ohne Fruchtfleisch in eine Plastikschüssel geben. Ingwer und Zucker hinzufügen und 4 bis 5 Minuten lang vermengen, bis alle Schalen bedeckt sind. Eine Stunde bei Zimmertemperatur ruhen lassen.
In der Zwischenzeit die Orangen zu Saft verarbeiten.
Saft und Schalen vermischen, bis der Zucker sich aufgelöst hat und eine homogene Flüssigkeit entsteht. Kerne und Schalen mit einem feinen Sieb abseihen.
In sauberen Glasflaschen bis zu eine Woche haltbar.

"The Tilted World": Der Sound des Buches

„Down Hearted Blues“
von Bessie Smith: Dieses Lied spielt Ingersoll dem Baby auf der Mandoline vor, als Dixie Clay ihn auf der Veranda entdeckt.

„When the Levee Breaks“
von Memphis Minnie: Memphis Minnie schrieb diesen Song mit ihrem Ehemann Joe McCoy; später hat Led Zeppelin ihn gecovert. Ingersoll hört, wie die afroamerikanischen Deicharbeiter ihn singen, als er Patrouille reitet.

„Rosie“ oder „Be My Woman, Girl (I’ll Be Your Man)“ und „Early in the Morning”
sind zwei Lieder, die Alan Lomax live im Parchman Prison aufgenommen hat, weil „sie einer Tradition angehören, die die Afrikaner in die Neue Welt getragen haben, und gleichzeitig sind sie so amerikanisch wie der Mississippi.“ Als er in seiner Zelle sitzt, spielt Ingersoll sie auf dem selbstgebastelten Diddley Bow.

„Blind Pig Blues“
ist der Song, den Ingersoll Dixie Clay auf dem Weg nach Greenville in einer ruhigen Minute vorsingt. Geschrieben hat ihn Barbeque Bob – ich wünschte, wir könnten uns alle einen Hocker schnappen und bei Tidwell’s Barbeque nördlich von Atlanta Pulled Pork essen, während Barbeque Bob diese Melodie spielt.

„Back Water Blues“
von Bessie Smith: Kein Stück wird enger mit der Flut von 1927 in Verbindung gebracht als dieses, dabei hatte Smith es eigentlich über das Hochwasser in Nashville 1926 geschrieben und kurz vor dem Dammbruch bei Mounds Landing veröffentlicht. Die besungenen back waters sind ehemalige Flussbetten, die vorsätzlich geflutet wurden, um den Druck von den Deichen am Hauptstrom zu nehmen. „Back water blues done call me to pack my things and go“, singt sie, „’Cause my house fell down and I can’t live there no more.“

„Mississippi Heavy Water Blues“
stammt ebenfalls von Barbeque Bob und wurde von Doc Watson gut gecovert, dennoch favorisieren wir die Banjoversion von Roscoe Holcomb. Während der Flut wurde über eine Million Menschen obdachlos, und dieses Lied erzählt von zwei von ihnen. „I’m in Mississippi, with mud all in my shoes / My girl in Louisiana with those high water blues.“ Später heißt es: „Listen here, you men / one more thing I’d like to say / Ain’t no womens out here / for they all got washed away.“ Jahre später wurde der Song bei Barbeque Bobs Beerdigung gespielt; er starb mit neunundzwanzig Jahren an der Grippe.

„High Water Everywhere“
von Charlie Patton. Falls Sie den Text nicht verstehen, sind Sie nicht allein – selbst Son House (der wie Howlin‘ Wolf von Patterson beeinflusst wurde) fand Pattons Texte bisweilen unverständlich, was aber letztendlich vielleicht auch egal ist. Patton wollte die Leute zum Tanzen bringen und eine spritzige Show abliefern (er spielte die Gitarre hinter dem Rücken oder zwischen seinen Beinen, er warf sie hoch, fing sie auf und spielte weiter). In „High Water Everywhere“ sind das typische Trommeln auf dem Korpus und seine Riffs zu hören; es lässt die wachsende Spannung angesichts der nahenden Flut erahnen. „Back water done rose at Sumner“, singt Patton, „drove poor Charlie down, down the line”. Das Wasser steigt in Leland und Greenville, dann in Rosedale und Vicksburg, zuletzt im Sharkey County und in Stovall. Patton möchte sich gern ins Hügel retten, „but they got me barred“. 1927 war die Ära der Drei-Minuten-Single noch nicht zu Ende, was erklärt, warum dieser Song aus zwei Teilen besteht.

„High Water Everywhere“
Bob Dylans Tribut an Charlie Patton aus dem Jahr 2001.

„Louisiana 1927“
ist eine mitreißende Klage von Randy Newman aus dem Jahr 1974 und wurde nach dem Hurrikan Katrina von Newman, Aaron Neville und anderen gespielt, um auf die Opfer der Katastrophe aufmerksam zu machen und Spendengelder einzusammeln.

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